Montag, 17. November 2014

Fannie Flagg: Grüne Tomaten (und Film)


Darum geht's

Evelyn Couch hat keine Erwartungen mehr an ihr Leben. Ihre Kinder sind aus dem Haus, ihr Mann interessiert sich scheinbar mehr für den Fernseher als für sie. Sie hat den Anschluss an die Außenwelt verloren, die sich weiter entwickelte, während sie versuchte, ein braves Mädchen und später eine gute Ehefrau zu sein.

Als sie die sechsundachtzigjährige Nini Threadgood kennen lernt, die aus ihrem Leben in Whistlestop erzählt und vor allem von zwei starken Frauen dort, verändert sich Evelyns Einstellung zum Leben Stück für Stück. Je mehr sie über die jungenhafte Idgie und ihre Freundin Ruth erfährt und über den Mord, den Idgie angeblich begangen haben soll, desto mehr erwacht sie aus ihrem Dornröschenschlaf und hört auf, auf einen Prinzen zu warten, sondern nimmt ihr Leben stattdessen selbst in die Hand.

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Das vorweg: Ich habe Grüne Tomaten zum ersten Mal gesehen, als ich vielleicht zwölf war, und verliebte mich auf der Stelle in diese altmodische Kathy Bates, wie sie als Evelyn Couch langsam zum Leben erwacht. Auch Nini, deren Enkelin ich zu gerne gewesen wäre, und die anderen Menschen in Whistlestop sind mir direkt ans Herz gewachsen.
Dass der Film auf einem Roman basiert, habe ich erst vor Kurzem zufällig herausgefunden. Sofort habe ich den Bibliothekskatalog durchsucht und fand das Hörbuch, gelesen von Regina Lemnitz, also der Synchronsprecherin von Kathy Bates!

Ich denke, das ihre Stimme der Hauptgrund für meine Begeisterung ist: Sie wusste genau, welchen Tonfall die Geschichte brauchte und konnte die Stimmung zwischen Evelyn und Nini, deren Freundschaft immer stärker wird, wunderbar wiedergeben. Da ich schon die Evelyn Couch im Film einfach hinreißend niedlich fand, konnte mich das Hörbuch also nicht enttäuschen.

Nachdem ich den Film jetzt noch einmal gesehen habe, gefällt mir das Buch deutlich besser. Es wird viel deutlicher, wozu die Evelyn-Nini-Geschichte überhaupt da ist. Im Film wird da arg vereinfacht und der arme Ed (Mr. Couch), der im Buch gar kein schlechter Kerl ist, wird als idiotischer Grobian dargestellt, der am Ende des Films nur noch 'so ein Typ im Hause Couch' zu sein scheint, dessen Meinung nicht zählt. Das mag an der Emanzipationswelle in den Neunzigern liegen, wo Powerfrauen wie Hera Lindt Bestseller schrieben, in denen Frauen nicht nach Gleichberechtigung streben, sondern "den Spieß umdrehen". Dadurch wirken die Szenen, die in der Vergangenheit spielen, viel lebendiger und interessanter. Vor allem, weil auch hier stärker polarisiert wird zwischen gut und böse und mehr Dramatik entsteht.

Im Film wird diese Powerfrauseite hervorgekehrt, während das Buch vielschichtiger ist. Trotzdem würde ich sagen, dass auch hier das Hauptaugenmerk auf Loyalität und Freundschaft unter Frauen liegt. Es ist ein Feel Good Buch ohne die Agression gegen Männer, die der Film ausstrahlt. Allerdings konnte ich auch den problemlos mit meinem Freund anschauen, nur da ich das Buch jetzt kannte, fand ich es schade, dass hier so viel ausgelassen wurde.

Kommentare:

  1. Den Film finde ich auch sehr schön. Ich muss aber gestehen, dass ich bisher gar nicht wusste, dass der auf einem Roman basiert. *ähem*
    Das Buch klingt auf jeden Fall sehr interessant, das muss ich mir mal merken.

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    1. Das scheint ein wenig bekannter Fakt zu sein. Ich war ja selbst ganz erstaunt, als jemand bei Goodreads schrieb, er habe gerade Fried Green Tomatoes gelesen. Nur so bin ich erst darauf gekommen. So ein Glückstreffer.

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