Montag, 2. Februar 2015

Lois Gould: Morgantina, die Hexe der Königin

Lois Gould: Morgantina, die Hexe der Königin

Darum geht's

Der König prunkt mit einem Reichtum, den er nicht hat, gebärdet sich als Potentat, der er nicht ist. Die Politik bei Hofe aber bestimmen andere. Morgantinas Geschichte, die an einem Fürstenhof der Renaissance spielt, fasziniert wegen der brisanten Mischung aus freiem Spiel der Phantasie und historisch exakten Details – sie ist zugleich historischer Roman und Märchen für Erwachsene. (Klappentext)

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Die Geschichte spielt an einem Hof, der derjenige von Heinrich II. von Frankreich sein könnte. Wenn da nicht diese Märchenelemente wären und die surrealen Szenen, in denen Königin Catharina und ihre Zwergin Morgantina auf einer Reise eine Höhle betreten, in der plötzlich Blumen erblühen.

Das Buch beginnt mit einem kurzen Prolog, in dem Catharina von ihrer Schwester die Zwergin geschenkt bekommt. Diese beiden werden auch die Hauptfiguren sein (der Klappentext könnte etwas missverständlich sein).
Spricht es – sprichst du? Catharina stieß die Kreatur mit dem Finger an.
Gewiß, Euer Hoheit. Ich bin recht sprachgewandt.
Heinrich, was soll ich es fragen?
Der König hob die Schultern und bewegte sich behutsamen Schrittes rückwärts auf die Tür zu.
Hast du Verstand? flüsterte Catharina und zwickte die Kreatur zögernd in die Seite. Bist du zu Scherzen aufgelegt?
Ich bin ein Scherz, sagte Morgantina.
Der König ist ein Waschlappen (sowohl als Herrscher als auch in seinen ehelichen Pflichten), Catharina hartherzig und gemein.
Morgantina ist eine sehr interessante Figur, bestimmt der Grund für den deutschen Titel. Im Original heißt der Roman "Subject to change", was eher einen Hinweis auf den unbestimmten Handlungsverlauf gibt.

Es gibt nur noch zwei weitere Figuren: Diana, die Geliebte des Königs, eine auf unheimliche Art stets jung aussehende ältere Frau mit einem ebenso unheimlichen grünen Daumen, und Cornelius, ein Scharlatan, der als Maler, Dichter und Arzt in den Dienst Seiner Majestät tritt und dessen Absichten ganz und gar ungut zu sein scheinen.

Außer Morgantina bleiben aber alle Figuren etwas oberflächlich und selbst bei der Zwergin hat man am Ende nicht viel zu Greifen bekommen. Insgesamt ein sehr seltsames Buch. Man wusste nie, was vor sich geht oder wo das alles hinführt, was die Figuren wollen.
Ich fand das mit jeder Seite frustrierender, weil die Sprache Goulds einzigartig ist. Sie hat eine ganz eigene Art zu erzählen und auch die Atmosphäre des Romans ist greifbar düster. Aber am Ende schien es mehr um dieses Erzählen selbst zu gehen als um die Figuren und deren Entwicklung. Denn wie der Originaltitel sagt: Alles ist dem Wandel unterworfen, aber die Worte bleiben.

Buch auf Leseliste setzenLois Gould: Morgantina, die Hexe der Königin. Klett-Cotta 1989.
ISBN 3608956220

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