Dienstag, 9. Dezember 2014

Audrey Niffenegger: Die Frau des Zeitreisenden

Die Frau des ZeitreisendenClare ist Kunststudentin und eine Botticelli-Schönheit, Henry ein verwegener und lebenshungriger Bibliothekar. Clare fällt aus allen Himmeln, jedes Mal aufs Neue, wenn Henry vor ihr steht. Denn Henry ist ein Zeitreisender, ohne jede Ankündigung verstellt sich seine innere Uhr. Plötzlich und unerwartet stürzt er los, nie ist sicher, aus welcher Zeit er kommt und in welcher Zeit er bei Clare landet, aber immer ist sicher, dass er wieder bei ihr landet. Als sie sich das erste Mal begegnen, ist Clare sechs und Henry 36, aber in Wahrheit ist Henry nur acht Jahre älter als sie und schon lange mit ihr verheiratet. Absurdes wird zur Normalität. Seine Zeitreisen sind das brennende Geheimnis, das Henry und Clare mit jeder Trennung noch inniger vereint. (Klappentext)
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Auch diesmal habe ich den Klappentext verwendet statt einer eigenen Inhaltsangabe. Botticelli-Schönheit und verwegener Bibliothekar? Wie konnte ich diese Klischees übersehen?

Ich hatte hier offensichtlich etwas ganz anderes erwartet und den Klappentext vollkommen außer Acht gelassen. Ich lese sie nicht immer, weil Klappentexte nach meiner Erfahrung selten die Atmosphäre eines Buches beschreiben können und mir also bei meiner Leseentscheidung nicht weiter helfen. Tja, hier hätte sich ein Blick definitiv gelohnt...

Wobei ich dem Genre auch gerne ab und zu mal eine Chance gebe. Gut, ich stoße dabei immer wieder an meine Grenzen. Aber Zeitreisen? Sollte das nicht wenigstens einen Hauch Action versprechen? Heldenhafte Abenteuer? Szenen in anderen Jahrhunderten?

Stattdessen wird Zeitreisen hier als Krankheit dargestellt, die die beiden Liebenden auseinander treibt und bekämpft werden muss. Als Doctor Who Fan kann ich da nur den Kopf schütteln. Aber mal Spaß beiseite: Jeder kleinste Fitzel an SciFi-Ideen wird hier für eine nicht gerade außergewöhnliche Liebesgeschichte missbraucht.

Clare ist dabei nur eine Art Alibi, eine schmachtende damsel in distress, die den lieben langen Tag nur auf ihren Henry, den eigentlichen Held, wartet. Der Titel des Buches ist also ein wenig irreführend, da Clare eigentlich nichts tut. Sie schmachtet. So wie Bella nach ihrem Edward im zweiten Biss-Buch. 

Und die Zeitreisen: Sie reichen scheinbar nicht über Clares Lebensspanne hinaus. Wie lahm ist das denn? Die unwillkürlichen Zeitreisen führen Henry nur an Orte, die er bereits kennt (anscheinend, wobei dafür aber nie eine Erklärung geliefert wird) und es wird allgemein sehr wenig darüber gesagt. Jedenfalls scheint er nie in andere Jahrhunderte zu gelangen.

Ich mochte den Gedanken einer Liebesgeschichte mit einem guten Schuss Zeitreise, so wie vielleicht die Edelstein-Trilogie von Kerstin Gier. Die hat zwar auch ihre Macken und trieft vor Geschlechterklischees, aber es hat so viel Spaß gemacht, sie zu lesen. Niffenegger hat sich so sehr um eine Beschreibung der Beziehung zwischen Henry und Clare bemüht und wie sehr sich die beiden lieben, dass alles andere viel zu kurz kam. Ich bin super enttäuscht.

Für wen ist das Buch?

Ich kenne viele Fans dieses Romans, daher nehme ich an, dass Liebhaber von Romanzen damit goldrichtig liegen, weil er scheinbar neue Elemente einbaut. Aber sorry, ich kann ihn nicht allen Ernstes weiter empfehlen.

Buch auf Leseliste setzen Audrey Niffenegger: Die Frau des Zeitreisenden
Fischer Taschenbuch-Verlag, 2007.

1 Kommentar:

  1. Gallifrey'sche Grüße, Cat.
    Wenn ich mich durch die Entäuschungen Deiner Feststellungen lese, kommt mir der Verdacht mit dem Film zum vorliegenden Roman den besseren Schnitt gemacht zu haben. Hier erinnert das Paar stark an die Abgründe, die tragisch Liebende der griechischen Mythologien zu durchleiden haben. Spielsteine höhererer Mächte, ohne Einfluß auf ihr Schicksal - außer sich aneinander klammern zu wollen. Im Film funktionieren auch die Zeitreisen, weil sie die Handlung vorantreiben.

    Ein Fall von besserer Adaption einer mediokren Vorlage?!

    bonté

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