Sonntag, 30. November 2014

Shout-out 11/14

Shout-out für Blogger
Platz für Lob: Besondere Posts
Und wieder meine gesammelten Links des Monats.

Das ist mein Danke an die Blogger, durch die deren Rezensionen Wunschlisten magisch wachsen, durch deren HowTo-Posts man weniger verloren ist oder die einfach einen ehrlichen Kommentar schreiben und die Dinge beim Namen nennen.
Auf meiner Liste landet aber auch der ein oder andere Non-Blog-Artikel, den ich weiterempfehlen möchte.
Dieser Shout-out ist mein persönliches Notabene, das weder repräsentativ noch objektiv sein soll. Es kann sich gerne jeder anschließen, der auch anderen Bloggern Danke sagen will (Logo kann verwendet werden).



Vorweihnachtslesewochen. Vom Advent eingeholt

Allen einen geruhsamen ersten Advent! Wie angekündigt, mache ich bei Arianas Vorweihnachtslesewochen mit.

Gestern haben Bär und ich eine kranke Freundin besucht, darum konnte ich gestern nichts posten.
Meine Bücherauswahl für den Advent hat sich etwas geändert, denn ein weihnachtliches Buch hat doch noch in meinem Regal Einzug gehalten: Ein Weihnachtsgechenk für Walter von Barbara Wersba:
Walter ist eine echte Leseratte. Kein Wunder, dass er sich nach Sir Walter Scott benannt hat! Er lebt bei Miss Pomeroy, einer alten Dame, die Kinderbücher schreibt und eine herrliche Bibliothek besitzt. Dort macht Walter eines Tages eine erschütternde Entdeckung: Der Held in Miss Pomeroys Kinderbüchern ist ausgerechnet eine Maus! Als kultivierte Ratte ist Walter zutiefst gekränkt und beschließt, Miss Pomeroy einen Brief zu schreiben...
Ich freue mich schon auf dieses superniedlich illustrierte kleine Buch! Es ist eigentlich ein Geschenk für jemanden, darum werde ich es ganz vorsichtig lesen.

Sonst möchte ich heute mit Oryx und Crake beginnen, das ja in den letzten Monaten häufig auf Blogs vorgestellt wurde. Dazu habe ich wie jedes Jahr einen selbst gebauten Adventskranz in Aktion.

In der kommenden Woche möchte ich mal schaffen, frühzeitig zum Weihnachtsmarkt zu kommen. Dann ist noch nicht alles voll mit Touristen, was in Trier immer schnell zu dichtem Gedrängel wird, und man kann sich in Ruhe umsehen und eine Waffel essen oder etwas anderes Weihnachtliches. Punsch ist nicht so mein Fall, der fällt aus.
Sonst möchte ich noch ein Geschenk für meinen Bruder finden. Das ist immer etwas schwierig, weil wir so sehr verschieden sind. Am besten ist in solchen Fällen immer, entweder direkt zu fragen, was derjenige sich wünscht (finde ich aber doof), oder sich mit anderen Familienmitgliedern zusammen zu tun.

Und was macht ihr so dieses Wochenende und in der nächsten Woche? Gemütlich einkuscheln oder doch lieber ein bisschen raus?

Donnerstag, 27. November 2014

Ella Maillart: Außer Kurs

Ella Maillart

Darum geht's

Ihre ungewöhnlichen und abenteuerlichen Reisen führten die Schweizerin Ella Maillart immer wieder in die unzugänglichsten Regionen der Welt zu Pferd und Kamel von Peking der Seidenstraße folgend (Verbotene Reise) oder nach Turkestan, entlang der sowjetisch-chinesischen Grenze (Turkestan Solo). In Außer Kurs erzählt Ella Maillart von ihrer 1930 unternommenen Reise nach Moskau und in die unendlichen Weiten Russlands. Sie beschreibt die gefährliche Route durch das Kaukasusgebirge bis zum Schwarzen Meer, berichtet von ihren Begegnungen und Erlebnissen mit den vielen Menschen, die sie auf den Straßen Moskaus und in abgelegenen Tälern kennenlernt und lässt den Leser teilhaben an der Begeisterung, mit der sie dieses faszinierende Land erlebt.
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Wir schreiben das Jahr 1930: Eine junge Frau packt ihren Rucksack. Sie reist 'in eine ganz andere Welt', nämlich nach Russland und später auch in den Kaukasus.
Noch gehe ich etwas Abstraktem entgegen und ich bin gespannt, was mich in Russland, das mit der sozialistischen Gesellschaft das kühnste Experiment der Neuzeit wagt, erwartet. Vor allem bin ich gespannt auf die jungen Menschen, die Zwanzigjährigen, die die alte Welt nicht mehr gekannt haben und für die der neue Staat aufgebaut wird.
Maillarts Faszination für dieses Experiment spürt man auf jeder Seite, solange sie in Moskau ist. Die Armut der Russen springt ihr zwar ständig in's Auge, doch gibt sie ihre Erlebnisse ohne viel zu analysieren wieder:
Breite Plätze. Enge Straßen. Wenige Läden, und diese verstaubt. Keine Plakatsäulen. Häuser mit abgesplittertem Verputz und schmutzigen, oft gesprungenen Scheiben. Man möchte am liebsten alles mit frischer Farbe anmalen. [...] Keine Reklame in der Straßenbahn, wie auch die Mauern der Stadt weder Seife noch Aperitif anpreisen.
Maillart interessierte sich eher dafür, ob die Menschen so glücklich sind und wie sie ihren Alltag bewältigen. Und davon muss sie, bis auf ein paar Nebenbemerkungen zur sozialistischen Ideologie, begeistert gewesen sein.
Ich war selber ganz gefesselt von ihren Beschreibungen, die ja für mich obendrein eine Zeitreise waren. Und ihre Faszination hat sich teils übertragen. Dieser überkritische Ton, den wir alle inzwischen gewöhnt sind, mal loszusein und einfach die Freude eines anderen fast kritiklos zu teilen, war wie Urlaub.

Nach einigen Monaten in Moskau bricht Maillart mit einer Reisegruppe in den Kaukasus auf. Sie überqueren das Gebirge größtenteils zu Fuß – die Bewohner des Kaukasus waren 1930 praktisch von der Außenwelt abgeschnitten. Mich hat am meisten fasziniert, dass ihre Karren nicht einmal Räder hatten, denn diese Erfindung war dort damals noch nicht angekommen! Dementsprechend eigenartig waren die dort ansässigen Swanen mit ihren eigenen Riten.

Ich war gefangen von diesem lebhaften Reisebericht. Mit jedem Satz war ich direkt im Geschehen und das Alter merkt man dem Buch wenigstens vom Schreibstil kaum an. Einige Ausdrucksweisen und Ansichten sind etwas angestaubt, aber Ella Maillart war eine äußerst aufgeschlossene, weltoffene Frau und schreckte scheinbar vor nichts zurück. Ich stelle es mir ungeheuer abenteuerlich vor, im Jahr 1930 als Frau allein im Osten unterwegs zu sein. Maillart hat viele lange Reisen in die entlegensten Zipfel der Erde unternommen und war ihrerzeit eine wohl berühmte Reiseschriftstellerin, sodass ich jetzt nicht nur von ihrem Bericht, sondern gleich auch von ihr selbst fasziniert bin.

Als wäre das alles nicht schon toll genug, enthält der Band auch noch viele Schwarzweißfotos von ihrer Reise, deren Motive teils im Text beschrieben sind. Bei bebilderten Texten habe ich es oft erlebt, dass beide als getrennte Einheiten behandelt wurden und nur in losem Zusammenhang standen. Hier aber wird öfters von der Entstehung eines Motivs erzählt, sodass man Szenen in den Bildern wiedererkennt.

Ein tolles Buch, das da viel zu lange in meinem Regal Staub gefangen hat. Ich war am Ende genauso traurig wie Ella, wieder in den Westen zurück zu kehren.

Für wen ist das Buch?

Wer mit dem Begriff Fernweh etwas anfangen kann, kann hier getrost zugreifen!
Buch auf Leseliste setzen
Ella Maillart: Ausser Kurs. Die Reise einer mutigen Frau in die unendlichen Weiten Russlands. München: Heyne, 1993.

Das Buch erschien auch unter dem Titel Auf kühner Reise – Von Moskau in den Kaukasus bei Lenos Pocket, 2006.

Gerade entdeckt: Eine kleine Website über Ella Maillart.

Montag, 24. November 2014

John Griesemer: Rausch

Rausch

Darum geht's

Griesemer erzählt aus verschiedenen Perspektiven von den großen Mühen der Verlegung des ersten Transatlantikkabels. Er folgt dem jungen Zeichner Jack Trace, dem Ingenieur Chester Ludlow und seiner schwermütigen Frau Franny, dem leichten Mädchen Maddy und den Lindts. Ihrer aller Schicksal ist eng verschlungen.

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Die Verlegung des Transatlantikkabels war ein echter Kraftakt: Ständig mussten den Sponsoren neue Gelder abgezwackt werden, weil immer wieder etwas schief ging: Katastrophale Stapelläufe, gebrochene und unbrauchbare Kabel. Und obendrein bricht der Amerikanische Bürgerkrieg aus.

Inmitten der Wirren schildert John Griesemer die nicht minder bewegten Leben seiner Protagonisten. Der englische Titel Signal and Noise bringt zum Ausdruck, wie ihre Leben durch die historischen Ereignisse, sozusagen das Signal, verändert werden, als würden sie aus der vorgezeichneten Bahn geworfen. Keiner von ihnen führt ein erfülltes, sondern eher ein überfülltes Leben.

Mir hat das Lesen dieses Romans Spaß gemacht, auch wenn ich ihn ein wenig überladen fand und einige Charaktere einfach zu unausgegoren. Auch Rausch ist ein guter Titel, wird die Story doch immer opulenter. So viel passiert, dass es für mehrere Bücher gereicht hätte. Aber irgendwie passte auch das in ein Zeitalter, in dem man das Gefühl hatte, bald das letzte Rätsel gelöst zu haben. Im Klappentext heißt es sogar: "Wir schreiben das Jahr 1857, und die Welt windet sich in den Geburtswehen der Moderne."
Fortschritt ist auch ein wiederkehrendes Motiv in Rausch, das aber immer kontrastiert mit dem eingesetzten Bühnenzauber und dem 'Totenkult'. Kommunikation spielt nicht nur in Form des Kabels eine Rolle, sondern auch in dem wiederkehrenden Wunsch, mit dem Jenseits Kontakt aufnehmen zu können. Einige Medien reisen durch das Land und Griesemer lässt den Leser entscheiden, ob es Signale aus dem Jenseits gibt oder nicht.

In jedem Fall ein spannendes Stück Geschichte, von dem hier erzählt wird. Ich würde gerne mehr solche Romane lesen, die unsere Wissenschaftsgeschichte, Entdeckungen und Erfindungen erzählen. Aber vielleicht mit weniger Drama. (Dieses Buch würde dagegen eine spannende Serie abgeben.)

Für wen ist das Buch?

Wer historische Romane mag und mal abseits der Mittelaltersagas lesen will, findet hier einen Schmöker für neblige Herbsttage.

Buch auf Leseliste setzenGriesemer, John. Rausch. Hamburg: Mare, 2003.
ISBN: 9783936384864

Donnerstag, 20. November 2014

Jean Craighead George: Julie von den Wölfen

Julie von den Wölfen
Dieses Kinderbuch habe ich für Birthes kleine Abstaub-Reread-Challenge wieder hervor gekramt.

Miyax, die ihre Kindheit bei dem altmodischen Vater verbracht hat, kommt als Zehnjährige zum ersten Mal in Kontakt mit modernen Inuitsiedlungen. Dort nennt man sie Julie und verheiratet sie mit dem scheinbar geistig behinderten Daniel.

Als der, von seinen Mitschülern angestachelt, ihr Gewalt antun will, flieht sie in die Weiten der Tundra. Halb verhungert trifft sie auf ein Wolfrudel und lernt die Körpersprache der Wölfe in der Hoffnung, so etwas Essbares abzubekommen. Ihr Ziel ist San Francisco, wo ihre Brieffreundin Amy wohnt und auf sie wartet.

Doch je länger Miyax in der Wildnis lebt wie ihre Vorfahren und von den Wölfen akzeptiert wird, desto klarer wird ihr, dass die Welt der Bleichgesichter nichts für sie ist.

Durch die einfachen, aber poetischen Bildern wird auch dem Leser immer deutlicher, dass es diese ursprüngliche Natur zu schützen gilt, nicht aus rationalen Überlegungen, sondern um ihrer Schönheit Willen und aus Respekt vor dem Leben.

Wie aus dem verlorenen, zurückhaltenden und leicht quengeligen Mädchen Julie langsam die junge Frau Miyax wird, ist glaubhaft geschildert, ihr Weg zu sich selbst ist schmerzhaft und lehrreich und wunderschön zu lesen.

Autorin Jean Craighead George hat als Forscherin lange das Verhalten von Wolfrudeln beobachtet und kam so auf die Idee zu dem Roman. Das ganze lange erste Kapitel beschreibt, wie Miyax langsam Eingang in das Wolfrudel findet, erst danach erfährt man als Leser, wieso dieses Mädchen alles hinter sich gelassen hat. Dabei lernt man auch einiges über die Inuit.

Während mir besagtes erstes Kapitel ein wenig lang vorkam, war der Rest einfach so toll, dass ich am Ende ganz begeistert war. Ein tolles Kinderbuch für jedes Alter!

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Buch auf Leseliste setzenGeorge, Jean Craighead: Julie von den Wölfen.
Dt. Taschenbuch-Verl, 2000. Erstveröffentlichung 1972.
ISBN: 3-423-07351-9

Montag, 17. November 2014

Fannie Flagg: Grüne Tomaten (und Film)


Darum geht's

Evelyn Couch hat keine Erwartungen mehr an ihr Leben. Ihre Kinder sind aus dem Haus, ihr Mann interessiert sich scheinbar mehr für den Fernseher als für sie. Sie hat den Anschluss an die Außenwelt verloren, die sich weiter entwickelte, während sie versuchte, ein braves Mädchen und später eine gute Ehefrau zu sein.

Als sie die sechsundachtzigjährige Nini Threadgood kennen lernt, die aus ihrem Leben in Whistlestop erzählt und vor allem von zwei starken Frauen dort, verändert sich Evelyns Einstellung zum Leben Stück für Stück. Je mehr sie über die jungenhafte Idgie und ihre Freundin Ruth erfährt und über den Mord, den Idgie angeblich begangen haben soll, desto mehr erwacht sie aus ihrem Dornröschenschlaf und hört auf, auf einen Prinzen zu warten, sondern nimmt ihr Leben stattdessen selbst in die Hand.

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Das vorweg: Ich habe Grüne Tomaten zum ersten Mal gesehen, als ich vielleicht zwölf war, und verliebte mich auf der Stelle in diese altmodische Kathy Bates, wie sie als Evelyn Couch langsam zum Leben erwacht. Auch Nini, deren Enkelin ich zu gerne gewesen wäre, und die anderen Menschen in Whistlestop sind mir direkt ans Herz gewachsen.
Dass der Film auf einem Roman basiert, habe ich erst vor Kurzem zufällig herausgefunden. Sofort habe ich den Bibliothekskatalog durchsucht und fand das Hörbuch, gelesen von Regina Lemnitz, also der Synchronsprecherin von Kathy Bates!

Ich denke, das ihre Stimme der Hauptgrund für meine Begeisterung ist: Sie wusste genau, welchen Tonfall die Geschichte brauchte und konnte die Stimmung zwischen Evelyn und Nini, deren Freundschaft immer stärker wird, wunderbar wiedergeben. Da ich schon die Evelyn Couch im Film einfach hinreißend niedlich fand, konnte mich das Hörbuch also nicht enttäuschen.

Nachdem ich den Film jetzt noch einmal gesehen habe, gefällt mir das Buch deutlich besser. Es wird viel deutlicher, wozu die Evelyn-Nini-Geschichte überhaupt da ist. Im Film wird da arg vereinfacht und der arme Ed (Mr. Couch), der im Buch gar kein schlechter Kerl ist, wird als idiotischer Grobian dargestellt, der am Ende des Films nur noch 'so ein Typ im Hause Couch' zu sein scheint, dessen Meinung nicht zählt. Das mag an der Emanzipationswelle in den Neunzigern liegen, wo Powerfrauen wie Hera Lindt Bestseller schrieben, in denen Frauen nicht nach Gleichberechtigung streben, sondern "den Spieß umdrehen". Dadurch wirken die Szenen, die in der Vergangenheit spielen, viel lebendiger und interessanter. Vor allem, weil auch hier stärker polarisiert wird zwischen gut und böse und mehr Dramatik entsteht.

Im Film wird diese Powerfrauseite hervorgekehrt, während das Buch vielschichtiger ist. Trotzdem würde ich sagen, dass auch hier das Hauptaugenmerk auf Loyalität und Freundschaft unter Frauen liegt. Es ist ein Feel Good Buch ohne die Agression gegen Männer, die der Film ausstrahlt. Allerdings konnte ich auch den problemlos mit meinem Freund anschauen, nur da ich das Buch jetzt kannte, fand ich es schade, dass hier so viel ausgelassen wurde.

Samstag, 15. November 2014

Ankündigung Vorweihnachtslesewochen

Wie im letzten Jahr veranstaltet Ariana von Mein (Hör-)Büchertagebuch gemeinsame Lesewochenenden im Advent. Ja, bald ist Advent, Leute, also holt eure Backbücher hervor und überlegt fleißig, wem ihr wie eine Freude machen könnt. Okay, seid ihr in der richtigen Stimmung? Riecht ihr den Zimt und die Orangen? Also:

Im Advent wollen wir gemeinsam lesen und uns auf Weihnachten einstimmen; ob man sich dabei ein Leseziel setzt oder nicht soll jedem selbst überlassen bleiben, es soll vor allem gemütlich zugehen. Wer mehr erfahren oder sich anmelden will (geht auch ohne Blog!), der schaut am besten bei Arianas Post vorbei, den ich oben schon verlinkt habe.

Meine Pläne für den Advent


Meine Lesepläne für dieses Jahr sind mehr oder weniger gemacht, deshalb fehlen Weihnachtsgeschichten auf dem Plan. In unserer Stadtbibliothek habe ich aber neulich eine Ecke mit weihnachtlichen Hörbüchern gesehen, vielleicht nehme ich davon mal eins mit. Aber nicht das unsagbar traurige Märchen vom Weihnachtsbaum von Andersen, da muss ich immer so heulen und kann keine geschmückten Tannen mehr sehen, ohne daran zu denken.

Endlich möchte ich Seide und Schwert lesen, ein Jugendfantasyschmöker, der sich hoffentlich vorzüglich zum Einkuscheln in Wolldecken und zum Verschwinden in fremden Welten eignet. Dazu lese ich Alexis Sorbas, von dem ich ehrlich gesagt nichts weiß, außer, dass es mit Anthony Quinn verfilmt wurde und dass angeblich wegen seiner schlechten Tanzkünste eigens ein Tanz für ihn erfunden wurde, von dem heute alle meinen, er sei urgriechisch: Der Sirtaki. Aber so ein Buch-Blind Date hält vielleicht positive Überraschungen bereit, wer weiß.

Ich werde versuchen, als oberstes Ziel wenigstens die Sonntage von meiner Magisterarbeit frei zu halten. Aber im Moment habe ich auch die romantische Vorstellung, ab und zu ein Rezept aus meinem Lieblingsbackbuch auszuprobieren und Weihnachtsgeschenke und -karten herzustellen. Ich bin so ein Bastelkind :)

Jedenfalls wäre es schön, ein paar Stündchen bei Kerzenlicht und Tee entspannen zu können und den Weihnachtsstress in Grenzen zu halten. Ich freue mich schon!

Donnerstag, 13. November 2014

Tough Traveling 4. Berühmte Waffen

tough traveling mem
Jeden Donnerstag wirft Nathan einen Blick in seine Ausgabe von The Tough Guide to Fantasyland (eine Art humorvolles Lexikon mit gesammelten Tropen des Genres, leider nicht übersetzt), wählt ein Lemma, und jeder kann dazu Listen mit Beispielen anlegen. Egal, wie lang oder kurz. So ein Mem ist anfällig für Spoiler. Ich versuche aber, es ohne zu schaffen.

Berühmte Waffen
Diesmal kein Lemma aus dem Tough Guide, aber doch im Sinn desselben. Die Waffe soll a) einen Namen haben, b) berühmt sein oder c) ein Bewusstsein haben.


A Game of Thrones: A Song of Ice and Fire, Vol. 1-4: A Game of Thrones / A Clash of Kings / A Storm of Swords books 1-4: Steel and Snow / A Storm of Swords: Blood and Gold/ A Feast for CrowsDas Lied von Eis und Feuer
Die Auswahl beschränkt sich zwar auf Schwerter, aber da gibt es schon einige. Zum Beispiel Lady Einsam / Lady Forlorn, mit dem Ser Gwayne Daemon Schwarzfeuer besiegte. Oder Herzbann / Heartsbane, das Schwert des Hauses Tarly, das eigentlich an Samwell übergehen sollte, wenn er kein so großer Hasenfuss wäre. Und um noch ein Schwert der Starks zu nennen: Eis, das Eddard gehörte.


Der Name des Windes (Die Königsmörder-Chronik, #1) Die Königsmörderchronik
Kvothes Schwert trägt den Namen Folly, bzw. Torheit. Es gibt aber auch Leute, die behaupten, eigentlich heiße es Kaysera ("Dichtermörder"). Was es genau damit auf sich hat, konnte man noch nicht erfahren. Nur die Botschaft seines ersten Lehrers scheint einen Hinweis zu geben: "Be wary of folly."


Rhinegold and the Valkyries p 070Nordische Mythologie
Um mal ein Urbild der mächtigen Waffe anzuführen: Mjölnir, Thors Hammer, ist ein Musterbeispiel. Er kann nur von Thor geführt werden, kehrt immer wieder brav in dessen Hand zurück und macht auch so Riesenviecher wie die Midgardschlange platt.

Montag, 10. November 2014

Patrick Modiano: Der Horizont

Der HorizontDarum geht's

Während einer Demonstration stoßen sie in einem Metroeingang zufällig zusammen, Margaret Le Coz und Jean Bosmans. Sie, geboren in Berlin als Tochter einer französischen Mutter, hält sich mit Gelegenheitsjobs über Wasser, er schreibt an seinem ersten Roman. Die beiden werden für kurze Zeit ein Liebespaar. Bis Margaret Hals über Kopf aus Paris flieht. Vierzig Jahre später spürt Bosmans dieser verlorenen Liebe nach. Was ihm bleibt sind seine Erinnerungen und eine konkrete Spur, die in eine Berliner Buchhandlung führt. Es ist die Geschichte eines jungen Paares in den unruhigen sechziger Jahren.

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Der Inhaltstext, den meine Bibliothek vorgab, klang recht vielversprechend. Fast wie ein Minischmöker. Aber nein, das war Der Horizont nicht. Ich glaube, ich bin vor allem auch mit falschen Erwartungen an diesen kurzen Roman (ist es überhaupt einer? Der Verlag will es scheinbar so, aber der Begriff wird ja heute auf alles gedruckt, was verkauft werden soll) herangegangen.

Die ganze Handlung wird von einem Gefühl von Verlorenheit, Chaos und unbestimmter Bedrückung begleitet. Nun habe ich ja die Sechziger und den Kalten Krieg und was sonst nicht erlebt, aber wenn das die dazugehörige Atmosphäre ist, dann ist Modiano darin schon mal ein Meister.
Mit wenigen Beschreibungen und einer einfachen Sprache erschafft er mir eine Epoche, die ich gar nicht kenne. Aber nach dem Lesen hatte ich das Gefühl, wirklich dort gewesen zu sein.

Der Plot und die Charaktere sind eher schleierhaft und haben mein Interesse etwa auf halber Strecke verloren (als ich zu ahnen begann, dass die Lösung mir nicht gefallen würde), aber die Atmosphäre blieb. Auch das ist ein Verdienst. Schade, dass es keine gute Kombination aus allem geworden ist, jedenfalls für mich nicht.

Noch eine Idee: Vielleicht hätte ich das nicht als Ebook lesen sollen. Passte nicht zum Ambiente des Buchs. Ein schönes, stabiles Hardcover wäre da eher

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Buch auf Leseliste setzenModiano, Patrick: Der Horizont: Roman. München: Hanser, 2013.
ISBN 9783446239517

So, das war mein zehnter Nobelpreisträger in diesem Jahr, ich habe Neyashas Challenge Ein Jahr mit Nobelpreisträgern geschafft! Ich konnte ein paar tolle Autoren entdecken, einige alte SuB-Bücher abbauen und habe, wie glaube ich alle Teilnehmer, gespürt, dass man Nobellaureaten nicht so fix lesen kann wie viele andere Autoren. Und man braucht auch längere (Denk-)Pausen zwischen zwei solchen Büchern. Puuh, das war bisher meine schwierigste Challenge!

Wenn ich jetzt so über die Liste schaue, stelle ich erstaunt fest: Die Bücher der Autorinnen haben mir wesentlich besser gefallen als die der Männer. Ein Wink mit dem Zaunpfahl, dass ich mich mehr auf Schriftstellerinnen konzentrieren sollte.
Es ist eine Schande, dass von den inzwischen 111 Preisträgern nur 13 Frauen sind! Immerhin konnte ich eine Frauenquote von 30% erreichen, das Komitee hat nur 11,7% geschafft :-)
Danke, Neyasha, für die tolle Challenge!


*     *     Ab ins Archiv     *     *


10/10 Bücher

Ein Jahr mit Nobelpreisträgern (10.10.2013 - Vergabe des Literaturnobelpreises 2014)

Host: Neyasha von Vom Lesen und Schreiben

Die Idee ist so einfach wie bestechend: Lies und rezensiere im angegebenen Zeitraum Werke von 10 unterschiedlichen Literaturnobelpreisträgern. Da ich davon so viele ungelesen im Regal habe, schließe ich mich gerne an!

Freitag, 7. November 2014

Anti-Age dem Sub nach 3 Monaten

Hallihallo!
Ich muss hier mal ein paar Zahlen abladen, damit die Übersichtsseite der Challenges nicht aus allen Nähten platzt. Darum hier eine kurze Zwischenmeldung, was auf meinem SuB so passiert ist seit Beginn von Antiage dem SuB 3.

Ich habe bis Ende Oktober immerhin 12 alte Bücher gelesen, aber leider sind in der Zeit auch 19 neue Bücher bei mir eingezogen. Da sehe ich noch Verbesserungsmöglichkeiten :)
Bei einer Glücksfee habe ich das Handtuch geworfen, ich konnte drei Uropas lesen und habe 2 der Bonusaufgaben geschafft. Sogar Plus Minus habe ich, dank geballten Buchkaufs, zweimal geschafft.

August '14
Glücksfee: Reif Larsen The Selected Works of T. S. Spivet (Rezi)
Plus Minus: +13
Uropa adé: Die #9, dank Glücksfee
Bonus: Titel, der an ein Lied erinnert
Lose: 3+1+1+0=5
SuB-Stand: 163 (Alt-SuB: 129)

September '14 
Glücksfee: Gerhart Hauptmann Bahnwärter Thiel (geschafft)
Plus Minus: +45 (und ein Buch abgegeben)
Uropa adé: Emil und die drei Zwillinge  
Bonus: Ein Einstieg (1. Band einer Reihe, ein leichtes Buch) oder etwas Neues (neues Genre/Thema/Autor): Sonst noch was
Lose: 3+1+1+1=6
SuB-Stand: 160 (Alt-SuB: 123)

Oktober '14
Glücksfee: E.T.A. Hoffmann Die Elixiere des Teufels (auf- und abgegeben, gibt also ein Los)
Plus Minus: +144 (uups)(und 11 abgegeben)
Uropa adé: Dank Glücksfee #6
Bonus (Herbstliches Cover): Geschichten vom Herrn Keuner
Lose: 1+0+1+1=3
SuB-Stand: 156 (Alt-SuB: 108)

Insgesamt sollte ich jetzt also 14 Lose haben, wenn ich das alles richtig verstanden habe. Denn durch die abgebrochene Glücksfee im Oktober bin ich ein wenig durcheinander gekommen.

Donnerstag, 6. November 2014

Susanna Clarke: Die Damen von Grace Adieu

Die Damen von Grace Adieu
Wer Jonathan Strange und Mr. Norrell noch nicht gelesen hat, den fordere ich hiermit dazu auf: Das Buch ist großartig! Für alle anderen bleibt Die Damen von Grace Adieu das bis heute einzige weitere Werk der Autorin Susanna Clarke (womit es uns immerhin besser geht als Harper Lee Fans).

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Ich verstehe es selber nicht ganz, aber ich brauchte zwei Geschichten, um in diesem kleinen Buch anzukommen. Außerdem konnte ich feststellen, dass der Austen-Tonfall einfach besser für lange Geschichten geeignet ist.

Trotzdem hat mir der Band gefallen und erneut den Wunsch auf mehr Clarke geweckt, auch wenn die Wahrscheinlichkeit eines weiteren Romans aus ihrer Feder sehr gering ist. Wie gut, dass man Jonathan Strange und Mr. Norrell ohne Probleme mehrmals lesen kann. Also ich vergesse jedes Mal die ganzen tollen Details und freue mich dann wieder, als wäre es das erste Mal ;)

In diesem Erzählband gibt es Geschichten zwischen einem Dutzend Seiten und 30 oder 40. Alle drehen sich um Magie, wie sie in Strange & Norrell zu bestaunen war, und meistens sind es Frauen, die hier zaubern.

Am besten gefallen mir die Geschichten, in denen historische Figuren Magisches erleben. Hier gibt es eine Geschichte, die den Herzog von Wellington involviert und über die man nicht mehr als den Titel verraten kann, ohne zu spoilern: Der Herzog von Wellington geht seines Pferdes verlustig.

Manche Geschichten sind von Stil und Handlung her Märchen, in denen John Uskglass von einem Köhler überlistet wird oder in denen junge Damen vom Lande von Elfen entführt werden.

So richtig gefunkt hat es bei mir nicht, obwohl jede Geschichte etwas für sich hatte. Ich könnte mir aber vorstellen, das Buch neben den Grimms, Andersen und Artverwandten im Regal zu haben und es in kleinen, Gute-Nacht-Geschichte-großen Portionen zu lesen oder auch vorzulesen.
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Buch auf Leseliste setzenClarke, Susanna. Die Damen von Grace Adieu. Erzählungen.
Berlin: Berliner Taschenbuch-Verlag, 2008.
ISBN: 9783833305283

Montag, 3. November 2014

Naturkunde 19. Anton, der Fliegenpilz

Heute mal mit Buch!
Ich bin nämlich zwei Figuren aus diesem Kinderbuch begegnet, das ich für Birthes kleine Abstaub-Reread-Challenge gelesen habe.

Anton der Fliegenpilz ist ein 1979 bei Heyne erschienenes Gedicht über Anton, der auszieht, um eine Frau zu finden. Auf jeder Seite begegnet er anderen Pilzen, von denen man dann das ein oder andere erfährt. Natürlich geht alles gut aus, denn als Anton "schon ganz tränennass" ist, trifft er eine Fliegenpilzdame ganz nach seinem Herzen.


Fliegenpilz
Anton?
Zur Begegnung: Der Bär und ich waren Mitte Oktober wandern auf der Traumschleife 2-Täler-Weg im Hunsrück. Es ging ziemlich viel auf und ab, aber die Strecke, nur 13 km, war wunderschön und abwechslungsreich. Empfehlenswert für Naturfreunde mit festem Schuhwerk!

Direkt als erstes habe ich einen Fliegenpilz gefunden! Er war ziemlich angeknabbert, aber zu erkennen, oder? Auf dem Bild sieht man es nicht, aber da waren richtige Bissspuren drin!
 Der Hut ist etwas klein geraten, aber ich denke mal, das ist trotzdem ein Pilz, den man nicht essen sollte.

Übrigens ist vor allem Ibotensäure dafür verantwortlich, dass der Fliegenpilz für Menschen giftig ist, er enthält aber noch  andere Pilzgifte, die noch nicht erforscht wurden. Ibotensäure greift so ziemlich alles im Körper an, was man braucht, also Finger davon! Aber gestorben ist von Fliegenpilzen allein scheinbar noch niemand.

Klebriger Hörnling
Madame Ziegenbart?
 
Als letztes habe ich an dem Tag einen Klebrigen Hörnling gefunden, oder Ziegenbart, wie dieser Pilz im Anton-Buch genannt wird. Im Buch heißt es, jede Suppe mit Ziegenbart werde ein Genuss, Wikipedia meint, er sei "zwar nicht giftig, aber aufgrund seiner Konsistenz kaum genießbar." Tja. Wenn ihr mal halb verhungert im Wald rumlauft, dann hat scheinbar die Stunde der Hörnlinge geschlagen, sonst nehme man doch lieber Pfifferlinge oder so.


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Illustration Anton, der Fliegenpilz
Illustration von Tini Spiegel

Samstag, 1. November 2014

Begleittext November

Banner Begleittext
Wo ist die Zeit hin? Plötzlich war es kalt und ich hatte Lust auf Tee und Wolldecken und solche Sachen. Und unser Kerzenständer ist auch wieder im Einsatz.

Bücherleben

Im Oktober habe ich vor allem fleißig Bücher gekauft und getauscht: 15 Neuzugänge habe ich geschafft!
Gelesen habe ich sowohl Geliehenes als auch Eigenes:
Neuland betreten habe ich mit Horrorstör, einem Horrorbuch, das wie ein Ikea-Katalog aussieht. Große Freude hatte ich an Der Besuch des Leibarztes über die Regentschaft des deutschen Arztes Struensee in Dänemark und mit dem zweiten historischen Roman des Monats, Rausch von John Griesemer, wo es um die Verlegung des Transatlantikkabels geht.
Spontan aus der Bib mitgenommen habe ich Die Damen von Grace Adieu, das ich schon seit seinem Erscheinen (2005 oder so) lesen wollte.

Kommende Rezensionen

Susanne Clarke: Die Damen von Grace Adieu (viktorianisch mit einem Hauch Feenstaub)
Patrick Modiano: Horizont (französisch mit einem Hauch Geschichte)
Fannie Flagg: Grüne Tomaten (Frauenpower mit einem Hauch Harper Lee-Feeling)
John Griesemer: Rausch (historisch mit einem Hauch Verbotene Liebe)
Ella Maillart: Außer Kurs (kaleidoskopisch mit einem Hauch Arbeiterschweiß)

Novemberpläne

Anti-Age dem SuB: Nachdem ich letzten Monat kläglich an meinen Aufgaben gescheitert bin, gibt  mir meine Glücksfee für diesen Monat Iny Lorentz' Die Wanderhure zu lesen. Hoffentlich ist es gut.

Bonusaufgabe: Lies ein Buch von deienm Alt-SuB, das du nicht selbst gekauft hast.

Reread-ChallengeDas Abstauben macht Riesenspaß und ich habe noch weitere Kindheitsschätze zu heben. Im Oktober las ich Hokuspokus in der Nacht, Anton der Fliegenpilz, Julie von den Wölfen und bin auch mit Muss ja nicht jeder ein Held sein bereits fertig. So toll.

Für das 101 Fantasy Books-Langzeitprojekt liegen gleich drei Bücher auf meinem Nachttisch: Magician's Gambit (David Eddings), Die Frau des Zeitreisenden (Audrey Niffenegger) und da vor wenigen Tagen meine Vorbestellung von The Slow Regard of Silent Things ankam, muss das natürlich auch direkt gelesen werden! Das nennt man wohl anfängliche Begeisterung ;)


Beiträge im Oktober

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Begleittext Oktober
Tough Traveling 2. Flüche
Emil und die Detektive. Buch, Fortsetzung und Film (1954)
Unterwegs auf der Buchmesse
Håkan Nesser: Kim Novak badete nie im See Genezareth
Der talentierte Mr. Ripley (Film)
Naturkunde (18). Soooo flauschig!
SuBKultur. Ich habe wieder zugeschlagen...
Der Quantenzauberer von Eoin Colfer
Tough Traveling 3. Elves
Winterkatzes Herbstlesen
Das 101 Fantasy Books Projekt
Horrorstör von Grady Hendrix
Shout-out 10/14 
Lama-Gif von Jakuto