Donnerstag, 18. Dezember 2014

Die Karte meiner Träume (Film)

3. Buchverfilmungschallenge
Nach langer Zeit habe ich endlich Die Karte meiner Träume sehen können. Im Sommer habe ich ja im zweiten Anlauf und ohne große Begeisterung den Roman gelesen (im Original The selected works of T.S. Spivet). Meine Erwartungen an den Film waren vor allem, dass die Illustrationen eine Rolle spielen würden und dass an dem Plot einige Dinge verändert würden. Das ist zwar ungewöhnlich, hofft man doch normalerweise auf eine möglichst getreue Umsetzung eines Romans. Doch da das Buch für mich aus bestimmten Gründen nicht funktioniert hatte, hoffte ich an diesen Stellen auf Verbesserungen im Film.

Und bingo! Einige der nervigsten Details wurden so verändert, dass ich damit leben konnte. Zwar ist die Geschichte immer noch sehr unglaubwürdig, aber in den Einzelteilen und insgesamt trotzdem realistischer. Eine Details wurden ganz gestrichen, psychische Vorgänge hervorgehoben und dadurch die ganze Handlung besser nachvollziehbar.
Das ist es wohl, was den Film für mich realistischer machte, den die Prämisse – 10-jähriger bekommt Bairdpreis – wurde noch abgedrehter dadurch, dass T.S. nicht etwa eine beeindruckende Zeichnung eingereicht hat wie im Buch, sondern dass er nichts Geringeres als ein Perpetuum Mobile erfunden hat.

Schon von Anfang an sind mir die extrem satten Farben und die leicht kitschig-harmonische Filmmusik aufgefallen – ein bisschen zu viel der Harmonie für mich, aber ich muss sagen, dass es mich bei den tollen Landschaftsbildern nicht sehr gestört hat. Nach Die wunderbare Welt der Amélie sollte es auch nicht zu sehr verwundern, wie Jeunet den Film gemacht hat.
Trotz vieler trauriger Momente – im Film hat man viel deutlicher ein Bild davon, was an T.S. nagt – ist Die Karte meiner Träume ein Feel Good Movie; alle Besucher kamen mit strahlenden Gesichtern aus dem Kinosaal. Und ich kann mich da nicht ganz ausschließen.

Die Karte meiner Träume hat mich positiv überrascht. Der Film hat einige Schwächen, war aber andererseits auch erfrischend anders (zum Beispiel Helena Bonham Carter in einer ganz und gar ungruseligen Rolle als traumatisierte, sich in ihre Arbeit flüchtende Mutter fand ich wirklich schön) und hat vor allem das Herz am rechten Fleck. Ich bin kurz gesagt nicht begeistert, aber vollkommen zufrieden.

Kommentare:

  1. Ich habe durch diesen Beitrag auch zum ersten Mal von einer Challenge dieser Art sowie von der Verfilmung des Romans generell erfahren. Ich finde es lustig wie du beschreibst, dass du zwar zufrieden, aber nicht begeistert bist - es geht mir nach Buchverfilmungen oft ganz genauso :)

    Liebe Grüße
    Katrin

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    1. Im Allgemeinen scheinen Leser meist eher enttäuscht zu sein von Verfilmungen... Ich versuche, Film und Buch als selbständige Werke zu betrachten, aber das gelingt mir bestimmt nicht immer, darum finde ich, wenn ich "zufrieden, aber nicht begeistert" bin, ist das eigentlich schon ein gutes Ergebnis :)

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  2. Servus, Cat.
    Mitunter bricht eine eigenwillige Adaption den Kern einer anderen Sichtweise auf die Story, die Figuren eines Buches heraus. Ein Grund, warum mich Verfilmungen doch immer wieder zu interessieren wissen. Eine schillernde Gestalt wie Sherlock Holmes ist hier ein formidables Beispiel. Doyles Fälle, unzählige Serien & Filme - schlußendlich neue Interpretationen. Alles fügt sich zu einem reichhaltigen Kosmos zusammen.

    Gut - es gibt dennoch auch die miesen Umsetzungen. Keine Frage.

    Scheinbar hat hier Jeunet das Bessere aus einem Buch gezogen - zu ziehen vermögen. Obschon mir 3D-Spielereien im Film nach wie vor Skepsis servieren.

    Du kennst 'Delikatessen' (von Jeunet & Caro)?

    bonté

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    1. Delikatessen - ein Meisterwerk! Und seit Mittwoch in meinem DVD-Regal :) Was Zufall ist. Es gibt nichts Traurigeres, als wenn ein Film einen daran erinnert, wie gut sein Vorgänger / das Orginial /... war. Geht mir bei Remakes öfters so.

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  3. Hm, vielleicht sollte ich mit den Film auch anderen. Von dem Buch war ich auch nicht so begeistert, wobei es schon zu lange her ist, das ich es gelesen habe - was mit genau nicht gefallen hat, kann ich hat nicht mehr sagen...

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  4. ansehen... Immer wieder diese die Worterkennung. ;-)

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    1. Hihi ;)
      Im Kino muss man das nicht gesehen haben, aber so würde ich dem Film mal eine Chance geben.

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