Samstag, 31. Januar 2015

Shout-out 1/15

Shout-out für Blogger
Platz für Lob: Besondere Posts
Wieder sind einige Links zusammen gekommen, wenn ich auch weiterhin nur eingeschränkt Zeit auf anderen Blogs verbringe.

Dieser Shout-out ist mein persönliches Notabene, das weder repräsentativ noch objektiv sein soll. Es kann sich gerne jeder anschließen, der auch Danke sagen will (Logo kann verwendet werden).



Donnerstag, 29. Januar 2015

Anti-Age dem SuB 3. Halbzeit!

Hallo zusammen,
mir ist eben aufgegangen, dass in wenigen Tagen der Februar beginnt und damit die erste Hälfte von Anti-Age dem Sub 3 vorbei ist! Neugierig, wie sich mein SuB in der Zeit entwickelt hat, habe ich ein paar Nachforschungen angestellt...

Insgesamt habe ich 54 Bücher vom SuB abgebaut: 24 habe ich gelesen, 30 bin ich durch rigoroses Aussortieren losgeworden ;)
Leider hat mich in der Zwischenzeit auch öfters die Kaufwut gepackt und Weihnachten war auch recht buchig, wodurch insgesamt 34 neue Bücher ihren Weg in mein Regal fanden.
Nach der abgebrochenen Glücksfee Die Elixiere des Teufels habe ich diszipliniert durchgehalten und alle weiteren gelosten Bücher brav gelesen. Dasselbe kann ich von meinen Uropas sagen. Und die meisten waren echt gut bis jetzt. Da schaut man doch frohen Mutes in die Zukunft :D Sogar die Bonusaufgaben konnte ich alle erledigen!

Damit ist der Stand nun wie folgt: 146 Bücher auf dem SuB, davon 88 Uropas (waren zu Beginn: 168 bzw. 132 Bücher). Eine seltsame, unerwartete Entwicklung. Die Zahlen sagen: Viel Altes ist weg, aber meine Herren, Neues ist auch ordentlich dazu gekommen!

Ganz ehrlich: Das mit dem SuB-Abbauen hat bei mir nur mit Tricks geklappt. Für mich ist das okay, denn so bin ich nach und nach die wenig interessanten Bücher auf dem SuB losgeworden und habe gleichzeitig neue, interessante hinzugewonnen. Und Selbsterkenntnis ist doch bekanntlich der erste Schritt zur Besserung. Ich habe gemerkt, dass ich vor allem in großen Stressphasen zuschlage, sonst gar nicht so. Im Moment habe ich das Gefühl, noch mehr neue Bücher gar nicht haben zu wollen. Vorerst. Obwohl ich gerade mitten im Stress drin bin. Und nächsten Monat Geburtstag habe.

Wer weiß, was kommt? Jedenfalls macht es Spaß, die Aufgaben zu erledigen, den Alt-SuB schrumpfen zu sehen und diese beschämenden Uropas endlich zu lesen!

Fürs Archiv: Die letzten drei Monate (den Zwischen stand von Oktober findet ihr hier)

November '14
Glücksfee: Iny Lorentz Die Wanderhure
Plus Minus: +3–4 ✔ (und 4 abgegeben)
Uropa adé: Magician's Gambit ✔
Bonus (nicht selbst gekauft): Der Mantel. Die Nase von Gogol ✔
Lose: 3+1+1+1=6
SuB-Stand: 149 (Alt-SuB: 100)
Dezember '14
Glücksfee: Heinrich Harrer Sieben Jahre in Tibet
Plus Minus: +12–2 ✖ (und 4 abgegeben)
Uropa adé: Seide und Schwert ✔
Bonus (An 3 Adventssonntagen und 1Weihnachtsfeiertag min. 1h ODER 400 Seiten lesen): ✔
Lose: 3+0+1+1=5
SuB-Stand: 155 (Alt-SuB: 94)
Januar '15
Glücksfee: Molière Amphitryon
Plus Minus: +0–6 ✔
Uropa adé: The Remains of the Day ✔
Bonus (Ein Buch, das ein Lächeln auf die Lippen zaubert): Wilhelm Busch Sämtliche Bildergeschichten
Lose: 3+1+1+1=6
SuB-Stand: 146 (Alt-SuB: 88)

Dienstag, 27. Januar 2015

Kazuo Ishiguro: The Remains of the Day (Was vom Tage übrig blieb)

Kazuo Ishiguro: The Remains of the Day
Achtung: Bananenschleichwerbung ;)

Darum geht's

Im Jahr 1956 nutzt der englische Butler Stevens eine längere Abwesenheit seines Herren für eine kleine Rundfahrt durch sein Heimatland. Und um die ehemalige Haushälterin wieder zu sehen. Während der Reise schreibt er seine Eindrücke nieder, die von vielen Erinnerungen aus den Dreißigern gespickt sind, als der englische Lord, für den er damals arbeitete, in seinem Haus wichtige Politiker versammelte.

*   *   *   *   *

In diese Geschichte bin ich nur schwer reingekommen. Das liegt bestimmt teils an der Sprache: Stevens ist stets um einen professionellen Ton bemüht, der eines Butlers würdig ist. Nachdem ich mich aber an die gedrechselte Sprache gewöhnt hatte, habe ich die zweite Hälfte des Buches fast am Stück gelesen.
It seems increasingly likely that I really will undertake the expedition that has been preoccupying my imagination now for some days.
Stevens startet  in Darlington Hall, dem Haus seines Arbeitgebers nahe Oxford und fährt durch Devon nach Cornwall und genießt sichtlich die Landschaft und die Begegnungen mit fremden Menschen. Dabei bleibt er aber stets auf Distanz und hält die Fassade des Butlers aufrecht. Seine Vorstellung eines guten Butlers bedeutet, dass er diese Rolle nur ablegt, wenn er vollkommen allein ist. Dass ihm diese Einstellung viele Möglichkeiten im Leben verbaut hat, wird ihm nur einen winzigen, entscheidenden Moment im Buch klar.

Ohne zu viel verraten zu wollen: Das Buch hat mich in diesem Moment zum Weinen gebracht. Gleichzeitig wollte ich Stevens am liebsten eine scheuern für seine Blindheit und Steifheit. Der perfekte Butler ist er vielleicht, aber ein lebloser Fisch, eher eine Maschine als ein Mensch.

Das wirklich Geniale an The Remains of the Day ist, dass man ständig zwischen den Zeilen lesen muss. Denn vieles von dem, was Stevens aufschreibt, wird durch die Ereignisse, an die er sich erinnert, konterkariert, in einigen Momenten kann man nur den Kopf schütteln über seine Fehleinschätzungen von Situationen. Er betrachtet alles von der Warte des Butlers, aber den Blick des Sohnes oder Freundes gestattet er sich nie.

Ich denke, das ist ein Buch, das man beim zweiten Lesen besser versteht. Da es eine meiner Schullektüren war und ich den Film gesehen hatte, hatte ich, obwohl ich mich fast an nichts erinnern konnte, einen Vorsprung. Ich dachte sogar, wir hätten nur Auszüge gelesen und geschaut, aber inzwischen glaube ich das nicht mehr.

Demnächst mache ich mich dann auch noch mal an den Film von 1993 mit Anthony Hopkins und Emma Thompson ♥ und wenn ich mich recht entsinne Hugh Grant in einer kleinen Nebenrolle.

Wer diesen preisgekrönten Roman lesen möchte, sollte das mit Aufmerksamkeit tun. In meiner Schulausgabe steht ganz richtig: "The author focusses on what can be called 'inauthentic existence', with protagonists unsteadily poised between a fundamental blindness and a growing awareness of who they are." Genau so ist Stevens.

Buch auf Leseliste setzenKazuo Ishiguro (1988): The Remains of the Day.
Deutsch: Was vom Tage übrig blieb

Freitag, 23. Januar 2015

Sieben Jahre in Tibet: Buch & Film

Sieben Jahre in Tibet: Mein Leben am Hofe des Dalai LamaIn Sieben Jahre in Tibet erzählt der Österreicher Heinrich Harrer, wie er kurz vor Ausbruch des Zweiten Weltkriegs zu einer Expedition in den Himalaja aufbricht. Als Feind Britisch-Indiens wird er in einem Lager interniert und beschließt mit einigen Kameraden, zu fliehen und sich nach Tibet durchzuschlagen, das im Krieg neutral blieb.
Auf dem beschwerlichen, über 2000 Kilometer langen Weg nach Tibet wächst immer mehr der Wunsch, auch Lhasa zu sehen, und so wird die verbotene Stadt Harrers Ziel.

Ich bin bei diesem Buch zwiegespalten. Ich bin immer noch und nach dem Lesen noch viel mehr fasziniert von Tibet, dessen traurige Geschichte Harrer live miterlebt hat. Andererseits ist dies kein "Abenteuerbuch", wie man bei dieser Reise erwarten könnte, sondern ein recht spröder Bericht, der an einigen Stellen nach einem Lektor schreit. Die Zeitspannen der einzelnen Stationen der Reise wurden mir erst bei weiterer Recherche richtig klar: Harrer muss mehrere Jahre in Gefangenschaft verbracht haben, die Flucht gelang erst 1944.
Und wie oft musste ich lesen, dass Harrer und sein Begleiter Peter Aufschnaiter "wahrscheinlich die ersten" waren, die sich auf dieser oder jener Schneekuppe über das Skilaufen und ähnliches unterhielten. Ja, kapiert, Harrer, ihr wart – wahrscheinlich – die ersten Europäer in der Gegend. Und dass der Krieg mit Englands Kriegserklärung an Deutschland beginnt und nicht mit Deutschlands Überfall auf Polen, ist nur ein kleiner Hinweis auf Harrers NS-freundliche Einstellung. Wie ich inzwischen herausgefunden habe, ist meine Ausgabe in dieser Hinsicht editiert worden. In der Originalausgabe finden sich scheinbar deutlich mehr dieses fragwürdigen Kolorits.

Der Untertitel, der Mein Leben am Hof des Dalai Lama verspricht, ist ein wenig reißerisch. Lhasa erreicht Harrer erst nach der Hälfte des Buchs, und an Tendzin Gyatshos Hof gelangt er noch mal eine gute Ecke später. Allerdings hat mir der ganze Lhasa-Part wirklich sehr gut gefallen: Die Beschreibung dieser vorindustriellen Gesellschaft, die aber große Neugier für westliche Erfindungen und Kultur birgt, war einfach herzerwärmend. Und hat den Überfall Chinas nur noch grauenvoller gemacht. Tibet hatte praktisch keine Armee, jedenfalls keine moderne.
Harrers Verehrung für den Dalai Lama ist von der ersten Begegnung deutlich: Er wird als ungemein gebildet, diszipliniert und neugierig beschrieben und Harrer drückt seine Dankbarkeit aus, in dessen Nähe sein zu dürfen, ja sogar sein Lehrer und Freund zu werden.

Ich hätte gerne ein Buch gelesen, das kurz von der Reise nach Lhasa berichtet und dann die restliche Zeit vor Ort bleibt, mir mehr über dieses fremde Land vor der Invasion Chinas erzählt, und natürlich auch mehr über die tibetische Religion und Politik, die immer seltsam oberflächlich betrachtet wird. So bin ich nach dem Lesen etwas unbefriedigt und habe auch nicht den Eindruck, dem Autor irgendwie näher gekommen zu sein.

*     *     *     *     *

1997 wurde Sieben Jahre in Tibet von Jean-Jacques Annaud (Der Name der Rose) mit Brad Pitt als Heinrich Harrer verfilmt.

Man merkt deutlich, dass man der Figur Harrer mehr Leben einhauchen wollte. Er wird als nicht gerade sympathischer Einzelkämpfer dargestellt, dem die Besteigung eines Berges wichtiger ist als seine schwangere Frau und der absolut unfähig ist, in einem Team zu arbeiten.
Mit über zwei Stunden Laufzeit hat der Film auch einige Längen, an anderen Stellen schimmert Hollywood allzu sehr durch: Musste man eine Lovestory einbauen? Ist die Wahrheit denn nicht spannend genug gewesen?

Was im Film gut rüberkommt, ist die wachsende Bedrohung durch China, obwohl dies kein politischer Film ist. Harrer muss, um nicht den Chinesen in die Hände zu fallen, nach Europa heimkehren. Der Film endet mit einem zarten Annäherungsversuch an seinen ihm vollkommen fremden Sohn. Aber auch der Dalai Lama ist am Ende eine Art Sohn, den Harrer widerstrebend seiner übergroßen Verantwortung überlässt. China hat es gereicht, für Annaud gilt seit dem Film Einreiseverbot. Ich aber hätte gerne einen mutigeren Film gesehen, der sich offener mit der politischen Lage Tibets und Harrers nationalsozialistischer Gesinnung auseinandersetzt.

Weder Buch noch Film waren das Gelbe vom Ei (wenigstens musste ich nicht Brad Pitts scheinbar unsäglichen deutschen Akzent über mich ergehen lassen, da ich die deutsche Synchronfassung geschaut habe). Trotzdem hat mich vor allem das Buch noch einmal aufgerüttelt, mich mehr mit Tibet und dem Buddhismus zu beschäftigen, was mich eigentlich schon richtig lange interessiert hat.

Free Tibet.

Montag, 19. Januar 2015

SuBKultur. Schutzumschläge des Todes

Schutzumschläge – wozu sind sie gut? Doch nur, um hochwertige Stoffeinbände vollzuverschleiern. Die Burka für's Buch, sozusagen. Jedenfalls bei den nun folgenden Exemplaren...

Nachdem ich jahrelang auf einige das Auge beleidigende Schutzumschläge gestarrt habe, mich ewig über ihre ausgefransten Enden und unsäglichen Schriftsätze geärgert habe, habe ich mich vorgewagt und bei den besonders hässlichen geschaut, ob unter der Oberfläche ein vergleichsweise nettes Hardcover wartet. Et voilà:


Klar, einige Schutzhüllen sind nicht ganz schlecht, aber diese grässlichen Dinger mit nichtssagenden Filmstills... Pfui Spinne! Die obigen fünf jedenfalls finde ich ohne Hülle wesentlich anspruchsvoller. Hier noch mal die Hüllen in ihrer ganzen 'Pracht':


Absoluter Tiefpunkt der Covergestaltung ist eindeutig Ediths Tagebuch von Patricia Highsmith (Mitte). Erst bei genauerem Hinsehen erkennt man, dass der kackbraune Klecks auf der Treppe eine Büste ist. Wie um Himmels willen kommt eine Büste zu diesem Farbton?! Obendrein wurde dilettantisch ein Riss draufgephotoshopt (oder gemalt, was weiß ich, Photoshop gab ja auch noch nicht immer). Das Kassandra-Cover geht vielleicht noch, aber den schwarzen Textileinband darunter finde ich wirklich gut. Der ist halbwegs zeitlos und elegant, während die Schutzhülle doch ihr Alter verrät. Auch die weiße Hülle von Der Spieler hätte sogar bleiben können, wenn darunter nicht dieser schöne, satte Grünton gewesen wäre. Außerdem ist die Hülle irreparabel verdreckt.

Jeden Tag eine gute Tat, sagt der Pfadfinder. Ich habe heute nicht nur mein Regal verschönert, sondern nebenher auch nochmal erfahren, wie sehr ein Cover mein Leseverhalten beeinflusst: Keins der Bücher habe ich bisher auch nur in Erwägung gezogen zu lesen, obwohl ich ja so begeistert war von Patricia Highsmith.

Die Schutzumschläge jedenfalls bewahre ich vorerst an einem dunklen Ort auf. Aber auch nur wegen der aufgedruckten Klappentexte und Autoreninfos. Die brauche ich zwar nicht unbedingt, aber ich finde die meist inzwischen veralteten Angaben und Aussagen immer wieder unterhaltsam. Vielleicht schaffe ich es ja, die Texte auszuschneiden. Ich weiß aber nicht, ob ich dazu kühn genug bin; das Medium Buch ist mir vielleicht immer noch zu sehr Heiligtum. Außerdem will ich nach dem Lesen die Bücher als Ganzes wieder abgeben. Wenn ich beschließe, eins zu behalten, dann kann ich den Umschlag immer noch wegwerfen.

Bei neueren Büchern würde ich übrigens nie den Schutzumschlag entfernen. Dazu bin ich (noch?) nicht bereit. Die obigen Bücher waren sämtlich Geschenke meines spendablen Nachbarn beziehungsweise Beute aus Tauschregalen. Da rette ich dann eben, was zu retten ist.

Donnerstag, 15. Januar 2015

Noch ein Jahr mit Nobelpreisträgern


...so der Name der zweiten Challenge um die Nobelpreisträger der Literatur.
Ich bin wieder mit von der Partie: Immer noch sind so viele dazu passende Bücher in meinem Regal. An die Jelinek habe ich mich im letzten Jahr erst gar nicht getraut. Hemingway ist noch immer da (inzwischen sogar zwei). Grund genug, es nochmal anzugehen.

Im letzten Jahr war dies meine schwierigste Herausforderung, denn die Preisträgerromane sind meistens wirklich schwerer zu lesen als andere und man braucht mehr Zeit, um das Gelesene zu überdenken. Aber ich habe einige Entdeckungen gemacht (wie Alice Munro, von der ich auch noch ein Buch zu Weihnachten bekommen habe, oder Toni Morrison) und mochte den Ansporn, den ich durch die Gruppe hatte.

Diesmal sollen "nur" acht verschiedene Laureaten gelesen und rezensiert werden.
16 passende Bücher sind auf dem SuB. Nun kenne ich ja dank der letzten Challenge schon einige der Autoren. Daher möchte ich vor allem diese hier lesen:
  • William Faulkner: The Sound and the Fury
  • Ernest Hemingway: Wem die Stunde schlägt oder Paris. Ein Fest fürs Leben
  • Elfriede Jelinek: Die Klavierspielerin
  • Gabriel García Márquez: Das Leichenbegängnis der Großen Mama
  • Aleksandr Solschenitsyn: Ein Tag des Iwan Denissowitsch
  • Gao Xingjian: Der Berg der Seele

So habe ich noch Platz für den neuen Gewinner 2015 und einen "Joker".

Man kann sich übrigens auch noch später anmelden, und zwar hier. Falls man bereits vorher (nach dem 1.1.2015) einen Nobelpreisträger gelesen haben sollte, zählt der sogar für die Challenge.

Meine Übersicht zur Challenge ist hier.

Montag, 12. Januar 2015

Daniel Kehlmann: Wo ist Carlos Montúfar? Über Bücher

Gekauft habe ich dieses Hörbuch für meine Magisterarbeit über Die Vermessung der Welt. Ich fand es großartig und würde es jedem, der sich für Bücher über Bücher interessiert, empfehlen wollen. Aber gefahrlos kann ich das nicht tun, denn Kehlmann erscheint so manchem Leser als Angeber. Kehlmann ist sehr belesen und spricht über Voltaire, Realismus und Isaiah Berlin wie von etwas, das alle kennen. Aber das tut er leichtfüßig und mit großer Freude an Anekdoten und dem Teilen seiner Gedanken. Ich jedenfalls war unterhalten, belehrt und zum Nachdenken bewegt. Nur mit dem Artikel über den mir unbekannten Philosophen Berlin war ich überfordert.

Darum geht's

In der Hörbuchfassung finden sich 7 Essays über Literatur und einer über die Simpsons, vom Autor selbst vorgelesen:
  1. Wo ist Carlos Montúfar? [Über Fakt und Fiktion]
  2. Gott begrüßt seine Opfer [Voltaire und Lachen über Religion]
  3. Erfundene Schlösser aus echtem Stein [Tolkien]
  4. Der Gast aus der Zukunft [Isaiah Berlin]
  5. Ironie und Strenge [Ist der Roman am Ende seiner Möglichkeiten?]
  6. Wovon wir reden, wenn wir von Autorschaft reden [vor allem über Raymond Carver]
  7. Voltaire und Starbucks [Die Simpsons]
  8. Eigene Bücher lesen
*   *   *   *   *

Zunächst mal dient der Titel Wo ist Carlos Montúfar? nur dem Anlocken derer, die mehr über Die Vermessung der Welt wissen wollen, denn es ist der Titel des Essays, der sich mit der Frage beschäftigt, ob und wie ein Autor seinem Sujet treu bleiben muss und wie er das zustande bringt. Wie in jedem der folgenden Texte schaut Kehlmann auch hier nicht ohne Ironie und leise Selbstkritik auf sein Werk, das den dritten Mann auf Humboldts Amerikareise, eben jenen Montúfar, aus der Geschichte gestrichen hat.

In den weiteren Texten geht es um Tolkien und warum er eben kein Schund ist sondern einzigartig, warum die Simpsons moderne Kunst im besten Sinne darstellen (die Verbeugung vor der Serie verbirgt sich hinter dem Titel Voltaire und Starbucks), es geht um das vermeintliche Ende des Romans als Kunstform, was Autorschaft ausmacht (am Beispiel von Raymond Carver, dessen Texte erst durch seinen Editor zu etwas Neuem, Beeindruckenden wurden) und zuletzt, in einem besonders lustigen Artikel im Kontext der Autorenlesung, um das Lesen und Vorlesen eigener Werke.

Man kann fast das Schmunzeln hören, wenn Kehlmann vorliest: "Aus irgendeinem Grund hören viele Menschen einen Text lieber, als ihn selbst zu lesen, und sie hören ihm lieber dargeboten von einem stotternden und hustenden Vorlesedilettanten, der sein Verfasser ist, als von einem Profi." Zwar stottert und hustet Daniel Kehlmann nicht, aber einen guten Vorleser kann ich ihn auch nicht nennen. Seine Stimme hat etwas Penetrantes, die Intonation ist etwas lehrerhaft und nicht gerade melodisch.

Dennoch habe ich ihm gerne gelauscht, denn die ganze Spielzeit über fand ich mich in Zustimmung nickend und Bemerkungen notierend vor den Lautsprechern. Eine zutiefst subjektive Einschätzung also. Aber jedem Gedankengang Kehlmanns kann man ohne Probleme, sondern sogar mit Freude folgen. Unterhaltsame Beispiele illustrieren seine Argumentation, dass ihm das Grübeln Spaß macht, wird ganz deutlich. Das ist etwas, das ich an Philosophen (Kehlmann studierte Philosophie und Literaturwissenschaft) oft beobachtet und bewundert habe: Dass sie ihre Gedanken gut vernetzen können. Man sagt ja auch, dass man im Philosophiestudium denken lernt. Wenn jemand so von einem Thema zum anderen springt und sich am Ende der Kreis schließt, kann ich ewig lauschen, da geht mein Interesse eigentlich nie verloren.

Viel Wahres und manches Komische war hier zu hören, und ab und zu schlich sich ein melancholischer Unterton in die Überlegungen über große Literatur, Kuriositäten und Fakt und Fiktion ein.
Dieser Autor scheut nicht, ein wenig U in sein E zu mischen. Und warum auch nicht?

Für wen ist das (Hör-)Buch?

Wer sich für moderne und klassische Literatur und für das Erzählen an sich begeistert, kommt grundsätzlich infrage :) Wem dann auch noch Leute wie Thomas Pynchon, Voltaire und die Fizgeralds wenigstens grob geläufig sind, der wird sich gut unterhalten und hat auch nach dem Hören/Lesen noch etwas zum Grübeln. Ob Audio oder doch die Buchfassung mit weiteren Essays, aber ohne den Simpsonstext, muss aber jeder selbst entscheiden.

Buch auf Leseliste setzenDaniel Kehlmann (2006): Wo ist Carlos Montúfar? Über Bücher. Deutsche Grammophon.
ISBN: 978-3-8291-1763-0

Donnerstag, 8. Januar 2015

SuBKultur. Ein Buchjournal für einen SuB: Das "Ex Libris"

Ich dachte, es ist mal Zeit, euch meinen kleinen "Rezi-Helfer" vorzustellen :)
Ist es nicht ein tolles Gefühl, ein lange verstaubtes Buch endlich zu lesen? Wer viele von den Staubfängern zuhause hat, kennt das Gefühl. Die Erleichterung, das kleine Quäntchen Stolz.


Seit einem Jahr   benutze ich für diese und für alle anderen gelesenen Bücher das Buchjournal "Ex Libris" von Leuchtturm. In diesem Notizbuch kann man Daten zu all den Büchern erfassen, die man liest, wie Titel, Autor und wann und wo man es gelesen hat (und auch warum), aber auch Zitate und Gedanken zum Gelesenen / Gehörten. Im Anhang ist Platz für weitere Notizen, Geschenkideen, eine Leihliste und es gibt sogar einen alphabetischen Index, damit man Einträge besser wiederfinden kann.


Ich bin zwar kein leidenschaftlicher Benutzer solcher vorgefertigter Notizbücher, aber ein Notizbuchliebhaber wie ich fühlt sich allein bei der Auflistung dieser Details wie im siebten Himmel. Aber das Beste neben der gut durchdachten Struktur des Journals ist die solide Verarbeitung, die Leuchtturm zu meinem Lieblingsnotizbuchhersteller macht. Das Papier hält auch meinen Lieblingsfüller aus (im Gegensatz zu Moleskine-Produkten) und das Seitenlayout gefällt mir.

Die Eule gehört nicht zur Standardausführung des Lesetagebuchs ;)
Das Notizbuch bietet genug Platz für kurze Notizen zu durchschnittlich dicken Büchern, bei ausführlicheren Bemerkungen oder dicken Schmökern wird es allerdings eng.
Was mir als Datensammler fehlt sind Felder für Seitenzahlen und Editionssprache. Man merkt direkt, dass das Journal nicht für den hektischen Challenge-Leser gedacht ist, sondern um genussvolle Lektüre festzuhalten und dem Gedächtnis bei Bedarf auf die Sprünge zu helfen. Es ist aber genug Platz da, um weitere Informationen locker unterzubringen. So ist das Ex Libris meine papierne Datensammelstelle für Lesestatistiken und für besondere Zitate.

Meine erste Reflexion nach dem Lesen landet dagegen oft bei booklikes und/oder Goodreads. Dafür ist das Ex Libris denn nämlich doch ein wenig knapp. Ich laste die Seite meist größtenteils mit Zitaten aus. Eine Doppelseite pro Buch käme mir also sehr gelegen. Auf Leihliste und Geschenkideenspalte könnte ich dagegen bei etwas größerem Notizenteil leicht verzichten.

Trotzdem liebe ich, wie ihr sicher gemerkt habt, das Büchlein allein seiner Haptik wegen. Es ist eine feine Sache, keine Frage.

Habt ihr auch analoge Notizbücher für eure Gedanken beim Lesen? Würdet ihr ein solches thematisches Notizbuch haben wollen?

Freitag, 2. Januar 2015

Winterkatzes Sachbuch-Challenge

Kurzentschlossen bin ich bei Winterkatzes zweiter Sachbuch-Challenge eingestiegen (meine Übersichtsseite ist hier).
Bei näherer Betrachtung habe ich mehr passende Bücher in meinem SuB gefunden als erwartet. Ich dachte es wäre ganz nett, die mal kurz vorzustellen, damit ihr wisst, was es bei mir so zu lesen gibt, und auch mir selbst ist nicht bei allen Titeln klar, worum es genau geht, darum ist das auch für mich nützlich :)

Ich gebe auch an, wie dringend ich das jeweilige Buch lesen möchte:
••• = jaja, bitte!
•• = ja, hat aber Zeit
• = nicht so dringend


• John Freely: Platon in Bagdad
Ein sehr neues Buch auf meinem SuB über die Wissenschaften im Orient. Man hat ja meistens eine grobe Idee davon, dass viele Grundlagen der Wissenschaften schon früh in Nahost bekannt waren, bevor sie zu uns herüber schwappten oder neu entdeckt wurden. Ich finde das super spannend und hoffe auf eine unterhaltsame Rekapitulaiton der Geschichte.

• Daniel Pennac: Wie ein Roman
In diesem Buch werden die zehn Rechte des Lesers ausgeführt. Eine Art Streitschrift also. Vom Nachbarn geschenkt, daher weiß ich nicht viel darüber, es klang aber interessant.

• Vicki Myron: Dewey und ich
Meine Miniselbstbelohnung zur bestandenen Prüfung war dieser bestimmt unterhaltsame, lockere Schmöker über eine Katze, die in einer Bibliothek einzieht. Da kann man nicht wirklich falsch liegen.

• Ernest Hemingway: Paris. Ein Fest fürs Leben
Hemingways posthum veröffentlichter autobiographischer Text über seine Zeit in Paris, mit vielen scheinbar wenig schmeichelhaften Darstellungen seiner Freunde und Bekannten. Ich denke bei dem Buch immer an den Film Midnight in Paris und bin gespannt wie ein Flitzebogen und super froh, dass dieser Klassiker endlich in deutscher Sprache vorliegt (OT: A Moveable Feast).

• Yannik Mahr: Reinlich und kleinlich?
Ein Büchlein über die Deutschen, vermutlich humorvoll betrachtet. Mitbringsel von der Frankfurter Buchmesse. Ich habe keinerlei Erwartungen an das Buch, weil es komplett außerhalb meiner Komfortzone liegt. Aber vielleicht werde ich ja überrascht!


•• Hart und zart. Frauenleben 1920-1970
Ein Geschenk, das durch sein schieres Gewicht immer den kürzeren zieht, wenn ich ein neues Buch aus dem Regal ziehe. An die 50 Autorinnen sind hier mit teils alten, teils neuen Texten vertreten, darunter auch bekannte Namen. Insgesamt macht das Buch einen deutlich links gerichteten Eindruck.

• Alberto Manguel: Eine Geschichte des Lesens
Noch so ein Buch, dass ich dringend lesen will, das aber einfachso unhandlich ist, dass ich es nie anfasse. Ich habe die große illustrierte Ausgabe mal zum Geburtstag bekommen. Asche über mein Haupt, das lese ich dieses Jahr totsicher!

• Leonard Mlodinow: Euclid's Window
Leider gibt es dieses Buch nicht auf Deutsch. Ich habe es auf Daniel Kehlmanns Hinweis, er finde das Buch toll, gekauft, für meine Magisterarbeit. Ein Buch über die Geschichte der Geometrie, von den Anfängen bis heute, also von Euklid bis zur Stringtheorie. Die Kapitelüberschriften verraten viel Humor und ich freue mich schon riesig darauf (sogar verboten riesig, ich hasse Mathe eigentlich).

• Georg Ruppelt: Take up and read. Nimm und lies
Untertitel: Zwei Essays über das Lesen. Genug gesagt.


• Marion Aptroot: Jiddisch
Kurz gesagt: Alles über Jiddisch. Das Buch habe ich mal auf Empfehlung eines Profs gekauft, bin aber nicht über einige Seiten hinaus gekommen wegen anderen Büchern und Zeitmangel. Als Linguistin bin natürlich immer noch am Thema interessiert.

• Deborah Tannen: Das hab' ich nicht gesagt. Kommunikationsprobleme im Alltag
Sieht zwar heftig nach Neunzigern aus, aber das Thema interessiert mich.

• Haruki Murakami: Wovon ich rede, wenn ich vom Laufen rede 
Es geht nicht nur um's Laufen, aber scheinbar auch. Manchmal sollte man auch seltsame Buchtitel nicht als PR abtun. Eine Art langer Essay über das Schreiben. Und Laufen halt :)

• Lothar Gall: Bürgertum in Deutschland
Okay, klingt eher trocken, aber ich habe nun mal ein Faible für die Aufklärung. Und das ist auch das Zeitalter, in dem das Bürgertum entstand. Das Buch habe ich aber nun schon sehr lange (Geschenk von Nachbar); es ist mehrere hundert Seiten stark und darum etwas einschüchternd.

• Kakuzo Okakura: Das Buch vom Tee
Ein jahrhunderte alter Text über die richtige Zubereitung von Tee. Klingt vielleicht nicht soo spannend, aber nachdem ich drei Semester Japanisch gelernt habe, interessiert mich die japanische Kultur immer noch sehr. Und es st ein ganz schmaler Band. Keine hundert Seiten.


Und noch zwei, die mir beim Foto Shooting entgangen sind... 

 • Daniel Kehlmann: Wo ist Carlos Montúfar?
Ist zwar für meine Magisterarbeit, aber sicher auch so interessant: Kehlmann über Literatur.

• Stefan Zweig: Begegnungen mit Menschen Büchern Städten
Darauf bin ich auch echt gespannt: Ich mag vor allem, dass im Titel auch von Begegnungen mit Büchern die Rede ist. So hat man Portraits von Personen, Reiseeindrücke von fernen Orten und Gedanken zu Büchern. Denke ich jedenfalls, denn weitere Infos zum Band konnte ich auf die Schnelle nicht finden.

Donnerstag, 1. Januar 2015

Begleittext 2015. Gute Vorsätze und Neues


Willkommen zurück im Salon! Ich bin so gespannt, was das neue Jahr zu bieten hat. Nicht nur werde ich in die Arbeitswelt eintreten und umziehen, ich hoffe auch, viele gute Bücher zu lesen. Gleiches hoffe ich auch für euch da draußen!

Zum neuen Jahr gehören gute Vorsätze wie Plätzchen zu Weihnachten, und beide erweisen sich manchmal als Reinfall. Aber das Ausprobieren von Rezepten macht doch immer Spaß. Also habe ich ein paar buchige Vorsätze gefasst, die ich 2015 mal ausprobieren werde:

Im letzten Jahr hatte ich versucht, meinen SuB zu reduzieren, weil ich immer mehr Bücher von meinem Nachbarn geschenkt bekommen habe und gar nicht mehr wusste, wohin damit. Also habe ich zum ersten Mal erfasst, welche ungelesenen Bücher ich besaß und wie viele neue dazu kamen und dabei dann gemerkt, dass ich die meisten Neuzugänge selbst verschuldet habe. Obwohl ich wahrscheinlich noch nie so viel gelesen habe wie in 2014, konnte ich nur dank einiger Ausmistaktionen den SuB verkleinern. Dieses Jahr soll das auch ohne dieses Stützrad klappen. Ich will richtig Rad fahren (scheinbar habe ich zu viele Metaphern gefrühstückt).
Deswegen nehme ich an der Mount TBR Challenge teil und hoffe, dass sie mich anspornt, meine eigenen Bücher den schönen neuen vorzuziehen. Ich werde trotzdem weiter in die Bibliothek gehen, denn das tue ich nun mal gerne und außerdem bin ich bald weg aus Trier und dann werde ich sie vielleicht (bestimmt) vermissen. Für einen offiziellen Kaufbann bin ich auuch nicht bereit, aber ich versuche, mich echt mehr zusammenzureißen. Ehrlich. Aktuell bin ich ja bei 160 Büchern, was skandalös ist.

Durch die Weltenbummler-Challenge erfülle ich mir einen lange gehegten Lesewunsch, nämlich mehr internationale Literatur zu lesen. Es geht hier zwar nur um den Handlungsort, aber ich hoffe, trotzdem ein bisschen mehr von der literarischen Welt zu sehen. Mein eigenes Regal gibt dafür noch nicht besonders viel her, also habe ich einen exzellenten Grund, Bibliotheksbesuche zu machen.

In den letzten beiden Jahren habe ich an sehr vielen Challenges teilgenommen und so langsam merke ich, dass es genug ist, wenigstens fürs Erste. Die in diesem Jahr begonnenen Challenges möchte ich beenden, aber keine neuen mehr anfangen. Mal wieder einfach nur drauf los zu lesen und blind ein Buch aus dem Regal zu greifen fände ich schön, auch wenn mir die Aufgaben ans Herz gewachsen sind. Man entdeckt dadurch so viel, auch im eigenen Regal.

Im Salon gibt es auch ein paar Veränderungen: Dies wird der letzte Begleittext sein. Ich möchte diese Kategorie aussetzen, weil sie einfach nicht mehr meinen Lesewünschen entspricht. Es gab ja immer eine Vorschau der Rezensionen, die aber manchmal unzuverlässig gewesen ist. Auch der MonatsSuB fällt weg, damit ich einfach etwas mehr Freiraum in meiner Auswahl bekomme. Die Glücksfee für Anti-Age dem SuB poste ich jeweils auf der Challenge-Seite.

Wenn ich doch mal den Drang verspüre, einfach über Gelesenes zu reden oder ein anderes Thema aufzugreifen, dann werde ich dafür weiterhin die SuBKultur-Kategorie benutzen. Dafür war sie auch ursprünglich gedacht. Bisher habe ich aber überwiegend Rückblicke auf Gelesenes gepostet. Das mache ich auch weiterhin, aber nur noch zweimal, Ende Juni und am Jahresende.

Ihr seht, ich möchte nicht nur lesetechnisch weniger eingeschränkt sein, sondern auch fürs Bloggen mehr Freiräume schaffen. Ich möchte natürlich noch genauso viel bloggen wie im letzten Jahr – es macht mir immer noch genauso viel Spaß wie 2014 :) Ich möchte bloß ein wenig spontaner schreiben können und nicht so stark nach festen Schemata. Auch wenn das viel leichter ist. Mein Wunsch von letztem Jahr, wieder ins Schreiben außerhalb des Blogs zu kommen, ist durch die ganzen wissenschaftlichen Texte ins Hintertreffen geraten. Hoffentlich kann ich das 2015 besser machen, wenn die Uni hinter mir liegt.