Samstag, 3. Mai 2014

Rezension. Eines Abends in Paris von "Nicolas Barreau"

Eines Abends in ParisGerade entnervt beendet und bei booklikes mehr aus Versehen eine Minirezension geschrieben: klick.

Doch noch mal in Ruhe zum Inhalt:
Jeden Mittwoch kommt eine junge Frau im roten Mantel in Alain Bonnards kleines Pariser Programmkino, und immer sitzt sie auf demselben Platz in Reihe 17. Eines Abends fasst sich Alain ein Herz und spricht sie an. Sie verbringen den Abend miteinander, doch in der Woche darauf taucht sie nicht mehr auf. Obwohl er von ihr kaum mehr als ihren Vornamen weiß, begibt sich Alain auf die Suche nach ihr und erlebt eine Geschichte, wie sie kein Film schöner erzählen könnte...
Ich reproduziere meinen kleinen Wutausbruch mal hier:

»Allan und Alain -— ziemlich beste Freunde!« hatte der Journalist seine Geschichte getitelt und war ganz stolz auf seine Referenz an das Kinomilieu. (S. 209)
Ich kenn' da noch jemand, der ganz gerne mit Filmtiteln um sich wirft... "Nicolas Barreau" aka "Sophie Scherrer" aka Daniela Thiele!

{Erklärung: Die Lektorin Daniela Thiele hat hier ihrem Verlag viel Geld gespart und hat gleich zwei Personen erfunden, um einen Roman an den Mann, hier wohl eher die Frau, zu bringen. Weder Barreau noch Scherrer existieren (Wenn doch: Bitte endlich mal Hand hoch, mh?)}

An alle Zweifler: Und warum steht im Impressum kein Originaltitel? Warum dementiert Monsieur Barreau nicht die Vorwürfe, er existiere gar nicht? Ebenso die Übersetzerin?

Ich lasse mich nicht gerne verarschen und das Buch hatte darum schon nach ca. 20 Seiten schlechte Karten - da habe ich nämlich recherchiert und den Autorenschwindel rausgefunden.
Der blumig-kitschige Schreibstil, den ich ehrlich gesagt auch keinem Mann zugetraut hätte, leistet dabei allerdings auch seinen Beitrag.

Die Story ist lahm und vorhersehbar, auch das alte Kino und die Filmzitate, die ganz klar als Leserfänger dienen sollen, können da nichts mehr retten. Doof, doof, doof.

Als Ausgleich für diesen Reißbrettmist werde ich wohl erst mal etwas Zeit mit Justin Cronins Die Zwölf verbringen.

{So viel dazu, Leute. Ab sofort bin ich wieder allergisch gegen Romanzen und Taschenbucherscheinungen überhaupt, auch gegen geliehene wie in diesem Fall.}

Kommentare:

  1. Ich hab von Nicolas Barreau oder wie auch immer sie heißt "Das Lächeln der Frauen" gelesen und tatsächlich gemocht. Ein nettes kleines Wohlfühl-Romanzenbuch, ohne große Überraschungen und mit einer Portion Kitsch, zwischendurch mag ich sowas. Und im Nachhinein fand ich es umso witziger, dass darin offenbar die eigene Geschichte verwurstet wurde - darin geht es schließlich um einen französischen Verlagslektor, der einen Roman schreibt und dafür einen Engländer als Autor vorschiebt, den es nicht gibt ...

    Ich verstehe bloß nicht, warum da nicht längst mal inzwischen reiner Wein eingeschenkt wurde, wenn es doch nun sowieso rausgekommen ist. Das hätte man anhand des besagten Erfolgsbuches ja sogar ganz charmant machen können. Veräppelt kam ich mir auch vor, als ich das rausfand, allerdings verdirbt mir sowas nicht die Laune an Büchern, weil mir normalerweise ziemlich wurscht ist, wer die Autoren persönlich so sind, und solange mir die Geschichte Spaß macht, kann sie auch unter "Friedrich Wilhelm XVII." veröffentlicht sein und ein Bild von Neuschwanstein als Wohnort des Autors enthalten. ;-)

    In Ordnung finde ich das allerdings trotzdem nicht, mit Bild und erfundener Biografie und allem. Gegen ein Pseudonym hat ja niemand was, aber so ist das schon an der Grenze zum Betrug der Leserschaft, da hast du schon recht mit deinem Ärger.

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    1. Hauptsache einer von uns beiden hatte Spaß ;) Wie gesagt hatte das Buch deswegen schlechte Karten bei mir, weil ich von dem Schwindel wusste. Sonst wäre ich nicht sauer gewesen, sondern nur angeödet, um ehrlich zu sein. Aber ich habe ja schon öfter deutlich gemacht, das Romanzen nichts für mich sind.

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