Freitag, 10. Oktober 2014

Emil und die Detektive. Buch, Fortsetzung und Film (1954)

Erich Kästners Emil

Emil fährt zum ersten Mal allein nach Berlin. In seiner Jackentasche befinden sich 140 Mark, die er seiner Großmutter geben soll. Als er im Zug einem seltsamen Herrn begegnet, auf der langen Fahrt einschläft und am Ende das Geld verschwunden ist, steht fest: Der Fremde ist ein Dieb und muss geschnappt werden. Wie gut, dass Gustav und die Berliner Jungs exzellente Detektive abgeben.



Was soll ich sagen? Ein typischer Kästner-Klassiker in wunderbarstem Kästner-Ton! Ich wünschte, ich hätte dieses Buch als Kind gelesen. Die Geschichte ist überschaubar, aber spannend und voller knuffiger Charaktere, mit denen man selbst gerne befreundet wäre.

Als Mädchen kommt man leider extrem kurz, aber abenteuerlustige Mädchen werden das Buch dennoch mögen. Das einzige Mädchen im Buch ist die Rad fahrende Pony Hütchen, die zwar zahmer ist als die Detektive, aber genauso eine Berliner Schnauze hat wie der lustige Rest.

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Zur Fortsetzung kann ich nur sagen: Finger weg! Praktisch ohne Handlung und Antrieb, der ganze Fun aus Teil 1 geht dahin. Stattdessen bekommt man Einblicke, die man bei Emil einfach nicht haben will (siehe Film). Da Emil und die Detektive Kästners erster Roman gewesen ist, kann man sich denken, dass der Erfolg (in der Fortsetzung spielt sogar die erste Verfilmung eine Rolle) ein wenig zu heftig war. Das Buch schwelgt die meiste Zeit über in Erinnerungen an Part 1 und kommt in den letzten 80 Seiten dann mal zu den drei Zwillingen. Und die Story funktioniert auch nicht so richtig. Dagegen ist Emil und die Detektive das realistischste Buch aller Zeiten.

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Außerdem habe ich mir die Verfilmung von 1954 angesehen. Die basiert auf der ersten Verfilmung von 1931, derer ich nicht habhaft werden konnte... Da es aber hieß, in der 50er-Version sei der Autor selbst in einer Cameorolle zu sehen, war mir das relativ egal und ich sah also den Farbfilm.

Im Wesentlichen bleibt man der Story treu. An den Anfang wird eine Vorgeschichte gesetzt, die eine gefangene Robbe beinhaltet. Sehr effektiv, Emil direkt als Tierretter einzusetzen :) Ein ätzendes Detail aus dem zweiten Buch wird hier gleich mitverarbeitet, aber seiner ganzen Komplexität enthoben: Emils Mama will heiraten, aber das macht Emil gar nichts aus. Dass am Ende eine riesige Militärparade zu sehen ist, wirkt auf heutige Zuschauer einfach nur abstoßend, und der Bösewicht wird doch allzu platt gezeigt (und auch noch mit vergifteten Bonbons ausgestattet).

Das klingt jetzt arg negativ... So arg war der Film aber insgesamt nicht. Mich verwirren nur überflüssige Änderungen oder solche, die offensichtlich nur der Vereinfachung für die Filmmacher dienen. Oder wenn man dem Zuschauer nicht zu viel eigenes Denken zumuten will und dann die besten Detials aus dem Buch einfach mal streicht.
 Okay, je mehr ich über den Film nachdenke, desto weniger mag ich ihn. Als Film selbst ist er vielleicht okay, aber als Verfilmung nicht. Und wie gesagt, sehr schlecht gealtert. Wie gut, dass wir immer mal wieder neue Adaptionen des Klassikers bekommen.

Herrn Kästners Schauspielkünste lassen übrigens zu wünschen übrig. Selbst die drei Sekunden, die man ihn sieht, wirken nicht überzeugend ;) Und ich hatte mich schon gefragt, warum er nicht einen der Journalisten spielen durfte.

Kommentare:

  1. Bei mir ist es schon so lange her, seit ich "Emil und die drei Zwillinge" gelesen habe, dass ich mich kaum noch daran erinnern kann - und auch nicht mehr genau sagen könnte, ob es mir schlechter als "Emil und die Detektive" gefallen hat.
    Die alte Verfilmung kenne ich gar nicht. Ich kenne nur die moderne von 2001, die aber auch nicht so wirklich der Bringer ist. ;-)

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  2. Huch, ich komm bei dir rein und schon sehe ich deinen Blog in neuem Gewand... da merkt man, wenn man schon lange nicht mehr da war :'D
    Dann lass ich mal die Finge weg von der Fortsetzung, auch wenn ich mich schon oft gefragt habe, warum sich keiner je für die interessiert. Was den Film angeht habe ich auch nur die moderne Version gesehen, in der so viel verdreht war, dass ich am Ende nur noch in etwa: "Hä?" gedacht habe, weil ich diejenige war, die das Buch gelesen hatte (also, wir haben den am letzten Schultag in der Schule gesehen und meine Klassenkameraden kannten das Buch aber alle nicht)

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  3. Ich war in letzter Zeit derart blogfaul, dass mir hier so einiges entgangen ist ...
    Als Kind mochte ich die "drei Zwillinge" auch (schon wegen Gustav, den fand ich toll und war von daher froh, ihn und die anderen wieder zu treffen, egal, wie die Geschichte geht), aber ich weiß jetzt kaum noch, worum es da ging - ich glaube, das werde ich mal wieder lesen, wenn ich das nächste Mal bei meinen Eltern bin.
    Die Verfilmungen mochte ich bisher auch alle nicht. Allerdings habe ich glaube ich nur die aus den 30ern gesehen (ohne Robbe (wie um alles in der Welt passt denn da eine Robbe in die Geschichte?)), und die moderne (die man echt vergessen kann).

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    1. So, ich hab den Film jetzt weitgehend gesehen (youtube macht's möglich ...), du brauchst mir die Sache mit der Robbe nicht mehr zu erklären. Naja. Geht so. Da hast du schon recht.
      Übrigens: Die 1931er Version ist inzwischen rechtefrei und auf archive.org zu finden: https://archive.org/details/EmilUndDieDetektiveRomanverfilmungNachErichKaestner
      Da hat's zumindest nicht so viele Zusätze (dafür stört das Rauschen doch ziemlich, und ob das wirklich Kästner ist da in der Straßenbahn, kann man wegen der Bildqualität gar nicht erkennen ...), der Film ist auch deutlich kürzer.

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    2. Dass Erich Kästner in dem 1931er-Film zu sehen ist, habe ich nicht gewusst. Es heißt doch, er mochte das Drehbuch nicht...? Ich glaube, ich bleibe einfach beim Buch, da bisher niemand in Begeisterungsstürme zu einer der Verfilmungen ausgebrochen ist. Aber danke für den Link, das Internetarchiv ist schon eine tolle Seite, auch und vor allem für richtig alte Filme!

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