Freitag, 13. Februar 2015

Film. Warm Bodies (2013)

Vor kurzem habe ich ja meine Eindrücke vom Buch Mein fahler Freund beziehungsweise Warm Bodies geschildert, heute komme ich zum Film. Die US-Produktion vom vorletzten Jahr bleibt dem Roman unvorhergesehen treu und wirkt auch, sieht man mal von den CGI-Zombies ab, gar nicht so sehr wie ein Hollywoodfilm. Aber der Reihe nach.

Zuerst sollte man wissen, dass der Film ruhiger ist, als man vielleicht aufgrund des Trailers annehmen könnte. Der Trailer enthält praktisch den gesamten Film, also rate ich sowieso davon ab, ihn zu gucken; oder nur die erste Minute.
Aber versteht mich nicht falsch: Der Film ist lustig. Nur ist der Schwerpunkt eher, wie im Buch, die Entwicklung Rs, des Zombies, nachdem er eine Menschenfrau verschleppt hat, und wie die beiden sich näher kommen. Die Atmosphäre des Buchs aus Melancholie und Romantik war voll da, das Lustige hat aber immer einen Beigeschmack von "Och, wie niedlich", was vielleicht bei einigen nicht funktioniert. Obwohl R ein Zombie ist, muss man natürlich darüber schmunzeln und will dem Jungen gleichzeitig irgendwie helfen, wenn er mit seinen beschränkten Kommunikationsmöglichkeiten und seinem gruseligen Äußeren einem Mädchen den Hof zu machen versucht. Ich fand das liebenswert, aber zum Brüllen komisch ist sowas natürlich nicht.

Ein Unterschied zum Buch ist mir schon während dem Lesen aufgefallen: Da ich Trailer und Poster kannte, wusste ich, dass R im Film eher lässig gekleidet ist. Er selbst glaubt, "vorher" wahrscheinlich arbeitslos gewesen zu sein.
Im Buch dagegen ist R Anzugträger und meint, "vorher" Banker gewesen zu sein. Das fand ich im Buch sehr befremdlich, Banker sind nun mal nicht gerade Identifikationsfiguren. Es schien mir ein schwacher Witz zu sein, dass hier ein Schreibtischtäter seinem vergangenen Leben nachtrauert.
Umso besser, dass im Film ein ganz normaler Typ von nebenan seinen Platz eingenommen hat. Dafür ist sein "bester Freund" Anzugträger und eher schwach portraitiert, denn im Buch war er sozusagen ein Draufgänger unter den Zombies.

Was mir noch aufgefallen ist: Die Musikwahl für den Film unterscheidet sich stark von der im Buch. R sammelt Schallplatten. Im Buch spielen vor allem Frank Sinatra und die Beatles eine Rolle, natürlich. Ein Schuss Nostalgie sozusagen. Der Film greift seltsamerweise auf Musik aus den Achtzigern zurück. Das fühlte sich irgendwie komisch an, mir war bei jedem Einsatz von Songs bewusst, dass gerade ein Song eingesetzt wird. Ich habe mich sogar bei dem Gedanken ertappt: "Was für eine seltsame Musikwahl."
Popsongs sind dann gut eingesetzt worden, wenn ich eher die transportierten Emotionen wahrnehme als das Lied selbst, oder wenn mir der Zusammenhang klar wird, also wenn ein Lied als Anspielung verwendet wird. Für diese Dekade gab es im keinen Grund, und die Auswahl war ungewöhnlich.

Auf der Plusseite steht dann wieder das Verfahren mit der zweiten Hälfte des Romans. Beim Lesen empfand ich einen gewissen Bruch und fand die zweite Hälfte auch ein bisschen chaotisch. Es gab einige etwas überflüssige Szenen und nicht alles schien so eng verknüpft zu sein wie in der vorangegangenen Geschichte.
Im Film wurde dem ersten Teil des Romans deutlich mehr Zeit gegeben; der Rest wurde vereinfacht, geändert und gestrafft. Ich fand das nur logisch, wenn ich auch das ein oder andere dann doch vermisst habe. Ein bisschen mehr Hintergrund zu Julies Freund zum Beispiel, der im Buch deutlich dreidimensionaler erscheint.

Insgesamt hat mir der Film gut gefallen. Er war lustig, romantisch und der Hauptdarstller hat mich immer mehr begeistert mit seiner Minimalkörpersprache. Die Motive und Metaphern des Romans haben den Transfer gut überstanden und am Ende bleibt ein schönes, warmes Gefühl – ein Zombie-Feel-Good-Movie.

Fazit

Warm Bodies ist sicher nicht mein Film des Jahres, aber es war ein vergnüglicher Film mit einer Prise Grusel und Action und ganz viel Herz. Einer der wenigen Liebesfilme, die man getrost mit seinem Freund anschauen kann, ohne dass der irgendwann gelangweilt zu seinem Smartphone greift. Ich habe es getestet ;) Sein Urteil am nächsten Tag: "Der Film gestern war ja echt gut." Was will man mehr.

Kommentare:

  1. Dia dhuit, Cat.
    Folge ich Deinen Worten hat der Drehbuchautor/Regisseur seine Arbeit gut erledigt. Bei Verfilmungen ja kein Naturgesetz. :-)
    Bekannte Songs im Film stellen immer ein gewißes Risiko dar, weil jeder andere Anknüpfungspunkte hat. Andererseits können einem Titel (Genres), die man/frau eher nicht goutiert, innerhalb der Story bestens zusagen. Die Soul-Klassiker in 'The Commitments' wären jetzt für mich ein gutes Beispiel.
    Nicht im Mainstreem zu fischen ist für Filmemacher dann eher eine sichere Sache. Die gespielten/gehörten Song in 'Scott Pilgrim' hauen mich regelmäßig aus den Socken. :-D

    Zwei sehen sich einen Film an & einer taucht irgendwann in sein Smartie ab!? Nicht die feine, englische Art...

    bonté

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  2. Ich habe den Film recht zufällig im Dezember gesehen, und meine Erwartungen an eine Zombie-Rom-Com waren zugegebenermaßen nicht sehr hoch. Ich rechnete mit irgendwas in der Liga von "Twilight", nur dass Zombies leider nicht halb so gut aussehen wie Vampire. ;-)

    Schon von der ersten Minute an war ich von "Warm Bodies" positiv überrascht, was vor allem an der Figur des R lag und an der netten Selbstironie, mir der er sich und sein Zombie-Leben betrachtet. Mir hat der Film insgesamt auch richtig gut gefallen, "Zombie-Feel-Good-Movie" trifft es wirklich gut, obwohl ich vor diesem Film nicht gedacht hatte, dass es sowas geben könnte.

    Dass es zu dem Film eine Buchvorlage gibt, wusste ich bis gerade eben nicht, muss gleich mal gucken, was du dazu so schreibst.

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