Dienstag, 10. Februar 2015

Isaac Marion: Mein fahler Freund (Warm Bodies)

Mein fahler Freund (Warm Bodies, #1)

Darum geht's

R ist ein Zombie. Er hat gelernt, damit zu leben, dass er sich nicht an den Rest seines Namens erinnert, dass er und seine Kameraden nur spärlich kommunizieren und dass er von seinen vergangenen Leben nichts mehr weiß. Aber als er auf einem Raubzug in die Stadt, wo sich die letzten Menschen verschanzen, Julie trifft und sie mitnimmt, statt sie zu verspeisen, kommt langsam wieder Leben in seine verrottenden Knochen.
Sie ist eine Lebende und ich bin ein Toter, aber ich würde gerne glauben, dass wir beide Menschem sind. Nennt mich einen Idealisten.

*   *   *   *   *

Was ich erwartet habe: Leichte Unterhaltung mit nachtschwarzem Humor und Action. Und natürlich eine ungewöhnliche Romanze, ich erkenne schließlich eine Romeo und Julia-Anspielung, wenn ich sie sehe.
Was ich bekam: Einen melancholischen Blick auf eine kaputte Welt aus der Sicht eines etwas anderen Zombies. Und natürlich eine ungewöhnliche Romanze.
Ich weiß nicht, wie die Liebe vorher war. [...] Es war ein Martyrium, eine Übung in Schmerz, aber es war lebendig. Die neue Liebe ist einfacher. Leichter. Aber weniger.
Ich habe dieses Buch in zwei Tagen verschlungen. Zugegeben fällt es in der zweiten Hälfte, wo für R und Julie klar ist, dass sie sich mögen und dass Zombies auch Menschen sind, ein wenig auseinander und der Ton ändert sich dann doch etwas in Richtung meiner ursprünglichen Erwartungen. Wie es zu den Zombies und vor allem den wesentlich unheimlicheren Knochen (eine Art strenge Aufpasser und Anführer der Zombies) überhaupt gekommen ist, wird nicht erklärt. Der nachdenkliche R hat mich so sehr positiv überrascht, dass ich das leicht verschmerzen kann. Das Zombiedasein wird eher wie eine Art tiefe Depression beschrieben, fast wie eine Metapher, und die einzige Möglichkeit, Gefühle und Leben zu spüren liegt in dem Essen von Gehirnen, da man so die Erinnerungen anderer nachlebt. Oder?
Mein 'Herz'. Steht dieses bedauernswerte Organ noch für etwas? Es liegt reglos in meiner Brust, pumpt kein Blut, erfüllt keinen Zweck.

Für wen ist das Buch?

Unter YA-Lesern ist Warm Bodies ja bereits bekannt und beliebt, aber man kann das Buch auch gut und gerne lesen, wenn einen Zombies und das Young Adult-Label kalt lassen.

Buch auf Leseliste setzenIsaac Marion: Mein fahler Freund. Klett-Cotta, 2011
ISBN 3608939148

Kommentare:

  1. Das klingt ja gar nicht mal so schlecht - dabei hätte ich rein von der Beschreibung her im Leben nicht nach dem Buch gegriffen. Ob ich es jetzt tun werde, weiß ich zwar nicht, aber auf jeden Fall scheine ich hier vorschnell geurteilt zu haben.

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    1. Neyasha, vielleicht wäre ja der Film eine Alternative zum Lesen des Buches? Hat mir sehr gut gefallen - und ich hatte vor dem Gucken ähnliche Bedenken wie du beim Lesen der Inhaltsbeschreibung des Buches. Und Cat fand den Film ja auch recht gut, also zwei positive Stimmen zum Film. :-)

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  2. YA ist ja insgesamt nicht unbedingt mein Genre und die Geschichte kenne ich ja nun schon aus der Verfilmung - meinst du, das Buch hätte da noch einen "Mehrwert" für mich? Oder habe ich mit dem Film eh schon die guten Sachen aus dem Buch gesehen?

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    1. Puuh, das ist schwierig für andere zu sagen. Das Buch war wirklich so schön geschrieben, dass ich es gerne weiter empfehle, aber der nachdenkliche Ton ist vielleicht nicht jedermanns Sache. Es gibt viele Grübeleien Rs über sein Leben und was das Leben vorher ausgemacht hat. Das ist einfach herzerwärmend. Und wie ich bei der Filmbesprechung angedeutet habe, ist die zweite Hälfte der Geschichte eigentlich deutlich komplexer. Da gibt es also auch inhaltlich noch mehr zu holen. Auch die Knochen spielen eine größere Rolle im Buch... Ja, ich glaube, da könnte noch ein Plus drin sein. Ich lese übrigens auch kein YA, dieses Buch habe ich nur wegen des Films ausgewählt und wurde positiv überrascht ;)

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