Freitag, 20. März 2015

Malala Yousafzai mit Christina Lamb: Ich bin Malala

Ich bin MalalaAm 9. Oktober 2012 wird die junge Pakistanerin Malala Yousafzai auf ihrem Schulweg überfallen und niedergeschossen. Die Fünfzehnjährige hatte sich den Taliban widersetzt, die Mädchen verbieten, zur Schule zu gehen. Wie durch ein Wunder kommt Malala mit dem Leben davon. Als im Herbst 2013 ihr Buch "Ich bin Malala" erscheint, ist die Resonanz enorm: Weltweit wird über ihr Schicksal berichtet. Im Juli 2013 hält sie eine beeindruckende Rede vor den Vereinten Nationen. Barack Obama empfängt sie im Weißen Haus, und im Dezember erhält sie den Sacharow-Preis für geistige Freiheit, verliehen vom Europäischen Parlament. Malala Yousafzai lebt heute mit ihrer Familie in England, wo sie wieder zur Schule geht. (Verlag)
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Obwohl ich fasziniert und interessiert Malalas Lebensgeschichte gelesen habe, wurde mir schon sehr bald klar, dass ich viel lieber ein Buch gelesen hätte, dass von Malala allein geschrieben ist. Manchmal war der Ton einfach seltsam, schwankte zwischen mädchenhaft und besserwisserisch – ich hätte einfach gerne Malala selbst gehört anstatt mich immer zu fragen, wie viel von Christina Lamb darin steckt.

Ansonsten fand ich diese Biographie spannend, informativ und mir wurde nie langweilig. Es gibt viel zur pakistanischen oder besonders der paschtunischen Kultur zu lesen.

Einige Leser könnten vielleicht mehr von diesem Text erwarten als hier zu bekommen war: Mehr Bewertung, mehr Hintergrundinformationen zu dem, was in Pakistan vorfiel und wie das alles international im Zusammenhang steht, aber wahrscheinlich ist das nicht die vorrangige Aufgabe einer Biographie, vor allem einer Autobiographie.

Es wird sicher mal gute Sachbücher geben, die die Verwicklung der Yousafzais mit Fokus auf Pakistan und internationale Politik untersucht, aber hier liegt das Augenmerk natürlich auf der Familie und die Ereignisse in der Politik kommen erst danach.

Das heißt nicht, dass man als Ottonormalzeitungsleser nicht hinterherkommt. Es ist eben nur nicht das Buch, das ich für einen Rundumschlag an Informationen empfehlen würde.

Jetzt hoffe ich, einmal einen Band von Malala allein in Händen halten zu können.

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Malala Yousafzai, Christina Lamb: Ich bin Malala. Knaur, 2014.
Buch auf Leseliste setzenISBN 9783426786895

Kommentare:

  1. "...– ich hätte einfach gerne Malala selbst gehört anstatt mich immer zu fragen, wie viel von Christina Lamb darin steckt."

    Das Gefühl kenne ich, so geht es mir oft, wenn ich Biografien von relativ jungen Personen lese - weshalb ich das inzwischen nicht mehr tue. ;) Überhaupt bevorzuge ich es inzwischen, wenn ich entweder eine Autobiografie in die Finger bekomme oder einen Text, bei dem klar ist, dass ein (möglichst professioneller) Autor über eine andere Person schreibt.

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    1. Ja, das ist auch meine Lehre aus dem Ganzen. Was soll ich sagen: Das Buch war verfügbar, ich hab's genommen :) Und jetzt weiß ich, was ich davon habe.
      Bei verstorbenen Personen wie P. L. Travers, deren Biographie ich angefangen habe zu lesen, ist das nicht so wild, aber ja, bei denen, die noch unter uns weilen, bin ich dann demnächst auch kritischer und würde wenn möglich eine Autobiographie nehmen.

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    2. Auf die Biografie von P.L. Travers bin ich auch noch neugierig! :D Bei solchen Texten gehe ich auch oft davon aus, dass es einfach schwieriger ist bestimmte Punkte sicher zu klären und dass man da nur anhand von Dokumenten vermuten kann, wie es der Person ergangen ist. Während bei noch lebenden Menschen doch manchmal alle Fragen lösen könnte, wenn man sich nur mit ihnen in Kontakt setzt. _

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    3. Bei Travers kommt noch erschwerend hinzu, dass sie selbst gerne und häufig falsche Fakten verbreitet hat, wenn es um ihre Biografie ging. Aber dazu dann später mehr ;)

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  2. Grüß Dich, Cat.
    Vielleicht sollte man/frau solche Bücher eher als Auto- /Biografie führen, wenn dem Verlag ein rein autobiographischer Text - aus welchen Gründen auch immer - riskant erscheint. So wie Du es schreibst, treffen hier Malalas direkte Texte auf die gebalte Schreib- & Landeserfahrung einer engagierten Journalistin. Möglicherweise wäre eine definitive Trennung beider Textstandorte besser im Ergebnis geworden.

    Dennoch erscheint mir das Buch per se wichtig genug.

    bonté

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