Donnerstag, 16. Oktober 2014

Der talentierte Mr. Ripley (Film)

Zum Tough Traveling, das sich heute um Wüstennomaden dreht, sind mir nicht genug Beispiele eingefallen, darum lasse ich das ausfallen.

Meine Begeisterung für The talented Mr. Ripley mündete in dem Wunsch, nochmal die letzte Verfilmung des Buches anzuschauen, die von 1999 mit Matt Damon. Und Philip Seymour Hoffman, den ich gar nicht mehr in Erinnerung hatte.

Wie das meiste an dem Film. Dunkle Erinnerungen von Jude Law auf einem Mofa sind neben einem aufdringlichen Komissar und einigen Rombildern alles, was von dem Film übrig war.

Aber erst noch mal zur Handlung: Tom arbeitet als Pianist und lernt so auf einer Dinnerparty den Vater von Dickie kennen. Dieser hält ihn für einen guten Freund seines Sohnes und bittet Tom, dem in Italien lebenden Sprößling nachzureisen und zu überreden, zurück nach Hause zu kommen. Tom erkennt die Chance seines Lebens – und er wird sie nutzen.

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Hier wurde so einiges an der Handlung gedreht und an Tom Ripleys Charakter. Zum Teil verständlich, da doch im Buch vor allem Toms Charakter analysiert wird und die Handlung sozusagen Nebensache ist – wie soll man das in Film übersetzen? Zum Teil wird hier aber wild dazu erfunden und verändert.

Als ich den Film das erste Mal sah (ist schon einige Jahre her), fand ich ihn gut. Ziemlich schweißtreibend, wie sich Ripley immer weiter in Widersprüche verheddert und jeden aus dem Weg räumen muss, der zu viel gesehen oder geahnt hat. Dabei weiß ich nicht, ob ich mehr seiner Verhaftung oder seinem Entkommen entgegen gefiebert habe. Vielleicht mehr Ersterem. Im Buch war man Toms Charme deutlich mehr erlegen. Sorry, Matt.

Ein Teil der Prämisse basiert auf der Ähnlichkeit von Dickie und Tom. "Ist uns egal", dachte sich Hollywood, "wir nehmen trotzdem zwei vollkommen unterschiedliche, dafür aber bekannte Schauspieler." Also der Part hinkt einfach total. Auch werden neue Figuren dazu erfunden.

Ein weiteres Sakrileg: Das Ende ist komplett umgekrempelt. Ich will natürlich nichts verraten. Das Buch endet auf einer positiven Note; hier wird dagegen mehr angedeutet, welches Leben Ripley sich selbst durch sein Handeln gewählt hat. Von der Idee her finde ich das gar nicht übel, auch wie die Szene technisch umgesetzt wurde, ist richtig gut. In dem Fall also und gemessen an Hollywood-Maßstäben eine legitime Änderung.

Insgesamt ein Film, den man gut anschaun kann und der auch für Leser des Buches immer noch spannend ist. Statt einer Charakterstudie kriegt man hier eher Spannung geboten. Aber da das Buch so fantastisch war, empfehle ich vor allem das Original! Man sollte noch zugunsten des Films anmerken, dass es im Abspann nicht "based on the novel" heißt, sondern "inspired by". Man kann das also auch als Fanfiction verstehen ;)

Der Vollständigkeit halber: Es gibt auch eine ältere Filmversion: Nur die Sonne war Zeuge (1960, von René Clement). Der Titel leitet sich vom deutschen Buchtitel ab, der erst später in Der talentierte Mr. Ripley geändert wurde. Den habe ich mal auf arte gesehen, weiß aber nichts mehr :(

Kommentare:

  1. Es ist schon ewig her, dass ich den Film gesehen habe (nun ja, 1999 eben, als er im Kino lief) und das Buch habe ich dann überhaupt erst später gelesen. Daher sind mir damals die Änderungen natürlich nicht aufgefallen. Aber das mit der fehlenden Ähnlichkeit fand ich trotzdem sehr seltsam.
    Die alte Verfilmung wollte ich mir schon längst einmal ansehen, bin bisher aber nie so recht dazugekommen.

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    1. Ist doch echt bekloppt, dass man offenbar um jeden Preis bekannte Gesichter im Film haben wollte! Aber in dem alten Film sehen sich Alain Delon und Maurice Ronet auch nicht allzu ähnlich.

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    2. Ist doch echt bekloppt, dass hier scheinbar um jeden Preis zwei Superstars zu sehen sein sollten! Aber in Plein Soleil sehen sich Alain Delon und Maurice Ronet auch nicht allzu ähnlich...

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