Dienstag, 22. April 2014

Rezi-Aktion. Das Grab der Leuchtkäfer von Akiyuki Nosaka

Das Grab Der Leuchtkäfer: Zwei ErzählungenZum Welttag des Buches am 23.4. möchte ich jeden Tag dieser Woche eine Rezension in einer anderen Form posten. Meine Meinung zum Buch versteckt sich dabei vielleicht manchmal eher zwischen den Zeilen. 
Heute gibt es den Vergleich des japanischen Klassikers "Das Grab der Leuchtkäfer" mit seiner Verfilmung "Die letzten Glühwürmchen"; eine klassische Rezension, die ich früher als geplant poste.

Zu Ende des Zweiten Weltkriegs verlieren der junge Seita und seine kleine Schwester Setsuko nach einem Bombenangriff ihre Mutter. Der Vater gilt als verschollen, er war bei der Marine. Für die Geschwister ist dies nur ein weiterer Schritt abwärts, dem eigenen Tod ein Stück näher.
Die Erzählung von Akiyuki Nosaka gehört in Japan zur Schullektüre. Sie beginnt mit dem Tod des hungernden Seita, der nach dem Tod der Schwester allen Überlebenswillen verloren hat und in einem Bahnhof Zuflucht suchte. Ein harter Brocken ist die ganze Geschichte. Nosaka schildert, ohne ein Blatt vor den Mund zu nehmen, in atemlosen, dahinfliegenden Sätzen, was man in der Nachkriegszeit sicher ungern hören wollte: Wie von der Gesellschaft vergessene, durch den Krieg verwaiste Kinder elendig verreckten und in Massengräbern verbrannt wurden. Dennoch erreicht einen die Erzählung mehr durch das nüchterne Berichten von Geschehenem, es ist kein herzzerbrechendes Einzelschicksal, dass hier geschildert wird. Auch wenn Seitas Schicksal und das der kleinen Setsuko einem an Herz und Nieren geht, wahrt Nosaka Abstand zu den Figuren. Vielleicht auch, weil seine eigene Schwester in Zweiten Weltkrieg wie Setsuko an Unterernährung starb, nachdem er seine Adoptivmutter durch einen Bombenangriff verloren hatte.

Die Verfilmung der Erzählung durch das renommierte Studio Ghibli setzt da deutlich mehr auf die emotionale Wirkung der Geschichte und baut die Charaktere der Geschwister so aus, dass sie einem in der kurzen Spielzeit an's Herz wachsen. Ich habe den Film das erste Mal an meiner Uni in japanischer Sprache mit Untertiteln gesehen und der Gedanke vor allem an Setsuko, die im Kindergartenalter ist, hat mich tagelang nicht losgelassen. Ein verstörender Film, ungemein aufwühlend. Nur mit allergrößter Anstrengung konnte ich einem großen Heulkrampf entgehen, im Hörsaal war es die ganze Zeit über totstill. Und wochenlang habe ich diese Rezension vor mir hergeschoben, weil sie bedeutete, dass ich mir das noch einmal antun musste. Ich bange um die Kinder, deren Eltern diesen Film aus dem alten Vorurteil, dass alle Zeichentrickfilme für Kinder sind, ihren Sprösslingen vorgesetzt haben.

Die Geschichte bleibt bis ins Detail erhalten. Da ich den Film zuerst kannte, kamen mir beim Lesen der kurzen Geschichte immer wieder Bilder aus dem Film in den Sinn. Für das Erzählen ohne Punkt und Komma hat Regisseur Isao Takahata keinen Ersatz gefunden. Die Szenen gehen manchmal abrupt ineinander über, aber das ist mir schon bei anderen seiner Filme aufgefallen.

Sowohl Buch als auch Film erzählen von einer Seite des Zweiten Weltkriegs (oder vielmehr jeden Kriegs), die man oft vergisst. Beides kann ich empfehlen, aber nur mit dem Hinweis, dass hier einiges auf einen zukommt. Die Geschichte bleibt noch lange, nachdem man Buch/Film beendet hat.

Kommentare:

  1. Au weia, das klingt nach harter Kost ...
    Meinst du das mit dem "Erzählen ohne Punkt und Komma" wörtlich? Wenn nein, wie kann ich mir das dann vorstellen?

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  2. Ab und zu mal ein Semikolon ;) War schon teilweise etwas verwirrend, aber das passte zu den Kriegswirren. In ruhigen Momenten sind auch die Sätze leichter zu lesen.

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  3. Den Film wollte ich schon längst mal sehen, aber ein paar Punkte in der inhaltlichen Beschreibung haben mich immer eher abgeschreckt. Dass das eine Buchverfilmung ist, wusste ich gar nicht.
    Mal sehen, ob ich mir die DVD doch mal aus der Bücherei ausleihe.

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  4. Den Film habe ich damals mit 12 oder 13 gesehen und fand ihn furchtbar traurig. Ich glaube, dass ich ihn jetzt sogar noch schlimmer und trauriger finden würde, als damals. Aber viele Szenen habe ich noch im Kopf. Zum Beispiel muss ich ganz oft an die Szene denken, als Seita seiner kleinen Schwester das Bonbon-Wasser gemacht hat. Das war schön und so furchtbar zugleich irgendwie.
    Bis eben wusste ich auch nicht, dass es eine Romanvorlage gibt.

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    1. Diese Bonbonmarke gibt es in Japan immer noch und auf manchen der Boxen ist heute ein Bild von Setsuko - soo traurig.

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  5. Ich kenne weder den Film noch das Buch, letzteres werde ich aber meine Merkliste setzen.

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