Freitag, 30. Mai 2014

Fünf am Freitag. Enttäuschungen

Bei booktastic gibt es seit Kurzem ein neues Meme das da heißt "Fünf am Freitag". Diese Woche geht es in die zweite Runde: Ker Stin fragt nach fünf Büchern, die besonders enttäuscht haben.

Da dachte ich zuerst: Ob ich überhaupt fünf zusammen kriege? Nach einiger Überlegung sind sie dann in mein Gedächtnis zurückgekommen, all die unschönen papierenen Erlebnisse, die unerfüllten Hoffnungen, die am Ende eines viel versprechenden Buches zurück geblieben traurig vor sich hin vegetierten. Solche Bücher, bei denen die Idee fasziniert, die aber dann total daneben liegen. Davon habe ich mir 5 ausgesucht:

  1. Wolfgang Hohlbein – sucht euch einen Titel aus
  2. Tube Tobias Herre – Das Fehlerchen
  3. China Miéville – Die Stadt und die Stadt
  4. Felicitas Hoppe – Hoppe
  5. Haruki Murakami – 1Q84
Die Sache mit Wolfgang Hohlbein ist die: Was ich von ihm gelesen habe waren Mashups aus irischer Mythologie und Kinderbuch. Das fand ich schon als Kind total schlecht geschrieben. Die Idee von Drachenfeuer hat mich mitgerissen – bis ich anfing zu lesen. Die Hauptfigur fand ich unausstehlich, die Handlung wirr, mit wenigen guten Ideen, die allesamt der Mythologie entstammten. Habe mir stattdessen Phantastische Wesen und wo sie zu finden sind (liebevoll illustriert von Alan Lee und Brian Froud) angeschafft.

Das Fehlerchen ist ein in Berlin angesiedelter Science Fiction Roman, in dem Menschen per Teleport (Beam me up, Scotty!) reisen können. Aber ein kleiner Fehler in der Software schafft einen Doppelgänger... Klasse Idee, leider geht es in dem Roman dann aber mehr darum, dass die Firma, die den Teleport anbietet, einen der beiden Doppelgänger zu töten, um wieder Normalität herzustellen, was auf Dauer etwas lahm war. Außerdem sorgten viele Wiederholungen für Durststrecken. In kürzer wäre dieser Roman besser angekommen.

Die Stadt und die Stadt war mein erster Miéville. Die gewagte Konstruktion: Eine Stadt mit zwei Regierungen, die sich gegenseitig nicht anerkennen. Folglich müssen die Bürger beider Hälften so tun, als existiere die andere Hälfte (und deren Bewohner) nicht, obwohl sie sich täglich über den Weg laufen. Als eine Leiche im falschen Teil der Stadt auftaucht, geraten Ermittler und Regierungen in einen Konflikt mit ihrer Weltanschauung. Ich sage nicht, dass das Buch schlecht ist; es war sogar ganz gut. Aber gemessen an dem Hype um den Autor hatte ich mehr erwartet. Oder vielleicht etwas anderes. Ich habe Miéville aber nicht grundsätzlich aufgegeben. Bei Gelegenheit versuche ich es noch mal.

Hoppe, die Pseudoautobiographie von Felicitas Hoppe, hatte ich mir deutlich wilder vorgestellt. Lag vielleicht daran, dass ich direkt vorher ihre wundervolle Nacherzählung von Iwein Löwenritter gelesen hatte. Das für Kinder ist. Fand ich aber tausendmal besser. Und gar nicht langweilig.

1Q84 habe ich als alter Murakami-Fan begonnen und nach 200 Seiten der Antihandlung entnervt aufgegeben. Ich weiß einfach nicht, was er sich dabei gedacht hat, erst recht nicht, warum er es als sein Meisterwerk bezeichnet. Das ist ja wohl ohne Frage Kafka am Strand.

Donnerstag, 29. Mai 2014

Zeitreise. Mixtapes

Ich gebe es gerne zu: Ich gehöre noch der Mixtape-Generation an. Früher hatte ich immer beim Radiohören eine leere Kassette im Laufwerk und musste nur auf Rec drücken, um einen coolen Song mitzuschneiden. Lauschend saß ich während dem Hausaufgabenmachen am Schreibtisch und wann immer das nächste Lied näherrückte, hatte ich den Finger schon auf der Aufnahmetaste bereit für den Fall, dass was Gutes gespielt wurde - wahrscheinlich kommt daher meine Fähigkeit, Songs mit dem ersten Ton zu erkennen.


Vor einiger Zeit habe ich High Fidelity gelesen und geschaut. Die Hauptfigur besitzt einen Plattenladen und ist DJ. Da der Roman in den Neunzigern spielt, kommen auch hier einige Mixtapes vor. Praktisch zur selben Zeit haben mein Freund und ich uns einen Plattenspieler besorgt und fleißig Flohmärkte nach LPs abgeklappert. Beim Ausmisten fand ich dann eine leere Kassette und habe jetzt über eine Stunde gebraucht, um die Playlist für dieses 60-minütige Tape zusammenzustellen. Ich kann euch sagen, es ist wirklich eine Kunst.

In High Fidelity (sowohl Buch als auch Film) werden einige Worte über den richtigen Aufbau eines Mixtapes verloren:
A good compilation tape, like breaking up, is hard to do and takes ages longer than it might seem. You've got to kick off with a killer, to grab the attention. Then you've got to take it up a notch, or cool it off a notch…oh, there are a lot of rules.
Wie wahr.
Mixtapes haben schon etwas Magisches. Ein Mixtape fängt Erinnerungen ein und ist wie eine Momentaufnahme der Seele. Mit einer Playlist kann man das mit etwas Übung auch erreichen, aber da es so einfach ist, mal schnell ein paar Songs zusammenzustellen, ist das oft eine willkürliche Angelegenheit.
Auch durch die LPs ist mir klar geworden: Die Shuffle-Funktion hat in den letzten Jahren die Oberhand gewonnen. Statt einen anständigen Aufbau zu überlegen oder sich auf die vorgegebene Ordnung eines Albums zu verlassen lässt man alles wild durcheinanderlaufen.
Dabei kann eine feste Reihenfolge von Liedern helfen, Momente besser in Erinnerung zu behalten. Ein Mixtape, das ich extra für einen Urlaub in Frankreich aufgenommen hatte, ruft in mir noch heute Gerüche und kleine Augenblicke wach, die sonst vielleicht verloren wären. Besonders nach einer jahrelangen Hörpause kommen langsam aber sicher die Erinnerungen wieder zurück.

Wie steht es mit euch? Hattet ihr Mixtapes oder gibt es Plattenliebhaber unter euch?

Sonntag, 25. Mai 2014

Naturkunde (11). Beule am Baum

Neulich am Campus: An einem Eichenbaum entdecke ich im Vorübergehen ein rosa und grünes rundes Etwas. Mach ich mal ein Bild, denke ich. Dabei finde ich dann noch so ein Ding. Zack, beides abgelichtet.

Na, was denkt ihr, ist das?


Das ist keine seltsame Frucht und auch kein Hornissennest in Miniatur. Ein derartiges Gebilde nennt man Galle. Reiter kennen das vielleicht als Bezeichung einer Geschwulst, uns anderen wird womöglich als erstes die berüchtigte Körperflüssigkeit einfallen.

Pflanzengalle ist eine Anomalie im Wuchs, die durch jede Art von Fremdeinwirkung durch Parasiten entstehen kann.
Zum Beispiel Pilzarten, die vor allem bei Obstbäumen sogenannten Baumkrebs erzeugen.
Bild von IN Madde (Lizenz)
Es gibt allerdings auch Gallen, die komplett anders aussehen. Scheinbar gibt es noch keine genaue Definition, was eine Pflanzengalle ist und was nicht, weshalb verschiedene andere Anomalien auch ab und zu dazu gerechnet werden.

Corsehillmuir witch's broom
Wer ein paar Absurditäten der Flora sehen will, dem empfehle ich eine Bildersuche nach "Pflanzengalle". Mein Liebling ist ja die Verzweigungsanomalie, die es im zugehörigen Wikipediaartikel zu sehen gibt. Absolut bizarr und wundervoll.



Samstag, 24. Mai 2014

Neu im Bücherregal. Kaufrausch im Mai


Ich post ja normalerweise keine Neuzugänge. Tja, normalerweise kaufe ich aber auch keine 10 Bücher im Monat...


Dieser ansehnliche Stapel Bücher war Auslöser für mein persönliches Buchkaufverbot, das Project 10 Books.

Zu meiner Verteidigung: Von Autoren, Büchern & Piraten habe ich bereits gelesen und mir nur eine 'Privatkopie' zugelegt. Die Bibliothek wäre sicher nicht erfreut über die Markierungen, die mir während dem Lesen die ganze Zeit in den Fingern gejuckt haben.
Zwei Bücher habe ich getauscht, 4 zum Spendenpreis der Unibib abgekauft. Und den Murakami, den Kästner und Die Monkey Wrench Gang waren alle runtergesetzt, jawohl!

Ich liebe es, in wild zusammen gewürfelten Bücherstapeln auf Entdeckungstour zu gehen.

Mittwoch, 21. Mai 2014

Ein Jahr mit Nobelpreisträgern. W.B. Yeats und Gedanken über Lyrik

Okay, diese Rezension wird etwas anders, denn ich stehe vor der Frage, wie ich, die Lyrik eher anstrengend findet, einen Gedichtband bewerten soll.

Obwohl ich schon ein Gedicht hier und da gut vertrage und auch genießen kann, ist ein ganzes zu lesendes Buch voll davon eine Herausforderung. Ich habe versucht, mich zu ca. 3 Gedichten pro Tag zu verpflichten, um im Fluss der Texte zu bleiben und gleichzeitig jedem Gedicht Raum zu geben. Man kann so was nicht einfach runterlesen, wahrscheinlich ist es das, was mir und vielen Lesern Probleme bereitet, wenn es um Lyrik geht. Schade eigentlich.

Yeats habe ich aus den Nobelpreisträgern ausgewählt, weil ich ihm vor vielen Jahren mal auf einem Buchcover begegnet bin: Yeats ist tot hieß der Band, der von einer handvoll Krimiautoren gemeinsam geschrieben wurde. Jeder schrieb ein Kapitel und reichte es dem nächsten Autor weiter. Es kam wie es kommen musste: Allzu oft schaffte der nächste in der Reihe die Protagonisten des vorangegangenen Schreibers aus dem Weg. Weil mir die Idee gefiel blieb der Titel hängen. Ich habe das Buch nicht einmal gelesen. Aber so musste es Yeats sein.

Yeats hat auch Prosatexte geschrieben, aber ich hielt es mal wieder für einen Schub Lyrik an der Zeit.

Der Band, den ich nichts ahnend aus der Stadtbibliothek entlieh, enthält einige vorher nie ins Deutsche übertragene Gedichte des irischen Freiheitskämpfers Yeats, immer neben den englischen Originalen, was besonders toll war. Gedichte sind so schwer zu übersetzen, dass ich mich hier lieber an das Original gehalten und die Übersetzung als Stütze benutzt habe. So hatte ich den Originalsound im Ohr und konnte trotzdem immer folgen.

Daneben sind die Gedichte außerdem nicht chronologisch geordnet, sondern nach Motiven. Es gibt allerdings keine sichtbare Einordnung; die Gedichte folgen frei aufeinander und man erkennt die thematischen Zusammenhänge von allein im Lesen. Das hat mir sehr gut gefallen, weil so ganz andere Vernetzungen möglich sind. Ein Werk immer an der Biografie des Urhebers festmachen zu wollen ist auch oft einfach zu kurz gegriffen. Andererseits fehlten jegliche weiterführenden Hinweise im Band, sodass ich als Yeats-Anfänger ständig halb im Internet hing und mich nicht so gut in das Buch 'zurücklehnen' konnte.

Die Gedichte von Yeats sind oft mystisch oder/und mit mythologischen Anspielungen gespickt. Ich mag den düsteren Klang von Sailing to Byzantium (englischer Wiki-Artikel mit Originaltext) auch wenn ich nicht alles verstehe:
That is no country for old men. The young
In one another's arms, birds in the trees
– Those dying generations – at their song,
The salmon falls, the mackerel crowded seas,
Fish, flesh, or fowl, commend all summer long
Whatever is begotten, born, and dies.
Caught in that sensual music all neglect
Monuments of unageing intellect.
Das ist nur die erste Strophe und ja, hier versteckt sich ein bekannter Romantitel. Auch in anderen Gedichten wurde ich fündig: Things fall apart zum Beispiel – auch ein Yeats-Zitat.

Andere Gedichte waren eigentlich ganz nah am Alltag: In "A cradle song" sitzt ein Elternteil an der Wiege des Kindes und denkt daran, dass dieses Kind schnell wachsenund sich verändern wird. Die letzte Strophe hat mir besonders gefallen:

I sigh that kiss you,
For I must own
That I shall miss you
When you have grown.

Macht mich direkt traurig. Bei Gedichten muss man wirklich aufpassen: Ein richtig guter Vers und – wham! – hallo, Melancholie. Nichts für Depressive.

Oft hat Yeats auch über die Rolle des Dichters nachgedacht und wie er die Schönheit einzufangen versucht. In Adam's curse fasst er zusammen:
For to articulate sweet sounds together
Is to work harder than all these, and yet
Be thought an idler by the noisy set
Of bankers, schoolmasters, and clergymen
The martyrs call the world.
Der Arme. Rackert sich ab und wird noch als Tunichtgut beschimpft. Zudem versteckt sich hier in der letzten Zeile eine kompakte Gesellschaftskritik. Also, dass die Menschheit sich selbst geißelt, wenn sie Banker, Lehrer und Prediger zu ihren Herren erwählt und Poeten nicht achtet. Eine immer noch aktuelle Position, wie ich finde. Geistige Arbeit wird in Zeiten des Internets mit der "Alles-umsonst"-Einstellung vielleicht weniger geachtet denn je.

Man merkt schon:
  1. So sehr gequält habe ich mich hier nicht.
  2. Gedichte heißen nicht umsonst so. Ich könnte ewig weiter darüber schreiben, was in einem einzigen Vers steckt.

Für wen ist Yeats, für wen sind Gedichte?

Ich kann Yeats dem empfehlen, der düstere Klänge goutieren kann und nicht den Anspruch hat, jeden Text allumfassend zu verstehen. Als Stimme Irlands kann man hier auch ein wenig dem Wunsch nach Unabhängigkeit nachspüren.

Aber abgesehen von Yeats finde ich eine Portion Gedichte hier und da kann jedem von uns nur gut tun: Gedichte entschleunigen und regen zum Nachdenken an. Zugegeben sind sie nicht leicht konsumierbar, aber genau das sollten wir vielleicht auch wieder lernen.

Buch auf Leseliste setzen

Samstag, 17. Mai 2014

Buchverfilmungschallenge. Trainspotting

Trainspotting ist einer meiner absoluten Lieblingsfilme, so einer, den ich immer wieder anschauen kann. Es war also höchste Zeit, sich auch einmal die literarische Vorlage anzueignen. Das Buch hatte ich bereits vor einigen Jahren im wunderschönen Barter Books erstanden (dementsprechend natürlich nicht auf Deutsch), nur vor dem Lesen hatte ich etwas Bammel, denn Trainspotting ist in Scots geschrieben. Aber erst mal zum Inhalt. Das sagt der Verlag (vintage books):
"The seminal novel that changed the face of British fiction.
Choose us. Choose life. Choose mortgage payments; choose washing machines; choose cars; choose sitting oan a couch watching mind-numbing and spirit-crushing game shows, stuffing fuckin junk food intae yir mooth. Choose rotting away, pishing and shiteing yersel in a home, a total fuckin embarrassment tae the selfish, fucked-up brats ye've produced. Choose life."
Was natürlich nicht viel zur Handlung sagt, zumal das meiste ein Buchzitat ist, aber doch schon einen Eindruck von der Atmosphäre des Buches vermittelt. Trainspotting besteht aus sehr lose zusammenhängenden Episoden aus dem Leben einiger Jugendlicher aus dem Edinburgher Stadtteil Leith. Ihnen gemeinsam sind die Themen Drogen und Gewalt sowie eine gewisse Abneigung gegen Anpassung und einen geordneten Alltag. Leith war - und ist gewissermaßen noch immer - bekannt für seine hohe Arbeitslosenrate und Kriminalität.

Wie ein roter Faden zieht sich die Geschichte Mark Rentons durch das Buch, der am häufigsten die Hauptfigur der Erzählungen ist. Trotzdem hat man am Ende keinen kohärenten Einblick in sein Leben bekommen, sondern eher Ausschnitte gesehen.

Darin besteht der wohl drastischste Unterschied zum Film, der eine durchgängige Geschichte erzählt, die sich voll und ganz auf Rents konzentriert. Im Buch haben wir zum Beispiel einige Kapitel aus Spuds Perspektive, wodurch man viel mehr Einblick in seine Psyche erhält als im Film. Auch die Mädchen der im Film präsentierten Clique haben ihre Auftritte, wenn auch seltener. Sick Boy alias Simon, der Bond-Fan, ist mir im Buch richtig an's Herz gewachsen, denn er stellt sich immer vor, Sean Connery bei sich zu haben, der ihn dann in seinen Gedankengängen bestätigen kann:
The oriental mantos depart tae the show, but they've agreed tae meet us for a drink in Deacons afterwards. Rents cannae make it. Boo-fucking-hoo. Ah'll cry masel tae sleep. [...] Ah'll just have to amuse both chickies... if ah decide to show up. Ah'm a busy man. One musht put duty fursht, eh Sean? Preshishly Shimon.
Ah shake off Rents, he can go and kill himself with drugs. Some fucking friends I have. Spud, Second Prize, Begbie, Matty, Tommy: these punters spell L-I-M-I-T-E-D. (S.30)
Den Roman in Puzzlestücken zu schreiben passt sehr gut zu dem oft lückenhaften Gedächtnis der Protagonisten. Ihre oft zusammenhanglose Rede trägt schon etwas von der Inhaltsleere ihres Lebens in sich. Als Leser habe ich jede Episode für sich betrachtet. Man ist sofort in der jeweiligen Situation. Gut, durch die Fremdsprache hatte ich ab und zu Einstiegsprobleme, weil Scots nun mal nicht Englisch ist. Aber jede Figur hat auch ihren ganz eigenen Redestil und mit etwas Übung konnte ich fast jeden sofort zuordnen. Mein Hauptproblem war eingangs, dass mir gar nicht klar war, dass hier keine kohärente Story erzählt wird. Gerade, wenn man den Film kennt, erwartet man das irgendwie. Ich dachte also, es liegt an mir, dass ich keinen Zusammenhang zwischen den Kapiteln erkennen kann...


Absurderweise habe ich die im Film extremen Szenen (zum Beispiel Marks kalter Entzug) im Buch gar nicht als so herausstechend wahrgenommen. Ob das nun an der Sprachbarriere liegt oder daran, dass alles durch die drogenverhangene Perspektive der Hauptfiguren erzählt wird, weiß ich nicht.

Für den Film wurden einige Szenen weggelassen und andere Szenen hinzugefügt, um mehr Zusammenhang zu schaffen (vieles, was sich im Film in London abspielt, existiert im Buch nicht), einige Erzählstränge und damit FIguren verschwinden. Das finde ich auch nach dem Lesen noch eine gute Entscheidung. Als Episodenfilm wäre Trainspotting bestimmt nicht so erfolgreich gewesen. Nur um die Figuren tut es mir natürlich leid.

Der Film schafft es durch den Einsatz von Musik und phantasievollen Darstellungen und Effekten, den Drogenrausch und das Gefühl der Ausweglosigkeit auf den Zuschauer zu übertragen. Im Buch ist man den Figuren durch die Erzählung aus der jeweiligen Ich-Perspektive ganz nah, und dieses Gefühl geht im Film nicht verloren, wenn auch nur Mark Renton als Protagonist präsentiert wird, der im Buch übrigens deutlich mehr Backstory erhält.

Wahrscheinlich bin ich voreingenommen, aber ich halte Danny Boyles Verfilmung für eine gelungene Adaption, wenn man auch auf einige kontroverse Szenen zugunsten eines leichter vermarktbaren Films verzichtet hat.


Für wen ist das Buch?

Als Ergänzung zum Film kann ich das Buch empfehlen. Mich würde mal interessieren, wie das Ganze andersrum funktioniert, also ob Leser des Buches den Film im Allgemeinen in Ordnung finden. Ich habe mich jedenfalls überhaupt nicht gelangweilt, sondern im Gegenteil viel Neues entdeckt.

Das Buch lässt einen auch hautnah ein Stück schottische Gesellschaft erleben. Trainspotting war in den 90ern eines der wichtigsten Bücher in Großbritannien, jedermann las es. Wer sich also für die UK begeistert, der sollte Trainspotting auch kennen. Als Geschichte aus dem Drogenmilieu bietet das Buch eine leichter verdauliche Alternative zu deutschen Romanen wie Wir Kinder vom Bahnhof Zoo. Dennoch wird der Drogenkonsum nicht verharmlost; durch die Augen der Abhängigen sieht man die Ausweglosigkeit der Situation genauso wie ihr Zustandekommen, da fehlt jeder Ekelfaktor. Der Junkie ist einer wie du und ich, nur mit schlechteren Zukunftsperspektiven, kein fremdes Wesen, das man nicht versteht.

Wer sich für Sprachen interessiert, bei dem hat Trainspotting sicher noch einen Pluspunkt. Zur deutschen Übersetzung kann ich leider gar nichts sagen.

Eine Überraschung habe ich noch erlebt: Ich hatte mir Irvine Welsh wie selbstverständlich als so eine Art Enfant terrible vorgestellt, einen Autor, den man ungern interviewt, weil er ähnlich unangepasst wie seine Figuren ist. Doch weit gefehlt: Zwar nimmt Welsh kein Blatt vor den Mund und muss in britischen Medien ordentlich zensiert werden (fuck, shite und Co. gehören zu seinem Alltagsvokabular). Aber bei den Interviews, die ich mir nach der Lektüre angehört habe, weil mich interessiert hat, wie Trainspotting eigentlich entstanden ist, hat Welsh alle Fragen und Kritiken höflich beantwortet und kluge Dinge zu sagen gehabt. Wer sich auch interessiert: Im BBC World Book Club ist eine Episode mit Welsh verfügbar.

Buch auf Leseliste setzen

Freitag, 16. Mai 2014

SuBKultur. Project 10 Books

Der Wonnemonat Mai hat bei mir einen wahren Kaufrausch verursacht: Ich habe sage und schreibe 9 Bücher gekauft bzw. getauscht! So viel habe ich mir seit Jahren nicht mehr gegönnt.
Dachte ich noch, ich hätte die Buchkaufwut überwunden, haben günstige Gelegenheiten (Bücherflohmarkt, Wühltisch und mein Einstieg bei tauschticket) eine Flut neuen Lesestoffes ausgelöst. Damit muss Schluss sein, will ich meine Fortschritte auf dem Weg zur Spitze des SuB nicht zunichte machen.

Ab und zu bin ich in den letzten Monaten über das Project 10 Books gestolpert. Scheinbar war die erste Leseratte, die dazu angetreten ist, die Vloggerin bethjune327, die ein ähnliches Vorgehen bei Kosmetikbloggerinnen beobachtet hat.

Und so funktioniert das Ganze: Man sucht sich 10 Bücher aus seinem Bücherregal und kauft solange keine neuen Bücher, bis man diesen Stapel komplett gelesen hat. Da es hier für Bücherwürmer um's Ganze geht, versteht sich von selbst, dass das Projekt so schnell wie möglich abzuschließen ist ;)

Bisher konnte ich mich nicht zu diesem Projekt durchringen, weil ich mir die Buchwahl für meine Challenges nicht erschweren wollte. Außerdem hatte ich ja kein Suchtproblem. Nach meinen Rückfall starte ich dann doch durch mit Project 10 Books.

Nach einigem hin und her habe ich mich auf folgende Bücher festgelegt:

Patrick Süskind, Sempé: Die Geschichte des Herrn Sommer
Süskind konnte mich bisher noch immer begeistern und diese Erzählung mit Illustrationen von Sempé liegt vollkommen zu Unrecht ungelesen im Regal.

Erich Kästner: Emil und die Detektive
Dieses Buch habe ich erst vor Kurzem gekauft (ja, diesen Monat). Ich füge es hier nur ein, um endlich...
Erich Kästner: Emil und die drei Zwillinge
...lesen zu können. Letztgenannter Band ist eine Fortsetzung und gehört zu meinen SuB-Uropas. Muss also unbedingt, gerade weil ich eigentlich Kästner-Fan bin, mit dabei sein!

Arthur C. Clarke: 2001. Odyssee im Weltraum
Bei der Wahl dieses Buches komme ich mir besonders schlau vor, denn wem ich hier eigentlich seit Jahren aus dem Weg gehe, ist die Kubrick-Verfilmung. DVD ist vorhanden, nur die Lust fehlt irgendwie. Aber mit der nächsten Buchverfilmungschallenge vor der Tür hat dieses Doppelpack erhöhte Chancen. Erst recht, wenn davon die Beschaffung neuer Bücher abhängt.

Kazuo Ishiguro: The Remains of the Day
Auch einer meiner 5 ältesten ungelesenen Bücher. War Schullektüre (in Auszügen), inzwischen habe ich mich soweit davon erholt, dass ich es tatsächlich noch einmal versuchen will.

Hermann Hesse: Narziß und Goldmund
Noch so ein Buch, dass ich eigentlich schon lange lesen will, es aber einfach nicht getan habe.

Kai Meyer: Seide und Schwert
Und der dritte Uropa.

Lois Gould: Morgantina, die Hexe der Königin
Habe noch nie von Autorin oder Buch gehört, klingt aber echt interessant. Ich will endlich wissen, was sich dahinter verbirgt.

Alberto Manguel: Eine Geschichte des Lesens
Mein Sorgenkind. Die Wuchtigkeit dieses Wälzers hält mich schon viel zu lange vom Lesen ab. Dabei sauge ich Bücher über Buch- und Lesekultur weg wie nix (gerade erst Von Autoren, Büchern & Piraten).

Walter Moers: Wilde Reise durch die Nacht
Beim Kaufen bin ich fest davon ausgegangen, das Buch demnächst zu lesen. Tja. Dabei sieht es so schön aus und auch wenn ich kein ausgesprochener Moersianer bin, mag ich seine Ideen.

Wie immer gibt es eine Übersicht auf meiner Challengeseite – wünscht mir Glück, dass ich in nächster Zeit nicht wirklich mal ein Buch brauche ;)

Donnerstag, 15. Mai 2014

Hörbuchrunde. T.H. White, Michael Gerard Bauer und Sophie Kinsella

Die Kerze im Wind (Der König auf Camelot #4) von T. H. White


Die Kerze im Wind
"In Teil 4 von »Der König auf Camelot« laufen alle Fäden zusammen, die T.H. White in den vorhergegangen drei Teilen sorgsam und humorvoll gesponnen hat. »Die Kerze im Wind« ist das wohl dunkelste und dramatischste der vier Bücher: Alter Hass, Gewalt und Fanatismus leben wieder auf in Gestalt des verkrüppelten Mordred – verheimlichter Sohn von König Arthur und seiner Halbschwester Morgause. Das Königreich England scheint dem Untergang nahe: Königin Ginevra wird der Untreue bezichtigt, Lanzelot verbannt, die Tafelrunde zersplittert in Gruppen, ein erbitterter Krieg beginnt: nur die Hoffnung auf »die Kerze im Wind« – die Idee der Tafelrunde und ihrer hehren Ziele – lässt König Arthur weiterkämpfen."
Hörprobe

Der vierte und letzte Teil der "The once and future king"-Reihe ist viel ernster als die vorangegangenen Bände. Am Ende war ich erneut ganz traurig. Arthur wird sein eigenes Ideal der Gerechtigkeit zum Stolperstein. Das Ende beeindruckt mich auch immer wieder: Ein langes Nachdenken über die Notwendigkeit dessen, was geschehen ist und was geschehen soll, in der Mitte Arthur, der nun seine Bestimmung erkennt. In Papierform könnte das etwas langatmig wirken. Aber Jochen Malmsheimer kann mit seiner brummigen Bärenstimme gerade die gebrochenen Männer und das nachdenkliche Bedauern des Unausweichlichen sehr schön einfangen und zeigt in diesem vierten Teil noch mal, was er kann. Die actionreicheren Stellen, die hier auch vorkommen, wirken dagegen ein wenig grell.


Ismael und der Auftritt der Seekühe (Ismael #2) von Michael Gerard Bauer


Ismael und der Auftritt der Seekühe
"SOS - Ismael ist total verknallt, aber viel zu schüchtern, um die bezaubernde Kelly anzusprechen. Razza, Ismaels tollkühner Freund aus dem Debattierclub, verfolgt deshalb nur ein Ziel: Er will die beiden verkuppeln. Schließlich hat Kelly Ismael zur Geburtstagsparty ihrer Freundin eingeladen. Das hat was zu bedeuten! Doch die Party endet in einem Desaster, und Ismaels Selbstwertgefühl sinkt auf einen Tiefstand. Nur Razza weiß Rat: Gedichte und Musik haben sich noch immer als Wundermittel zur Rettung der ersten Liebe erwiesen ... Niemand schreibt so umwerfend komisch über die Peinlichkeiten der Pubertät wie der aus Australien stammende Autor Michael Gerard Bauer."
Wer Nennt mich nicht Ismael nicht kennt, der hole dies sofort nach! Ein wunderbares Kinder- und Jugendbuch, das ein ganz tolles Familienvorlesebuch abgibt. Wer Teil 1 der Ismaelgeschichten kennt, der kann nun mit Der Auftritt der Seekühe noch einmal mit dem einzigen bekannten Fall des Ismael-Leseur-Syndroms von einem Missgeschick in das nächste tappen. Bei weitem nicht so komisch wie Band 1, aber wieder kongenial vorgetragen von Jens Wawrczeck. Bauer verleiht hier einigen Hauptfiguren mehr Background und vergisst darüber - leider! - den über die Sommerferien überraschend schlank gewordenen Außenseiter und Fantasyspinner Barry, der praktisch nicht auftaucht. "Die Seekühe" (zu Englisch etwas cooler "Dugongs") ist die Band von Ismaels Vater, die ein Revivalkonzert plant. Auf dem Hörbuch finden sich eingängige Rockmusikstücke, die im Buch in Textform vorhanden sind. Höhepunkt des Buches war für mich das Einstiegskapitel, in dem Antiheld Ismael bei seinem heimlichen Schwarm anrufen muss, um für eine Party zuzusagen. Ansonsten etwas zu viel Lovestory. Aber ich bin ja auch kein 14-jähriger Junge ;)

Hörprobe zu besagtem 1. Kapitel

Kennen wir uns nicht? von Sophie Kinsella


Kennen wir uns nicht?
Als Lexi Smart im Krankenhaus aufwacht, erleidet sie einen Schock: Nach einem Unfall sind die letzten drei Jahre komplett aus ihrer Erinnerung gelöscht, und sie erkennt sich selbst nicht wieder. Die junge Frau mit dem Mercedes-Cabrio, dem Chefposten und dem millionenschweren Ehemann soll sie sein? Offenbar hatte sie ein tolles Leben. Seltsam nur, dass sie mit ihren alten Kollegen im Streit liegt und ihre neue beste Freundin ein Hohlkopf ist. Und dann taucht auch noch ein höchst attraktiver Mann auf, der behauptet, ihr Liebhaber zu sein. Wie kann sie dieses Chaos in Ordnung bringen? Und vor allem: Wird sie je wieder herausfinden, wer sie wirklich ist?

Ausgewählt für eine Genrechallenge, habe ich bei dieser Beschreibung ein vergleichsweise lustiges Buch erwartet. Fehlanzeige. Witze, die nicht zünden, verbinden sich hier zu einer Story, die etwas zu einfach und vorhersehbar daherkommt. Schön allerdings der Powerfrauaspekt, der hier gerade am Ende für einen netten kleinen Clou sorgt. Erzählt wird das Ganze in gekürzter Fassung von Diana Staehly, deren Teeniestimme mich hier nicht überzeugen konnte.

Hörprobe

Sonntag, 11. Mai 2014

Naturkunde (10). Auch du, Prunus?!

Eine neue Runde Naturkunde für Dummies bricht an! Lange genug habe ich jetzt Pause gehabt; der letzte Beitrag ist im März erschienen (ist das wirklich schon so lange her?!).

Damals habe ich einen rosa blühenden Baum auf unserem Campus unter die Lupe genommen. Das Problem bei der Identifizierung war unter anderem, dass man bei einem Unibaum nie genau wissen kann, ob der nicht aus Japan kommt. Bei uns blühen Kirschbäume erst im April, aber es gibt, laut baumkunde.de, auch Kirschen, die früher dran sind, vor allem fremdländische.

Ein Blatt musste her. Und dafür musste ich warten.

Der unbekannte Baum allerdings stellt sich weiterhin quer. Selbst mit Blatt bin ich nicht weiter gekommen. Ich wunderte mich, ob es nun ein Mandelbaum oder doch ein Pfirsich ist, der hier wächst. Obwohl ich schon einige Jahre sommers unter diesen Bäumen gesessen habe, ist mir nie eine Frucht aufgefallen.

Tja, der Baum lieferte erwartungsgemäß selbst das Ergebnis: Als die ovalen grünen Kügelchen am Baum auftauchten, stand fest: Hier wachsen Mandeln!

An unserer Uni gibt es also Mandelbäume; Prunus dulcis nennt sich das in Fachsprache (übersetzt heißt das süße Pflaume... knapp daneben, ganz knapp). Da würd ich doch mal eine kleine Mandelernte veranschlagen. Ist aber erst im Spätsommer so weit.

Freitag, 9. Mai 2014

Short Stories #5. I love to blog

Seit längerem verfolge ich heimlich, still und leise die Short Stories bei was eigenes. Da gibt es jeden Monat ein Thema, zu dem man schreiben kann, was einem so dazu einfällt. "Short Stories" soll auch Gelegenheit geben, sich als Blogger mehr auf Text und weniger auf Bildchen zu konzentrieren.

Diesen Monat ist das Thema "I love to blog" und da will ich mich doch mal einschalten:
Warum hast Du angefangen zu bloggen? Was hat Dir das Bloggen bereits gebracht? Wann schreibst Du Deine Postings? Was ist für Dich wichtiger- Text oder Fotos? Welche Art von Blog schreibst Du? Food-Blog? Lifestyle-Blog? Mami-Blog? Deko-Blog? Politik-Blog? Buch-Blog? Bloggst Du nur für Dich oder verfolgst Du mit Deinem Blog andere Ziele? Sind Dir Kooperationen mit anderen Bloggern oder Unternehmen wichtig oder eher nicht? Hast Du durch’s Bloggen neue Menschen kennen gelernt oder möchtest Du das vielleicht gar nicht? Fragen über Fragen... erzähl doch mal!

Mein kleiner Salon besteht jetzt seit Oktober 2011, davor habe ich mich schon verschiedentlich ausprobiert. Doch es hat nie gepasst. Mein ursprünglicher Wunsch, über Bücher und Filme zu schreiben, ist nicht ganz in Erfüllung gegangen, denn ich konsumiere viel zu viele Filme und Bücher, als dass ich über alle berichten könnte.
Dafür haben sich andere Themen einfach so entwickelt; ich lasse dem einfach freien Lauf - das Problem, Themen zu finden, kenne ich nicht, ich muss mich eher bremsen, nicht zu viele verschiedene Richtungen einzuschlagen!

Warum hast Du angefangen zu bloggen?

Ich wollte und will mich mit anderen über Bücher austauschen. Irgendwie habe ich meistens das Gefühl, büchertechnisch mit niemandem meiner Freunde auf einer Wellenlänge zu sein, darum habe ich begonnen, meine Fühler auszustrecken. Außerdem schreibe ich gerne.

Inzwischen ist das Bloggen und auch das Kommentieren zu einem richtigen Hobby geworden. Bloggen gehört zu meiner Freizeit wie das Lesen selbst. Dabei freue ich mich immer riesig über Kommentare (danke, Leute!).

Was ich am Bloggen besonders mag ist, dass man einfach mal ausreden kann. Ich kann eine ganze Rezension runterschreiben, editieren, mit Fotos bestücken und posten, und keiner kann mich unterbrechen oder widersprechen. Meine Meinung steht im virtuellen Raum, und das am Stück. Woanders muss ich mich kurz fassen, sogar an der Uni ist eine ausführliche Meinung zum Buch oft nicht erwünscht. Hier kann ich mich voll austoben, meinen Senf dazu geben, und werde gehört. Und am schönsten ist es, wenn dann ein kleines Gespräch entsteht. Ich hoffe, das passiert in Zukunft noch viel öfter.

Wann schreibst Du Deine Postings?

Wo immer ein PC steht. Wenn ich gerade Lust habe, dann schlage ich zu ;) So entstehen manchmal mehrere Posts an einem Tag, manchmal schreibe ich aber auch in letzter Minute. Seit diesem Jahr habe ich einen Blogplaner (weil ich Kalender und Planer und Listen und Papier liebe) und an den halte ich mich. Meistens.


Mein Salon ist zwar ein winziger Raum im großen Internet, aber ich fühle mich inzwischen sehr wohl hier und hoffe, dass er auch anderen ein angenehmer Ort ist. Das Bloggen macht mir so viel Spaß, dass hier erst mal kein Ende in Sicht ist.


Wenn ihr bei Short Stories mitmachen wollt, dann schaut doch mal bei was eigenes vorbei! Ich wüsste zum Beispiel gerne, wie ihr zum Bloggen gekommen seid und wann und wo ihr das am liebsten macht.

Montag, 5. Mai 2014

Ein Jahr mit Nobelpreisträgern. Menschenkind von Toni Morrison



Menschenkind habe ich vor wenigen Monaten in einem Büchertauschregal in meinem Lieblingsstudibistro gefunden und es nun für die Nobelpreisträgerchallenge gelesen. Und zwar während des Lesemarathons 7 Days 7 Books, also geballt und in kurzer Zeit.

Inhalt

1885, zwanzig Jahre nach dem amerikanischen Bürgerkrieg: Sethe hat den Tod ihrer kleinen Tochter nie überwunden. Deren Geist treibt nun, achtzehn Jahre später, in ihrem Haus sein Unwesen. Als Paul D, ein alter Leidensgenosse von der „Sweet Home“-Plantage, Sethe besucht, ruft er dunkle Erinnerungen wach – aber er weckt auch Hoffnung auf einen Neuanfang … (Quelle)


Der Roman beschreibt das Geschehen aus verschiedenen Perspektiven und ist jeweils den Gedankengängen der Protagonisten sehr nahe, auch wenn es kein Bewusstseinsstrom ist, in dem hier geschrieben wurde.Oft wird der Tonfall etwas mystisch, aber das passt zur teils magischen Handlung.
Am Anfang fand ich es auch schwer, zwischen den einzelnen Figuren und Zeiten zu unterscheiden, weil alles ineinander übergeht. Das gibt sich aber, je mehr man von der Geschichte gelesen hat, weil man dann gut zuordnen kann.

Der Leser wird mitten in die Geschichte geworfen, es wird nichts erklärt. Fast ist es kein Erzählen, was Toni Morrison hier macht, und das bringt einem die Figuren richtig nahe. Man hört sie eher denken und sich erinnern und hat so an allem teil, was die Figuren ausmacht. Wenn man erst mal angekommen ist bei Sethe und den anderen, dann wird das Erzählte richtig lebendig und auch die magischen Elemente verstehen sich von selbst, werden ganz natürlich.

Dort wollte Sethe jetzt sein. Zumindest um der Leere zu lauschen, die der lang verklungene Gesang hinterlassen hatte. Höchstens vielleicht, um von der toten Mutter ihres Mannes einen Hinweis zu bekommen, was sie jetzt mit ihrem Schwert und ihrem Schild tun sollte, lieber Herr Jesus, jetzt, neun Jahre nachdem Baby Suggs, die Heilige, sich als Heuchlerin entpuppt, ihr großes Herz aus der Pflicht entlassen, sich in der Kammer niedergelegt hatte und nur hin und wieder noch von einem heftigen Verlangen nach Farbe und sonst gar nichts ergriffen wurde.
"Diese weißen Kreaturen haben mir alles genommen, was ich hatte und wovon ich träumte", sagte sie, "und mir noch dazu das Herz gebrochen. Das Unglück der Welt sind die Weißenleute." Die 124 verschloß sich und fand sich mit der Tücke des Geistes ab.
(S.125)
Besonders toll finde ich, dass hier eine ungewöhnliche und nahe gehende Familiengeschichte erzählt wird, die tiefgründige, nicht zu eindeutige Hauptfiguren enthält und mit einem Schuss der Schattenseiten amerikanischer Geschichte zu einem tollen Roman in jeder Beziehung wird. Denn er liest sich wirklich schön, wenn man erst mal drin ist, und die Geschichte ist mir auch jetzt noch sehr nahe.
Die Zutaten, die aus diesem Roman ein Werk des Magischen Realismus machen, haben mir besonders gefallen: Sethe hat zum Beispiel Narben auf dem Rücken, in denen eine ihrer Wegbegleiterinnen einen Baum sieht. Und natürlich Menschenkind, die aus dem Nichts auftaucht und die wiedergekehrte Tochter zu sein scheint, die als Baby starb und jahrelang das Haus der Familie, die 124, als Geist heimsuchte.

Einige Details über die Behandlung von Sethes Familie als Sklaven ist harter Tobak (vieles wird eher angedeutet und gewinnt so natürlich an grausamer Einprägsamkeit). Als Erst-Welt-Kind ab und zu mal die Ungerechtigkeit der Welt, ob nun von gestern, heute oder auch morgen, vor Augen geführt zu bekommen, ist lehrreich. Hier ist das Sklavendasein, die Unfreiheit und die Entwurzelung nicht vom Rest der Geschichte zu trennen und wird mit Bedacht und behutsam entfaltet, ohne dabei den Leser zu schonen.

Wie gesagt war es nicht ganz einfach, in die Geschichte hinein zu kommen. Aber wie ebenfalls schon gesagt hat diese Erzählweise die Figuren viel echter und facettenreicher erscheinen lassen.

Für wen ist das Buch?

Wer sich für Familiensagas interessiert, ist hier nur gut aufgehoben, wenn er auch sprachlichen Anspruch und Gewalt verkraften kann. Habe selten einen so sprachsensitiven Roman gelesen, bei dem man auch noch in der Übersetzung ganz hin und weg von der Athmosphäre ist, die alleine durch die Worte entsteht.

Buch auf Leseliste setzen

Samstag, 3. Mai 2014

Rezension. Eines Abends in Paris von "Nicolas Barreau"

Eines Abends in ParisGerade entnervt beendet und bei booklikes mehr aus Versehen eine Minirezension geschrieben: klick.

Doch noch mal in Ruhe zum Inhalt:
Jeden Mittwoch kommt eine junge Frau im roten Mantel in Alain Bonnards kleines Pariser Programmkino, und immer sitzt sie auf demselben Platz in Reihe 17. Eines Abends fasst sich Alain ein Herz und spricht sie an. Sie verbringen den Abend miteinander, doch in der Woche darauf taucht sie nicht mehr auf. Obwohl er von ihr kaum mehr als ihren Vornamen weiß, begibt sich Alain auf die Suche nach ihr und erlebt eine Geschichte, wie sie kein Film schöner erzählen könnte...
Ich reproduziere meinen kleinen Wutausbruch mal hier:

»Allan und Alain -— ziemlich beste Freunde!« hatte der Journalist seine Geschichte getitelt und war ganz stolz auf seine Referenz an das Kinomilieu. (S. 209)
Ich kenn' da noch jemand, der ganz gerne mit Filmtiteln um sich wirft... "Nicolas Barreau" aka "Sophie Scherrer" aka Daniela Thiele!

{Erklärung: Die Lektorin Daniela Thiele hat hier ihrem Verlag viel Geld gespart und hat gleich zwei Personen erfunden, um einen Roman an den Mann, hier wohl eher die Frau, zu bringen. Weder Barreau noch Scherrer existieren (Wenn doch: Bitte endlich mal Hand hoch, mh?)}

An alle Zweifler: Und warum steht im Impressum kein Originaltitel? Warum dementiert Monsieur Barreau nicht die Vorwürfe, er existiere gar nicht? Ebenso die Übersetzerin?

Ich lasse mich nicht gerne verarschen und das Buch hatte darum schon nach ca. 20 Seiten schlechte Karten - da habe ich nämlich recherchiert und den Autorenschwindel rausgefunden.
Der blumig-kitschige Schreibstil, den ich ehrlich gesagt auch keinem Mann zugetraut hätte, leistet dabei allerdings auch seinen Beitrag.

Die Story ist lahm und vorhersehbar, auch das alte Kino und die Filmzitate, die ganz klar als Leserfänger dienen sollen, können da nichts mehr retten. Doof, doof, doof.

Als Ausgleich für diesen Reißbrettmist werde ich wohl erst mal etwas Zeit mit Justin Cronins Die Zwölf verbringen.

{So viel dazu, Leute. Ab sofort bin ich wieder allergisch gegen Romanzen und Taschenbucherscheinungen überhaupt, auch gegen geliehene wie in diesem Fall.}

Freitag, 2. Mai 2014

Initiative ergreifen. Petition für eBooks in Bibliotheken zeichnen

Ihr habt bestimmt in den letzten Tagen von dem Streit um das E-Book-Angebot in Bibliotheken gehört: Die Bibliotheken möchten ihren Kunden gerne ein möglichst breites Angebot an E-Books bieten, können das aber nicht, weil hohe Lizenzen und rechtliche Unsicherheiten ihnen im Weg stehen. Das führt die EBLIDA (European Bureau of Library, Information and Documentation Associations) auf ein unzeitgemäßes Urheberrecht zurück. 

Darum wurde eine Petition gestartet, die Folgendes fordert:

"Daher fordern 65.000 Bibliotheken und ihre 100 Millionen Nutzer und Nutzerinnen die EU auf, ein präzises, aktualisiertes Urheberrecht zu entwickeln, das Bibliotheken ermöglicht, ihre Kernaufgaben auch im 21. Jahrhundert zu erfüllen: allen Bürgerinnen und Bürgern der EU Zugang zum Reichtum an menschlichem Wissen zu bieten, egal ob in der Bibliothek, außerhalb oder online. 
Konkret wollen wir:
• unseren Bibliotheksnutzerinnen und Nutzern die neuesten E-Books, so wie die neuesten gedruckten Bücher, anbieten
• E-Books zu fairen Preisen und angemessenen Konditionen erwerben
• dass alle Bürgerinnen und Bürger – unabhängig von Einkommen oder anderen Kriterien – vom ungehinderten  Zugang zu E-Books in Bibliotheken profitieren
• dass Autorinnen und Autoren eine faire Vergütung für das Ausleihen  ihrer E-Books erhalten.
Wir brauchen einen europäischen Urheberrechtsrahmen, der diese Zwecke erfüllt und es Bibliotheken ermöglicht, E-Books zu erwerben und zu verleihen."
Die Petition braucht noch 1150 Stimmen. Hier kann man sie unterstützen.
Und weitersagen ;)

Donnerstag, 1. Mai 2014

Begleittext Mai, die Zweite. Alles neu macht der Mai...

...heißt es doch. Tja, so kamen dann mit Maibeginn auch noch einige Bücher bei mir an beziehungsweise Bestätigungen für Leserunden.

Ich will eigentlich keins der Bücher, die ich rausgesucht hatte, direkt wieder aussortieren, aber ich stelle sie ja nur für später zurück :) Dafür in Frage kommen vor allem The Book of Merlyn, weil das außer mir eh keiner ausleiht und es ja nicht wegrennt oder so, und Cashel Byrons Beruf, weil das mein zweiter Nobelpreisträger neben Buddenbrooks für den Mai ist und einer auch okay ist, obwohl ich hinterher hinke mit der Challenge Ein Jahr mit Nobelpreisträgern. In das Buch über die Geschichte der Linguistik (Linguistische Promenade) habe ich reingeschnuppert und es aussortiert, weil nur wenige Kapitel für mich interessant sind. Aber für eine Kurzrezension reicht es ;)

Aber zu den Neulingen:
Meine Ma hat mir wegen meiner Filmleidenschaft Eines Abends in Paris ausgeliehen, das ich bereits zu lesen begonnen habe. Dafür werde ich definitiv nicht lange brauchen. Was ich bis jetzt dazu zu sagen habe, behalte ich aber für den Moment noch für mich.

Und dann die Leserunden: Ich fänd es doof, wenn ich für Bücher abstimme und die dann nicht mitlese, deshalb komme ich nun endlich mal zum ersten Percy Jackson-Band Diebe im Olymp, den ich als eAudio vorgemerkt habe. Hörbücher sind ja immer schnell gehört, ist also keine große Sache.

Von ganz anderem Kaliber ist die zweite Leserunde, für die ich mich verpflichtet habe: Es dreht sich dabei um kein geringeres Buch als Don Quijote. Das wollte ich schon ewig lesen, aber eben lieber nicht allein. Natürlich ist das ein Langzeitprojekt und wir werden in kleinen Abschnitten von 50-80 Seiten pro Woche bis Anfang September beschäftigt sein – ich hoffe, das halte ich durch ;-)

Also ist der Plan nun wie folgt (geordnet nach Lesestart):
Das romantische, nicht wirklich französische Eines Abends in Paris
Das Überbuch Der sinnreiche Junker Don Quijote von der Mancha
Das nerdige, als Uni-Sachbuch getarnte Von Autoren, Büchern & Piraten
Das Nobel-"Muss man gelesen haben"-Buch Buddenbrooks
Das schnelle Hörbuch für Zwischendurch Diebe im Olymp
Das "Zweiter Band"-Buch Die Zwölf
Das Buch, das nicht in's Beuteschema passt, The talented Mr. Ripley

Und wenn dann noch Zeit ist (ja nee, is' klar): The Book of Merlyn, Cashel Byrons Beruf (das sonst im Juni drankommt).

Begleittext Mai. Die Mischung macht's

Es ist wieder soweit! Ein neuer Monat, ein neuer Bücherstapel!

Was ich lesen möchte

Begleittext Mai ohne die beiden letztgenannten

Ich ordne mal der Wichtigkeit nach, denn einige Bücher habe ich nur auf Zeit.


Bibliotheksbeute
Linguistische Promenade von Alwin Frank Fill (Goodreads)
Der Untertitel verspricht "Eine vergnügliche Wanderung durch die Sprachwissenschaft von Platon bis Chomsky" und scheint mir die perfekte, kurzweilige Auffrischung von Studienwissen zu sein, die ich vor meinen Prüfungen gebrauchen kann.
Von Autoren, Büchern & Piraten von Detlef Bluhm (Goodreads)
Noch ein Sachbuch, diesmal über Buchkulturgeschichte. Auf der Suche nach einem Thema für meine Magisterarbeit habe ich gemerkt, dass mich auch Raubdrucke und Lesekultur wirklich interessieren.


Ein Jahr mit Nobelpreisträgern
Buddenbrooks von Thomas Mann (Goodreads)
Vor Jahren gekauft und sogar mal die ersten hundert Seiten gelesen, aber nie den Rest... Das muss ich vor meinem Abschluss als Germanistin unbedingt noch schaffen!
Cashel Byrons Beruf von George Bernard Shaw (Goodreads)
In meinem Regal stehen noch die Werke von 8 Nobelpreisträgern, also habe ich beschlossen, zu losen. Der Roman über den Boxer wäre nicht mein Favorit gewesen, aber nun ja. 

Sonst so
The talented Mr. Ripley von Patricia Highsmith (Goodreads)
Als Stellvertreter der Pulp-Genres für die Literary Exploration Challenge. 
The Book of Merlyn von T. H. White (Goodreads)
Müsste ich eigentlich lesen, da ich ja nun schon zum zweiten mal die anderen Bände von Der König auf Camelot angehört habe. Dieser fünfte Band soll sich allerdings in vielen Parts wiederholen und etwas unübersichtlich sein – kein Wunder, wurde er doch posthum veröffentlicht. Jedenfalls steht das Buch bei uns in der Anglistik (darum auch der englische Titel). Immerhin mit Bildern ;)
Die Zwölf von Justin Cronin (Goodreads)
Anfang April habe ich Der Übergang beendet und will jetzt natürlich die Fortsetzung lesen. Mal schauen, ob ich dazu komme und das eBook dann auch via Onleihe erhältlich ist.

Was ich schreiben möchte

Es soll mit der Naturkunde für Anfänger weitergehen, allerdings jetzt nur noch jeden zweiten Montag. Außerdem kommen die Rezensionen für:
Menschenkind von Toni Morrison (Goodreads)
Trainspotting von Irvine Welsh, Vergleich mit Film (Goodreads)
Traumnovelle von Arthur Schnitzler, Vergleich mit Film (Goodreads)
Der Übergang von Justin Cronin (Goodreads)
Ein Morgen grünes Gras von W. B. Yeats (Goodreads)

Kurzrezensionen der Hörbücher:
Die Kerze im Wind von T. H. White (Goodreads)
Ismael und der Auftritt der Seekühe von Michael Gerard Bauer (Goodreads)
Kennen wir uns nicht? von Sophie Kinsella (Goodreads)