Montag, 21. April 2014

Rezi-Aktion. James Bowen: Bob, der Streuner

Bob, der Streuner: Die Katze, die mein Leben veränderte 
Zum Welttag des Buches am 23.4. möchte ich jeden Tag dieser Woche eine Rezension in einer anderen Textart posten. Meine Meinung zum Buch versteckt sich dabei vielleicht manchmal eher zwischen den Zeilen. 
Heute ist das bestimmt so, denn ihr lest nun ein Interview mit Kater Bob aus dem Buch Bob, der Streuner von James Bowen.

Inhalt:
Als James Bowen den verwahrlosten Kater vor seiner Wohnungstür fand, hätte man kaum sagen können, wem von beiden es schlechter ging. James schlug sich als Straßenmusiker durch, er hatte eine harte Zeit auf der Straße hinter sich. Aber dem abgemagerten, jämmerlich maunzenden Kater konnte er einfach nicht widerstehen, er nahm ihn auf, pflegte ihn gesund und ließ ihn wieder laufen. Doch Bob war anders als andere Katzen. Er liebte seinen neuen Freund mehr als die Freiheit und blieb. Heute sind sie eine stadtbekannte Attraktion, ihre Freundschaft geht Tausenden zu Herzen.

Salon:Bob, seit inzwischen mehr als sieben Jahren leben Sie mit dem Straßenmusikanten und inzwischen Buchautor James zusammen. Sie teilen bewegte Erinnerungen. Erzählen Sie von ihrer ersten Begegnung mit James.
Bob:Es ging mir damals nicht gut, gar nicht gut. Um die Wahrheit zu sagen, ich hätte wohl bald eines meiner Katzenleben beendet, wenn mich James nicht gerettet hätte.
Ich bin ein Straßenkater und weiß als solcher, dass Leben und Tod sehr nah beieinander liegen. Kurz vor meiner Begegnung mit James hatte ich, von einem Schnupfen bereits leicht angeschlagen, eine unschöne Begegnung mit einem großen Kater; wirklich, mindestens doppelt so groß wie ich. Sie müssen bedenken, dass ich damals noch nicht ausgewachsen war – ein junges Kätzchen und aufmüpfig obendrein. Nun, das Ergebnis des Kampfes kennen Sie ja.
Salon:Sie wurden ziemlich zugerichtet.
Bob:In der Tat. Ich war so geschwächt, dass es mir auch nicht mehr gelang, an Futter zu kommen. Ich magerte ab. Zuletzt schleppte ich mich in den nächstbesten Hausflur und wartete auf den Tod. Als ich James mit dieser jungen Dame sah, schöpfte ich Hoffnung. Er sah selbst etwas mitgenommen aus, obwohl er nicht alt zu sein schien. Und er bemerkte mich, ging nicht an mir vorbei wie viele vor ihm.
Salon:Dieser Moment hat gereicht, dass Sie neuen Mut fanden?
Bob:Man nimmt, was man kriegen kann. – James und ich waren uns ähnlich. Er war lange Zeit obdachlos gewesen und auch mich, den Straßenkater, nahm niemand wahr. Wir waren beide unsichtbar. Ich verdanke James mein Leben und er mir das seine; auch wenn ich ihm das mit den anfänglichen Arztbesuchen lange nicht verzeihen konnte...
Salon:James wollte nur Ihr Bestes.
Bob:Sie sagen es. Er hatte zum Glück Ahnung von Katzen. Dadurch konnte er mir viel besser und schneller helfen. Er hat auch ein Auge dafür, was ich ihm durch Gesten und Blicke zu verstehen geben wollte; so kennt er meine Interessen und Wünsche recht gut.
Salon:Sie sind ein richtiges Traumpaar. Aber seien Sie ehrlich, Bob, gibt es denn nichts, was Sie an James stört?
Bob:Nun, ich sage stets: Jeder nach seiner Fasson. Doch wenn ich einen Punkt nennen müsste, dann, dass James gerne vor seinen Problemen davon rennt. Doch es wäre unrecht, ihm das vorzuhalten, wo er es doch selbst bereits in unserem Buch bekannt hat. Ich persönlich hätte für das Buch auch einen anderen Ton gewählt, doch da er die Schreibarbeit erledigt hat, halte ich mich in diesem Punkt lieber bedeckt. Ich denke tatsächlich, dass wir ein recht gutes Team bilden. Wir erkennen gegenseitige Bedürfnisse und nehmen aufeinander Rücksicht. Was will man mehr von einem Partner?
Salon:James nahm Sie mit zur Arbeit, ob als Zeitungsverkäufer oder Straßenmusikant.
Bob:Sie vergessen, dass dies auf meinen ausdrücklichen Wunsch hin geschah. Ich fahre sehr gerne Bus, mag James' Musik und liebe es, auf seiner Schulter zu sitzen. Auch wenn es nicht sehr bequem aussieht, ist es mein Lieblingsplatz, wenn wir unterwegs sind.
Salon:Zusammen haben sie beide die Straßen Londons erobert – mit der Gitarre und der flauschigen Erhabenheit des Katerdaseins -
Bob:Oh, hören Sie auf, ich werde ja ganz rot.
Salon:Viele Menschen haben Sie in ihr Herz geschlossen. Wie ich sehe, tragen Sie auch jetzt einen der Schals, die man Ihnen geschenkt hat.
Bob:Oh ja. Als eine junge Dame mir meinen ersten Schal schenkte, war ich begeistert. Damals ging es uns finanziell noch sehr schlecht und ich fror in dem trüben Londoner Herbstwetter. Neben dem praktischen Nutzen stand mir der Schal auch ausgezeichnet. Das erkannten auch andere, und so nenne ich heute weit über 40 Schals mein Eigen. Zum Zeichen meiner Dankbarkeit trage ich nun stets einen Schal, egal bei welchem Wetter.
Salon:Herzallerliebst. Hat dieser Schal denn auch eine Geschichte?
Bob:Aber natürlich: Ein Fan aus Deutschland hat ihn mir geschickt.
Salon:Ihre Fangemeinde umspannt ja den halben Globus. Was haben sie beide denn als nächstes geplant?
Bob:Vor Kurzem kam unser zweites Buch auf den Markt und wir sind sehr damit beschäftigt, Signierstunden in aller Welt abzuhalten. Ansonsten sind wir beide eher spontan veranlagt. Wir nehmen es wie es kommt.
Salon:Dann wünsche ich Ihnen alles Gute und viel Glück für die Zukunft. Danke für das Interview.
Bob:Danke für die Einladung. Es war nett, mit Ihnen zu sprechen.



James Bowen: Bob, der Streuner
Taschenbuch, 252 Seiten
ISBN: 978-3-404-60693-1

Kommentare:

  1. Das ist ja mal eine schöne Idee mit dem Interview!
    Das Buch befindet sich übrigens auch auf meiner Leseliste, aber ich konnte es noch nicht in der Bücherei ergattern. Bin mal gespannt, wie es mir gefallen wird, da ich bei solchen Erfahrungsberichten immer etwas skeptisch bin.

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Ich fand, es hätte deutlich besser lektoriert werden müssen; aber bei Katzen, London und Musik kann man nicht allzu böse werden.

      Löschen