Freitag, 26. September 2014

Patricia Highsmith: The talented Mr. Ripley

Tom ist Anfang 20 und vom Leben angeödet. Seiner Tante, die ihn lieblos großzog und vor der er Reißaus nahm, scheint er genauso wenig Sympathie entgegen zu bringen wie seinem Mitbewohner oder seinen Freunden.
Als der reiche Vater von Dickie ihn für einen guten Freund seines Sohnes hält und ihn darum bittet, dem in Italien lebenden Sprößling nachzureisen und zu überreden, wenigstens über Weihnachten nach Hause zu kommen, ist es für Tom Ripley die Chance seines Lebens – und er wird sie voll auskosten.
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Selten bin ich so gefangen von einem Protagonisten gewesen wie von Thomas Phelps Ripley. Es ist absolut faszinierend, wie der anfängliche Kleinkriminelle immer tiefer in den Sumpf des Verbrechens sinkt und dabei nie Skrupel hat. 
Währenddessen kommt man dem Wesen dieses Mannes auch immer mehr auf die Spur: Während er anfangs einfach nur kühl, aber soweit in Ordnung wirkt, stellt sich bald heraus, dass Tom kleinere Trickbetrügereien begeht und sich keinem seiner sogenannten 'Freunde' verpflichtet fühlt. Immer mehr wird klar: Dieser Typ ist ohne Empathie für seine Umwelt. 

Und bald wird Tom sogar etwas unheimlich: In kürzester Zeit schafft er es, Dickies Herz zu gewinnen (und zwar wohl kalkuliert) und nistet sich in dessen Haus in Italien ein. Es taucht eine Situation auf, in der Tom sich Dickies Kleidung anzieht und erwischt wird.

Der Roman ist von homoerotischen Schwingungen durchzogen, ohne je konkret zu werden. Es ist, als wäre Tom eine Variable, die sich mit allem besetzen ließe: Er kann jeden imitieren, ist nie ganz festzulegen auf eine eigene Persönlichkeit.

Für wen ist das Buch?

Man muss kein Krimifan sein, um von Tom Ripley fasziniert zu sein. Es gilt nur zu beachten, dass es hier nicht ganz so viel Action gibt, sonders eher gediegen zugeht. Der Roman lebt von den analytischen Vorgängen in Toms Wesen und ist auch gerade deswegen spannend.

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