Dienstag, 14. Oktober 2014

Håkan Nesser: Kim Novak badete nie im See Genezareth

Darum geht's

Erik verbringt den Sommer 1962 mit seinem großen Bruder Henry und dem Schulkameraden Edmund an einem See in Schweden. Henry schreibt an einem Roman, die Jungs rudern und erkunden die Gegend mit dem Fahrrad. Dann beginnt Henry eine Affäre mit Ewa, die aussieht wie Kim Novak, aber leider mit einem landesbekannten Handballer verlobt ist. Und eines Tages passiert "das Schreckliche". 

*   *   *   *   *
 Bei diesem Roman, der nur ganz wenig thrillert, sollte man auf keinen Fall den Klappentext lesen! Einfach drauflos schmökern, auf der Buchkehrseite wird einfach viel zu viel, ja eigentlich alles verraten. Bis auf das allerletzte Geheimnis des Buches, das ich passenderweise nachts bei Gewitter und Taschenlampenlicht gelesen habe. 

Die Geschichte wird von Erik im Rückblick erzählt und beginnt ganz harmlos, wird irgendwie salopp und auch niedlich erzählt. So gar nicht düster. Düster ist mehr Eriks Leben: Die Mutter krebskrank im Spital, der Vater verschlossen, die Erwachsenenwelt ein Rätsel, dem man sich langsam nähert.

"Wie geht es deiner Mutter?", fragte sie.
"Es wird ein schwerer Sommer", antwortete ich. [...]
"Das hat mein Vater gesagt", fügte ich hinzu.
"Ja, ja", sagte sie. "Kommt Zeit, kommt Rat."
Zu der Zeit lernte ich, dass die Erwachsenen so zu reden pflegten. Nicht nur mein Vater sprach so, man musste so sprechen, damit man überhaupt dazu gehörte, um zu zeigen, dass man schon trocken hinter den Ohren war. Seit meine Mutter ernsthaft krank geworden und ins Krankenhaus gekommen war, hatte ich mir die wichtigsten Floskeln eingeprägt, damit ich sie nach Bedarf anwenden konnte.

Die meiste Zeit wird einfach dieser Sommer 1962 geschildert. Kindheitserinnerungen. Aber nicht in nostalgischem Ton, sondern mehr, als würde der Erzähler immer noch nicht seinen weit gereisten Bruder verstehen oder die Krankheit seiner Mutter. Als wäre immer noch alles ein Rätsel, was in diesem Jahr geschah.

Das Buch hat mich sehr an Wer die Nachtigall stört erinnert, weil man da auch lange mehr diese Kindheitsgeschichten bekommt, bevor die Bombe einschlägt.

Ich hatte gar keine Erwartungen an den Roman, meine Ma hat ihn mir in die Hand gedrückt, ohne viel zu sagen. Ich mag Krimis nicht sonderlich. Ich mag Geschichten aus dem Leben, Coming-of-Age-Geschichten und Rätsel. Das Buch war also für mich geeignet ;)
Hatte auch ein wenig von Tschick, gewissermaßen.

Für wen ist das Buch?

Nicht gerade für Krimifans geschrieben. Ganz im Gegenteil. In Schweden ist dieses Buch Schullektüre. Was ich damit sagen will: Hier gibt es mehr als einen mörderischen Sommer. Hier kann man auch zwischen den Zeilen lesen. Die Charaktere entdecken. Ihre Sorgen, Ängste. Wer blutrünstige Thriller lesen will, sollte hierum einen Bogen machen. Trotzdem würde ich das Buch auch als Strandlektüre empfehlen, so ernst ist es auch nicht. Und echt schnell durch.
 
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Kommentare:

  1. Das klingt interessant. Ich kenne von Nesser sonst nur ein paar seiner Van-Veeteren-Krimis, die ich nicht schlecht fand, aber auch nicht besonders. Dieses Buch hier scheint mehr meinem Beuteschema zu entsprechen.

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    1. Bei mir wars der erste Nesser. Wie gesagt: Krimis sind nicht mein Fall. Das war in dem Fall auch besser so.

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