Samstag, 28. Februar 2015

Shout-out 2/15

Shout-out für Blogger
Platz für Lob: Besondere Posts
Diesmal habe ich erstaunlich viele Links zusammengetragen, obwohl ich eigentlich immer noch nicht viel Zeit habe. Mmh... 

Dieser Shout-out ist mein persönliches Notabene, das weder repräsentativ noch objektiv sein soll. Es kann sich gerne jeder anschließen, der auch Danke sagen will (Logo kann verwendet werden).



Lesen gegen das Wintertief: Ein Lesemarathon

Lesemarathon

Heute ist es mal wieder soweit! Ein Lesemarathon steht an. Veranstaltet wird der Lesetag von Neyasha und Lyne. Das Wintertief, das hier bekämpft werden soll, habe ich zwar wie durch ein Wunder in diesem Jahr bereits überwunden, aber das hält ja keinen ernsthaft vom Lesen ab ;-)
Da ich dieses Wochenende allein zuhause bin, kann ich heute nach Lust und Laune schmökern ohne große Ablenkung. Ich bin eben aus dem Bett gefallen und mache mich gleich ans Frühstück, wollte aber schon mal meine Bücher vorstellen und ein Lebenszeichen von mir geben!

A Princess of Mars (Barsoom, #1)RebeccaMary Poppins, She Wrote: The Life of P. L. Travers
Meine Lektüre

Für meine 101 Fantasy-Challenge habe ich eine wirklich gute LibriVox-Aufnahme von A Princess of Mars von Edgar Rice Burroughs gefunden, die ich beim längst überfälligen Bügeln anhören werde: Der Kriegsveteran John Carter, der gerade noch gegen Indianer gekämpft hat, findet sich plötzlich auf dem Mars wieder, wo er dank geringer Schwerkraft Hulk-artige Kraft hat. Er wird von den grünen Tharks aufgenommen, die dann besagte Prinzessin entführen, die natürlich humanoid ist – ich erwarte eine Lovestory. Die Geschichte klingt super-trashig und voller Klischées, aber ich hoffe, gerade dadurch das Bügeln mit etwas mehr Humor nehmen zu können :)
Dann habe ich Rebecca von Daphne du Maurier auf meinem Stapel für heute. Meine Ausgabe sieht übrigens anders aus, ohne richtiges Bild, darum habe ich ein anderes verwendet. Die Geschichte um eine namenlose, frisch Verheiratete, die stets im Schatten ihrer verstorbenen Vorgängerin zu stehen scheint, deren Spuren sich überall finden, ist schon seit Jahren auf meinem SuB, obwohl es nach einem sehr guten Buch klingt, das mir auch schon oft empfohlen wurde. Ich habe das Buch Anfang der Woche begonnen und es gefällt mir sehr gut. Hoffentlich kann ich es heute beenden, damit wäre meine Glücksfee für Anti-Age dem SuB geschafft!
Zuguterletzt habe ich noch ein weiteres Leihbuch hier. Mary Poppins, she wrote: The Life of P. L. Travers von Valerie Lawson wollte ich lesen, seit ich Saving Mr. Banks gesehen habe. Zum Glück gab es das Buch in der Unibibliothek.

Nach alter Gewohnheit poste ich meine Updates in diesem Beitrag; zwischendurch verschwinde ich wohl auch mal, um ein, zwei Seiten zu schreiben.

11:40
So, jetzt bin ich richtig wach und habe schon eine erste Blogrunde hinter mir. Und ein paar Dutzend Seiten Rebecca. Diese Mrs. Danvers... der traue ich so langsam alles zu. Die erste Frage des Tages kann ich jetzt, mit etwas grünem Tee intus, auch beantworten:
1. Wurde dir als Kind vorgelesen? Kannst du dich noch an eine der Geschichten erinnern
Ja, zum Glück wurde mir manchmal vorgelesen, allerdings nur, bis ich sechs oder sieben war. Meine Großeltern haben mir Mächen vorgelesen oder aus meiner Kinderbibel. Meine Ma hatte es da schwerer. Ich kann mich erinnern, dass ich eine sehr anspruchsvolle Phase hatte und verlangte, dass sie mir selbst ausgedachte Geschichten erzählt ^^
 Ich hatte da so eine Videokassette über einen Marienkäfer eine Ameise namens Ferdy. Über die wollte ich einfach mehr wissen. Daran kann ich mich am besten erinnern. Später war ich es dann selbst, die meinem kleinen Bruder vorgelesen hat.

14:05
Wow. Rebecca hat gerade eine neue, spannende Wendung genommen (Neyasha weiß bestimmt, wovon ich spreche). Und zwar genau auf der Seite, wo ich Pause machen wollte, um zu kochen. Was tun? Ich bin gerade ziemlich geflasht.
2. Hast du schon mal ein Buch nur wegen des Covers gekauft?
Nein, ein schönes Cover zieht mich zwar an, aber Klappentext und der Seite-7-Test muss immer sein. Der spontanste Einkauf, an den ich mich erinnern kann, war wohl The Selected Works of T. S. Spivet, als es ganz frisch rausgekommen war. Aber auch nur, weil meine Begleitung mich dazu ermuntert hat, das wunderschöne Buch einfach mitzunehmen.

16:30
Nach dem Essen habe ich ein wenig Zeit verplempert und bin noch nicht wesentlich weiter gekommen. Ich fürchte, dank der späten Wendung muss ich 2/3 des Romans noch mal lesen, um einige der Figuren richtig beurteilen zu können. Einerseits genial, andererseits...
3. Gibt es einen unbekannten Autor/eine unbekannte Autorin, den/die du anderen gerne ans Herz legen würdest?
Was für eine tolle Frage, das wird meine Wunschliste bestimmt verlängern!
Ja, habe ich, und zwar gleich zwei. Sylvie Germain, die eine wunderbar poetisch-märchenartige Familiensaga geschrieben hat (Das Buch der Nächte und die Fortsetzung Bernsteinnacht). Die Hauptfigur heißt Nuit d'Or, hat einen blonden Schatten und trägt die Tränen seines Vaters als Halskette. Das ganze Buch steckt voll dieser Dinge und steht auf meiner Nochmal-lesen-Liste ganz oben.
Und noch mal den Jugendroman Wie ein Wolf von Torill Thorstad Hauger, das ich schon mal erwähnt hatte. Robin, der Außenseiter, glaubt, ein Werwolf zu sein. Eine ältere Frau, die ihren Mann früh an die See verloren hat, freundet sich mit dem Nachbarsmädchen Iselin an, in die wiederum Robin verliebt ist, sich aber nicht traut, sie anzusprechen.

18:10
Noch 30 Seiten... Spannend. Aber wirklich was zum Inhalt sagen kann man nicht, ohne schon zu viel zu verraten. Ich wette, das Buch war eine Sensation, als es 1938 herauskam und noch niemand wusste oder gerade mal googeln konnte, worum es geht. Allein der Titel ist ein Geniestreich.
4. Welches Genre magst du überhaupt nicht?
 Ich versuche immer, möglichst offenherzig an jedes Buch heranzugehen. Auch wenn Verlage Genres als Verkaufsargument für bestimmte Zielgruppen einsetzen, hat es doch jeder Autor und jedes Werk verdient, für sich beurteilt zu werden. Trotzdem gibt es ein Genre, das mich noch  mit keinem Buch erreichen konnte: Chick Lit.
5. In welchem Buch würdest du gern leben wollen?
Puuh. Schwer. Sehr schwer. Ich nehme Anne of Green Gables. Nicht nur ist PE Island wunderschön und ich mag das dort beschriebene ländliche Leben ohne Telefon und alles, sondern die Leute sind nett und es wird ja soo gut gekocht in diesem Buch! Und die Kleider! Ja, doch, gute Wahl, ich bleibe dabei :D

20:15
Mein Hauptziel habe ich erreicht: Rebecca ist ausgelesen. Toll. Toll, toll, toll. Ich glaube, dieses Buch wird in der Erinnerung noch besser werden. Manche Bücher können das. So was cleveres und psychologisch tiefgehendes Buch liest man leider selten. Daphne du Maurier ist definitiv auf meiner Mehr-davon-Liste gelandet.
Jetzt werde ich zu Abend essen und dann bügeln. A Princess of Mars wird sicher ein ziemliches Kontrastprogramm... In die Travers-Biographie lese ich auch noch auf jeden Fall rein.
6. Hardcover, Taschenbuch oder eBook - was ist dir am liebsten und warum?
Momentan habe ich eine deftige Hardcover-Phase. Bisher war mir das meistens egal, aber ich besitze einfach zu viele hässliche und zerfranste Bücher, darum will ich nur noch schöne Ausgaben, und Hardcover ist da gerade meine Präferenz, weil haltbarer. Ebooks lese ich kaum, eigentlich nur, wenn ich sonst an keine Ausgabe komme. Also leihe ich auch nur und kaufe keine Ebooks. Im Urlaub habe ich mein Tablet dabei und dafür finde ich das Format praktisch, weil das Tablet sowieso mitkommt. Aber Papier wird bei mir immer den Vorzug haben. Ich bin da nostalgisch: Ein Buch muss riechen und Gewicht haben. Es muss rascheln. Ich muss Notizen machen können, und zwar mit der Hand. Und dann schaue ich Jahre später wieder rein und lese meine Notizen in meiner alten Handschrift. Oder ich finde Notizen anderer. Ein Buch aus Papier ist persönlicher. Ebooks sind so... steril.
Übrigens finde ich die Fragen echt spannend und meine Wunschliste wird sicher wachsen. Ich habe mir alle in Frage 3 genannten Autoren aufgeschrieben und werde sie mir demnächst mal genauer besehen. Es ist so spannend, eure Antworten zu lesen!

23:15
My goodness, ist das trashig. Bei A Princess of Mars darf man wirklich nicht zu viel nachdenken. Dann gehts :)
7. Welches ist das langweiligste Buch, durch das du dich - aus welchen Gründen auch immer - erfolgreich durchgekämpft hast?
Mh... Madame Bovary? Wobei das eher nervig war als nur langweilig. Auf der Suche nach der verlorenen Zeit habe ich zum Glück als Hörbuch gehabt, das fällt also auch raus (und es hatte durchaus viele gute Momente!). Schullektüre eignet sich da sicher ganz gut, aber was mir nicht passte, habe ich einfach nicht gelesen. Das gilt auch sonst.
8. Hast du dich schon einmal in eine Romanfigur "verliebt"?
Als ich 10 oder 11 war, war ich ziemlich begeistert von Tiuri aus Der Brief für den König, so eine Art Robin Hood, nur ohne die Merry Men :) Sonst... Ich bin allgemein stark empathisch und Bücher geben einem da viel Zündstoff, also habe ich meistens recht starke Gefühle für Figuren. Aber verliebt war ich schon seit langem nicht mehr.


Ich habe keine Ahnung, was ich aus den Buchstaben machen soll... Vielleicht habe ich das bestimmte Buch ja gar nicht gelesen? Und hört der Lesetag um Mitternacht automatisch auf?
Zu Mary Poppins, she wrote bin ich leider gar nicht gekommen... Das würde ich gerne noch. Der Tag ging aber auch so fix vorbei... Ich kann mich noch an meinen ersten Lesemarathon erinnern; der schien viel länger zu dauern. Vielleicht gerade, weil es der erste war? Jedenfalls lese ich jetzt noch bestimmt bis 1 Uhr weiter. Wenn ich allein bin, schlafe ich immer so schlecht ein, da warte ich lieber, bis mir sowieso die Augen zufallen.

Sonntag – Nachtrag
Moin, Moin! Ich habe gestern noch sage und schreibe 1 Seite der P. L.Travers-Biographie geschafft ;)
Mit A Princess of Mars bin ich besser vorangekommen und hatte gestern schon 1/3 des Hörbuchs durch. Sagen wir mal, es ist weniger lustig, als ich hoffte. Aber vielleicht schreibe ich dann demnächst eine Rezension dazu.
Es hat mir riesigen Spaß gemacht, auch wenn der Lesetag mich mehr von meinen Aufgaben abgehalten hat, als ich geplant hatte. Vielen Dank an Lyne und Neyasha! Dank euch habe ich meine Glücksfee geschafft :D

Mittwoch, 25. Februar 2015

Eine Woche Konsumfasten: Eine Chance, sich neu zu entdecken

Konsumfasten 2015
Gerade mal eine von sieben Wochen Fastenzeit sind um, aber bei mir hat sich doch einiges bewegt!

Wie es bisher lief

Meine Ziele: Nichts Süßes, nichts unnötig kaufen, Internetzeit beschränken und ausmisten. Nichts Ausgefallenes also. Neyasha hat mich mit einem Kommentar noch daran erinnert, beim Frühstück den Kaffee sein zu lassen. Stattdessen trinke ich nun grünen Tee, denn Kaffee fährt meinen Kreislauf viel zu ruckartig rauf.

Tatsächlich habe ich bisher ohne Probleme auf Süßes verzichten können – wenn nichts da ist, kann mich auch nichts in Versuchung bringen. Wenn mein Freund trotzdem was Süßes mitgebracht hat, musste er allein damit klarkommen (darauf bin ich am meisten stolz!). Stattdessen habe ich viel mehr Obst und rohes Gemüse gegessen und lecker gekocht. Richtig lecker.

In der Stadtbibliothek habe ich es geschafft, nur meine alten Ausleihen abzugeben und nur ein für meine Magisterarbeit nötiges Buch mitzunehmen. Sonst kam ich nicht zu sehr in "brenzlige" Situationen, weil ich die meiste Zeit arbeitend vor meinem Laptop verbringe. Allerdings war ich in der Zeit unnötig oft auf der Website von Tauschticket, nur so zum Gucken... Ansonsten habe ich meinen eigenen Büchern wieder mehr Aufmerksamkeit gewidmet und wurde mit einem schrumpfenden SuB belohnt!

Der Ausstieg aus dem Netz ist natürlich am schwierigsten, weil es überall zugänglich ist. Da war ich nicht hundertprozentig erfolgreich, aber es wird. Es wird!

Ich fühle mich im Moment super, fast euphorisch, auch weil ich endlich mal wieder ordentlich zum Arbeiten gekommen bin und mich mit mir selbst befasst habe. Zum Beispiel habe ich entdeckt, dass meine beste Schreibphase erst am Nachmittag beginnt. Und noch viele andere, kleine Dinge.

Dadurch, dass ich konzentrierter arbeite, kann ich auch beruhigt in den Feierabend gehen und dann ein bisschen Freizeit genießen. Vor allem lese ich natürlich, aber ich habe auch ein wenig gebastelt, mehr sauber gemacht als sonst und einfach nur auf der Couch gehangen (unser Wetter ist momentan einfach nur inakzeptabel, darum war ich nicht draußen, schon aus Prinzip nicht).

Ausgemistet habe ich bisher bloß eine Hand voll Bücher und das war auch eher meiner regelmäßigen Verzweiflung vorm Bücherregal geschuldet als der Fastenzeit, aber immerhin :) Das "Besitztümer-Entschlacken" stand auf meiner Liste ganz unten, wegen der Abschlussarbeit habe ich nicht Zeit, mal eben ein Zimmer zu entrümpeln. Aber Kleinvieh macht bekanntlich auch Mist.

Die Motivation ist hoch

Das Konsumfasten ist für mich bis jetzt überhaupt nicht einengend, sondern im Gegenteil befreiend gewesen. Ich glaube nicht, dass sich das auf jeden genauso übertragen lässt, sondern dass ich einfach momentan in der richtigen Verfassung für solche Umstellungen bin. Mein Leben ist gerade im Umbruch, da tut so eine Rückbesinnung einfach gut und Umstellungen fallen nicht so sehr ins Gewicht. Ich kann gut verstehen, wenn jemand das Fasten sein lässt oder damit Probleme hat, denn ich bin selbst schon zu anderen Zeiten mit ähnlichen Dingen gescheitert.
Für mich ist es aber jetzt so, dass ich das Fasten nicht als Verbot von irgendwas empfinde, sondern als Möglichkeit, Alternativen zu finden. Und das ist echt gut.

Alles Liebe,
Cat

Montag, 23. Februar 2015

Margaret Atwood: Das Jahr der Flut

Margaret Atwood: Das Jahr der Flut (MaddAddam #2)
Der zweite Band der MaddAddam-Trilogie erzählt das Ende der Zivilisation, von der bereits der erste Teil handelte, aus einer anderen Perspektive: Aus der von Frauen. Nach und nach begegnet man dabei auch bekannten Gesichtern und die Erzählstränge fügen sich zu einem komplexeren Bild zusammen. Außerdem bekommen wir diesmal den Blickwinkel der Gottesgärtner, die Öko-Rebellen in Atwoods Zukunft, die das Ende prophezeien. Nach der "wasserlosen Flut" gibt es einige Überlebende, die, weit verstreut, die Katastrophe verarbeiten und mit dem Willen weiterzumachen und ihrem Platz in der neuen Welt ringen.

*   *   *   *   *

Ich glaube, ich habe mich endgültig in Margaret Atwood verliebt. So unterhaltsam und schlau hat mir noch niemand vom Ende der Welt erzählt!
Im Gegensatz zu Oryx und Crake geht es in diesem Band viel mehr um Gemeinschaft. Während man erst mal neue Figuren kennen lernt und einordnet, wann und wo man sich befindet, beginnen sich im Hintergrund die Puzzleteile zusammen zu fügen, sodass einige Rätsel aus dem ersten Buch gelöst sind. Und ich hatte so viel Spaß daran, über neue Hinweise zu stolpern und diese dem großen Ganzen hinzuzufügen.

Das Buch beginnt mit Toby, die als Betreuerin in einem Wellness Resort die Epidemie überstanden hat. Sie ist allein, genau wie Ren, die in einem Nachtclub gearbeitet hat und kurz vor Ausbruch der Epidemie unter Quarantäne gestellt wurde, nachdem ihr Schutzanzug gerissen war. Der Umgang mit Kunden ist nur in dieser Art zweiter Haut sicher – die Ansteckungsgefahr in Atwoods Welt ist hoch, Wunden immer ein potenzielles Todesurteil.
Das sind die Charaktere, mit denen es beginnt. Später kommen noch einige wenige dazu, aber ich will nicht zu viel verraten. Aber alle gehören der Sekte der Gärtner an, die eigenes Obst und Gemüse anbauen und sich vom Leben in den Metropolen größtenteils abgekoppelt haben, obwohl ihre Kommunen in verlassenen Gebäuden mitten in den Städten liegen. Wie die Figuren von ihrer Gärtnergruppe getrennt wurden, wird erst allmählich preisgegeben.

Der Roman springt zeitlich zwischen der Zeit vor der Flut, also der Epidemie, und danach. Dabei wird für die Zeit danach immer als Jahr die 25 genannt und ich brauchte etwas, um zu begreifen, dass das nicht, wie einige Rezensionen behaupten, die Anzahl der Jahre seit der Epidemie sind, sondern die Jahre seit Gründung der Gärtner.
Jedes der Kapitel trägt den Namen eines Heiligen der Gärtner. Das können Geistliche sein, aber meistens sind es Naturschützer oder Forscher wie Dian Fossey (vielleicht erinnert sich einer an den Film Gorillas im Nebel?). Die Adams und Evas sind sozusagen die Anführer einer Kommune.

Das Ganze klingt abgefahren, aber das soll es glaube ich auch. Bei den Predigten und dem Aufbau der Gärtnergesellschaft, von der man im Laufe des Buchs immer mehr erfährt, wird klar, dass diese wie jede andere religiöse Gemeinde ihre Dogmen und nicht immer astreinen Vorgehensweisen hat. Dass es manchmal an Gehirnwäsche grenzt, dass aber trotzdem eine Wahrheit hinter dem Gesagten stehen kann, und dass diese Gemeinschaft in vielerlei Hinsicht dem Leben 'draußen' vorzuziehen ist. Aber einen erhobenen Zeigefinger gab es in keiner Weise, da die Interpretation dem Leser überlassen wird. Ich weiß allerdings auch, dass andere Leser das nicht so gesehen haben.

Am Ende der Predigten wird immer ein Lied gesungen; das habe ich zugegeben immer übersprungen. Ich denke, die Nachricht war auch so schon klar. Und dann beginnt das Kapitel erst richtig.

Wie beim ersten Band bin ich vollständig in der Geschichte versunken und habe sie in großen Batzen gelesen. Jimmy, den Erzähler aus Oryx und Crake, habe ich eher bemitleidet, die Protagonistinnen in Das Jahr der Flut kann man bewundern, man will ihnen hin und wieder eine Backpfeife geben, man will sie in den Arm nehmen. Vielleicht ist das ein "Von Frau zu Frau"-Effekt, aber ich war deutlich näher dran an den Figuren und es werden auch mehr Emotionen vermittelt.

Mit der weiblichen Perspektive kommt auch mehr Gewalt ins Spiel. Die Frauen müssen sich mehr in Acht nehmen, werden auf alle erdenklichen Weisen missbraucht. Die Gärtner sind da eine Oase des Friedens, ein Ort der Zuflucht.

*   *   *   *   *

Tja, was soll ich noch sagen: Lest es! Aber fangt nicht mit dem zweiten Buch an. Ich habe gesehen, dass das immer mal wieder passiert. Keine Ahnung, ob man die Geschichte dann überhaupt versteht (scheinbar schon?), aber man verpasst doch so viel, vor allem den "Den kenn ich doch!"-Effekt – auch bekannt als der "So wird ein Schuh draus"-Trick. Darum sollte man die Fortsetzung auch nicht so lange warten lassen, damit die Erinnerung an Buch eins noch frisch ist.

Für mich heißt es trotz meiner Euphorie erst mal abwarten. Ich wollte mir den dritten Band direkt ausleihen, aber dann kam die Arbeit dazwischen und jetzt ist erst mal Konsumfasten angesagt. Am Ende habe ich dann so viel Wartezeit zwischen dem zweiten und dritten Band wie zwischen den ersten beiden, also alles im grünen Bereich ;)

Frohes Lesen!

Buch auf Leseliste setzenMargaret Atwood: Das Jahr der Flut. Berlin-Verlag, 2009.
ISBN 9783827008848

Donnerstag, 19. Februar 2015

Film. Kim Novak badete nie im See Genezareth (2005)

Vor einigen Monaten habe ich ja mit überraschend großer Freude meinen ersten Håkan Nesser gelesen. Jetzt bin ich endlich an die Verfilmung gekommen und fand sie, ebenso überraschend, echt gut.


Einen deutschen Trailer konnte ich leider nirgends finden

Ein Mann, auf einer Beerdigung, im Zug, im Auto. In Rückblenden erzählt der Film, wen er, Erik, zu Grabe getragen hat: Einen alten Freund, mit dem er ein Geheimnis teilt... Erik verbringt den Sommer 1962 mit seinem großen Bruder Henry und dem Schulkameraden Edmund an einem See in Schweden. Henry schreibt an einem Roman, die Jungs rudern und erkunden die Gegend mit dem Fahrrad. Dann beginnt Henry eine Affäre mit Ewa, die aussieht wie Kim Novak, aber leider mit einem landesbekannten Handballer verlobt ist. Und eines Tages passiert "das Schreckliche" und verändert das Leben Eriks und Edmunds für immer.

Ich frage mich, warum dieser Film, egal wo man nachsieht, so mittelmäßige Bewertungen bekommt. Vielleicht sind hier die hardcore Krimifans am Werk, die durch den Namen Håkan Nesser in die Irre geführt werden. Denn wie schon im Buch passiert hier lange Zeit nichts Brutales oder besonders Aufregendes. Zwei Jungs mit ihren eigenen Sorgen verbringen eine Sommer an einem See und werden langsam erwachsen.
Mich hat der Film mit seinen sonnendurchfluteten Bildern und dem erst mal wie im Buch so dahinplätschernden Sommer an einem schwedischen See richtig 'gewärmt'. Man konnte die Sonnenstrahlen auf der Haut spüren. Gut, der Soundtrack war etwas eintönig und am Rande des Kitsch (im Trailer kann man ihn bereits zur Genüge hören), aber daran allein messe ich keinen Film.

Wie zu erwarten wurde die Geschichte etwas vereinfacht. Aber ich war erstaunt, wie treu die Adaption doch dem Buch blieb. Die Struktur wird leicht geändert, da wie schon gesagt in Rückblenden erzählt wird. Dabei wird eine Technik verwendet, die mir noch nicht untergekommen ist. Da sitzt zum Beispiel der ältere Erik (gespielt von Johan H:son Kjellgren) im Zug und dreht den Kopf, als jemand ihn ruft. Dann beginnt die Rückblende und man begreift, dass ihn jemand aus der Vergangenheit gerufen hat, dass die Erinnerung vielleicht so präsent war, als hätte ihn jemand im Jetzt gerufen. Genauso funktionieren auch die Cuts zurück in die Jetztzeit, wie ein Auftauchen aus einem Schwimmbecken aus Erinnerung ist das. Ich fand's super, auch wenn das eher eine Spielerei ist.

Wie im Buch wird es dem Zuschauer überlassen, sich eigene Gedanken über die Motive der Charaktere zu machen, es wird nicht alles ausbuchstabiert. Die beiden jungen Hauptdarsteller fand ich durch und durch glaubhaft, auch das kann eine Hürde für eine solche Geschichte sein.

Für mich hat der Film alle wesentlichen Aspekte des Buches abgedeckt und sogar den Erzählton, die Atmosphäre des Romans getroffen. Ein schöner Zwischendurchfilm, kein großes Kino, aber solide gemacht. Keine Beanstandungen ;-)

Montag, 16. Februar 2015

Ankündigung. Konsumfasten

Konsumfasten 2015
Ich bin mal wieder größenwahnsinnig mutig: Beim dritten Konsumfasten von BuchSaiten und Pimis Bücher mache ich mit. Verzicht auf und bewusster Umgang mit Konsumgütern ist bei mir ja immer ein Thema: Man denke nur an meine unkontrollierten Bucheinkäufe, Schokokonsum und Stunden im Internet, die ich besser mit meiner Magisterarbeit verbringen sollte.

Ein Geständnis zu Beginn: Ich habe noch nie in meinem Leben gefastet, egal was. Auf viele herkömmliche Konsumgüter fahre ich eh nicht besonders ab. Klamotten, Kosmetika oder sonstigen Firlefanz kaufe ich nur, wenn unbedingt nötig. Aber meine Schwachstellen habe ich durchaus. Darum möchte das Konsumfasten mal ausprobieren. In diesem Jahr bedeutet das 46 Tage ohne.

Die Regeln:
Gemeint ist jeglicher Konsum. Natürlich mit Einschränkungen wie Dinge, die einfach zum Überleben wichtig sind. Aber auch beim Essen, oder unnötig hohem Spritverbrauch kann man ja gewissenhaft entscheiden und nicht übermäßig Extras konsumieren.
...
Ich weiß, dass es in den letzten Jahren öfter „Buchkaufverbot“ oder „Buchkauffrei“ auf verschiedenen Blogs gab, allerdings finde ich es viel spannender, einfach mal NICHTS zu kaufen und zu gucken, wie es einem damit geht. Kein Online-Shopping, keine Vorbestellungen, keine Shopping-Bummel. Und kein Hüftgold-Konsum. Stattdessen Verzicht, bewusster Umgang mit den Dingen die man konsumieren darf und Belohnungen, die nichts kosten und trotzdem unbezahlbar sind.

Für sieben Wochen!

Im Klartext bedeutet das: Keine Bücher, eBooks, Zeitungen, Musik, Klamotten, Schuhe, Accessoires, Kosmetik, Pflege, Deko, Kros usw.!
Falls etwas Essenzielles leer wird, darf es natürlich nachgekauft werden. Niemand möchte drei Wochen ohne Deo rumlaufen ;)

Meine Ziele

  • Auf Süßes verzichten: Wenn das nicht das härteste Ziel aller Zeiten ist! Ich bin eine mega Zuckerschnute, ohne Schoko läuft bei mir nix. Aber gerade als Schreibtischtäterin, die eh zu wenig Bewegung bekommt, ist der ganze Zucker einfach nur Gift. Statt einer Mini Rittersport nach dem Mittagessen, die ich an der Uni manchmal kaufe, will ich versuchen, einen kleinen Spaziergang über unseren schönen Campus zu machen. Das sollte doch auch für neue Energie sorgen, und auch noch ohne Kalorien :)
  • Noch ein schwieriger Punkt: Verzicht auf Surfen im Internet. Gott, ich komme mir vor wie ein Internet-Junkie, wenn ich das schreibe! Aber ob Suchti oder nicht: Für alle hat das Internet einfach zu viele Verlockungen. Und die dadurch verlorene Zeit kann ich nebenbei echt gebrauchen (mal abgesehen davon, dass das auch meine Lebenszeit ist, die ich da sinnlos vertrödele). Während der Arbeit will ich auf Social Media und sonstige Zeitfresser verzichten. Richtig schwierig wird das dadurch, dass ich zum Arbeiten auch viel im Internet recherchieren muss. Mal sehen, wie ich das hinkriege. 
  • Medienkonsum: Nur eigenes. Also nur Bücher, die ich bereits besitze; nichts Geliehenes, keine Bücher/DVDs/... neu kaufen. 
  • Ausmisten: Das mache ich zwar auch so mal von Zeit zu Zeit, aber so kann ich es bewusst und am Stück machen. Allerdings will ich mir hier nicht zu viel vornehmen, weil ich nicht so viel Zeit darauf verwenden kann, meine Wohnung (und den Keller, der Moloch) zu durchwühlen.

Ich weiß, dass es riskant ist, sich während einer stressigen Lebensphase auch noch zusätzliche Disziplin abzuverlangen und ich erwarte auch nicht, das Konsumfasten vorbildlich zu überstehen. Trotzdem hoffe ich, nicht zuletzt gestärkt durch die anderen Teilnehmer, etwas mehr auf mich aufzupassen, als ich das die letzten Jahre getan habe. Denn das ist es im Endeffekt, worum es mir beim Fasten geht: Zurückfinden zu sich selbst.

Wer mitmachen oder Berichte aus den letzten Jahren nachlesen möchte, kann das bei BuchSaiten oder Pimis Bücher machen.

Freitag, 13. Februar 2015

Film. Warm Bodies (2013)

Vor kurzem habe ich ja meine Eindrücke vom Buch Mein fahler Freund beziehungsweise Warm Bodies geschildert, heute komme ich zum Film. Die US-Produktion vom vorletzten Jahr bleibt dem Roman unvorhergesehen treu und wirkt auch, sieht man mal von den CGI-Zombies ab, gar nicht so sehr wie ein Hollywoodfilm. Aber der Reihe nach.

Zuerst sollte man wissen, dass der Film ruhiger ist, als man vielleicht aufgrund des Trailers annehmen könnte. Der Trailer enthält praktisch den gesamten Film, also rate ich sowieso davon ab, ihn zu gucken; oder nur die erste Minute.
Aber versteht mich nicht falsch: Der Film ist lustig. Nur ist der Schwerpunkt eher, wie im Buch, die Entwicklung Rs, des Zombies, nachdem er eine Menschenfrau verschleppt hat, und wie die beiden sich näher kommen. Die Atmosphäre des Buchs aus Melancholie und Romantik war voll da, das Lustige hat aber immer einen Beigeschmack von "Och, wie niedlich", was vielleicht bei einigen nicht funktioniert. Obwohl R ein Zombie ist, muss man natürlich darüber schmunzeln und will dem Jungen gleichzeitig irgendwie helfen, wenn er mit seinen beschränkten Kommunikationsmöglichkeiten und seinem gruseligen Äußeren einem Mädchen den Hof zu machen versucht. Ich fand das liebenswert, aber zum Brüllen komisch ist sowas natürlich nicht.

Ein Unterschied zum Buch ist mir schon während dem Lesen aufgefallen: Da ich Trailer und Poster kannte, wusste ich, dass R im Film eher lässig gekleidet ist. Er selbst glaubt, "vorher" wahrscheinlich arbeitslos gewesen zu sein.
Im Buch dagegen ist R Anzugträger und meint, "vorher" Banker gewesen zu sein. Das fand ich im Buch sehr befremdlich, Banker sind nun mal nicht gerade Identifikationsfiguren. Es schien mir ein schwacher Witz zu sein, dass hier ein Schreibtischtäter seinem vergangenen Leben nachtrauert.
Umso besser, dass im Film ein ganz normaler Typ von nebenan seinen Platz eingenommen hat. Dafür ist sein "bester Freund" Anzugträger und eher schwach portraitiert, denn im Buch war er sozusagen ein Draufgänger unter den Zombies.

Was mir noch aufgefallen ist: Die Musikwahl für den Film unterscheidet sich stark von der im Buch. R sammelt Schallplatten. Im Buch spielen vor allem Frank Sinatra und die Beatles eine Rolle, natürlich. Ein Schuss Nostalgie sozusagen. Der Film greift seltsamerweise auf Musik aus den Achtzigern zurück. Das fühlte sich irgendwie komisch an, mir war bei jedem Einsatz von Songs bewusst, dass gerade ein Song eingesetzt wird. Ich habe mich sogar bei dem Gedanken ertappt: "Was für eine seltsame Musikwahl."
Popsongs sind dann gut eingesetzt worden, wenn ich eher die transportierten Emotionen wahrnehme als das Lied selbst, oder wenn mir der Zusammenhang klar wird, also wenn ein Lied als Anspielung verwendet wird. Für diese Dekade gab es im keinen Grund, und die Auswahl war ungewöhnlich.

Auf der Plusseite steht dann wieder das Verfahren mit der zweiten Hälfte des Romans. Beim Lesen empfand ich einen gewissen Bruch und fand die zweite Hälfte auch ein bisschen chaotisch. Es gab einige etwas überflüssige Szenen und nicht alles schien so eng verknüpft zu sein wie in der vorangegangenen Geschichte.
Im Film wurde dem ersten Teil des Romans deutlich mehr Zeit gegeben; der Rest wurde vereinfacht, geändert und gestrafft. Ich fand das nur logisch, wenn ich auch das ein oder andere dann doch vermisst habe. Ein bisschen mehr Hintergrund zu Julies Freund zum Beispiel, der im Buch deutlich dreidimensionaler erscheint.

Insgesamt hat mir der Film gut gefallen. Er war lustig, romantisch und der Hauptdarstller hat mich immer mehr begeistert mit seiner Minimalkörpersprache. Die Motive und Metaphern des Romans haben den Transfer gut überstanden und am Ende bleibt ein schönes, warmes Gefühl – ein Zombie-Feel-Good-Movie.

Fazit

Warm Bodies ist sicher nicht mein Film des Jahres, aber es war ein vergnüglicher Film mit einer Prise Grusel und Action und ganz viel Herz. Einer der wenigen Liebesfilme, die man getrost mit seinem Freund anschauen kann, ohne dass der irgendwann gelangweilt zu seinem Smartphone greift. Ich habe es getestet ;) Sein Urteil am nächsten Tag: "Der Film gestern war ja echt gut." Was will man mehr.

Dienstag, 10. Februar 2015

Isaac Marion: Mein fahler Freund (Warm Bodies)

Mein fahler Freund (Warm Bodies, #1)

Darum geht's

R ist ein Zombie. Er hat gelernt, damit zu leben, dass er sich nicht an den Rest seines Namens erinnert, dass er und seine Kameraden nur spärlich kommunizieren und dass er von seinen vergangenen Leben nichts mehr weiß. Aber als er auf einem Raubzug in die Stadt, wo sich die letzten Menschen verschanzen, Julie trifft und sie mitnimmt, statt sie zu verspeisen, kommt langsam wieder Leben in seine verrottenden Knochen.
Sie ist eine Lebende und ich bin ein Toter, aber ich würde gerne glauben, dass wir beide Menschem sind. Nennt mich einen Idealisten.

*   *   *   *   *

Was ich erwartet habe: Leichte Unterhaltung mit nachtschwarzem Humor und Action. Und natürlich eine ungewöhnliche Romanze, ich erkenne schließlich eine Romeo und Julia-Anspielung, wenn ich sie sehe.
Was ich bekam: Einen melancholischen Blick auf eine kaputte Welt aus der Sicht eines etwas anderen Zombies. Und natürlich eine ungewöhnliche Romanze.
Ich weiß nicht, wie die Liebe vorher war. [...] Es war ein Martyrium, eine Übung in Schmerz, aber es war lebendig. Die neue Liebe ist einfacher. Leichter. Aber weniger.
Ich habe dieses Buch in zwei Tagen verschlungen. Zugegeben fällt es in der zweiten Hälfte, wo für R und Julie klar ist, dass sie sich mögen und dass Zombies auch Menschen sind, ein wenig auseinander und der Ton ändert sich dann doch etwas in Richtung meiner ursprünglichen Erwartungen. Wie es zu den Zombies und vor allem den wesentlich unheimlicheren Knochen (eine Art strenge Aufpasser und Anführer der Zombies) überhaupt gekommen ist, wird nicht erklärt. Der nachdenkliche R hat mich so sehr positiv überrascht, dass ich das leicht verschmerzen kann. Das Zombiedasein wird eher wie eine Art tiefe Depression beschrieben, fast wie eine Metapher, und die einzige Möglichkeit, Gefühle und Leben zu spüren liegt in dem Essen von Gehirnen, da man so die Erinnerungen anderer nachlebt. Oder?
Mein 'Herz'. Steht dieses bedauernswerte Organ noch für etwas? Es liegt reglos in meiner Brust, pumpt kein Blut, erfüllt keinen Zweck.

Für wen ist das Buch?

Unter YA-Lesern ist Warm Bodies ja bereits bekannt und beliebt, aber man kann das Buch auch gut und gerne lesen, wenn einen Zombies und das Young Adult-Label kalt lassen.

Buch auf Leseliste setzenIsaac Marion: Mein fahler Freund. Klett-Cotta, 2011
ISBN 3608939148

Freitag, 6. Februar 2015

Naturkunde (20). Der Aturen-Papagei

Endlich mal wieder wollte ich einen kleinen Naturkundebeitrag schreiben. Da ich aber momentan wegen Arbeit und Wetter kaum rauskomme, geschweige denn ein ruhiges Auge für kleine Entdeckungen in der Natur habe, kommt der heutige Post geradewegs aus Die Vermessung der Welt.

Da treffen Humboldt und sein Mitreisender Bonpland am Orinoco in einer Mission auf einen Papagei, der eine ausgestorbene Sprache spricht. Kein Mensch versteht ihn, aber er macht einen eloquenten Eindruck:
Ein Mißverständnis, sagte Humboldt. Niemand habe etwas kritisieren wollen.
Vielleicht doch, sagte Bonpland. Einiges wolle er schon wissen. Er stockte und konnte nicht glauben, daß Humboldt ihn gerade getreten hatte. Der Vogel sah zwischen ihnen hin und her, sagte etwas und blickte sie erwartungsvoll an.
Richtig, antwortete Humboldt, der nicht unhöflich sein wollte.
Der Vogel schien zu überlegen und fügte einen langen Satz hinzu.
Humboldt streckte die Hand aus, der Vogel hackte danach und wandte sich beleidigt ab.
Die traurige Ironie ist, dass der Papagei nicht erfunden ist. Es handele sich um den Aturenpapagei, sagte Kehlmann in einem Gespräch mit Sebastian Kleinschmidt: "Er konnte einige Worte in der Sprache eines ausgestorbenen Indianervolkes sagen. Niemand wußte mehr, was sie bedeuteten."
Sunset in the Orinoco by Ferdinand Bellermann (1814-1889)

In Humboldts Ansichten der Natur kann man lesen: "[...] in Maypures (ein sonderbares Faktum) lebt noch ein alter Papagei, von dem die Eingeborenen behaupten, daß man ihn darum nicht verstehe, weil er die Sprache der Aturer rede." In seinem Anmerkungen fügt er eine Balladeein, die Ernst Curtius darüber geschrieben und Humboldt zugesendet hatte:
In der Orinoco-Wildnis
Sitzt ein alter Papagei
Kalt und starr, als ob sein Bildnis
Aus dem Stein gehauen sei

Schäumend drängt durch Felsendämme
Sich des Stroms zerrissne Flut,
Drüber wiegen Palmenstämme
Sich in heitrer Sonnenglut

Wie hinan die Welle strebet,
Nie erreichet sie das Ziel
In den Wasserstand verwebet
Sich der Sonne Farbenspiel.

Unten, wo die Wogen branden,
Hält ein Volk die ew'ge Ruh;
Fortgedrängt aus seinen Landen,
Floh es diesen Klippen zu.

Und es starben die Aturen,
Wie sie lebten, frei und kühn;
Ihres Stammes letzte Spuren
Birgt des Uferschilfes Grün

Der Aturen allerletzter,
Trauert dort der Papagei;
Am Gestein den Schnabel wetzt er,
Durch die Lüfte tönt sein Schrei.

Ach die Knaben, die ihn lehrten
Ihrer Muttersprache Laut,
Und die Frauen, die ihn nährten,
Die ihm selbst das Nest gebaut:

Alle liegen sie erschlagen
Auf dem Ufer hingestreckt,
Und mit seinen bangen Klagen
Hat er keinen aufgeweckt.

Einsam ruft er, unverstanden,
In die fremde Welt hinein;
Nur die Wasser hört er branden,
Keine Seele achtet sein.

Und der Wilde, der ihn schaute,
Rudert schnell am Riff vorbei;
Niemand sah, dem es nicht graute,
Den Aturen-Papagei.

Donnerstag, 5. Februar 2015

3 oder 4 Neuerscheinungen, auf die ich mich richtig freue

Zu meinem Geburtstag diesen Monat habe ich eine Wunschliste aus schönen Hardcoverausgaben zusammengestellt, um meinem Liebsten ein wenig das Geschenkesuchen zu erleichtern. Dabei habe ich auch von einigen Neuerscheinungen erfahren, die mein kleines Lesekatzenherz höher schlagen lassen.

Der Sternwanderer
Schon am 19.1. hat Panini Der Sternwanderer neu herausgebracht. Das Besondere an der Ausgabe ist, dass sie die Illustrationen von Charles Vess enthält und der Roman damit endlich wieder so zu haben ist, wie er ursprünglich gedacht war. Ein paar Bilder kann man auf der Website von Vess sehen. Das Buch sieht wunderschön aus. Und dann auch noch gebunden! Ich hoffe, das Dunkelblau im Cover ist nicht bloß angetäuschter Halbgewebeeinband.


Der Bang-Bang Club: Schnappschüsse von einem versteckten KriegAm 15.4. erscheint, endlich, The Bang Bang Club in einer deutschen Übersetzung. Seit ich den Film 2011 gesehen habe, steht das 2001 erschienene Werk von und über die Fotografengruppe um Kevin Carter, Greg Marinovich, Ken Oosterbroek und João Silva, die das Ende der Apartheid in Südafrika mit ihren Kameras festhielten. In dem Buch schreiben Marinovich und Silva von ihren Erlebnissen und dem "versteckten Krieg", der Gewalt zwischen den einzelnen Parteien, die nach der Freilassung Mandelas weiterging, aber von der Berichterstattung nicht erfasst wurde. Sicher ein sehr intensives Leseerlebnis, der Film war es.
Zur Website des Verlags

Das Schloss in den WolkenLucy Maud Montgomerys Fans können am 24.4. erstmals The Blue Castle auf Deutsch lesen. Der Königskinder Verlag, ein Imprint von Carlsen, bringt ein auch noch wunderschönes Hardcover heraus; der deutsche Titel ist Das Schloss in den Wolken. Diesen Roman habe ich auch im Original noch nicht gelesen, aber mich freut sehr, dass Montgomerys Werk jetzt wieder mehr Lesern zugängig gemacht wird. Die Anne of Green Gables Übersetzungen sind aus den Achtzigern und teilweise nur noch in gekürzten Fassungen erhältlich (und besonders hübsch waren die eh nie). Ich bin sicher, dass ich Das Schloss in den Wolken lieben werde!
Zur Website des Verlags

Und natürlich darf hier nicht die unerwartete Fortsetzung zu Wer die Nachtigall stört fehlen. Nach über fünfzig Jahren wurde Harper Lees erstes Manuskript wiedergefunden. Am 14.7. erscheint Go Set a Watchman bei William Heinemann, der auch To Kill a Mockingbird herausgab. Es gibt noch kein Cover, aber zum Inhalt habe ich Folgendes gefunden:
Go Set a Watchman is set during the mid-1950s and features many of the characters from To Kill a Mockingbird some twenty years later. Scout (Jean Louise Finch) has returned to Maycomb from New York to visit her father Atticus. She is forced to grapple with issues both personal and political as she tries to understand both her father’s attitude toward society, and her own feelings about the place where she was born and spent her childhood. (Quelle)
Als ich die Nachricht gelesen habe, bekam ich eine Gänsehaut. Ich bin zwar kein so großer Fan von Harper Lees Erfolgsroman wie viele andere, aber ich war immer von Harper Lee selbst angetan und finde es wunderschön, dass es nun ein weiteres Buch von ihr geben wird. Dass es ein Bestseller wird, ist ja klar.

Mittwoch, 4. Februar 2015

101 Fantasy Projekt: Zwischenstand

101 Fantasy Projekt
Seit letztem November verfolge ich mit dem 101 Fantasy Projekt das Ziel, wieder mehr Fantasy zu lesen. Ich habe nach diesem Vorbild eine (nicht endgültige) Leseliste von 101 Titeln zusammengestellt und mir 10 Jahre Zeit gegeben, um sie zu lesen.

Nach nur drei Monaten habe ich nun schon die ersten zehn Bücher ausgelesen. Das hätte ich nicht vermutet, weil ich ja auch noch so viele andere Bücher zu lesen hatte und habe. Aber teils liegt meine Geschwindigkeit sicher daran, dass ich zuerst die Bücher lese, die ich schon besitze oder in der Bibliothek schnell bekommen kann. Je weniger Titel von der Liste übrig bleiben, desto schwieriger wird es werden, denn einige Titel sind nur noch antiquarisch zu bekommen.

Aber erst mal zu den gelesenen Büchern: Ich wollte eigentlich zu jedem Buch eine Rezension schreiben, aber manchmal ging es nicht so gut, weil es der zweite oder dritte Band einer Reihe war (ich stelle Reihen sowieso meistens lieber am Stück vor), manchmal hatte ich keine Zeit. Deshalb hier ein paar Bemerkungen zu allen zehn (die Symbole zeigen an, welche Titel in dem Kanon zum Projekt vorkamen ★ und welche ich selbst meiner persönlichen Liste beigefügt habe ♥):

NIFFENEGGER, Audrey: Die Frau des Zeitreisenden ★ 2/5
Ja, das erste Buch war direkt ein Fehlgriff. Dazu habe ich aber einen Beitrag geschrieben.

ROTHFUSS, Patrick: The slow regard of silent things ♥ 4/5
Ein Buch, dass ich unbedingt noch einmal mit mehr Muße lesen muss. Ich bin etwas durchgehetzt, und das Englisch ist hier wirklich nicht ohne. Aber an sich eine schöne, märchenhafte Phantasterei um eine meiner liebsten Figuren der Königsmörder-Chronik.

EDDINGS, David: Magician’s Gambit ★ 5/5
Erst mit dem dritten Band meines Rereads auf Englisch war ich wieder voll im Garion-Universum angekommen. Hach, das waren noch Zeiten, damals, beim ersten Lesen.

ATWOOD, Margaret: Oryx und Crake ♥ 5/5
Mein Highlight unter den ersten zehn. Literarische Postapokalypse mit Antiheld. Wunderbar düster und spannend. Und wieder mit Beitrag.

GAIMAN, Neil: Das Graveyard Buch ★ 3/5
Sehr schön zu lesen, aber deutlich an ein jüngeres Publikum gerichtet. Einiges war mir denn auch zu plakativ, anderes zu unlogisch. Die Atmosphäre stimmte allerdings und alles in allem hatte ich beim Lesen viel Spaß.

MEYER, Kai: Seide und Schwert ♥ 4/5
Ein schöner Schmöker, der aber auch für sehr viel jüngere Leser gedacht ist. Das sich die drei jungen Leute, die hier gemeinsam unterwegs sind, die ganze Zeit nur angiften, hat mich einfach nur genervt. Sonst spannend und abwechslungsreich.

MARION, Isaac: Mein fahler Freund ♥ 4/5
Die größte Überraschung unter diesen zehn. Und zwar positiv. Mein Leseeindruck kommt in den nächsten Tagen. Edit: Link

SWIFT, Jonathan: Gullivers Reisen ★ 3/5
Ein Vorfahre des Genres war auch dabei, und eher durchwachsen. Das Alter ist dran schuld: Diese gedrechselten Sätze, aargh. An Themen und Orten gibt es hier allerdings einiges; besonders gespannt war ich auf Laputa, die fliegende Insel. Die so oft betonte Satire des Werks kam meiner Meinung nach aber erst in der zweiten Hälfte raus, dafür dann aber mit Karacho. Die erste Hälfte kennen die meisten, so auch ich, durch Kinderbuchfassungen und Popkultur.

GOULD, Lois: Morgantina, die Hexe der Zauberin ♥ 2/5
Ein bisschen enttäuscht wurde ich von Morgantina, das zwar wunderbar einzigartig geschrieben, aber praktisch nicht zu verstehen war (und das war scheinbar auch noch so geplant). Mein Eindruck hier.

MARTIN, George R. R.: A Storm of Swords ★ 5/5
Nach der Pleite mit Band zwei, den ich vor Beginn des Projekts gelesen habe, bin ich mit großen Zweifeln hier rangegangen. Ich wäre sogar bereit gewesen, die Reihe abzubrechen. Doch dieses Buch ist mir bald zum liebsten unter den ersten dreien geworden. Jetzt muss ich mich zügeln, nicht gleich den nächsten anzufangen, wo doch (wer hätte es geahnt) die Veröffentlichung von Nummer sechs ins nächste Jahr verschoben wurde.

*     *     *     *     *

Insgesamt schaue ich auf eine gute erste Zehnergruppe zurück. Ich bin froh, dieses Projekt begonnen zu haben, weil ich jetzt wieder bewusster zu Genretiteln greife und so auch die Salonbibliothek besser ausstatten konnte, unter anderem mit Neil Gaimans Neverwhere oder Catherynne M. Valentes Die wundersame Geschichte von September, die sich ein Schiff baute und das Feenland umsegelte. Die Zehnjahresfrist erscheint mir im Moment viel zu hoch angesetzt.
Ich bin gespannt, wie sich das Projekt weiter entwickelt. Als nächstes möchte ich wieder verstärkt auf meine David Eddings Bücher achten. Die brauchen dringend ein wenig Liebe, habe ich sie doch schon 2011 in lovely Hay-on-Wye trotz Einspruchs meines Bärs gekauft und nach Deutschland vorausgeschickt. Außerdem lese ich gerade Das Jahr der Flut, die Fortsetzung von Oryx und Crake, und kann es kaum aus der Hand legen.

Montag, 2. Februar 2015

Lois Gould: Morgantina, die Hexe der Königin

Lois Gould: Morgantina, die Hexe der Königin

Darum geht's

Der König prunkt mit einem Reichtum, den er nicht hat, gebärdet sich als Potentat, der er nicht ist. Die Politik bei Hofe aber bestimmen andere. Morgantinas Geschichte, die an einem Fürstenhof der Renaissance spielt, fasziniert wegen der brisanten Mischung aus freiem Spiel der Phantasie und historisch exakten Details – sie ist zugleich historischer Roman und Märchen für Erwachsene. (Klappentext)

*   *   *   *   *

Die Geschichte spielt an einem Hof, der derjenige von Heinrich II. von Frankreich sein könnte. Wenn da nicht diese Märchenelemente wären und die surrealen Szenen, in denen Königin Catharina und ihre Zwergin Morgantina auf einer Reise eine Höhle betreten, in der plötzlich Blumen erblühen.

Das Buch beginnt mit einem kurzen Prolog, in dem Catharina von ihrer Schwester die Zwergin geschenkt bekommt. Diese beiden werden auch die Hauptfiguren sein (der Klappentext könnte etwas missverständlich sein).
Spricht es – sprichst du? Catharina stieß die Kreatur mit dem Finger an.
Gewiß, Euer Hoheit. Ich bin recht sprachgewandt.
Heinrich, was soll ich es fragen?
Der König hob die Schultern und bewegte sich behutsamen Schrittes rückwärts auf die Tür zu.
Hast du Verstand? flüsterte Catharina und zwickte die Kreatur zögernd in die Seite. Bist du zu Scherzen aufgelegt?
Ich bin ein Scherz, sagte Morgantina.
Der König ist ein Waschlappen (sowohl als Herrscher als auch in seinen ehelichen Pflichten), Catharina hartherzig und gemein.
Morgantina ist eine sehr interessante Figur, bestimmt der Grund für den deutschen Titel. Im Original heißt der Roman "Subject to change", was eher einen Hinweis auf den unbestimmten Handlungsverlauf gibt.

Es gibt nur noch zwei weitere Figuren: Diana, die Geliebte des Königs, eine auf unheimliche Art stets jung aussehende ältere Frau mit einem ebenso unheimlichen grünen Daumen, und Cornelius, ein Scharlatan, der als Maler, Dichter und Arzt in den Dienst Seiner Majestät tritt und dessen Absichten ganz und gar ungut zu sein scheinen.

Außer Morgantina bleiben aber alle Figuren etwas oberflächlich und selbst bei der Zwergin hat man am Ende nicht viel zu Greifen bekommen. Insgesamt ein sehr seltsames Buch. Man wusste nie, was vor sich geht oder wo das alles hinführt, was die Figuren wollen.
Ich fand das mit jeder Seite frustrierender, weil die Sprache Goulds einzigartig ist. Sie hat eine ganz eigene Art zu erzählen und auch die Atmosphäre des Romans ist greifbar düster. Aber am Ende schien es mehr um dieses Erzählen selbst zu gehen als um die Figuren und deren Entwicklung. Denn wie der Originaltitel sagt: Alles ist dem Wandel unterworfen, aber die Worte bleiben.

Buch auf Leseliste setzenLois Gould: Morgantina, die Hexe der Königin. Klett-Cotta 1989.
ISBN 3608956220

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