Montag, 24. November 2014

John Griesemer: Rausch

Rausch

Darum geht's

Griesemer erzählt aus verschiedenen Perspektiven von den großen Mühen der Verlegung des ersten Transatlantikkabels. Er folgt dem jungen Zeichner Jack Trace, dem Ingenieur Chester Ludlow und seiner schwermütigen Frau Franny, dem leichten Mädchen Maddy und den Lindts. Ihrer aller Schicksal ist eng verschlungen.

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Die Verlegung des Transatlantikkabels war ein echter Kraftakt: Ständig mussten den Sponsoren neue Gelder abgezwackt werden, weil immer wieder etwas schief ging: Katastrophale Stapelläufe, gebrochene und unbrauchbare Kabel. Und obendrein bricht der Amerikanische Bürgerkrieg aus.

Inmitten der Wirren schildert John Griesemer die nicht minder bewegten Leben seiner Protagonisten. Der englische Titel Signal and Noise bringt zum Ausdruck, wie ihre Leben durch die historischen Ereignisse, sozusagen das Signal, verändert werden, als würden sie aus der vorgezeichneten Bahn geworfen. Keiner von ihnen führt ein erfülltes, sondern eher ein überfülltes Leben.

Mir hat das Lesen dieses Romans Spaß gemacht, auch wenn ich ihn ein wenig überladen fand und einige Charaktere einfach zu unausgegoren. Auch Rausch ist ein guter Titel, wird die Story doch immer opulenter. So viel passiert, dass es für mehrere Bücher gereicht hätte. Aber irgendwie passte auch das in ein Zeitalter, in dem man das Gefühl hatte, bald das letzte Rätsel gelöst zu haben. Im Klappentext heißt es sogar: "Wir schreiben das Jahr 1857, und die Welt windet sich in den Geburtswehen der Moderne."
Fortschritt ist auch ein wiederkehrendes Motiv in Rausch, das aber immer kontrastiert mit dem eingesetzten Bühnenzauber und dem 'Totenkult'. Kommunikation spielt nicht nur in Form des Kabels eine Rolle, sondern auch in dem wiederkehrenden Wunsch, mit dem Jenseits Kontakt aufnehmen zu können. Einige Medien reisen durch das Land und Griesemer lässt den Leser entscheiden, ob es Signale aus dem Jenseits gibt oder nicht.

In jedem Fall ein spannendes Stück Geschichte, von dem hier erzählt wird. Ich würde gerne mehr solche Romane lesen, die unsere Wissenschaftsgeschichte, Entdeckungen und Erfindungen erzählen. Aber vielleicht mit weniger Drama. (Dieses Buch würde dagegen eine spannende Serie abgeben.)

Für wen ist das Buch?

Wer historische Romane mag und mal abseits der Mittelaltersagas lesen will, findet hier einen Schmöker für neblige Herbsttage.

Buch auf Leseliste setzenGriesemer, John. Rausch. Hamburg: Mare, 2003.
ISBN: 9783936384864

Kommentare:

  1. Das hört sich ja mal interessant an. Ich bin mir nur nicht sicher, ob mir das nicht auch zu viel Drama wäre - ich mag es nicht, wenn es zu überladen ist. Geht das denn auch in Richtung Kitsch oder das dann doch nicht?

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    1. Nein, Kitsch ist es überhaupt nicht. Es ist nur fast wahnwitzig, wie oft da Partner getauscht werden und Ehen zerbrechen. Aber dabei ist es nicht wie ein Bollywood-Film erzählt oder so, es passiert viel, der Ton bleibt aber nüchtern.

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    2. Hm, okay, sowas nervt mich ja leider schon in Fernsehserien ziemlich. Na, mal sehen, ob es das Buch in der Bücherei gibt, dann kann ich es ja einfach mal ausprobieren.

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