Donnerstag, 19. Februar 2015

Film. Kim Novak badete nie im See Genezareth (2005)

Vor einigen Monaten habe ich ja mit überraschend großer Freude meinen ersten Håkan Nesser gelesen. Jetzt bin ich endlich an die Verfilmung gekommen und fand sie, ebenso überraschend, echt gut.


Einen deutschen Trailer konnte ich leider nirgends finden

Ein Mann, auf einer Beerdigung, im Zug, im Auto. In Rückblenden erzählt der Film, wen er, Erik, zu Grabe getragen hat: Einen alten Freund, mit dem er ein Geheimnis teilt... Erik verbringt den Sommer 1962 mit seinem großen Bruder Henry und dem Schulkameraden Edmund an einem See in Schweden. Henry schreibt an einem Roman, die Jungs rudern und erkunden die Gegend mit dem Fahrrad. Dann beginnt Henry eine Affäre mit Ewa, die aussieht wie Kim Novak, aber leider mit einem landesbekannten Handballer verlobt ist. Und eines Tages passiert "das Schreckliche" und verändert das Leben Eriks und Edmunds für immer.

Ich frage mich, warum dieser Film, egal wo man nachsieht, so mittelmäßige Bewertungen bekommt. Vielleicht sind hier die hardcore Krimifans am Werk, die durch den Namen Håkan Nesser in die Irre geführt werden. Denn wie schon im Buch passiert hier lange Zeit nichts Brutales oder besonders Aufregendes. Zwei Jungs mit ihren eigenen Sorgen verbringen eine Sommer an einem See und werden langsam erwachsen.
Mich hat der Film mit seinen sonnendurchfluteten Bildern und dem erst mal wie im Buch so dahinplätschernden Sommer an einem schwedischen See richtig 'gewärmt'. Man konnte die Sonnenstrahlen auf der Haut spüren. Gut, der Soundtrack war etwas eintönig und am Rande des Kitsch (im Trailer kann man ihn bereits zur Genüge hören), aber daran allein messe ich keinen Film.

Wie zu erwarten wurde die Geschichte etwas vereinfacht. Aber ich war erstaunt, wie treu die Adaption doch dem Buch blieb. Die Struktur wird leicht geändert, da wie schon gesagt in Rückblenden erzählt wird. Dabei wird eine Technik verwendet, die mir noch nicht untergekommen ist. Da sitzt zum Beispiel der ältere Erik (gespielt von Johan H:son Kjellgren) im Zug und dreht den Kopf, als jemand ihn ruft. Dann beginnt die Rückblende und man begreift, dass ihn jemand aus der Vergangenheit gerufen hat, dass die Erinnerung vielleicht so präsent war, als hätte ihn jemand im Jetzt gerufen. Genauso funktionieren auch die Cuts zurück in die Jetztzeit, wie ein Auftauchen aus einem Schwimmbecken aus Erinnerung ist das. Ich fand's super, auch wenn das eher eine Spielerei ist.

Wie im Buch wird es dem Zuschauer überlassen, sich eigene Gedanken über die Motive der Charaktere zu machen, es wird nicht alles ausbuchstabiert. Die beiden jungen Hauptdarsteller fand ich durch und durch glaubhaft, auch das kann eine Hürde für eine solche Geschichte sein.

Für mich hat der Film alle wesentlichen Aspekte des Buches abgedeckt und sogar den Erzählton, die Atmosphäre des Romans getroffen. Ein schöner Zwischendurchfilm, kein großes Kino, aber solide gemacht. Keine Beanstandungen ;-)

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