Mittwoch, 23. April 2014

Rezi-Aktion. Auf zwei Planeten von Kurd Laßwitz

Auf zwei Planeten 
Zum Welttag des Buches heute möchte ich jeden Tag dieser Woche eine Rezension in einer anderen Form posten. Meine Meinung zum Buch versteckt sich dabei vielleicht manchmal eher zwischen den Zeilen. 
Heute gibt es einige Zeitungsmeldungen, die die Ereignisse in "Auf zwei Planeten" von Kurd Laßwitz nachzeichnen. Allerdings nur die der ersten Hälfte des Buches, man soll ja schon noch zum lesen des 1897 erschienen Science-Fiction-Schinkens animiert werden. Die Daten sind dabei frei erfunden; im Roman wird nicht mal eine Jahreszahl genannt.


Forscher am Nordpol verschollen
(Friedauer Gazette, 2. Januar 1897)

Drei Forscher, die per Heißluftballon den Nordpol erreichen sollten, sind nach Verstreichen des Erkundungszeitraumes nicht in die Heimat zurückgekehrt. Seit Wochen warten Sponsoren wie Angehörige auf Nachricht. Die drei Entdecker sind Josef Saltner, der Naturforscher, der Astronom Karl Grunthe und Hugo Torm, der als Direktor der Abteilung für wissenschaftliche Luftschiffahrt die Leitung der Expedition inne hatte. Sie sollten als erste Menschen den Nordpol erreichen. Seit Montag gelten die Männer als verschollen.



Martier - keine Götterboten!
(Bilder, 17. April 1897)

Das Rätseln über Leben im All beschäftigt die Menschheit wohl seit Anbeginn der Zeit. Die einen erhoffen sich von außerirdischer Intelligenz Gesundheit und Fortschritt. Doch da sind auch die Unkenrufe derer, die eine rücksichtslose Invasion unseres Planeten befürchteten. Reich an Wertstoffen ist die Erde ein ideales Ziel der Ausbeutung, sagen sie. Leider scheinen die Pessimisten der Diskussion das Recht auf ihrer Seite zu haben, denn unglaubliche Berichte von martischen Aggressoren im Polarmeer erreichen uns durch die britische Presse. 
Demnach kam es im arktischen Meer zu einem Angriff durch eine unbekannte Lebensform auf eines ihrer Kriegsschiffe. Die Wesen nennen sich selbst "Nume" und behaupten, vom Mars zu kommen. Da sie sich dem Panzerkreuzer nicht ergeben wollten und offensives Verhalten an den Tag legten, rüstet sich die britische Regierung nun für den Krieg. Was recht schwierig ausfallen dürfte, da man nicht weiß, mit welcher Technologie die Außerirdischen aufwarten. Ein vermutlich kurzsichtiger Schritt der Briten, der sie noch Kopf und Kragen kosten könnte.



Sie sind unter uns!
(Planetarer Kurier, 5. Mai 1897)

Nach Zeitungsberichten lebt und arbeitet ein Martier seit Jahren mitten unter uns. Es handelt sich dabei um den angesehenen Astronomen und Privatgelehrten Friedrich Ell aus Friedau. Pikantes Detail: Ell war Sponsor der Nordpolexpedition, die im letzten Jahr zuerst den Kontakt zu den Martiern herstellte, welche über dem der Menschheit bis dahin unbekannten Polgebiet eine Forschungsstation errichtet hatten, um unbeobachtet die Ressourcen des Planeten zu erkunden.
Ells Herkunft einigen Leserinnen und Lesern Unbehagen bereiten und ihren Ekel erregen: Ell ist Sohn einer Erdenfrau und eines Marsmannes, der selbst auf einer Expedition, die unter unseren Augen und dennoch unbemerkt, hier Fuß fasste. Sein Schicksal bleibt unbekannt. Friedrich Ell lebt seit langem als angesehener Bürger in Friedau, legte aber des öfteren ein seltsames Verhalten an den Tag, was ihn seinen Mitmenschen suspekt machte. Erst jetzt wissen sie, was sich hinter den seltsamen Bemerkungen zu extraterrestrischem Leben verbarg.
Isma Torm, Ehefrau des immer noch als verschollen geltenden Hugo Torm, gilt als nahe Vertraute des außerirdischen Mischwesens und wird nun mancherorts verdächtigt, in das Verschwinden des Polarforschers involviert zu sein. Eine Stellungnahme Frau Torms zu den Vorwürfen war leider nicht möglich, da auch diese seit kurzem verschwunden ist. Ells Erklärung, sie sei in einem martischen Luftschiff auf dem Weg zum Nordpol, um ihren Mann zu finden, erscheint fragwürdig.

Kommentare:

  1. Sehr schön. :-D
    Hat dir das Buch denn nun eigentlich gefallen? Ich wusste gar nicht, dass es im 19. Jahrhundert schon so richtige SciFi-Romane gab!

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    1. Es ist seehr lang und schon ein Kind seiner Zeit, vor allem ein etwas nerviger, aber gerade noch so aushaltbarer Patriotismus. Und die eingebaute Lovestory ist extrem gezwungen und klischéehaft. Aber dann sind da auch schöne, philosophische Denkanstöße und eine extreme Liebe für's Detail beim Zeichnen der Martierkultur und deren technischen Errungenschaften.
      Kurd Laßwitz wird oft als Vater der deutschen SciFi gehandelt, aber darüber lässt sich streiten. An der Uni haben wir mal eine Geschichte über eine Mondfahrt aus dem 18. Jahrhundert besprochen!

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  2. Eine großartige Buchvorstellung! Aber diese Form lässt in der Tat wenig Raum für eine eigene Wertangabe. :)

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