Donnerstag, 11. September 2014

The collected works of A. J. Fikry von Gabrielle Zevin

Dieser Roman, der im Amerikanischen unter dem Titel The storied life of A. J. Fikry erschien und seiner deutschen Übersetzung noch harrt, wurde in meinem Buchclub gelesen und diskutiert.

The collected work of A. J. Fikry

Darum geht's

Während A. J. Fikry, leicht versnobter Buchhändler und noch keine 40, mit dem Tod seiner Frau klar zu kommen versucht, verliert er binnen weniger Tage seinen wertvollsten Besitz und findet ein zweijähriges Mädchen in seinem Buchladen, das dort ausgesetzt wurde. Um das Kind vor dem Waisenhaus zu bewahren, nimmt er es auf. Durch Maya findet A. J. ins Leben zurück.
*   *   *   *   *

Das klingt vielleicht etwas nach Nicholas Sparks (und an einigen Stellen hatte ich auch so ein Nicholas Sparks-Gefühl), aber es ist doch mehr als Güte versus Schicksalsschläge.

Vor jedem Kapitel wird eine Kurzgeschichte von A.J. kurz kommentiert. Er schreibt seiner Tochter Maya, welche Geschichten ihm warum gefallen. Leider sind diese Kurzgeschichten allesamt aus dem amerikanischen Sprachraum und hier eher wenig bekannt. Man bekommt allerdings auch so einen Eindruck, worum es darin jeweils geht.
Diese Einteilung hat mir gut gefallen, auch wenn ich keinen direkten Zusammenhang mit den Kapiteln selbst gesehen habe. Vor allem haben sie A.J. von einer wohlwollenden Seite gezeigt. Sonst konnte er nämlich ganz schön unfreundlich sein.

Aber es gibt auch es jede Menge liebenswerte Charaktere: Natürlich Maya, die mir allerdings ein bisschen zu clever für ihr Alter war (am Anfang); aber auch Officer Lambiase, der sich von einem gelegentlichen Leser leichter Krimis langsam zu einem Conaisseur der Literatur entwickelt und einen Buchclub für Polizisten gründet. Es stellte sich heraus, dass Lambiase in meinem Buchclub die beliebteste Figur des Buchs ist.

Ein zweiter Lieblingscharakter ist für mich aber Ismay. Die unglücklich verheiratete, ewig kinderlose Ismay verbirgt ihren verzweifelten Hunger nach Liebe hinter einer toughen Fassade. Sie kümmert sich um A.J., denn seine verunglückte Frau war ihre Schwester. Viel mehr scheint die beiden nicht zu verbinden. Ihr Ehemann Daniel hat einst einen viel gelobten Bestseller geschrieben, doch an diesen Erfolg konnte er nie anknüpfen. Es ist, als sei der Daniel, der dieses wunderbare Buch schreiben konnte, fortgegangen und käme nicht wieder. Ismay bleibt bei dem unverbesserlichen Frauenheld, weil sie hofft, dieser Mann könne doch noch einmal auftauchen...

Immer wieder hatte ich Spaß an cleveren Einfällen der Autorin. Zum Beispiel als Schwerenöter und Romanautor Daniel mal gezeigt bekommt, was eine Harke ist:
Janine looks at her watch.
'Janine looks at her watch,’ Daniel says. ‘She is bored with the old writer.’
Janine smiles. ‘Strike the second sentence. Readers will know. Show, don’t tell.’
Fantastisch! Und, ja, der Roman ist im Präsens geschrieben. Wen so was stört, der sollte selbstverständlich die Finger von dem Buch lassen.

Insgesamt war mir die Story ein bisschen zu vorhersehbar und, ja, manchmal am Rande des Kitsch, aber ich habe mich gerne von der angenehmen Erzählstimme einlullen lassen und einfach die Wohlfühlmomente und den Duft von Büchern in jeder Ecke des Buches genossen.

Für wen ist das Buch?

Eine leichte Lektüre für zwischendurch ist dieses Buch, aber ich muss vor dem nicht so lockerleichten Ausgang warnen. Mich hat das allerdings nicht gestört, es gehörte für mich einfach dazu (meine Schwäche für bittersüße Geschichten...). Ich habe das Buch mit einem zufriedenen Seufzer und einer Träne im Auge geschlossen.

Bücherwürmer mit einem Hang zum Träumerischen werden diesen Kurzweiligen, flott gelesenen Roman als Balsam für die Seele empfinden.

We are not quite novels.
We are not quite short stories.
In the end, we are collected works.

Buch auf Leseliste setzen

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