Mittwoch, 23. Juli 2014

Das buchigste Buch: Von Autoren, Büchern & Piraten

Detlef Bluhm: Von Autoren, Büchern & Piraten

Inhalt

Eine Geschichte des Mediums Buch und der damit verbundenen Fragen nach den Urhebern und ihren Rechten liefert Detlef Bluhm mit diesem spannenden Büchlein. Von den antiken Anfängen arbeitet er sich vor über Mittelalter und Renaissance und betrachtet die Reformation unter dem Stichwort Medienereignis. Ein wenig Plagiatgeschichte und Druckpiraterie dürfen auch nicht fehlen.
Das Buchenthält auch 32 Abbildungen und 8 Farbtafeln.

Inhaltsverzeichnis und Leseprobe gibt es hier.

Ich habe durch dieses Buch sehr viel Neues erfahren können und einiges an Schul- und vor allem Studiumswissen besser einordnen und vernetzen können. Das Buch strotzt vor lustigen und denkwürdigen Ereignissen und Denkweisen und liefert trotzdem jede Menge Fakten, sodass eine schöne Mischung aus Information und Unterhaltung entsteht.

Wer hätte zum Beispiel gedacht, dass bereits in der römischen Antike neue Formate mit Unbehagen der Käufer beäugt wurden und darum Autoren Werbung dafür machten – Bluhm versucht sich hier an einer Parallele zur derzeitigen Ebook-Diskussion, ohne zu polemisieren. Da schreibt Martial:
Wenn du meine Bücher überall bei dir haben willst
und sie dir als Begleiter für eine lange Reise wünschst,
dann kaufe diese hier: Das Pergamentformat reduziert sie auf eine knappe Zahl von Blättern.
Buchrollenbehälter verwende für die großen Werke, mich kann man in einer Hand halten.
Also das Pergamentformat als eine Art Taschenbuch, die Buchrolle für 'stationäres' Lesen und Arbeiten.

Aber Von Autoren, Büchern & Piraten besteht nicht nur aus Anekdoten, sondern bietet auch vielfältige Einblicke in die Entwicklung des Drucks und den Buchhandel.
Warum die Frankfurter Buchmesse heute größer ist als die in Leipzig, wie Goethe besondere Druckprivilegien erhielt und wie sich die Verlage und die Buchhandlungen voneinander abspalteten sind nur einige der hier beantworteten Fragen.
Bluhm zeigt die Wechselwirkungen zwischen der (vor allem deutsche) Geschichte der Buchkultur und geistesgeschichtlichen und politischen Entwicklungen, ohne dass sie forciert wirken. Wenn über ein Thema Unklarheiten in der Forschung bestehen, dann kehrt er auch das nicht unter den Teppich.

Einen besonderen Fokus bilden die immer wiederkehrenden Einwürfe und Rückbezüge zum Thema Plagiate und damit verbunden die Entwicklung eines Bewusstseins für das geistige Eigentum des Schriftstellers. Während ich auch diesen 'Erzählstrang' interessant fand, hatte ich doch ein wenig den Eindruck, dass er nachträglich hinzugefügt wurde, vielleicht als Publikumslocker in Zeiten von Guttenberg und Co. Jedenfalls passt sich die Copyrightentwicklung nicht so schön in das ansonsten superb erzählte Werk ein. Aber das ist wirklich Haarspalterei.

Ein kleiner Wermutstropfen für mich war, dass die letzten 50 Seiten des Buches mit Hypothesen zur nahen Zukunft des Buchhandels und der Buchkultur gefüllt sind. Das hat mich nun gar nicht interessiert, vor allem weil der Schreibstil hier etwas zäher, weil faktengespickter, wird. Um hier nicht zu subjektiv zu werden, sollte ich noch erwähnen, dass sich Bluhm hier, wie ich finde ganz richtig, viel an amerikanischen und britischen Verhältnissen orientiert. So kann man auch ganz leicht der Argumentation pro Buchpreisbindung folgen. In die Diskussion, ob das an dieser Stelle nun Propaganda der Verlagslobby ist, möchte ich erst gar nicht einsteigen.
In jedem Fall kommen auch aktuelle Problematiken und Themen der Buchkultur nicht zu kurz.

Für wen ist das Buch?

Wer Bücher auch ihrer Haptik wegen liebt, dem empfehle ich dieses Buch unbedingt (Ironie: Es ist auch als Ebook erhältlich)!
Ich hatte es zuerst nur aus der Unibib ausgeliehen, aber das reichte mir nicht und ich musste es kaufen ;) Jetzt kann ich darin wild markieren und annotieren, was mir ausnahmsweise mal ein richtiges Bedürfnis ist.

Wer beim dem Wort Raubdruck einen nebligen Blick bekommt oder sich gut vorstellen kann, mal eine Druckerpresse zu besitzen, der sollte es einmal versuchen mit Von Autoren, Büchern & Piraten.

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Kommentare:

  1. Ein Buch über Bücher... buchig.
    Tja, hört sich interessant an. Aber du weißt ja wie das ist mit neuen Büchern...

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  2. Ach, das steht bei mir ja auch schon länger im TuB! Sollte ich vielleicht mal vorholen. *g

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  3. Klingt interessant, das setze ich wohl mal auf meine (viel zu lange) Liste. ;-)

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  4. Das hört sich sehr unterhaltsam an! Seit du den Titel mal vor einiger Zeit in einem Beitrag von dir erwähnt hattest, warte ich ja eh schon sehnsüchtig auf deine Rezension!^^ Vielleicht sollte ich auch mal bei mir in der Unibib nachsehen... An diese Alternative habe ich noch so gar nicht gedacht! Oo

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