Donnerstag, 29. Mai 2014

Zeitreise. Mixtapes

Ich gebe es gerne zu: Ich gehöre noch der Mixtape-Generation an. Früher hatte ich immer beim Radiohören eine leere Kassette im Laufwerk und musste nur auf Rec drücken, um einen coolen Song mitzuschneiden. Lauschend saß ich während dem Hausaufgabenmachen am Schreibtisch und wann immer das nächste Lied näherrückte, hatte ich den Finger schon auf der Aufnahmetaste bereit für den Fall, dass was Gutes gespielt wurde - wahrscheinlich kommt daher meine Fähigkeit, Songs mit dem ersten Ton zu erkennen.


Vor einiger Zeit habe ich High Fidelity gelesen und geschaut. Die Hauptfigur besitzt einen Plattenladen und ist DJ. Da der Roman in den Neunzigern spielt, kommen auch hier einige Mixtapes vor. Praktisch zur selben Zeit haben mein Freund und ich uns einen Plattenspieler besorgt und fleißig Flohmärkte nach LPs abgeklappert. Beim Ausmisten fand ich dann eine leere Kassette und habe jetzt über eine Stunde gebraucht, um die Playlist für dieses 60-minütige Tape zusammenzustellen. Ich kann euch sagen, es ist wirklich eine Kunst.

In High Fidelity (sowohl Buch als auch Film) werden einige Worte über den richtigen Aufbau eines Mixtapes verloren:
A good compilation tape, like breaking up, is hard to do and takes ages longer than it might seem. You've got to kick off with a killer, to grab the attention. Then you've got to take it up a notch, or cool it off a notch…oh, there are a lot of rules.
Wie wahr.
Mixtapes haben schon etwas Magisches. Ein Mixtape fängt Erinnerungen ein und ist wie eine Momentaufnahme der Seele. Mit einer Playlist kann man das mit etwas Übung auch erreichen, aber da es so einfach ist, mal schnell ein paar Songs zusammenzustellen, ist das oft eine willkürliche Angelegenheit.
Auch durch die LPs ist mir klar geworden: Die Shuffle-Funktion hat in den letzten Jahren die Oberhand gewonnen. Statt einen anständigen Aufbau zu überlegen oder sich auf die vorgegebene Ordnung eines Albums zu verlassen lässt man alles wild durcheinanderlaufen.
Dabei kann eine feste Reihenfolge von Liedern helfen, Momente besser in Erinnerung zu behalten. Ein Mixtape, das ich extra für einen Urlaub in Frankreich aufgenommen hatte, ruft in mir noch heute Gerüche und kleine Augenblicke wach, die sonst vielleicht verloren wären. Besonders nach einer jahrelangen Hörpause kommen langsam aber sicher die Erinnerungen wieder zurück.

Wie steht es mit euch? Hattet ihr Mixtapes oder gibt es Plattenliebhaber unter euch?

Kommentare:

  1. Klar hatte ich Mixtapes. Allerdings auch eher die zufällig zusammengewürfelten Radioaufnahmen bzw. bei mir dann schon auch überspielte Songs von CDs von Freunden.
    Und stimmt - das ist schon interessant, wenn ich die mal wieder höre (was schon länger her ist - ich hab zwar noch ein Kassettendeck an meiner Minianlage, aber das macht komische Geräusche, und ich traue dem nicht mehr so) - da kommt viel von dem Gefühl rüber, was man damals hatte, und Erinnerungen an Leute und Begebenheiten ... Ach ja, jetzt kriege ich Lust, die mal wieder vorzukramen! :-D

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    1. Ich habe nur noch meinen uralten Walkman. Ein Mitschüler hat mich mal gefragt, ob ich damit ein Haus bauen will... Der Walkman war halt schon alt, als ich noch zur Schule ging. Habe ihn meiner Ma abgeluchst, aber nach schätzungsweise insgesamt +/-25 Jahren Gebrauch läuft der zum Glück immer noch. Mit Radio ;)

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    2. Stimmt, einen Walkman hab ich auch noch (also, eigentlich keinen Walkman, weil nicht von Sony, sondern von Aiwa, aber wir wollen uns dem Markendiktat ja mal nicht beugen ;-)). Meiner ist allerdings nicht so alt, den dürfte ich 1996 oder 97 gekauft haben. Hat auch ein Radio, und ich fand ihn immer todschick, so leicht gerundet und in blau. :-)

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  2. Ich bin zwar schon von der Playlistgeneration, aber ich achte eigentlich schon darauf, möglichst jedes Mal eine gute Reihenfolg einzustellen. Ich finde es zwar interessant, wenn bei Shuffle zwei völlig verschiedene Lieder hintereinander auftauchen, aber am schönsten ist es doch, wenn man Lieder hat, die zusammengehören.

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    1. Meinst du eher die Reihenfolge, wie sie von Alben oder Chronologie vorgegeben wird oder eine subjektive Reihenfolge?
      Bei Alben frage ich mich manchmal, ob die Struktur wirklich durchdacht ist (außer bei meinen Punkrock-CDs, da ja wohl nicht). Ich mag aber auch die Idee des Konzeptalbums, da würde ich nie die vorgegeben Ordnung zerstören. Und ich meine jetzt nicht ausschließlich Le Frisur von den Ärzten :)

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