Dienstag, 23. Dezember 2014

Daniel Kehlmann: Die Vermessung der Welt

Die Vermessung der Welt

Darum geht's

Mit hintergründigem Humor schildert Daniel Kehlmann das Leben zweier Genies: Alexander von Humboldt und Carl Friedrich Gauß. Er beschreibt ihre Sehnsüchte und Schwächen, ihre Gratwanderung zwischen Lächerlichkeit und Größe, Scheitern und Erfolg. Ein philosophischer Abenteuerroman von seltener Phantasie, Kraft und Brillanz. (Klappentext)

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Ich berufe mich mal ausnahmsweise auf den Klappentext. Bei den eigenen Lieblingsbüchern fällt es mir am schwersten, kurz etwas zum Inhalt zu sagen, ohne auszuschweifen.

Die Vermessung der Welt war das erste Buch, das ich für die Uni gelesen habe, und jetzt wird es das letzte sein, weil meine Magisterarbeit davon handelt.

Es hat mein Interesse für das Zeitalter der Aufklärung und der Klassik geweckt. Es hat mir gezeigt, nachdem mir in der Schule der Eindruck vermittelt wurde, dass Leute wie Goethe und Schiller so etwas wie Götter gewesen seien, dass auch Genies Menschen sind.
Humboldts älterer Bruder sprach über die Vorteile des Blankverses, Wieland nickte aufmerksam, auf dem Sofa saß Schiller und gähnte verstohlen.
 Oft wird in Buchvorstellungen von Die Vermessung der Welt über die lustigen Schilderungen deutscher Exzentrizität gesprochen oder einfach über den schon im Klappentext zitierten Humor. Natürlich stimmt das, an einigen Stellen ist das Buch brüllend komisch.
Ich denke aber, dass das Buch noch mehr kann: Es ist auch eine verschlungene Meditation über die Angst vor dem Leben selbst, über Vergänglichkeit und die Bedeutung des Menschen in der Welt.

In den späten Kapiteln, wenn Gauß und Humboldt den körperlichen und geistigen Verfall zu spüren bekommen, wechselt denn auch der Erzählton. Die Genies sind Relikte ihrer Zeit, die Wissenschaft hat sich weiterentwickelt. Es gibt also auch melancholische Töne.

Da dies mein wohl liebster deutscher Roman ist, musste ich ihn endlich mal vorstellen. Ich habe ihn nun zum siebten Mal gelesen. Jedes Mal habe ich Neues entdeckt. Ich kann Die Vermessung der Welt nur empfehlen.

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Buch auf Leseliste setzenKehlmann, Daniel. Die Vermessung der Welt: Roman
Reinbek bei Hamburg: Rowohlt Taschenbuch Verlag, 2008
ISBN: 9783499241000

Kommentare:

  1. Bore da, Cat.
    Leute, die tatsächlich oder vorgeblich großes geleistet haben, gehören nicht wirklich auf einen Sockel. Besagter Standort erschwert es einem Fragen zu stellen. Was war zum Beispel das Große an König Friedrich von Preusen?! Sein Militarismus & die Kriege, die er so vom Zaun brach, verdienen den Nachruhm eigentlich nicht.
    Zu wissen, daß Goethe sächselte genügt eigentlich, um ihn wieder zu einem normalen Menschen seiner Zeit zu machen. :-)

    Ruhm & Unsterblichkeit sind relative Begriffe - sollte man/frau den Leuten, die danach streben, öfter sagen. In Anbetracht von Jahrmilliarden des Universums erst recht.

    Schmälert jetzt natürlich den Genuß eines Buches auch nicht! Wir leben ja alle in unserem Leben.

    Was hälst Du von der Verfilmung?

    bonté

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  2. "Die Vermessung der Welt" ist wirklich ein toller Roman. Ich war damals (auch wegen des Hypes) ein wenig skeptisch, aber wider Erwarten hat er mir dann sehr gut gefallen. Bislang habe ich ihn aber nur einmal gelesen.

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