Dienstag, 28. April 2015

Daniel Pennac: Wie ein Roman


Voller Witz, Charme und Intelligenz schreibt Daniel Pennac gegen Leseverdrossenheit und Bildungsdruck. Er plädiert für einen entspannten Umgang mit Büchern und die unantastbaren Rechte des Lesers. (Klappentext)
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Dieses kleine Büchlein ist schwer in eine Kategorie zu packen: Irgendwo zwischen Essay und Memoiren; bei Goodreads war die Rede von einem  pädagogischen Essay. Wobei das sehr lahm klingt, was nicht zutrifft.

Pennac schreibt in luftiger Sprache über die Freuden des Lesens.
Das Buch besteht aus mehreren Teilen. Zuerst beschreibt Pennac die Entwicklungen seines Sohnes, der wie jeder erst mal Geschichten liebt, dann in der Schule zum Lesen verdammt wird und zwangläufig Lesen so als lästige Pflicht empfindet. Wie die Eltern des sich sträubenden Jungen wieder zu den Büchern gebracht haben, kann man hier nachlesen, aber auch, wie ein besonderer Lehrer eine Hauptschulklasse in begeisterte Bücherwürmer verwandelte.
Ohne es zu wissen, entdeckten wir eine der wesentlichen Funktionen des Erzählens [...], nämlich dem Kampf der Menschen Einhalt zu gebieten. Der Liebe wuchs dabei eine neue Haut. Es war gratis.
In beiden Fällen ist die Grundlage denkbar einfach: Lasst sie lesen, was ihnen gefällt, bietet ihnen Geschichten an, ohne sie zu den guten zwingen zu wollen und vor allem, ohne zur Analyse zu zwingen. Wer so frei Literatur entdeckt, kommt von alleine irgendwann dazu, das Gelesene zu überdenken, zu vernetzen und das Gute vom Schlechten zu trennen.

Alles natürlich ein bisschen sehr idealistisch, aber gleichzeitig auch viel Wahres. Und vor allem ist es eine Ode an das Lesen selbst. Das Büchlein endet mit den zehn Rechten des Lesern (zehn, laut Autor, da es so verlockend war, die Analogie zu den restriktiven zehn Geboten zu haben).

Bei all dem bleibt der Zeigefinger immer unten; Pennac schreibt humorvoll und als hätte er das alles gerade erst erlebt. Ob es sich wirklich um Erlebtes handelt, weiß ich nicht.
Sobald sich die Frage nach der Zeit zum Lesen stellt, heißt das, daß die Lust fehlt. Denn genau besehen hat nie jemand Zeit zu lesen.
Ich habe mit diesem Buch etwas getan, das ich sonst nie tue: Ich nahm einen Kuli und schrieb meinen Namen hinein, ich nahm einen gelben Marker und verewigte meine Lieblingssätze. Ich habe mir dieses Buch zu eigen gemacht und werde sicher noch oft hindurchblättern.

1 Kommentar:

  1. Bore da, Cat.
    Ein eigenes Buch zu individualisieren ist doch eine sympathische Idee, finde ich.

    Möglicherweise ließe sich der Text auch einfach unter "Gedanken" zum Thema Lesen subsummieren. Klingt direkter & konkreter.

    Jetzt abgesehen von Mao-Bibeln und ähnlicher Propaganda, eröffnen einem normale Bücher den Blick auf das Leben in der Welt. Lesen ist die Feldarbeit im Acker des eigenen Geistes.

    bonté

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