Montag, 20. April 2015

Barry Jonsberg: Das Blubbern von Glück (Hörbuch)

Candice Phee lebt in Albright in Australien. Ihre Familie ist ein Trümmerhaufen: Der Vater ist in seinem Beruf unglücklich und mit dem eigenen Bruder auf Kriegsfuß, die Mutter leidet unter einer Depression und dann ist da auch noch Sky, Candice' tote kleine Schwester. Da das Leben weiter gehen muss, beschließt Candice, ihre Familie wieder glücklich zu machen, und lässt sich die aberwitzigsten Mittel dazu einfallen. Auf ihrem Weg begleiten die ihr reicher Onkel Brian, ein gottesfürchtiger Goldfisch und ihr neuer Klassenkamerad Douglas aus einer anderen Dimension.

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Candice hat seit dem Tod ihrer Schwester die Lust am Reden verloren und ein einige Zwangsstörungen entwickelt. Trotzdem sieht sie die Welt irgendwie bunter als alle anderen. Als sie die Hausaufgabe bekommt, zu jedem Buchstaben des Alphabets einen Absatz über sich zu schreiben, will sie ausführlich über sich und ihre Mitmenschen berichten. Das Ergebnis ist Das Blubbern von Glück.

Candice ist vielleicht nur die Sonnenscheinversion einer echten Autistin, aber nichtsdestotrotz konnte ich nicht anders, als sie ins Herz zu schließen. Wo andere Fehler sehen, sieht sie Stärken, und sie ist allen Menschen freundlich gesinnt, wenn ihr auch längere Gespräche Probleme bereiten. Das war einfach nur sympathisch, und die kleinen Macken wie festgelegte Wortwahl (Brian ist nie nur Brian, sondern stets reicher Onkel Brian) haben mich bei dem Hörbuch nicht gestört.

Die schwierige Familiensituation der Phees wurde in vielen, teils aggressiven, teils traurigen Dialogen eingefangen, die ich sehr überzeugend fand. Da rastet auch mal ein Elternteil aus. Die meisten Autoren scheinen solchen Dialogen aus dem Weg zu gehen. Laura Maire bringt so viele Zwischentöne unter, dass man jede Figur deutlich vor sich sieht. Kein Wunder, dass die junge Sprecherin bereits zweimal den Deutschen Hörbuchpreis gewonnen hat (für Schattengrund und Nichts. Was im Leben wichtig ist).

Was mir öfters negativ aufgefallen ist, sind die deutlichen Kürzungen der Geschichte. Bei dem Vergleich mit dem Buch anhand der Leseprobe hatte ich den Eindruck, im Buch deutlich mehr von Candice' Charakter zu sehen zu bekommen. Sätze wurden zusammengestrichen, die mehr von Candice' Weltsicht zeigen, der ja immerhin die Geschichte trägt und auch so liebenswert macht. Wirklich schade, denn wie gesagt ist die Lesung ganz toll.

Der zweite Minuspunkt geht an das unbefriedigende Ende, und ich beschwere mich nicht leichtsinnig über ein Buchende. Auch nach zweimaligem Anhören habe ich immer noch den Eindruck, dass die Geschichte zu offen endet. Ich liebe offene Enden, aber hier werden die Dinge nicht richtig zu Ende geführt, über die ich nichts sagen kann, ohne zu spoilern. Darum habe ich sie versteckt, wer das Buch schon gelesen und keine Ahnung hat, was ich meine, der klicke hier:



Dass Douglas immer noch glaubt, aus einer anderen Dimension zu kommen, und seine Eltern den Ernst der Lage immer noch nicht begriffen haben, hat mich gestört. Auch, dass am Ende des Buches noch keine Besserung für Candice' Mum in Sicht ist, wogegen ihr Dad glücklich ist. Ja, klar, es besteht die Möglichkeit, dass die Reise in die USA stattfindet, aber es ist keine feste Sache. Ist vielleicht Haarspalterei, aber ich finde, gerade Mum Phee hätte mal ne Pause gebrauchen können. Und über Sky's Tod wurde auch nicht wirklich gesprochen, was doch soo wichtig gewesen wäre.

Insgesamt hat mir das Hörbuch Spaß gemacht, aber eine vollständige Lesung wäre bei Weitem besser gewesen. Leider kann ich auch nicht mit Sicherheit sagen, ob meine restlichen Eindrücke auch mit den Kürzungen erklärbar sind.

Dieses Hörbuch wurde mir von Random House zur Verfügung gestellt.
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Buch auf Leseliste setzenBarry Jonsberg: Das Blubbern von Glück. Gelesen von Laura Maire
Gekürzte Lesung, Der Hörverlag, 2014.
ISBN 978–3–8445–1577–0

Kommentare:

  1. Was deine Probleme mit dem Ende angeht, so habe ich schon das Gefühl, dass du mit dem Nichtgesagten ohne Kürzungen besser zurechtkommen würdest. Auf der anderen Seite finde ich es auch stimmig, dass nicht alles aufgelöst wird. Einige Probleme lassen sich in Angriff nehmen, andere Dinge werden sich so schnell nicht ändern, aber es gibt einen Hoffnungsfunken - für mich war das okay.

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    1. Auf jeden Fall vermute ich dasselbe; offene Enden sind absolut kein Problem für mich, und wie du sagst, ist das hier auch angebracht. Nur hatte ich den Eindruck, dass alles zu lose zusammengeführt wurde. Wenn ich mal das Buch in die Hand bekommen sollte, will ich auf jeden Fall noch mal das Ende in seiner ganzen Pracht lesen.

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  2. Salut, Cat.
    Ich denke Hörbücher leiden noch mehr unter der Prämisse sowohl wirtschaftlich wie künstlerisch "funktionieren" zu müssen. Im Grunde ein Widerspruch. Einer allerdings, dem sich Kunst seit jeher ausgesetzt sieht und hat.

    Für Dein abschließendes Urteil bleibt Dir nur die Lektüre der Vorlage - es gibt schlimmere Wege zur Erkenntnis, denke ich. ;-)

    Schönen Montag!

    bonté

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