Mittwoch, 18. März 2015

Was vom Tage übrig blieb (Film)

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Vor dieser Filmvorstellung habe ich mich ein wenig gedrückt. Schon vor drei Wochen habe ich mir Was vom Tage übrig blieb mit meinem wenig begeisterten Bär angesehen.
Der Film ist, wie man vom Roman her vermuten kann, von der stillen, langsamen Sorte.

Einige Dinge werden im Film mehr herausgekehrt als im Roman. Zum Beispiel ist im Film ganz klar, dass Stevens ehemalige Kollegin Miss Kenton (Emma Thompson) in ihre Anstellung in Darlington Hall zurück will. Denn sie und ihr Mann haben sich getrennt. Das war in der Vorlage nicht so. Vielmehr war es Stevens, der anhand einiger Formulierungen in Miss Kenton Brief annahm, es könne sein, dass sie ihren Job wieder haben wollte. Und Probleme mit ihrer Ehe gibt es auch keine, jedenfalls nicht so gravierende.

Aber die meisten dieser Veränderungen kann ich nachvollziehen: Die Geschichte lebt im Buch von Stevens Erzählerposition, seinem einseitigen Blick auf alles. Was Ishiguro auch meisterhaft kann ist, mit kleinen Wörtern und Bewegungen der Figuren Gefühle und sich anbahnende Entwicklungen nur anzudeuten. Das war mein Grund, diesen Roman irgendwie zu lieben.

Der Film wird dadurch wie gesagt langsam, obwohl man Stevens so viel mit seinem Master reden lässt, das es dem echten Stevens die Schamesröte ins Gesicht getrieben hätte.

Schade fand ich, wie die Vater-Sohn-Beziehung der beiden Stevens' verändert wurde. Da hatte ich den Eindruck, man muss schon sehr raten, um die beiden so zu verstehen, wie sie im Buch gezeichnet werden.

Aber weiter zu den sehenswerten Dingen: Einen Film, der auf einem britischen Adelssitz spielt und aus Perspektive der Bediensteten erzählt wird, finde ich immer sehenswert, weil alles so genial organisiert ist und der Pomp und Kitsch so schön mit den Hausangestellten kontrastiert. Daneben sind Emma Thompson und Anthony Hopkins auch immer ein Pluspunkt. Wer den Film wegen Hugh Grant sehen will, wird enttäuscht, da der eine recht kleine Rolle besetzt (und nicht halb so viel betreten und überrumpelt blinzelt, wie er in der Rolle gekonnt hätte).

Insgesamt fand ich den Film inzwischen doch etwas gealtert und bieder. In dieser Runde siegt Ishiguros Vorlage um Längen.

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Was vom Tage übrig blieb (OT: The Remains of the Day)
UK, USA 1993
Regie: James Ivory
Musik: Richard Robbins
{IMDb}{Moviepilot}

Kommentare:

  1. Good afternoon, Miss Cat.
    Obschon ich eine Schwäche für Stil, Zeit & Sujet solcher very british films hege ('Zimmer Mit Aussicht' trat da eine ganze Reihe solcher Werke los), blieb mein Ohr-Männlein bei Obigem seltsam stumm. Nicht ein Mux regte sich. Jetzt ganz im Gegensatz zu einem 'Gosford Park'. Einzig wegen einer Nebenrolle von Lena Headey ist mir 'Was Vom Tage Übrig Blieb' nach wie vor im Hinterkopf.

    Einmal weit aus dem Fenster gebeugt könnte ich die Vermutung äußer, die Verfilmung war bereits anno 1993 altbacken & bieder.

    bonté

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    1. Zimmer mit Aussischt ist toll. Buch und Film. Und Gosford Park ist ... genial. Mit Lena Headey kann ich nicht viel anfangen, für mich ist Emma Thompson ein Grund, einen Film anzusehen.

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    2. ...zu Emma Thompsons schauspielerischer Vielfalt bleibt einem nur lobende Anerkennung übrig. Ob 'Peter's Friends', 'Much Ado About Nothing' , 'Dead Again' oder 'Sense And Sensibility'. Ihr Tagebuch zur Produktion des Letzteren ist da auch nicht weniger als lesenswert.

      bonté

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  2. Hm, ich muss zugeben, dass ich mich an den Film nur noch vage erinnern kann ... Ist wohl schon zu lange her, dass ich ihn gesehen habe. Vielleicht sollte ich mal wieder? Oder doch das Buch lieber noch mal lesen? Das ist nämlich auch schon so lange her ...

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    1. Ich rate zum Buch ;) Das ist es wirklich wert und ich denke, das ist auch eins von den Büchern, die einem mit jedem Lesen etwas Neues geben können. Bei dem Film bin ich da nicht so sicher (den hatte ich übrigens auch schon in der Schule gesehen und fast komplett vergessen, spricht also nicht für den Film...).

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  3. Ich muss gestehen, dass ich diesen Film noch nicht einmal durchgehalten habe! Eine Freundin von mir hat den damals (also als der in Deutschland auf Video erschien :D) geliebt und ihn gern zu gemeinsamen Videonächten angeschleppt. Ich bin jedes Mal nach der ersten Viertelstunde eingeschlafen (was auch nicht so schlecht war, denn dann war ich zu meinen Lieblingsfilmen wieder wach ;) ) und habe ihn bis heute nicht einmal beenden können. Vielleicht sollte ich mal einen Versuch mit dem Buch wagen, um die Geschichte wenigstens einmal beendet zu haben.

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    1. Ha, hat der Film doch einen guten Zweck erfüllt :P
      Ich find ja, wenn's einem nicht gefällt, sollte man sich nicht quälen, aber das Buch fand ich schon gut. Muss immer noch öfters daran denken. Den Film habe ich bereits wieder halb vergessen.

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