Freitag, 31. Oktober 2014

Shout-out 10/14

Shout-out für Blogger
Platz für Lob: Besondere Posts
Und wieder meine gesammelten Links des Monats.

Mit dieser Sammlung will ich Danke sagen. Danke an die Blogger, durch die deren Rezensionen Wunschlisten magisch wachsen, durch deren HowTo-Posts man weniger verloren ist, oder die einfach einfach einen ehrlichen Kommentar veröffentlichen und die Dinge beim Namen nennen.
Auf meiner Liste landet aber auch der ein oder andere Non-Blog-Artikel, den ich weiterempfehlen möchte.
Dieser Shout-out ist mein persönliches Notabene, das weder repräsentativ noch objektiv sein soll. Es kann sich gerne jeder anschließen, der auch anderen Bloggern Danke sagen will (Logo kann verwendet werden).



Horrorstör von Grady Hendrix

Horrorstör von Grady Hendrix

Darum geht's

Seltsame Dinge gehen vor im Orsk Einrichtungshaus. Jeden Morgen finden die Angestellten beschädigte Kjerring Regale, zerbrochene Glans Vasen und verunstaltete Liripip Schränke.
Um den Übeltäter zu finden, bleibt Basil mit Amy und Ruth Anne die Nacht über in dem riesigen Geschäft und begegnen Schrecken, die dem gesunden Menschenverstand unmöglich scheinen.

*   *   *   *   *

Ein Buch, das daher kommt wie ein Ikea Katalog, sieht schon mal vielversprechend aus. Und die Idee, eine Spukgeschichte in dem labyrintartigen Gebäude eines Möbelgiganten spielen zu lassen, fand ich genial! Für jedes Kapitel wurde ein ikea-würdiges Möbel entworfen, das in dem zugehörigen Kapitel auftaucht, auf den ersten und letzten Seiten findet man Werbung und Rabattmarken. Sogar die Schrift ist identisch mit dem Ikea-Font. Und dieser Titel! Kurz: Das Teil musste vorbestellt werden! (Unten habe ich übrigens eine Leseprobe verlinkt, ein Blick lohnt sich!)

Amy landet also mit ihren Kollegen nachts in Orsk, einem Ikea-Abklatsch, der noch billiger und doppelt so unzuverlässig ist wie das Vorbild. Und da passieren dann alle Dinge, die man aus Horrorgeschichten so kennt. Aber ein Twist à la Cabin in the Woods fehlt dann.

Die teils echt abgegriffenen Tricks des Autors (sogar eine Séance war dabei) haben mich nicht großartig gestört. Ich hatte Spaß an den verschiedenen Charakteren und vor allem an der Satire, die ich nicht nur als Ikea-Satire verstanden habe, sondern auch als Satire des Genres Horror. Das war mir Erklärung genug für die bekannten Subplots.

Amy hasst ihren Job. Sie träumt von einem besseren Leben, in dem sie einen "Sitzjob" hat und nicht mehr für ein billiges Ikea-Imitat jobben muss, dass sich auch noch eine passende Firmenphilosophie zurechtgelogen hat. Da sie aber Schule und College abgebrochen hat und in der Schuldenmisere sitzt, bleibt ihr nichts anderes übrig, als ihren jetzigen Arbeitsplatz zu halten, wenn möglich. Eine Zusatzschicht über Nacht scheint ihr die Lösung ihrer Geldsorgen, wäre da nur nicht Basil, ihr nerviger Chef. Der kann nämlich die Orsk-Bibel auswendig und steht voll hinter dem Konzept. Und will aus Amy eine rechtschaffene Orsk-Mitarbeiterin machen.

Die ersten hundert Seiten sind eine große Rundreise durch das Orsk-Imperium, das Hendrix  detailverliebt ersonnen hat. Die Nachtschicht steigert sich auch erst langsam zu einem Alptraum, der dann aber hartnäckig verhindern will, dass man daraus erwacht.

Wirklich: Wenn man ein bisschen Grusel aushält, dann ist dieses Buch echt okay. Das Cover bereitet mir noch am ehesten schlaflose Nächte. Das könnte aber auch am Englisch gelegen haben. Mit dem Buch habe ich mir ein paar Stunden Bahnfahrt versüßt und werde meinen nächsten Ikea-Besuch bestimmt mit ganz anderen Augen sehen! Und einen Inbus in der Hosentache mitführen, für alle Fälle.

Ich bin mal gespannt, ob Heyne die deutsche Übersetzung herausgibt und wie das dann ausschaut. Heyne hat auch die ersten großen Kassenschlager von Quirk Books, Stolz und Vorurteil und Zombies und Die Insel der besonderen Kinder, herausgegeben. Na, erkennt ihr ein Muster?

Kleine Anmerkung zu Horror allgemein und Horrorstör speziell
Was ich immer wieder blöd finde und was auch der Grund für meine Fastabstinenz bei Horror ist: Viel zu oft wird man als Leser/Zuschauer nicht gegruselt, sondern entweder plump erschreckt (durch leise-leise-leise-leise-BAM!-Szenen im Film) oder geekelt (Black Swan, der Finger!).
Der Anteil von Blut und Ekel in Horrorstör ist allerdings minimal (als Gruselmittel). Es ist nicht möglich, mehr dazu zu sagen, ohne etwas über die Ursachen der nächtlichen Unruhen in Orsk zuverraten, darum nur so viel: Es gab Szenen, die blutig waren, es gab Ekelszenen, aber es gab auch einfach nur guten, alten Grusel.

Für wen ist das Buch?

Dieser kurze gruselig-humorige Trip ist so wunderbar aufgemacht, dass ich ihn als eine Art cozy horror jedem empfehlen kann, der über kleinere inhaltliche Mängel hinwegschauen kann. Die Idee und Aufmachung von Horrorstör sind es allemal wert, einen genaueren Blick hinein zu werfen.

Buch auf Leseliste setzen

Montag, 27. Oktober 2014

Das 101 Fantasy Books Projekt



Fantasy war das Genre, das mich als Teenager begeister hat und mich vollends zum Bücherwurm werden ließ. Stundenlang konnte ich in ferne Welten abtauchen. Auch heute lese ich noch hier und da einen Roman des Genres, doch so viele Klassiker und tolle Neuerscheinungen gehen an mir vorbei, obwohl es mich juckt, sie zu lesen.

Das lag sicher an meinem Studium. Die 'hohe Literatur' hat die Fantasy und Genreliteratur allgemein ziemlich in den Hintergrund gedrängt. Um wieder mehr von meinem früheren Lieblingsgenre zu lesen, beginne ich mit einem Langzeitprojekt, dass ich hier gefunden habe: In 10 Jahren will ich 101 Fantasybücher lesen. Das ist doch mal eine richtige Herausforderung! Denn es sollen nicht irgendwelche Fantasybücher sein, sondern eine Mischung aus alt und neu, aus Trash, Klassikern und Büchern, die noch gar nicht erschienen sind (Wink mit dem Zaunpfahl an G.R.R.Martin) Ob es machbar ist? Ich finde es heraus! (Wollte ich nicht eine Magisterarbeit schreiben?)

Ich habe eine Projektseite eingerichtet, auf der meine aktuelle Leseliste zu finden ist. Die dient aber nur der Orientierung und ist nicht in Stein gemeißelt. Auch musste ich leider viele Abstriche machen, sonst wäre genug Lektüre für 20 Jahre dabei herausgekommen!
Einige Titel werden noch erscheinen, andere sind uralt; auch bei den Subgenres gibt es viel Unterschiedliches. Einige der Titel sind eher Science Fiction, waren aber auf der ursprünglichen Leseliste, die man für das Projekt zusammen getragen hat und die mir als Vorlage diente. So habe ich wenigstens etwas Abwechslung und nicht nur Epic Fantasy ;)
Abgesehen von der Liste und der Idee will ich mich aber nicht an die Bedingungen der offiziellen Challenge ketten und das Ganze so machen, wie ich gerade Lust habe.

Meine Aufregung ist groß und am liebsten würde ich gleich anfangen, am besten alle Bücher gleichzeitig! Aber herausgesucht habe ich erst mal Die Frau des Zeitreisenden, da es sowieso in einer meiner Goodreadsgruppen gelesen wird, und Magician's Gambit, das ist einer meiner Uropas für Antiage dem SuB und der dritte Teil einer Reihe. Ist also gut, wenn der früh weggelesen wird, weil die anderen Bände auch auf der Fantasyliste stehen :)

Samstag, 25. Oktober 2014

Winterkatzes Herbstlesen

Herbstlesen
Heute und morgen findet das letzte Mal Winterkatzes Herbstlesen statt – höchste Zeit, mal mitzumachen. Ich habe dieses Wochenende sturmfrei und hoffentlich kommt nichts dazwischen, was meine Lesestunden stören könnte. Der Tag hat für mich nicht so schön begonnen, weil ich schlecht geschlafen habe. Danke, Nachbarn.
Aber zum Wesentlichen: Zu den Büchern!

Ich habe momentan drei angebrochene Bücher auf dem Nachttisch:
Julie von den Wölfen, das ich für Birthes kleine Abstaub-Reread-Challenge wieder hervor gekramt habe,
Horizont von unserem frisch gebackenen Nobelpreisträger Patrick Modiano und
Außer Kurs, eine faszinierende Reisebeschreibung einer Frau, die 1930 Russland und den Kaukasus bereist hat.
Außerdem höre ich seit gestern auch noch die Hörbuchfassung von Grüne Tomaten. Das ist einer meiner Lieblingsfilme :D

Update Samstagnachmittag

Viel geschafft habe ich noch nicht. Erst war ich zu aufgedreht, weilwir heute morgen Musik gemacht haben. Um ein wenig mehr in Lesestimmung zu kommen, habe ich erst mal mit dem Hörbuch angefangen und etwas aufgeräumt. Und dann habe ich in Julie von den Wölfen weiter gelesen. Jetzt bin ich mit Teil 1 fertig und auf Seite 86. Die Kommunikation mit dem Rudel finde ich auch als Erwachsene wirklich spannend, aber ich bin ja auch Linguistin :) Ich denke, ich lese in diesem Buch erst mal weiter. Bisher habe ich es etwas stiefmütterlich behandelt und ich winzigen Brocken gelesen, deshalb möchte ich es gerne dieses Wochenende zu Ende lesen.

Update Samstagabend

Bin jetzt durch mit Julie von den Wölfen. Als Kind sind mir doch einige Details entgangen und ich habe das Buch irgendwie anders verstanden als heute, auch wenn ich nicht genau mit dem Finger darauf zeigen könnte. Was aber auch schon damals rüberkam ist die tiefe Verbundenheit mit der Natur und der Abscheu vor dem sinnlosen Töten der Bleichgesichter. Die Naturbeschreibungen sind wunderschön. Du solltest es unbedingt noch mal lesen, Winterkatze!

Jetzt werde ich ein klein bisschen arbeiten und später, nach einer Folge Twin Peaks, weiter lesen. Ich weiß noch nicht, mit welchem Buch ich weitermache.
Übrigens habe ich eben bei tauschticket Grüne Tomaten angfordert ;) Den habe ich auch seit Jahren nicht gesehen!

Letztes Update Samstag

Leider lässt meine Konzentration ganz schön nach. Schade, denn Außer Kurs ist wirklich interessant. In dem Buch sind auch viele Fotos abgebildet, was ich echt klasse finde, und Ella Maillart, die Autorin, ist offen fasziniert vom "sozialistischen Experiment". Ich mich gefreut, als sie in eine Rudermannschaft aufgenommen wird: Selber Ruderin, freut es mich, den Sport mal aus russischer Sicht zu sehen und gleichzeitig aus historischer. Mit Fotos ist das Ganze noch lebendiger, denn der Schreibstil ist einfach, aber genau beobachtet. Die 140 Seiten sind leider recht eng bedruckt, sodass ich für heute auf Seite 35 das Handtuch werfe.
Ich mach mich jetzt ins Bettchen und versuche mich noch an Horizont (Ebook → Schrift skalierbar!). Euch sage ich schon mal Gute Nacht, denn hier gibt es heute kein Update mehr. Ich habe aber vor, den Post auch morgen noch zu nutzen und keinen neuen aufzumachen.

Update Sonntagmorgen

Weit gekommen bin ich gestern nicht mehr, 20 Seiten Horizont, das immer seltsamer wird. Meinem Hörbuch bin ich dann lange treu geblieben und bin über die Hälfte hinaus ;) Mitten in der Nacht habe ich mein Bücherregal umgeräumt. Durch diese Aktion habe ich dann auch wieder lange geschlafen, meinen Wecker habe ich ignoriert. Wie gut, dass wir heute eine Extrastunde haben!
Regal mit Unibüchern
Jetzt sind alle Unibücher vereint (und nerven nicht andernorts)

Update Sonntagmittag

Bis jetzt habe ich abwechselnd mal in Außer Kurs und in Horizont gelesen und beim Kochen Grüne Tomaten zu Ende gehört. Es war wunderbar und ich kann es kaum erwarten, den Film endlich nochmal zu sehen.
Ich hoffe, dass ich heute mit Horizont fertig werde, das sollte kein Problem sein. Während die erste Hälfte aus Bosmans Blickwinkel geschildert wird, scheint der Rest mit Margarets Augen betrachtet zu werden. Ein Stalker verfolgt sie. Und am Anfang dachte ich, sie wäre Spionin oder so :) Sehr seltsam, das alles.
Zu Außer Kurs greife ich erst wieder, wenn Horizont ausgelesen ist bzw. wenn ich später in die Badewanne steige (als krönender Abschluss eines entspannenden Wochenendes). Hach.

Update Sonntagnachmittag

Ebenhabe ich Horizont beendet und bin immer noch etwas ratlos. Zwar gelingt Modiano mit wenigen Worten die Erzeugung eines lebhaften Bildes von Paris und den Liebenden Bosmans und Margaret, das sich auf wunderbare Weise verselbständigt und vervollkommnet, aber die Story ist und bleibt rätselhaft und verworren. Für mich jedenfalls zu verworren; ich hätte gerne mehr Anleitung vom Autor gehabt, auch wenn ich offenen Details und auch offenen Enden gegenüber tolerant bin. Wahrscheinlich ist dies kein geeigneter Einstieg in die Lektüre Modianos?

Auf Außer Kurs habe ich gerade nicht mehr viel Lust. Der Franzose hat mich etwas erschlagen... Mh... Vielleicht mache ich es wie Winterkatze und schnappe mir noch ein olles Kinderbuch. Oder ich fange mit dem nächsten Buch meines RL-Buchclubs an: Macunaíma, ein brasilianischer Klassiker (von dem ich noch nie was gehört hatte). Wenn er flüssig zu lesen ist, denn genau das brauche ich jetzt :)
Macunaíma oder Nostalgie?

Macht euch das Tageslicht draußen auch so kirre? Ich denke die ganze Zeit, es müsse schon später sein!

Update Sonntagabend

Es ist dann doch das Kinderbuch geworden :) Auch hier freue ich mich, in Erinnerungen zu tauchen, auch wenn dieses Buch sprachlich deutlich schlichter gehalten ist. Aber großartig, wenn Hauptfigur Michael Fußballersticker sammelt und endlich einen Rudi Völler bekommt, oder wenn er Old Shatterhand oder noch besser, Michael Knight sein will! Ich würde das Buch gerne mal meinen Kindern vorlesen, aber für diese Stellen werde ich mir dann was einfallen lassen müssen :D
62 Seiten von Muss ja nicht jeder ein Held sein habe ich in der Wanne gelesen. Michael ist ziemlich schreckhaft und wäre gerne stark, 'ein ganzer Kerl' eben. In den Sommerferien fährt die Familie nach Österreich und was Michael und seine Schwester Anne da erleben, ist wunderbar unaufgeregt und doch schön zu lesen. Sie besteigen die Berge der Gegend, lernen die Einheimischen kennen und erfahren mehr über die Hexen, die in ihrem Ferienort gelebt haben sollen.

Übrigens sah der Sonnenuntergang vor meinem Fenster heute wahnsinnig schön aus. Ich hab mal versucht, das für euch mit meiner ollen Digicam einzufangen:
So langsam geht das Wochenende vorbei und mein Bär kommt jetzt auch jeden Moment nach Hause. Ich hatte viel Spaß mit euch und den Büchern und danke Winterkatze für die schöne Zeit. Schade, dass ich nicht öfter dabei sein konnte.
Ich werde jetzt noch lesend auf meine bessere Hälfte warten, dann zu Abend essen und vielleicht einen Film schauen. Morgen beginne ich offiziell mit meiner Abschlussarbeit, dann ist die schöne Unipause vorbei *seufz*

Donnerstag, 23. Oktober 2014

Tough Traveling 3. Elves

tough traveling mem

Jeden Donnerstag wirft Nathan einen Blick in seine Ausgabe von The Tough Guide to Fantasyland (eine Art humorvolles Lexikon mit gesammelten Tropen des Genres, leider nicht übersetzt), wählt ein Lemma, und jeder kann dazu Listen mit Beispielen anlegen. Egal, wie lang oder kurz. So ein Mem ist anfällig für Spoiler. Ich versuche aber, es ohne zu schaffen.
Elfen/Elben/Alben
erheben den Anspruch, das erste Volk in Fantasyland gewesen zu sein. Man nennt sie auch die Ältesten. Sie entwickelten sich nicht wie Menschen, sondern waren plötzlich da und genau so, wie sie jetzt sind.
Achtung, Capt'n Obvious ist mit an Bord:

Das Silmarillion von J.R.R. Tolkien

Die Genesis von Mittelerde und natürlich die lange, traurige Geschichte der Elben hat verdammt viele Autoren inspiriert oder zu plumpem Plagiat verleitet. Die nicht gerade schmökerige Basislektüre für jeden ernsthaften Tolkienisten ist ein absoluter Klassiker und muss genannt werden, egal wie offensichtlich das Beispiel ist. Denn das hier ist der Prototyp. Abgesehen von nordischer Mythologie natürlich.

Jonathan Strange und Mister Norrell von Susanna Clarke

Die Elfen in diesem Buch erheben sozusagen Anspruch auf England. Aber nicht in einem epischen und ewigen Kampf, sondern so, wie wir es aus keltischen Sagen gewöhnt sind: Im Einzelkampf mit menschlichen Individuen. Wer sie als Wunscherfüller zu missbrauchen und zu versklaven versucht, der fällt der Grausamkeit und dem morbiden Humor dieser Wesen zum Opfer.

Lords und Ladies von Terry Pratchett

Ein Sommernachtstraum, wie ihn nur Terry Pratchett aus dem Ärmel schütteln kann. Die Elfen hier sind allerdings weit entfernt von ätherischen Wesen, sondern fiese Halunken ohne einen Funken Grazie.

Und noch ein paar Beispiele von meinem SuB:
Die Tochter der Wälder von Juliet Marillier: Das keltische Märchen, dessen bekannteste Version Die wilden Schwäne von Hans Christian Andersen sein dürfte, wird hier nacherzählt. Es soll Elfenvolk auftauchen und auch zum Alltag der keltischen Protagonistin gehören.
Die Chronik der Drachenlanze von Margaret Weis und Tracy Hickman: Eine der Hauptfiguren ist ein Halb-Elf. Da die Reihe auf Dungeons & Dragons basiert, gibt es hier keine großen Überraschungen.
Der Drachenbeinthron von Tad Williams: Die Nornen und die Sithi, denen Osten Ard einst gehörte, erscheinen hier als sagenumwobene Geschöpfe genauso wie als undurchsichtige Strategen.

Der Quantenzauberer von Eoin Colfer

Der Quantenzauberer (W.A.R.P., #1)Darum geht's

Chevie Savano, 17, hat bei einer Spüraktion des FBI an ihrer Schule Ärger verursacht und wird nun strafversetzt. In London soll sie eine Metallkapsel beaufsichtigen und sich melden, falls mal jemand da rauskommen sollte... Chevie langweilt sich nun also zu Tode, bis – ja, bis eines Tages tatsächlich jemand aus der Kapsel steigt. Sie findet den 14-jährigen Riley, der geradewegs aus dem Jahr 1898 gekommen ist.

Es beginnt eine Hetzjagd nach einem gefährlichen Mörder, der auch Riley auslöschen will und der scheinbar nicht zu besiegen ist.

*   *   *   *   *

Werde ich alt? Das Buch war stellenweise echt blutrünstig für einen Kinder-/Jugendroman.
Man stolpert von einer spannenden Szene in die nächste, wobei die meisten so aussehen, dass Riley und Chevie von jemandem gefesselt oder gefangen gehalten werden. Dabei kommt man kaum dazu, die allzu sehr über die Prämisse nachzudenken, was auch besser ist. Jugendliche FBI-Agenten? Oh, well.

Jedenfalls ist die Geschichte rasant geschrieben und ebenso zu lesen. Und stellenweise humorvoll. Die Bösewichte waren mir allerdings zu eintönig.

Und Zeitreisen... Lange Zeit sah es so aus, als käme man hier ohne Widersprüche klar, aber am Ende passierte es dann doch. Was selbst den besten Autoren regelmäßig passiert. Allerdings habe ich von Artemis Fowl-Schöpfer Eoin Colfer noch nichts gelesen. Ich kann also auch nichts zu eventuellen Parallelen zu der erfolgreichen Reihe sagen, die bereits von anderen bemängelt worden sind.

Noch was dazu, dass es sich hier um den Auftakt zu einer Reihe handelt: Der Quantenzauberer kann man getrost als Standalone lesen. Nur der kurze Epilog bereitet die Handlung von Band 2 vor. Ich habe nicht vor, die restlichen Bücher zu lesen, aber dieser erste Band war ganz unterhaltsam, wenn auch mit Macken. Wird sicher nicht lange bei mir hängen bleiben.

Für wen ist das Buch?

Definitiv für jüngeres Publikum, aber ich würde empfehlen, das nicht an Kinder im Grundschulalter weiterzugeben. Die Zeitsprünge, die technischen Details und die kruden Gewaltszenen sind eher etwas viel. Der Loewe-Verlag empfiehlt den Roman ab 14 Jahren.

Buch auf Leseliste setzen

Montag, 20. Oktober 2014

SuBKultur. Ich habe wieder zugeschlagen...

Subzuwachs im Oktober

Manchmal bin ich so im Überschwang mit meinem Erfolg beim SuB-Abbau, dass ich ausgelassen in die nächste Buchhandlung/zum nächsten Tauschregal laufe und alles mitnehme, was auch nur halb interessant aussieht. Mir scheint, dass ein Fehlerchen in diesem Belohnungssystem sitzt... Aber wo nur ;)

In meinem Regal begrüße ich diesen Monat:
  • Schachnovelle von Stefan Zweig: Als hätte ich nicht schon genug Zweig auf meinem SuB. Aus dem Minitauschregal bei meiner Ärztin.
  • Requiem für einen Hund von Daniel Kehlmann & Sebastian Kleinschmidt: Brauche ich für meine Magisterarbeit. Echt.
  • Der mit dem Wolf tanzt von Michael Blake: Ich habe den Film nur zur Hälfte gesehen, er hat mir aber echt gut gefallen. Vielleicht kann ich das Buch für die Buchverfilmungschallenge benutzen. Aus dem Tauschregal.
  • Die geheime Geschichte von Donna Tartt: Mitbringsel von der Buchmesse.
  • Alle meine Freunde sind Superhelden von Andrew Kaufman: Ebenso.
  • Reinlich & kleinlich?! von Yannik Mahr: Auch das.
  • Die Insel der besonderen Kinder von Ransom Riggs: Wollte ich schon lange lesen und das Buch sieht einfach auch schön aus. Gekauft.
  • Paris - Ein Fest fürs Leben von Ernest Hemingway: Wer hätte gedacht, dass ich mal einn Hemingway freiwillig kaufe? Aber dieser autobiografische Text über das Paris der Zwanziger steht seit der Übersetzung ins Deutsche auf miener Wunschliste.
  • Pygmalion von Bernard Shaw: Zweite-Chance-Buch für den Autor Shaw. Die Story ist ja bekannt, ich kenne nur das vom Autor vorgesehene Ende noch nicht. Aus dem Tauschregal.
  • A Streetcar named Desire von Tennessee Williams: Noch so ein Film, den ich noch nicht gesehen habe. Auch getauscht. Die 'other plays' finde ich erst mal nicht so interessant. Sollte ich?
  • Ediths Tagebuch von Patricia Highsmith: Ich war so begeistert von Tom Ripley, dass ich das aus dem Tauschregal mitnehmen musste.
  • Macunaíma von Mário de Andrade: Das nächste Buch für meinen RL Buchclub. Verspricht, lustig zu werden; ein brasilianischer Klassiker, von dem ich nichts wusste.
  • Tell the Wolves I'm Home von Carol Rifka Brunt: Noch mal Tauschregal. Ein ziemlich erfolgreicher Roman, der noch immer seiner deutschen Übersetzung harrt.

P.S.: Ende des Monats kommt außerdem noch meine Vorbestellung von The slow regard of silent things von Patrick Rothfuss bei mir an.

Bearbeitet um hinzuzufügen: Heute kam, das hatte ich total vergessen, Neverwhere von Neil Gaiman bei mir an. Hatte ich bei Tauschticket gefunden und spontan zugeschlagen.

Naturkunde (18). Soooo flauschig!

Meine Erlösung von den Prüfungen habe ich am 1. Oktober mit einem wundervollen Waldspaziergang gefeiert. Es war heiß, der Wald summte und war voller Leben. Bilder zum vergrößern anklicken!

Waldspaziergang Trier

  1. Mosel von oben. Leider war es diesig. Im Bild: Die Kaiser-Wilhelm-Brücke und das Zurlaubener Ufer.
  2. Hübsches Kraut, weiß nicht was.
  3. Ja, ja, der Herbst hält auch schon überall Einzug.
  4. Ich tippe auf "Waldbrettspiel". Wollte sich mir partout nicht öffnen, der verklemmte Kerl ;)

Waldspaziergang Trier





  1. Diese Eidechse war so frech, mir direkt ins Objektiv zu linsen.
  2. Der Wald lässt sich nicht unterkriegen. Wo gefällt wird, wächst sofort Neues nach.





Jetzt aber zum flauschigen Fund des Tages:


Ein Buchen-Streckfuß! Eine anscheinend im Oktober häufig anzutreffende tennisballgelbe Raupe, die nicht nur lustige Borsten auf dem Rücken hat, sondern auch ein rotes Schwänzchen. Nein, kein Stachel, sondern vollkommen ungefährliche Haare. Darum auch der 'Zweitname' Rotschwanz.
Dieses gelbe Etwas wird mal ein auch recht flauschiger Nachtfalter.

Ich war ganz hin und weg, wie dieser kleine Kerl mir buchstäblich über den Weg lief. Klein wie in "fingerlang". Er war auch ganz neugierig auf meine rosa Kamera, die leider den Kopf nicht fokussiert hat. Trotzdem cooler Schnappschuss.

Donnerstag, 16. Oktober 2014

Der talentierte Mr. Ripley (Film)

Zum Tough Traveling, das sich heute um Wüstennomaden dreht, sind mir nicht genug Beispiele eingefallen, darum lasse ich das ausfallen.

Meine Begeisterung für The talented Mr. Ripley mündete in dem Wunsch, nochmal die letzte Verfilmung des Buches anzuschauen, die von 1999 mit Matt Damon. Und Philip Seymour Hoffman, den ich gar nicht mehr in Erinnerung hatte.

Wie das meiste an dem Film. Dunkle Erinnerungen von Jude Law auf einem Mofa sind neben einem aufdringlichen Komissar und einigen Rombildern alles, was von dem Film übrig war.

Aber erst noch mal zur Handlung: Tom arbeitet als Pianist und lernt so auf einer Dinnerparty den Vater von Dickie kennen. Dieser hält ihn für einen guten Freund seines Sohnes und bittet Tom, dem in Italien lebenden Sprößling nachzureisen und zu überreden, zurück nach Hause zu kommen. Tom erkennt die Chance seines Lebens – und er wird sie nutzen.

*     *     *

Hier wurde so einiges an der Handlung gedreht und an Tom Ripleys Charakter. Zum Teil verständlich, da doch im Buch vor allem Toms Charakter analysiert wird und die Handlung sozusagen Nebensache ist – wie soll man das in Film übersetzen? Zum Teil wird hier aber wild dazu erfunden und verändert.

Als ich den Film das erste Mal sah (ist schon einige Jahre her), fand ich ihn gut. Ziemlich schweißtreibend, wie sich Ripley immer weiter in Widersprüche verheddert und jeden aus dem Weg räumen muss, der zu viel gesehen oder geahnt hat. Dabei weiß ich nicht, ob ich mehr seiner Verhaftung oder seinem Entkommen entgegen gefiebert habe. Vielleicht mehr Ersterem. Im Buch war man Toms Charme deutlich mehr erlegen. Sorry, Matt.

Ein Teil der Prämisse basiert auf der Ähnlichkeit von Dickie und Tom. "Ist uns egal", dachte sich Hollywood, "wir nehmen trotzdem zwei vollkommen unterschiedliche, dafür aber bekannte Schauspieler." Also der Part hinkt einfach total. Auch werden neue Figuren dazu erfunden.

Ein weiteres Sakrileg: Das Ende ist komplett umgekrempelt. Ich will natürlich nichts verraten. Das Buch endet auf einer positiven Note; hier wird dagegen mehr angedeutet, welches Leben Ripley sich selbst durch sein Handeln gewählt hat. Von der Idee her finde ich das gar nicht übel, auch wie die Szene technisch umgesetzt wurde, ist richtig gut. In dem Fall also und gemessen an Hollywood-Maßstäben eine legitime Änderung.

Insgesamt ein Film, den man gut anschaun kann und der auch für Leser des Buches immer noch spannend ist. Statt einer Charakterstudie kriegt man hier eher Spannung geboten. Aber da das Buch so fantastisch war, empfehle ich vor allem das Original! Man sollte noch zugunsten des Films anmerken, dass es im Abspann nicht "based on the novel" heißt, sondern "inspired by". Man kann das also auch als Fanfiction verstehen ;)

Der Vollständigkeit halber: Es gibt auch eine ältere Filmversion: Nur die Sonne war Zeuge (1960, von René Clement). Der Titel leitet sich vom deutschen Buchtitel ab, der erst später in Der talentierte Mr. Ripley geändert wurde. Den habe ich mal auf arte gesehen, weiß aber nichts mehr :(

Dienstag, 14. Oktober 2014

Håkan Nesser: Kim Novak badete nie im See Genezareth

Darum geht's

Erik verbringt den Sommer 1962 mit seinem großen Bruder Henry und dem Schulkameraden Edmund an einem See in Schweden. Henry schreibt an einem Roman, die Jungs rudern und erkunden die Gegend mit dem Fahrrad. Dann beginnt Henry eine Affäre mit Ewa, die aussieht wie Kim Novak, aber leider mit einem landesbekannten Handballer verlobt ist. Und eines Tages passiert "das Schreckliche". 

*   *   *   *   *
 Bei diesem Roman, der nur ganz wenig thrillert, sollte man auf keinen Fall den Klappentext lesen! Einfach drauflos schmökern, auf der Buchkehrseite wird einfach viel zu viel, ja eigentlich alles verraten. Bis auf das allerletzte Geheimnis des Buches, das ich passenderweise nachts bei Gewitter und Taschenlampenlicht gelesen habe. 

Die Geschichte wird von Erik im Rückblick erzählt und beginnt ganz harmlos, wird irgendwie salopp und auch niedlich erzählt. So gar nicht düster. Düster ist mehr Eriks Leben: Die Mutter krebskrank im Spital, der Vater verschlossen, die Erwachsenenwelt ein Rätsel, dem man sich langsam nähert.

"Wie geht es deiner Mutter?", fragte sie.
"Es wird ein schwerer Sommer", antwortete ich. [...]
"Das hat mein Vater gesagt", fügte ich hinzu.
"Ja, ja", sagte sie. "Kommt Zeit, kommt Rat."
Zu der Zeit lernte ich, dass die Erwachsenen so zu reden pflegten. Nicht nur mein Vater sprach so, man musste so sprechen, damit man überhaupt dazu gehörte, um zu zeigen, dass man schon trocken hinter den Ohren war. Seit meine Mutter ernsthaft krank geworden und ins Krankenhaus gekommen war, hatte ich mir die wichtigsten Floskeln eingeprägt, damit ich sie nach Bedarf anwenden konnte.

Die meiste Zeit wird einfach dieser Sommer 1962 geschildert. Kindheitserinnerungen. Aber nicht in nostalgischem Ton, sondern mehr, als würde der Erzähler immer noch nicht seinen weit gereisten Bruder verstehen oder die Krankheit seiner Mutter. Als wäre immer noch alles ein Rätsel, was in diesem Jahr geschah.

Das Buch hat mich sehr an Wer die Nachtigall stört erinnert, weil man da auch lange mehr diese Kindheitsgeschichten bekommt, bevor die Bombe einschlägt.

Ich hatte gar keine Erwartungen an den Roman, meine Ma hat ihn mir in die Hand gedrückt, ohne viel zu sagen. Ich mag Krimis nicht sonderlich. Ich mag Geschichten aus dem Leben, Coming-of-Age-Geschichten und Rätsel. Das Buch war also für mich geeignet ;)
Hatte auch ein wenig von Tschick, gewissermaßen.

Für wen ist das Buch?

Nicht gerade für Krimifans geschrieben. Ganz im Gegenteil. In Schweden ist dieses Buch Schullektüre. Was ich damit sagen will: Hier gibt es mehr als einen mörderischen Sommer. Hier kann man auch zwischen den Zeilen lesen. Die Charaktere entdecken. Ihre Sorgen, Ängste. Wer blutrünstige Thriller lesen will, sollte hierum einen Bogen machen. Trotzdem würde ich das Buch auch als Strandlektüre empfehlen, so ernst ist es auch nicht. Und echt schnell durch.
 
Buch auf Leseliste setzen

Sonntag, 12. Oktober 2014

Unterwegs auf der Buchmesse

Frankfurter Buchmesse 2014Ich war dieses Jahr zum ersten Mal auf der Buchmesse und hätte man mich vorgewarnt, hätte ich meine Wanderschuhe angezogen. So viel laufen und stehen wegen Büchern ist ja eher ungewöhnlich ;)

Nach einer erfolglosen Jagd nach einer arte-Tasche (bin ja großer Fan) hatte ich stattdessen einige andere schöne Exemplare aus Halle 3 (Dumont, Insel, Büchergilde), die ich dann bei den deutschen Belletristik-Verlagen füllen konnte.


LeseexemplarpaketDer Samstag gehörte auch den Cosplayern und ich wurde prompt von Loki umgerannt. Meinen höchsten Respekt denen, die sich solche Mühe mit ihren Kostümen geben, obwohl sie nur selten oder nur für kurze Zeit getragen werden können. Da steckt jede Menge Herzblut drin, was man auch sehen kann.

Mein Moment des Tages kam allerdings, als mir eine Mitarbeiterin vom Goldmannstand zwei Leseexemplare schenkte, obwohl die eigentlich für Azubis gedacht waren. So was Liebes!

Am schönsten fand ich übrigens den Carlsenstand. Er war extrem groß und konnte sich deshalb auch Sitzgelegenheiten leisten. In einer solchen Oase machten wir Pause und hatten eine nette Unterhaltung mit einem sehr aufgeweckten jungen Leser. Aber am besten war, dass der Boden mit einem flauschigen Teppich ausgelegt war, der wie Gras aussah und genau das richtige für wundgelaufene Bücherwurmfüße war. Da hat jemand nachgedacht.

Frankfurter Buchmesse 2014 Finnland

Relativ spät erst kam ich in den Finnlandpavillion. Leider waren die meisten Bücher, die mich interessiert hätten, nicht übersetzt oder schlimmer: In Sprachen, die ich gar nicht verstehe. Es gab einen Vortrag über die computerlinguistische Untersuchung alter finnischer Sagen (oder so, ich kam zu spät und war schon zu müde, um noch einzusteigen). Das ist ja genau mein Ding, aber ich konnte mich nicht richtig auf den englischen Vortrag konzentrieren.

Zuletzt war ich noch im Antiquariatsteil und habe wunderbare alte bis uralte Bücher bestaunt. Schon allein der Geruch dort... Hach. Aber auch die Preise konnten einen durchaus die Tränen in die Augen treiben. So wertvolle Bücher habe ich bisher nie in so großer Zahl bestaunen dürfen.

Um halb sieben wurden wir dann rausgekehrt. Länger hätte ich es beim besten Willen auch nicht gemacht. Obwohl ich so nicht mehr zu den internationalen Verlagen kam :(

Menschenmassen strengen mich sehr an, ich meide solche Versammlungen sonst wenn möglich und gehe auch nur im Notfall samstags in die Stadt. Aber ich muss sagen, dass ich, sei es durch die vielen tollen Bücher um mich herum oder durch meine Begleiter oder durch die vielen anderen Eindrücke, den Tag super überstanden habe. Wenn auch der Wunsch nach Wiederholung (im Moment) nicht so stark ist.

Bücher von der Frankfurter Buchmesse 2014
Donna Tartt, Andrew Kaufman & Yannik Mahr habe ich mitnehmen dürfen

Ergebnis: Wunde Füße, jede Menge Hefte, Leseproben und Kataloge, die noch durchblättert werden wollen, und 3 neue Bücher. Und einige Autoren habe ich zum ersten Mal live gesehen :)

Freitag, 10. Oktober 2014

Emil und die Detektive. Buch, Fortsetzung und Film (1954)

Erich Kästners Emil

Emil fährt zum ersten Mal allein nach Berlin. In seiner Jackentasche befinden sich 140 Mark, die er seiner Großmutter geben soll. Als er im Zug einem seltsamen Herrn begegnet, auf der langen Fahrt einschläft und am Ende das Geld verschwunden ist, steht fest: Der Fremde ist ein Dieb und muss geschnappt werden. Wie gut, dass Gustav und die Berliner Jungs exzellente Detektive abgeben.



Was soll ich sagen? Ein typischer Kästner-Klassiker in wunderbarstem Kästner-Ton! Ich wünschte, ich hätte dieses Buch als Kind gelesen. Die Geschichte ist überschaubar, aber spannend und voller knuffiger Charaktere, mit denen man selbst gerne befreundet wäre.

Als Mädchen kommt man leider extrem kurz, aber abenteuerlustige Mädchen werden das Buch dennoch mögen. Das einzige Mädchen im Buch ist die Rad fahrende Pony Hütchen, die zwar zahmer ist als die Detektive, aber genauso eine Berliner Schnauze hat wie der lustige Rest.

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Zur Fortsetzung kann ich nur sagen: Finger weg! Praktisch ohne Handlung und Antrieb, der ganze Fun aus Teil 1 geht dahin. Stattdessen bekommt man Einblicke, die man bei Emil einfach nicht haben will (siehe Film). Da Emil und die Detektive Kästners erster Roman gewesen ist, kann man sich denken, dass der Erfolg (in der Fortsetzung spielt sogar die erste Verfilmung eine Rolle) ein wenig zu heftig war. Das Buch schwelgt die meiste Zeit über in Erinnerungen an Part 1 und kommt in den letzten 80 Seiten dann mal zu den drei Zwillingen. Und die Story funktioniert auch nicht so richtig. Dagegen ist Emil und die Detektive das realistischste Buch aller Zeiten.

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Außerdem habe ich mir die Verfilmung von 1954 angesehen. Die basiert auf der ersten Verfilmung von 1931, derer ich nicht habhaft werden konnte... Da es aber hieß, in der 50er-Version sei der Autor selbst in einer Cameorolle zu sehen, war mir das relativ egal und ich sah also den Farbfilm.

Im Wesentlichen bleibt man der Story treu. An den Anfang wird eine Vorgeschichte gesetzt, die eine gefangene Robbe beinhaltet. Sehr effektiv, Emil direkt als Tierretter einzusetzen :) Ein ätzendes Detail aus dem zweiten Buch wird hier gleich mitverarbeitet, aber seiner ganzen Komplexität enthoben: Emils Mama will heiraten, aber das macht Emil gar nichts aus. Dass am Ende eine riesige Militärparade zu sehen ist, wirkt auf heutige Zuschauer einfach nur abstoßend, und der Bösewicht wird doch allzu platt gezeigt (und auch noch mit vergifteten Bonbons ausgestattet).

Das klingt jetzt arg negativ... So arg war der Film aber insgesamt nicht. Mich verwirren nur überflüssige Änderungen oder solche, die offensichtlich nur der Vereinfachung für die Filmmacher dienen. Oder wenn man dem Zuschauer nicht zu viel eigenes Denken zumuten will und dann die besten Detials aus dem Buch einfach mal streicht.
 Okay, je mehr ich über den Film nachdenke, desto weniger mag ich ihn. Als Film selbst ist er vielleicht okay, aber als Verfilmung nicht. Und wie gesagt, sehr schlecht gealtert. Wie gut, dass wir immer mal wieder neue Adaptionen des Klassikers bekommen.

Herrn Kästners Schauspielkünste lassen übrigens zu wünschen übrig. Selbst die drei Sekunden, die man ihn sieht, wirken nicht überzeugend ;) Und ich hatte mich schon gefragt, warum er nicht einen der Journalisten spielen durfte.

Donnerstag, 2. Oktober 2014

Tough Traveling 2. Flüche

tough traveling mem

Jeden Donnerstag wirft Nathan einen Blick in seine Ausgabe von The Tough Guide to Fantasyland (eine Art humorvolles Lexikon mit gesammelten Tropen des Genres, leider nicht übersetzt), wählt ein Lemma, und jeder kann dazu Listen mit Beispielen anlegen. Egal, wie lang oder kurz. So ein Mem ist anfällig für Spoiler. Ich versuche aber, es ohne zu schaffen.
Flüche
... sind schwer abzuschüttelnde, bösartige Wünsche, die auch häufiger nur halb bewusst geäußert werden. Sie zu brechen ist Aufgabe der Protagonisten. Beispiele für Ziele von Flüchen: Ländereien, Familien, Gebäude, Ringe und Schwerter, Einzelpersonen. Gerne werden auch Flüche an Bedingungen geknüpft (wie in dem Fall der sich nächtlich in einen Oger verwandelnden Prinzessin).
Ich bin gerade im Erholungsmodus, darum bleibt die Liste heute recht kurz:

Als erstes fiel mir Once Upon a Time ein. Die Zahl der Flüche als in dieser Serie kann durch Bücher nur schwer überboten werden. Am prominentesten ist dabei natürlich derjenige Fluch, der alle Bewohner des Enchanted Forest in unsere Welt gebracht hat und sie vergessen ließ, wer sie ursprünglich waren.

Unter den zahllosen zur Verfügung stehenden Märchen nenne ich Dornröschen. Eine verfluchte Spindel lässt die junge Dame in ewigen Schlaf fallen, obwohl man sich in einigen Versionen der Geschichte die größte Mühe gegeben hat, alle Spindeln im Land loszuwerden (noch nie was von Importware gehört?).

Einen Klassiker nicht nur der Fantasyliteratur, sondern auch der Verwendung von Klischees, ist mit Sicherheit die Belgariad-Reihe von David Eddings. Einer der Gefährten um den Jungen Garion ist Lord Barak, ein cherekischer Berserker, der leider selbst verflucht ist und sich ab und zu in einen Bären verwandelt. Wobei sich diese Eigenschaft für die Gruppe um Garion als Segen herausstellt.

Ein weiteres meiner Lieblingsbücher ist Das letzte Einhorn von Peter S. Beagle. Auch hier kommt ein Fluch vor, der es nicht in die Verfilmung geschafft hat: Die Hexe, die für König Haggard das Schloss an den Klippen baute, wurde betrogen und verfluchte Haggard und sein Land. In dem Städtchen Hagsgate, das nahe dem Schloss liegt, soll derjenige geboren werden, der den Tyrann Haggard stürzt. Der Ort, der unter dem Einfluss des Fluchs aber reiche Ernten einträgt, während das restliche Land hungert, lebt darum in selbstsüchtiger Angst und kinderlos.

Was wäre diese Liste ohne Jonathan Strange und Mr. Norrell? Darin wird ein wahrhaft schrecklicher Fluch verhängt, ebenfalls über eine Person. Da das aber ein Megaspoiler wäre, sage ich nicht mehr dazu. Daneben kommt auch eine verfluchte Halskette vor, glaube ich. Das Buch ist so reich an Geschichten und Episoden, dass man es sich nicht ganz merken kann. Ist natürlich super, wenn man es nochmals lesen will, dann ist es wie ein neues Buch.

{Alle zwei Wochen ist vielleicht gar kein schlechter Rhythmus. Ich bleibe wohl erst mal dabei.}

Mittwoch, 1. Oktober 2014

Begleittext Oktober

Banner Begleittext
Den schwierigsten Teil des Studiums konnte ich diese Woche abhaken: Keine mündlichen Prüfungen mehr! Hach, diese Erleichterung! Dementsprechend möchte ich mich erst mal erholen, bevor ich mich in die Magisterarbeit stürze.

Morgen Abend gehe ich zur Verleihung des Kinoprogrammpreises, das Wochenende verbringe ich in Brügge, und die folgende Woche geht es zur Buchmesse! Die Zwischenzeit fülle ich mit Lesen und Rezensionen schreiben auf und werde viel raus gehen und das Leben mal wieder genießen. Hurra!


Bücherleben

Bücher vorgestellt habe ich ja nicht viel im September, aber gelesen schon: Neben Resten von ETA Hoffmann habe ich Liebes Leben verschlungen. Außerdem: Die Macht der Stimme, The talented Mr. Ripley, Bahnwärter Thiel, Emil und die Detektive, Emil und die drei Zwillinge, Sonst noch was, Der Golem, Kim Novak badete nie im See Genezareth, Daisy Miller, Die Hauptmannstochter, Der Thron der sieben Königreiche und Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand.
Heute habe ich keine Lust, nur die Sahnehäubchen hervorzuheben, darum die komplette Liste.

Kommende Rezensionen

Erich Kästner: Emil 1+2 
Håkan Nesser: Kim Novak badete nie im See Genezareth
und vielleicht noch
Alexander Puschkin: Die Hauptmannstochter
Außerdem lese ich gerade Der Besuch des Leibarztes von Per Olov Enquist und werde demnächst auch Horrostör von Grady Hendrix beginnen. Und Die Damen von Grace-Adieu habe ich ausgeliehen. Und Sturmhöhe. Für's Erste.

Oktoberpläne

Glücksfee im Oktober
Anti-Age dem SuB: Meine Glücksfee ist Die Elixiere des Teufels von... E.T.A. Hoffmann! Oh nein! Von dem hatte ich eigentlich echt genug. Andererseits ist das schon wieder einer meiner Uropas. Der Generator ist also eigentlich verdächtig auf meiner Seite :) Ich schwöre, ich habe nichts damit zu tun!

Reread-Challenge
Im Oktober wird entstaubt!
Bonusaufgabe: Lies ein Buch mit einem herbstlichen Cover. Da nehme ich doch Geschichten vom Herrn Keuner von Bertolt brecht, das ich in der knallorangen suhrkamp-Ausgabe habe.

Und ein paar Bücher aus meiner Kindheit will ich auch schmökern. Ich habe mein Bücherregal durchforstet und einige Schätze gehoben.

Beiträge im September

Immer logger bleiben
Begleittext September. Von Leseexperimenten und Filmmarathons
Naturkunde (16). Die Mimose und ich
The collected works of A. J. Fikry von Gabrielle Zevin
Birthes kleine Abstaub-Reread-Challenge
Alice Munro: Liebes Leben
Tough Traveling 1. Hexen
Filmmarathon. Der fetzige Freitag
Filmmarathon. Der sahnige Samstag
Filmmarathon. Der superkalifragelistigexpialigetische Sonntag
Naturkunde (17). Eine glückliche Pflanze
Patricia Higsmith: The talented Mr. Ripley
SuBKultur. Das bisschen Studium...
Shout-out 09/14
Lama-Gif von Jakuto