Freitag, 31. Oktober 2014

Horrorstör von Grady Hendrix

Horrorstör von Grady Hendrix

Darum geht's

Seltsame Dinge gehen vor im Orsk Einrichtungshaus. Jeden Morgen finden die Angestellten beschädigte Kjerring Regale, zerbrochene Glans Vasen und verunstaltete Liripip Schränke.
Um den Übeltäter zu finden, bleibt Basil mit Amy und Ruth Anne die Nacht über in dem riesigen Geschäft und begegnen Schrecken, die dem gesunden Menschenverstand unmöglich scheinen.

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Ein Buch, das daher kommt wie ein Ikea Katalog, sieht schon mal vielversprechend aus. Und die Idee, eine Spukgeschichte in dem labyrintartigen Gebäude eines Möbelgiganten spielen zu lassen, fand ich genial! Für jedes Kapitel wurde ein ikea-würdiges Möbel entworfen, das in dem zugehörigen Kapitel auftaucht, auf den ersten und letzten Seiten findet man Werbung und Rabattmarken. Sogar die Schrift ist identisch mit dem Ikea-Font. Und dieser Titel! Kurz: Das Teil musste vorbestellt werden! (Unten habe ich übrigens eine Leseprobe verlinkt, ein Blick lohnt sich!)

Amy landet also mit ihren Kollegen nachts in Orsk, einem Ikea-Abklatsch, der noch billiger und doppelt so unzuverlässig ist wie das Vorbild. Und da passieren dann alle Dinge, die man aus Horrorgeschichten so kennt. Aber ein Twist à la Cabin in the Woods fehlt dann.

Die teils echt abgegriffenen Tricks des Autors (sogar eine Séance war dabei) haben mich nicht großartig gestört. Ich hatte Spaß an den verschiedenen Charakteren und vor allem an der Satire, die ich nicht nur als Ikea-Satire verstanden habe, sondern auch als Satire des Genres Horror. Das war mir Erklärung genug für die bekannten Subplots.

Amy hasst ihren Job. Sie träumt von einem besseren Leben, in dem sie einen "Sitzjob" hat und nicht mehr für ein billiges Ikea-Imitat jobben muss, dass sich auch noch eine passende Firmenphilosophie zurechtgelogen hat. Da sie aber Schule und College abgebrochen hat und in der Schuldenmisere sitzt, bleibt ihr nichts anderes übrig, als ihren jetzigen Arbeitsplatz zu halten, wenn möglich. Eine Zusatzschicht über Nacht scheint ihr die Lösung ihrer Geldsorgen, wäre da nur nicht Basil, ihr nerviger Chef. Der kann nämlich die Orsk-Bibel auswendig und steht voll hinter dem Konzept. Und will aus Amy eine rechtschaffene Orsk-Mitarbeiterin machen.

Die ersten hundert Seiten sind eine große Rundreise durch das Orsk-Imperium, das Hendrix  detailverliebt ersonnen hat. Die Nachtschicht steigert sich auch erst langsam zu einem Alptraum, der dann aber hartnäckig verhindern will, dass man daraus erwacht.

Wirklich: Wenn man ein bisschen Grusel aushält, dann ist dieses Buch echt okay. Das Cover bereitet mir noch am ehesten schlaflose Nächte. Das könnte aber auch am Englisch gelegen haben. Mit dem Buch habe ich mir ein paar Stunden Bahnfahrt versüßt und werde meinen nächsten Ikea-Besuch bestimmt mit ganz anderen Augen sehen! Und einen Inbus in der Hosentache mitführen, für alle Fälle.

Ich bin mal gespannt, ob Heyne die deutsche Übersetzung herausgibt und wie das dann ausschaut. Heyne hat auch die ersten großen Kassenschlager von Quirk Books, Stolz und Vorurteil und Zombies und Die Insel der besonderen Kinder, herausgegeben. Na, erkennt ihr ein Muster?

Kleine Anmerkung zu Horror allgemein und Horrorstör speziell
Was ich immer wieder blöd finde und was auch der Grund für meine Fastabstinenz bei Horror ist: Viel zu oft wird man als Leser/Zuschauer nicht gegruselt, sondern entweder plump erschreckt (durch leise-leise-leise-leise-BAM!-Szenen im Film) oder geekelt (Black Swan, der Finger!).
Der Anteil von Blut und Ekel in Horrorstör ist allerdings minimal (als Gruselmittel). Es ist nicht möglich, mehr dazu zu sagen, ohne etwas über die Ursachen der nächtlichen Unruhen in Orsk zuverraten, darum nur so viel: Es gab Szenen, die blutig waren, es gab Ekelszenen, aber es gab auch einfach nur guten, alten Grusel.

Für wen ist das Buch?

Dieser kurze gruselig-humorige Trip ist so wunderbar aufgemacht, dass ich ihn als eine Art cozy horror jedem empfehlen kann, der über kleinere inhaltliche Mängel hinwegschauen kann. Die Idee und Aufmachung von Horrorstör sind es allemal wert, einen genaueren Blick hinein zu werfen.

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