Montag, 19. Januar 2015

SuBKultur. Schutzumschläge des Todes

Schutzumschläge – wozu sind sie gut? Doch nur, um hochwertige Stoffeinbände vollzuverschleiern. Die Burka für's Buch, sozusagen. Jedenfalls bei den nun folgenden Exemplaren...

Nachdem ich jahrelang auf einige das Auge beleidigende Schutzumschläge gestarrt habe, mich ewig über ihre ausgefransten Enden und unsäglichen Schriftsätze geärgert habe, habe ich mich vorgewagt und bei den besonders hässlichen geschaut, ob unter der Oberfläche ein vergleichsweise nettes Hardcover wartet. Et voilà:


Klar, einige Schutzhüllen sind nicht ganz schlecht, aber diese grässlichen Dinger mit nichtssagenden Filmstills... Pfui Spinne! Die obigen fünf jedenfalls finde ich ohne Hülle wesentlich anspruchsvoller. Hier noch mal die Hüllen in ihrer ganzen 'Pracht':


Absoluter Tiefpunkt der Covergestaltung ist eindeutig Ediths Tagebuch von Patricia Highsmith (Mitte). Erst bei genauerem Hinsehen erkennt man, dass der kackbraune Klecks auf der Treppe eine Büste ist. Wie um Himmels willen kommt eine Büste zu diesem Farbton?! Obendrein wurde dilettantisch ein Riss draufgephotoshopt (oder gemalt, was weiß ich, Photoshop gab ja auch noch nicht immer). Das Kassandra-Cover geht vielleicht noch, aber den schwarzen Textileinband darunter finde ich wirklich gut. Der ist halbwegs zeitlos und elegant, während die Schutzhülle doch ihr Alter verrät. Auch die weiße Hülle von Der Spieler hätte sogar bleiben können, wenn darunter nicht dieser schöne, satte Grünton gewesen wäre. Außerdem ist die Hülle irreparabel verdreckt.

Jeden Tag eine gute Tat, sagt der Pfadfinder. Ich habe heute nicht nur mein Regal verschönert, sondern nebenher auch nochmal erfahren, wie sehr ein Cover mein Leseverhalten beeinflusst: Keins der Bücher habe ich bisher auch nur in Erwägung gezogen zu lesen, obwohl ich ja so begeistert war von Patricia Highsmith.

Die Schutzumschläge jedenfalls bewahre ich vorerst an einem dunklen Ort auf. Aber auch nur wegen der aufgedruckten Klappentexte und Autoreninfos. Die brauche ich zwar nicht unbedingt, aber ich finde die meist inzwischen veralteten Angaben und Aussagen immer wieder unterhaltsam. Vielleicht schaffe ich es ja, die Texte auszuschneiden. Ich weiß aber nicht, ob ich dazu kühn genug bin; das Medium Buch ist mir vielleicht immer noch zu sehr Heiligtum. Außerdem will ich nach dem Lesen die Bücher als Ganzes wieder abgeben. Wenn ich beschließe, eins zu behalten, dann kann ich den Umschlag immer noch wegwerfen.

Bei neueren Büchern würde ich übrigens nie den Schutzumschlag entfernen. Dazu bin ich (noch?) nicht bereit. Die obigen Bücher waren sämtlich Geschenke meines spendablen Nachbarn beziehungsweise Beute aus Tauschregalen. Da rette ich dann eben, was zu retten ist.

Kommentare:

  1. Diese scheußliche Zauberberg-Ausgabe hat meine Mutter auch im Bücherregal! *g*
    Ich finde auch, dass gerade bei alten Büchern die Hardcover oft ohne Schutzumschlag schöner sind - umso mehr, wenn sich darunter noch so ein hübscher Textileinband versteckt.

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  2. Ich finde Textileinbände ja auch irgendwie „zeitlos". Die haben was.
    Bei Schutzumschlägen bin ich irgendwie unentschlossen - es gibt ja auch nicht ganz so hässliche, aber allgemein kann ich Schutzumschlägen nichts abgewinnen, die nerven beim Lesen irgendwie nur.

    Die „Zauberberg" - Hülle ist wirklich nicht schön anzusehen, da stimme ich Neyasha zu. :D Aber gut, „Lockruf des Goldes" würde ich noch verkraften, der Rest sieht ganz schön altbacken aus. Die Büste könnte von weiter weg auch ein rausgerissenes Herz sein :D (oder meine Fantasie geht mit mir durch). :D

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    1. Ich habe da auch sofort an ein rausgerissenes Herz gedacht! *g*

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    2. Oh, sehr gut. Ich dachte schon, ich hätte einen Sehfehler. :D

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