Mittwoch, 30. April 2014

Buchverfilmungschallenge. A long way down (Buch und Film)

Dieses Buch habe ich gezielt für die Buchverfilmungschallenge ausgewählt. In der Vergangenheit habe ich mit Nick Hornby gemischte Erfahrungen gemacht, ich komme aber gerne auf ihn zurück, weil er mir einfach sympathisch ist.

Buch

A Long Way DownIn diesem Roman treffen vier Menschen aufeinander, die ihr Leben beenden wollen. Jeder hat mehr oder weniger nachvollziehbare Gründe für sein Handeln, alle sind abgrundtief einsam: Martin, der Ex-TV-Moderator, der sein Leben durch einen folgenschweren Fehltritt unkittbar zerstört und sich dem Hohn der Öffentlichkeit ausgesetzt hat; Maureen, deren Sohn ein Pflegefall ist und die kein Leben zu haben scheint; J.J., eine Art moderner Werther, der eine selbstzerstörerische Lust am eigenen Leid zu empfinden scheint; Jess, die Politikertochter, die einfach mal ein bisschen Nestwärme gebrauchen könnte, nachdem ihre Schwester spurlos verschwunden ist.

Als Gedankenexperiment fand ich die Romanidee schon gut: Was passiert, wenn vier Verzweifelte aufeinander treffen? Wie könnten sie sich gegenseitig helfen?
Leider war die Geschichte dann auch genauso wie ein Gedankenexperiment, nämlich arg konstruiert und unglaubwürdig.

Aber diesmal lag es überhaupt nicht an den Figuren; Nick Hornby ist ganz groß darin, Figuren Leben einzuhauchen, und ich konnte mir jeden der vier als reale Personen vorstellen. Auf einem Haufen sind sie vielleicht etwas extrem gewesen, aber jeder für sich könnte wirklich existieren. Was besonders dazu beigetragen hat, ist sicher die Erzählform: Der Roman wird abwechselnd aus der Sicht der vier Protagonisten erzählt und jeder hat eine eigene, wiedererkennbare Stimme, eigene Sprachfloskeln. Das bringt einem die vier Möchtegernselbstmörder unglaublich nahe und zeigt, was sie den anderen vorenthalten. Hornby nutzt diese Technik extrem gut (bei vielen Autoren habe ich den Eindruck, dass sie nur aus verschiedenen Perspektiven schreiben, weil das gerade so hip ist). Was also die Protagonisten angeht, hätte mich das Buch überzeugt.

Aber, aber... die Handlung. Erst mal dauert es ewig, bis man von diesem Dach, von dem sich alle zu Beginn stürzen wollen, wieder runterkommt. Und dann wirft Hornby seine Figuren scheinbar in einige interessante Szenarios und erkundet ihr Verhalten. Das ist einfach etwas unrealistisch, gerade im Kontrast zu den tollen Figuren.
Kleine Meckerei am Rande: Es gibt einige gedankliche Wiederholungen, die dem Lektorat eigentlich hätten auffallen müssen.

Gegen Ende entlarvt der Autor noch den unbedarften Leser: Eine der Figuren merkt an, man denke vielleicht, dies sei ein Feel good movie, bei dem vier Selbstmörder gemeinsam die Freude am Leben wiederentdecken und auf ewig beste Freunde werden. Aber das sei nicht so, denn dies ist nicht Hollywood. Nach kurzem Nachdenken fühlte ich mich dann echt ertappt. Ja, irgendwie hatte mich diese Kälte zwischen den vieren gestört, ich dachte: Warum tun die sich nicht wirklich mal zusammen und helfen sich? Wahrscheinlich hat Hornby schon Recht: Jemand, der gerade so vom Suizid abgehalten wurde gibt sicher keinen fürsorglichen, tollen Kumpel ab, weil er erst mal mit den eigenen Problemen beschäftigt ist. Ich verstehe die Argumentation. Aber gleichzeitig bin ich trotzdem enttäuscht von dem Roman, den ich seit Erscheinen lesen wollte, weil ich scheinbar insgeheim genau so ein Feel good movie erwartet hatte.

Film

...und da haben wir es, das Feel good movie! Jedenfalls so halb. Drehbuchautor Jack Thorne scheint genau auf diesen Realitätsanspruch Hornbys zugunsten eines leichten, frohgemuten Films verzichten zu wollen. In seltsamen Kontrast dazu stehen die Bilder, in denen Regisseur Pascal Chaumeil diese Geschichte erzählt. Es gibt einige sehr schöne Einstellungen und visuelle Ideen, aber am Ende ist der Film weder Jacke noch Hose.

Auch im Film haben mir die Figuren noch am besten gefallen: Pierce Brosnan (Martin) wird ein immer besserer Schauspieler und ich konnte ihn mir von Anfang an gut in der Rolle des abgehalfterten Stars vorstellen. Aaron Paul (J.J.) hat genug Traurigkeit in den Augen, um den Amerikaner der Gruppe glaubhaft, wenn auch etwas tableauartig zu spielen. Imogen Poots (Jess) war mir eine reine Freude: Während die Jess im Buch vor allem agressiv war und teilweise extrem boshaft, kommt hier öfter ihre sanfte Seite zum Ausdruck, sozusagen die wahre Jess unter all der Trauer. Nur Toni Collette als Maureen konnte so gar nicht überzeugen. Ich halte Toni Collette für keine schlechte Schauspielerin, sondern nur hier für die falsche Wahl, denn um sie abgearbeiteter und älter aussehen zu lassen, wurde nicht sehr echt aussehendes Make-up benutzt... Allerdings spielt sie die schüchterne Maureen abgesehen von dem unpassenden Äußeren gut.

An der Handlung wurde einiges geändert, in einigen Fällen durchaus zum Besseren, sodass Platz für einige Zusatzszenen frei wurde, in denen man die Figuren besser kennen lernen konnte. Allerdings fehlte an anderer Stelle genau dieser Hintergrund, sodass ich mich insgesamt frage, wozu dann die Extraszenen gut sind: Wozu mehr J.J., wenn bei Martin kaum mal durchkommt, in welcher Beziehung er zu seiner Noch-Ehefrau steht? Das erklärt sich wohl durch den Cast, denn Aaron Paul ist ja dank Breaking Bad im Moment sehr angesagt.

Ich habe Buch und Film gemeinsam mit meinem Freund gelesen/angeschaut und wir hatten beide das Gefühl, mehr von dem Film gehabt zu haben als die anderen Kinogänger, die das Buch offenbar nicht kannten. Wir hatten den Vergleich und das hat uns über den Film auch beschäftigt. Sonst wäre es wohl eine etwas langweilige Angelegenheit geworden. Hier zu entscheiden, ob Buch oder Film besser war, ist wirklich schwer. Vielleicht würde ich sogar zum Film tendieren, weil der wenigstens nach 96 Minuten vorbei ist ;) Aber das klingt dann doch etwas hart.

Montag, 28. April 2014

Rezension. Gillian Flynn: Finstere Orte

Finstere OrteSie war sieben, als die Schüsse fielen. Als sie in die kalte Nacht hinauslief und sich versteckte. Als ihre Mutter und ihre beiden Schwestern umgebracht wurden. Als ihre Zeugenaussage ihren Bruder für immer hinter Gitter brachte.
Jetzt, 25 Jahre später, ist aus Libby Day eine verbitterte, einsame Frau geworden, deren Leben eigentlich keines mehr ist. Doch inzwischen gibt es Leute, die an der Schuld ihres Bruders zweifeln. Libby muss noch einmal ihre Vergangenheit aufrollen: Was hat sie in jener verhängnisvollen Nacht wirklich gesehen? Ihre Erinnerungen bringen sie in Lebensgefahr – so wie damals. (Quelle)




Das mal im Voraus: Ich bin kein Thrillerfan. Das Buch habe ich für die Literary Exploration Challenge als Stellvertreter für das Thrillergenre ausgewählt, weil die Story gut klang.
Von selbst würde ich keinen Thriller lesen, oder jedenfalls eher selten.

Jetzt, wo ich es dann doch mal getan habe, bin ich etwas gespaltener Meinung: Einerseits fand ich die erste Hälfte des Romans sehr gut, die Figuren waren toll angelegt und die Geschichte versprach, skurril und spannend zu werden.
Zu Beginn der Geschichte ist die Hauptfigur Libby extrem egoistisch, es verlangt sie nach der ungeteilten Aufmerksamkeit (und Wohltätigkeit) der Öffentlichkeit für das, was sie als Kind erleben musste. Als Leser schwankt man immer zwischen Verständnis für diese kaputte Frau, die ihr Leben nicht auf die Reihe kriegt, und dem rücksichtslosen Biest, das durch die Ich-Perspektive auch regelmäßig durchscheint. Mir hat diese ungewohnte ambivalente Position sehr gefallen. Vor allem, weil die Geschichte trotzdem sehr gut zu lesen war.

Leider rückt der Fokus immer weiter weg von Libbys Persönlichkeit zur Action, zu dem whodunnit und stellenweise etwas langweiligen Rückblicken auf den tag des Geschehens, nicht aus Libbys Sicht, sondern verschiedenen anderen Protagonisten der Tat.

Mit dem Fortschreiten der Story wurde diese in meinen Augen zunehmend unglaubwürdiger. Ich will nicht spoilern und will deshalb nicht sagen, woran es liegt. Am Ende war mir die Auflösung doch allzu konstruiert. Es gibt ein an den Haaren herbeigeholten Indiz zur Lösung des Tathergangs, das erst in letzter Sekunde preisgegeben wird, was das ganze erst recht unglaubwürdig macht. Ich denke, hier wäre es der Job der Autorin gewesen, diesen Hinweis irgendwann vorher in einem Nebensatz zu verstecken, sodass dem Leser erst bei der Auflösung wieder einfällt, dass er die Information schon die ganze Zeit hatte. Oder verlange ich zu viel?

Es ist nämlich nicht so, dass mir Finstere Orte gar nicht gefallen hätte. Aber im Vergleich zu dem steilen Anfang konnte der Rest einfach nicht mithalten. Ich nehme an, es hängt wirklich mit meinen Lesegewohnheiten zusammen: Ich bin an Figuren interessiert, erst dann kommt die Handlung. Eine Figur ohne Tiefgang finde ich demnach logischerweise langweilig, und hier verlor die Figur irgendwie mit den Seiten ihre Farbe. Allerdings nicht komplett. Die Autorin hat sie nur aus den Augen verloren.

Die Verfilmung von Finstere Orte startet in den USA diesen September. Mal schauen, wie die Umsetzung mit Charlize Theron gelingt. Anschauen werde ich die nämlich (wenn mich nicht ein furchtbar schlechter Trailer davon abhält – wie Buchcover beeinflussen auch Filmtrailer meine Kaufentscheidung).

Samstag, 26. April 2014

Tolle Neuigkeiten für Patrick Rothfuss Fans!

Gestern abend hatte ich Probleme mit dem einschlafen weil ich so aufgeregt war: Im kommenden November wir ein neues Buch von Fantasy-Autor Patrick Rothfuss (Der Name des Windes, Die Furcht des Weisen) erscheinen!

Es ist zwar nicht der heiß ersehnte dritte Teil der Königsmörder-Chronik, aber ein Buch, dass auch im Commonwealth spielen wird. Und zwar die Geschichte Auris! Die Universitätsbibliothek ist – logisch – mein Lieblingsort der Bücherreihe und Auri ist eine der schönsten Figuren, darum freue ich mich so, dass es bald mehr zu ihr gibt. Schade, dass es noch so lange dauert... Zum genaueren Inhalt der Geschichte wurde noch nichts verraten, das soll sich aber die nächsten Tage ändern.

Zum Originalpost

P.S.: Allen, die nicht wissen, wovon ich hier überhaupt quassele und wozu die ganze Aufregung, empfehle ich ganz, ganz dringend die Lektüre der wunderbaren Königsmörder-Chronik! Am schönsten im englischen Original ;)

Freitag, 25. April 2014

Rezi-Aktion. Die Schatzinsel von Robert Louis Stevenson

Die SchatzinselZum Welttag des Buches am 23.04. möchte ich jeden Tag dieser Woche eine Rezension in einer anderen Form posten. Meine Meinung zum Buch versteckt sich dabei vielleicht manchmal eher zwischen den Zeilen. 
Heute gibt es zum Schluss der Woche eine bildliche Darstellung von der von Harry Rowohlt gelesenen Fassung von Die Schatzinsel


Meine Zeichenkünste reichen nicht weit, aber es hat Spaß gemacht, das Bild zu konstruieren und zu überlegen, wie ich es am besten aufbaue. Allerdings würde ich nächstes Mal lieber während dem Lesen statt Notizen direkt "mitzeichnen", sodass meine Reaktionen deutlich herauskommen. Um die anzudeuten habe ich links in jedem Panel eine Herzleiste eingefügt. 
Ich habe versucht, nicht allzu sehr zu spoilern (auch wenn die Story heute ja schon fast zur Allgemeinbildung gehört). So wird man die zweite Hälfte der Seite nur wirklich verstehen, wenn man das Buch schon kennt. Wie gesagt, das mit den Bildrezensionen muss ich noch etwas verfeinern, also habt Nachsicht mit mir ;)

[Ich bin gerade an der Uni und kann das Bild nicht bearbeiten, vielleicht versuche ich später noch mal, die Farben zu verstärken.]
zum vergrößern anklicken
Das Besondere an diesem Hörbuch ist das Interludium "Eine Fabel. Die Figuren der Erzählung", das auf dem Höhepunkt der Geschichte eingefügt wurde, eine "Schreibübung" Stevensons, in der der Pirat John Silver mit dem loyalen Kapitän Smollett darüber, wer inwiefern böse ist und wen der Autor wohl lieber hat. An dieser Stelle sehr überraschend, aber auch unterhaltsam. 

Donnerstag, 24. April 2014

Rezi-Aktion. Der missratene Ritter von T. H. White

Der missratene RitterZum Welttag des Buches am 23.04. möchte ich jeden Tag dieser Woche eine Rezension in einer anderen Form posten. Meine Meinung zum Buch versteckt sich dabei vielleicht manchmal eher zwischen den Zeilen. 
Heute versuche ich in Reimform, meine Begeisterung für den dritten Teil der "Der König auf Camelot"-Reihe auszudrücken.Das war viel schwieriger als gedacht und holpert manchmal, aber es ist ja auch mit einem Augenzwinkern gemeint ;)


Die Geschichte des Königs ist allen bekannt
- Arthurs, der fiel und zurückkehren wird -
Der Grund den man für seinen Untergang fand:
Er liebte Gerechtigkeit, doch nicht das Schwert

Obwohl ihn Merlyn, der Seher, ermahnt'
"Es kommt einer, der wird Genevra verführen
Danach wird nichts mehr laufen wie geplant
Denn du darfst ihnen keine Gnade gewähren."

White erzählt mit Witz und in geistreichen Worten
Von Ehre, Tugend, Gerechtigkeit, Gier:
Menschen in allen Farben und Sorten
Und ihre immer gleich bleibende Natur

Zuerst, in Band eins damals, erzählte er
Wie Merlyn lehrt' Arthur, als der noch war klein
Zu leben als Vogel, Fisch und was noch mehr
Um einmal der König von allen zu sein

Und bald darauf errichtet Arthur sein Reich
Doch viele wollen es erst nicht recht verstehn
Dass Arthurs Art zu regieren nicht weich
Sondern nur gerecht ist, doch sie werden sehn

Und jetzt, wie es Merlyn vorausgesacht   ;)
Kommt Lance als Ritter zur Tafelrunde
Sportlich ist er (und hässlich wie die Nacht)
Seine großen Taten sind in aller Munde

Denn Arthur, der will seinem Land Frieden bringen
Durch gerechte Ritter, die nicht rauben
Und die, die Macht missbrauchen, bezwingen
"Dann wird alles besser"; das könnt ihr ihm glauben.

Lance folgt diesem Plan und will Arthur treu dienen
Doch er und Genevra verlieben sich sehr
Er fürchtet und weiß, dafür wird er noch sühnen
Und Arthur verlieren - er fühlt sich so leer.

Um Arthur nicht hintergehen zu müssen
Zieht er in die Ferne und sucht nach dem Gral
Zwischen Treue, Verlangen und seinem Gewissen
Fühlt Lancelot Hass, alles wird ihm zur Qual.

So erlebt der Held viele Abenteuer
Er reitet gar lange, er reitet gar weit
Er rettet Jungfrauen, erschlägt Ungeheuer
Und gibt einem manchem sein sichres Geleit.

Drum urteilt nicht vorschnell über diesen Mann
Wenn Lance seiner Sehnsucht zuletzt erliegt
Denn was er sonst noch alles leisten kann
Haben wenige Ritter auch nur geübt.

Mittwoch, 23. April 2014

Rezi-Aktion. Auf zwei Planeten von Kurd Laßwitz

Auf zwei Planeten 
Zum Welttag des Buches heute möchte ich jeden Tag dieser Woche eine Rezension in einer anderen Form posten. Meine Meinung zum Buch versteckt sich dabei vielleicht manchmal eher zwischen den Zeilen. 
Heute gibt es einige Zeitungsmeldungen, die die Ereignisse in "Auf zwei Planeten" von Kurd Laßwitz nachzeichnen. Allerdings nur die der ersten Hälfte des Buches, man soll ja schon noch zum lesen des 1897 erschienen Science-Fiction-Schinkens animiert werden. Die Daten sind dabei frei erfunden; im Roman wird nicht mal eine Jahreszahl genannt.


Forscher am Nordpol verschollen
(Friedauer Gazette, 2. Januar 1897)

Drei Forscher, die per Heißluftballon den Nordpol erreichen sollten, sind nach Verstreichen des Erkundungszeitraumes nicht in die Heimat zurückgekehrt. Seit Wochen warten Sponsoren wie Angehörige auf Nachricht. Die drei Entdecker sind Josef Saltner, der Naturforscher, der Astronom Karl Grunthe und Hugo Torm, der als Direktor der Abteilung für wissenschaftliche Luftschiffahrt die Leitung der Expedition inne hatte. Sie sollten als erste Menschen den Nordpol erreichen. Seit Montag gelten die Männer als verschollen.



Martier - keine Götterboten!
(Bilder, 17. April 1897)

Das Rätseln über Leben im All beschäftigt die Menschheit wohl seit Anbeginn der Zeit. Die einen erhoffen sich von außerirdischer Intelligenz Gesundheit und Fortschritt. Doch da sind auch die Unkenrufe derer, die eine rücksichtslose Invasion unseres Planeten befürchteten. Reich an Wertstoffen ist die Erde ein ideales Ziel der Ausbeutung, sagen sie. Leider scheinen die Pessimisten der Diskussion das Recht auf ihrer Seite zu haben, denn unglaubliche Berichte von martischen Aggressoren im Polarmeer erreichen uns durch die britische Presse. 
Demnach kam es im arktischen Meer zu einem Angriff durch eine unbekannte Lebensform auf eines ihrer Kriegsschiffe. Die Wesen nennen sich selbst "Nume" und behaupten, vom Mars zu kommen. Da sie sich dem Panzerkreuzer nicht ergeben wollten und offensives Verhalten an den Tag legten, rüstet sich die britische Regierung nun für den Krieg. Was recht schwierig ausfallen dürfte, da man nicht weiß, mit welcher Technologie die Außerirdischen aufwarten. Ein vermutlich kurzsichtiger Schritt der Briten, der sie noch Kopf und Kragen kosten könnte.



Sie sind unter uns!
(Planetarer Kurier, 5. Mai 1897)

Nach Zeitungsberichten lebt und arbeitet ein Martier seit Jahren mitten unter uns. Es handelt sich dabei um den angesehenen Astronomen und Privatgelehrten Friedrich Ell aus Friedau. Pikantes Detail: Ell war Sponsor der Nordpolexpedition, die im letzten Jahr zuerst den Kontakt zu den Martiern herstellte, welche über dem der Menschheit bis dahin unbekannten Polgebiet eine Forschungsstation errichtet hatten, um unbeobachtet die Ressourcen des Planeten zu erkunden.
Ells Herkunft einigen Leserinnen und Lesern Unbehagen bereiten und ihren Ekel erregen: Ell ist Sohn einer Erdenfrau und eines Marsmannes, der selbst auf einer Expedition, die unter unseren Augen und dennoch unbemerkt, hier Fuß fasste. Sein Schicksal bleibt unbekannt. Friedrich Ell lebt seit langem als angesehener Bürger in Friedau, legte aber des öfteren ein seltsames Verhalten an den Tag, was ihn seinen Mitmenschen suspekt machte. Erst jetzt wissen sie, was sich hinter den seltsamen Bemerkungen zu extraterrestrischem Leben verbarg.
Isma Torm, Ehefrau des immer noch als verschollen geltenden Hugo Torm, gilt als nahe Vertraute des außerirdischen Mischwesens und wird nun mancherorts verdächtigt, in das Verschwinden des Polarforschers involviert zu sein. Eine Stellungnahme Frau Torms zu den Vorwürfen war leider nicht möglich, da auch diese seit kurzem verschwunden ist. Ells Erklärung, sie sei in einem martischen Luftschiff auf dem Weg zum Nordpol, um ihren Mann zu finden, erscheint fragwürdig.

Dienstag, 22. April 2014

Rezi-Aktion. Das Grab der Leuchtkäfer von Akiyuki Nosaka

Das Grab Der Leuchtkäfer: Zwei ErzählungenZum Welttag des Buches am 23.4. möchte ich jeden Tag dieser Woche eine Rezension in einer anderen Form posten. Meine Meinung zum Buch versteckt sich dabei vielleicht manchmal eher zwischen den Zeilen. 
Heute gibt es den Vergleich des japanischen Klassikers "Das Grab der Leuchtkäfer" mit seiner Verfilmung "Die letzten Glühwürmchen"; eine klassische Rezension, die ich früher als geplant poste.

Zu Ende des Zweiten Weltkriegs verlieren der junge Seita und seine kleine Schwester Setsuko nach einem Bombenangriff ihre Mutter. Der Vater gilt als verschollen, er war bei der Marine. Für die Geschwister ist dies nur ein weiterer Schritt abwärts, dem eigenen Tod ein Stück näher.
Die Erzählung von Akiyuki Nosaka gehört in Japan zur Schullektüre. Sie beginnt mit dem Tod des hungernden Seita, der nach dem Tod der Schwester allen Überlebenswillen verloren hat und in einem Bahnhof Zuflucht suchte. Ein harter Brocken ist die ganze Geschichte. Nosaka schildert, ohne ein Blatt vor den Mund zu nehmen, in atemlosen, dahinfliegenden Sätzen, was man in der Nachkriegszeit sicher ungern hören wollte: Wie von der Gesellschaft vergessene, durch den Krieg verwaiste Kinder elendig verreckten und in Massengräbern verbrannt wurden. Dennoch erreicht einen die Erzählung mehr durch das nüchterne Berichten von Geschehenem, es ist kein herzzerbrechendes Einzelschicksal, dass hier geschildert wird. Auch wenn Seitas Schicksal und das der kleinen Setsuko einem an Herz und Nieren geht, wahrt Nosaka Abstand zu den Figuren. Vielleicht auch, weil seine eigene Schwester in Zweiten Weltkrieg wie Setsuko an Unterernährung starb, nachdem er seine Adoptivmutter durch einen Bombenangriff verloren hatte.

Die Verfilmung der Erzählung durch das renommierte Studio Ghibli setzt da deutlich mehr auf die emotionale Wirkung der Geschichte und baut die Charaktere der Geschwister so aus, dass sie einem in der kurzen Spielzeit an's Herz wachsen. Ich habe den Film das erste Mal an meiner Uni in japanischer Sprache mit Untertiteln gesehen und der Gedanke vor allem an Setsuko, die im Kindergartenalter ist, hat mich tagelang nicht losgelassen. Ein verstörender Film, ungemein aufwühlend. Nur mit allergrößter Anstrengung konnte ich einem großen Heulkrampf entgehen, im Hörsaal war es die ganze Zeit über totstill. Und wochenlang habe ich diese Rezension vor mir hergeschoben, weil sie bedeutete, dass ich mir das noch einmal antun musste. Ich bange um die Kinder, deren Eltern diesen Film aus dem alten Vorurteil, dass alle Zeichentrickfilme für Kinder sind, ihren Sprösslingen vorgesetzt haben.

Die Geschichte bleibt bis ins Detail erhalten. Da ich den Film zuerst kannte, kamen mir beim Lesen der kurzen Geschichte immer wieder Bilder aus dem Film in den Sinn. Für das Erzählen ohne Punkt und Komma hat Regisseur Isao Takahata keinen Ersatz gefunden. Die Szenen gehen manchmal abrupt ineinander über, aber das ist mir schon bei anderen seiner Filme aufgefallen.

Sowohl Buch als auch Film erzählen von einer Seite des Zweiten Weltkriegs (oder vielmehr jeden Kriegs), die man oft vergisst. Beides kann ich empfehlen, aber nur mit dem Hinweis, dass hier einiges auf einen zukommt. Die Geschichte bleibt noch lange, nachdem man Buch/Film beendet hat.

Montag, 21. April 2014

7 Days 7 Books. Tag 8


Letzter Tag!
Gestern abend habe ich bei Ismael und der Auftritt der Seekühe einen riesigen Berg Bügelwäsche eliminiert und noch bis spät weiter gehört. Es ist super ;)
Einige wenige geliebte Elemente fehlen (zum Beispiel hat Bill Kingsley noch gar nicht gesprochen, dabei wird öfters über ihn gesprochen, was etwas seltsam ist). Aber dafür gibt es Neues zu entdecken. Das erste Kapitel ist ein richtig guter Einstieg gewesen. Ich bin schon zufrieden :)

So, jetzt mache ich mal Frühstück. Ich weiß noch nicht, ob ich vor unserer Abfahrt zum Familientreffen noch mal ein Update schaffe, aber spätestens am Abend melde ich mich noch mal. Ich wünsche allen einen schönen letzten (*schnüff*) 7D7B-Tag!

Update ~21:15
Endlich wieder daheim! Vor der Abfahrt habe ich noch Ame & Yuki: Die Wolfskinder gelesen; so ein Manga ist ja in einer Viertelstunde durch. Mir kam die Story irgendwie etwas gestaucht vor, so als wäre es Yu schwer gefallen, sich beim Zeichnen auf drei Teile zu beschränken. Inhaltlich hat mich das Bändchen schon angesprochen, ein weiterer Grund, bei Gelegenheit die DVD zu besorgen. Den Manga habe ich spontan aus der Stadtbibliothek mitgenommen, weil er im Showcase war und ich mich daran erinnerte, den Trailer schon mal gesehen zu haben.
Jetzt sind noch ca. 80 Minuten von Ismael übrig und morgen früh habe ich Uni. Alltag, juhu...

Ich hatte viel Spaß, mich 8 Tage mehr oder weniger komplett mit meinen Büchern einzuschließen und eure Beiträge zu verfolgen! Alle meine Ziele konnte ich erreichen und sogar noch etwas mehr. Ich habe meine Wunschliste um einige Bücher erweitert und meinen SuB um einige verringert.

Ich melde mich noch mal (in 80 Minuten) für ein letztes Update, und dann steht auch die Blogrunde noch aus. Bis später!

Nachtrag
Oh mann, bin gestern nach Ende des Hörbuchs eingeschlafen ;)  Jedenfalls habe ich es noch zu Ende gehört, leider aber keine Blogrunde mehr geschafft... So ist das Ende der Aktion voll an mir vorbei gegangen während ich schlief. Nächstes Mal dann mit offenen Augen ;)

Rezi-Aktion. James Bowen: Bob, der Streuner

Bob, der Streuner: Die Katze, die mein Leben veränderte 
Zum Welttag des Buches am 23.4. möchte ich jeden Tag dieser Woche eine Rezension in einer anderen Textart posten. Meine Meinung zum Buch versteckt sich dabei vielleicht manchmal eher zwischen den Zeilen. 
Heute ist das bestimmt so, denn ihr lest nun ein Interview mit Kater Bob aus dem Buch Bob, der Streuner von James Bowen.

Inhalt:
Als James Bowen den verwahrlosten Kater vor seiner Wohnungstür fand, hätte man kaum sagen können, wem von beiden es schlechter ging. James schlug sich als Straßenmusiker durch, er hatte eine harte Zeit auf der Straße hinter sich. Aber dem abgemagerten, jämmerlich maunzenden Kater konnte er einfach nicht widerstehen, er nahm ihn auf, pflegte ihn gesund und ließ ihn wieder laufen. Doch Bob war anders als andere Katzen. Er liebte seinen neuen Freund mehr als die Freiheit und blieb. Heute sind sie eine stadtbekannte Attraktion, ihre Freundschaft geht Tausenden zu Herzen.

Salon:Bob, seit inzwischen mehr als sieben Jahren leben Sie mit dem Straßenmusikanten und inzwischen Buchautor James zusammen. Sie teilen bewegte Erinnerungen. Erzählen Sie von ihrer ersten Begegnung mit James.
Bob:Es ging mir damals nicht gut, gar nicht gut. Um die Wahrheit zu sagen, ich hätte wohl bald eines meiner Katzenleben beendet, wenn mich James nicht gerettet hätte.
Ich bin ein Straßenkater und weiß als solcher, dass Leben und Tod sehr nah beieinander liegen. Kurz vor meiner Begegnung mit James hatte ich, von einem Schnupfen bereits leicht angeschlagen, eine unschöne Begegnung mit einem großen Kater; wirklich, mindestens doppelt so groß wie ich. Sie müssen bedenken, dass ich damals noch nicht ausgewachsen war – ein junges Kätzchen und aufmüpfig obendrein. Nun, das Ergebnis des Kampfes kennen Sie ja.
Salon:Sie wurden ziemlich zugerichtet.
Bob:In der Tat. Ich war so geschwächt, dass es mir auch nicht mehr gelang, an Futter zu kommen. Ich magerte ab. Zuletzt schleppte ich mich in den nächstbesten Hausflur und wartete auf den Tod. Als ich James mit dieser jungen Dame sah, schöpfte ich Hoffnung. Er sah selbst etwas mitgenommen aus, obwohl er nicht alt zu sein schien. Und er bemerkte mich, ging nicht an mir vorbei wie viele vor ihm.
Salon:Dieser Moment hat gereicht, dass Sie neuen Mut fanden?
Bob:Man nimmt, was man kriegen kann. – James und ich waren uns ähnlich. Er war lange Zeit obdachlos gewesen und auch mich, den Straßenkater, nahm niemand wahr. Wir waren beide unsichtbar. Ich verdanke James mein Leben und er mir das seine; auch wenn ich ihm das mit den anfänglichen Arztbesuchen lange nicht verzeihen konnte...
Salon:James wollte nur Ihr Bestes.
Bob:Sie sagen es. Er hatte zum Glück Ahnung von Katzen. Dadurch konnte er mir viel besser und schneller helfen. Er hat auch ein Auge dafür, was ich ihm durch Gesten und Blicke zu verstehen geben wollte; so kennt er meine Interessen und Wünsche recht gut.
Salon:Sie sind ein richtiges Traumpaar. Aber seien Sie ehrlich, Bob, gibt es denn nichts, was Sie an James stört?
Bob:Nun, ich sage stets: Jeder nach seiner Fasson. Doch wenn ich einen Punkt nennen müsste, dann, dass James gerne vor seinen Problemen davon rennt. Doch es wäre unrecht, ihm das vorzuhalten, wo er es doch selbst bereits in unserem Buch bekannt hat. Ich persönlich hätte für das Buch auch einen anderen Ton gewählt, doch da er die Schreibarbeit erledigt hat, halte ich mich in diesem Punkt lieber bedeckt. Ich denke tatsächlich, dass wir ein recht gutes Team bilden. Wir erkennen gegenseitige Bedürfnisse und nehmen aufeinander Rücksicht. Was will man mehr von einem Partner?
Salon:James nahm Sie mit zur Arbeit, ob als Zeitungsverkäufer oder Straßenmusikant.
Bob:Sie vergessen, dass dies auf meinen ausdrücklichen Wunsch hin geschah. Ich fahre sehr gerne Bus, mag James' Musik und liebe es, auf seiner Schulter zu sitzen. Auch wenn es nicht sehr bequem aussieht, ist es mein Lieblingsplatz, wenn wir unterwegs sind.
Salon:Zusammen haben sie beide die Straßen Londons erobert – mit der Gitarre und der flauschigen Erhabenheit des Katerdaseins -
Bob:Oh, hören Sie auf, ich werde ja ganz rot.
Salon:Viele Menschen haben Sie in ihr Herz geschlossen. Wie ich sehe, tragen Sie auch jetzt einen der Schals, die man Ihnen geschenkt hat.
Bob:Oh ja. Als eine junge Dame mir meinen ersten Schal schenkte, war ich begeistert. Damals ging es uns finanziell noch sehr schlecht und ich fror in dem trüben Londoner Herbstwetter. Neben dem praktischen Nutzen stand mir der Schal auch ausgezeichnet. Das erkannten auch andere, und so nenne ich heute weit über 40 Schals mein Eigen. Zum Zeichen meiner Dankbarkeit trage ich nun stets einen Schal, egal bei welchem Wetter.
Salon:Herzallerliebst. Hat dieser Schal denn auch eine Geschichte?
Bob:Aber natürlich: Ein Fan aus Deutschland hat ihn mir geschickt.
Salon:Ihre Fangemeinde umspannt ja den halben Globus. Was haben sie beide denn als nächstes geplant?
Bob:Vor Kurzem kam unser zweites Buch auf den Markt und wir sind sehr damit beschäftigt, Signierstunden in aller Welt abzuhalten. Ansonsten sind wir beide eher spontan veranlagt. Wir nehmen es wie es kommt.
Salon:Dann wünsche ich Ihnen alles Gute und viel Glück für die Zukunft. Danke für das Interview.
Bob:Danke für die Einladung. Es war nett, mit Ihnen zu sprechen.



James Bowen: Bob, der Streuner
Taschenbuch, 252 Seiten
ISBN: 978-3-404-60693-1

Sonntag, 20. April 2014

7 Days 7 Books. Tag 7


Wie vermutet habe ich es gestern nicht mehr zu einem letzten Update geschafft... Wir haben noch Beginners angeschaut, ein ungewöhnlicher Film über Liebe und Tod und Traurigkeit, aber ohne Kitsch.

Gelesen habe ich nicht mehr viel, noch 15 Seiten. Immerhin. Mitten in der berühmten Cold Turkey-Szene habe ich aufgehört, zum Teil, weil ich wusste, dass ich hier unmöglich den Faden verlieren kann, wenn ich mittendrin unterbreche. Da gibt es kaum einen roten Faden ;) Mark wird von seinen Eltern zu einem kalten Entzug gezwungen und hat miese Halluzinationen, Schmerzen und zuletzt eine Depression. Die Stelle ist mir im Buch deutlich realer vorgekommen als im Film, wo die Halluzination im Vordergrund steht.

Jetzt dreh ich mal meine Runde und schaue, wer schon fleißig war ;)

Und noch mal offiziel frohe Ostern und einen schönen Sonntag!

Update ~13:30
Und schon habe ich die Pflicht erfüllt, bin auf Seite 262 angekommen und alles Folgende ist nur noch die Kür ;)
Bei uns gibt es heute ein ganz unösterliches Mittagessen (Wok, Salat); ich überlege gerade, was ich noch Kleines backen/kochen könnte, das etwas festlicher wäre... Ostern und nur ein Ei im Haus, tststs.

Update ~19:30 
Yay, ich bin fertig mit Trainspotting! An ah kin speak Scots now ;) Es war nämlich Scots, was da im Buch gesprochen wird. Ich habe eine Website gefunden, wo man unter anderem ein bisschen Alice im Wunderland auf Scots zu lesen bekommt, wenn sich jemand für Sprachen begeistert wie ich.

Das war mein viertes und letztes geplantes Buch für die Challenge. Morgen ist aber eine lange Zugfahrt angesagt, weil der Ostermontag unser Familientag wird dieses Jahr. Ich geh dann mal auf die Suche nach einem geeigneten schnellen Lesevergnügen :) Und den Manga hab ich ja auch noch, da bin ich auch gespannt (Ame & Yuki).

Okay, nach reiflicher Überlegung habe ich Ismael und der Auftritt der Seekühe als Hörbuch bei der Onleihe ausgecheckt. Ich liebe Teil eins und brauche jetzt was Federleichtes nach dem literarischen Drogenrausch. Was zum Zurücklehnen und Kaputtlachen. Bitte, sei gut, du Fortsetzung!

Samstag, 19. April 2014

7 Days 7 Books. Tag 6


Ich bin heute wieder spät dran mit meinem Post, dabei war ich "schon" um halb neun wach. Wir hatten heute ein gemütliches Frühstück. Danach bin ich zum Lesen wieder im Bett verschwunden. Ich hatte einfach keine Lust, den Laptop anzuwerfen, so war es viel gemütlicher.

Bin jetzt halb durch mit Trainspotting. Zum Glück ist nicht alles in "Leigh vom Feinsten" geschrieben. Aber doch das meiste. Die Stimmung im Buch ist so nahe am Film, wie man das selten hat; echt gut gelungen. Aber im Buch gibt es mehr Figuren als im Film. Muss schwer gewesen sein, da auszuwählen, obwohl ganz klar die kleineren Rollen gestrichen wurden.

Das Wetter hier ist echt gemein: Seit zwei Wochen Wind und 18°, aber Sonne. Also sieht es superschön aus, wenn man sehnsüchtig aus dem Fenster schaut, aber es ist totsicher zu kalt, um wirklich was draußen zu machen – außer wandern natürlich ;) Ich denke ich gehe aber heute trotzdem noch raus, sonst versauere ich noch und rede nur noch in Edinburgh-Slang, likesay, ken?

Update ~19:30
Tatsache: Der Wind sah nicht nur in den Baumwipfeln vor meinem Fenster so wild aus. Selbst bei Kurzhaarfrisur echt nervig! Aber Sonne... Meine Betriebstemperatur liegt bei, sagen wir, 26°, bei allem darunter friere ich. Bin ich im falschen Land? Wahrscheinlich.
Ich habe den geplanten Spaziergang zu einem Einkauf umgewandelt und mit meiner besseren Hälfte gefühlt den halben Lidl leer gekauft :)
Dann habe ich Scones mit Blaubeeren gebacken, eine große Blogrunde gedreht und mit meinem Schatz Radio gehört. Tja, und für später ist noch ein noch näher zu spezifizierender Film geplant...
Kurz: Ich lese heute bestimmt nicht mehr viel. Da ich mein Tagesziel schon erreicht habe, ist das okay, aber ein bisschen Vorsprung wäre nicht schlecht. Will ja nicht, dass das Lesen am Montag in Sport oder so ausartet ;)
Ich weiß nicht, ob ich es heute noch mal zu einem Update schaffe, darum wünsche ich allen schon mal einen geruhsamen, schönen Ostersonntag mit allem Pipapo! Wir lesen uns ;)

Freitag, 18. April 2014

7 Days 7 Books. Tag 5

Schon ist der fünfte Tag angebrochen. Mal eine kurze Zwischenbilanz:


Die Kerze im Wind
210/290 Minuten

Menschenkind
375/375 Seiten

Trainspotting
0/344 Seiten

20000 Meilen unter den Meeren. Eine Idee des Dr. Ox
345/345 Seiten


Die Kerze im Wind: Ich kann es nicht mehr einteilen und werde den Rest heute hören. Schade, dass es so bald schon wieder vorbei ist. Der König auf Camelot ist und bleibt, gerade in der Hörbuchfassung, einer meiner Lieblinge.
Menschenkind: Im Nachhinein bin ich doch froh, das Buch so konzentriert gelesen zu haben.
20000 Meilen unter den Meeren. Eine Idee des Dr. Ox: Ein neuer Lieblingsautor? Muss das noch an anderen Übersetzungen überprüfen :)

Extrabuch: The Homeland Directive
Ein spannender Thriller, der leider etwas kurz ausgefallen ist und dadurch an manchen Wendungen aus der Kurve fliegt.

Und heute: Trainspotting!
Da ich das Buch auf Englisch habe, hab ich es etwas vor mir her geschoben und hoffe, dass die letzten vier Tage dafür reichen; bin aber zuversichtlich.

Für heute habe ich noch nichts Familiäres geplant, und ihr? Erst am Ostermontag ist großes Treffen bei uns, vorher kann ich mich fast voll und ganz auf's Lesen konzentrieren ;)

Update ~13:30
Ui, nachdem ich jetzt 2 Stunden für 40 Seiten gebraucht habe, bin ich doppelt froh, dass ich noch 4 Tage Zeit habe, um Trainspotting zu lesen. Die Sprache muss man erst mal entziffern. Ich brauchte einige Seiten, um "Ah wisnae" als "I was not" zu identifizieren. Interessanter linguistischer Fakt: "ken" ist die schottische (Scots? Irgendein Slang? Welche Sprache/ welcher Dialekt ist das eigentlich in dem Buch?!) Variante von "kennen". Näher am Deutschen als am Englischen also.

Update ~21:00
Habe das Tagesziel für Trainspotting geschafft: 85 Seiten. Das Buch ist gut, aber so schwer zu lesen... Das hat man nun davon, wenn man lieber das Original liest, anstatt sich mit Übersetzungen abzugeben. Und wenn man ausgerechnet ein Buch als Souvenir aus dem Urlaub mitbringt :)

Donnerstag, 17. April 2014

7 Days 7 Books. Tag 4

Ui, wie die Zeit vergeht! Wir hatten heute einen außerplanmäßigen Halt in der Stadt zwecks Arztbesuch und ich bin erst jetzt zu meinem Laptop gekommen.

Da ich selbst nicht zum Arzt musste, bin ich in der Stadtbibliothek gewesen, wo der Comic, den ich diesen Monat lesen wollte, wieder eingetrudelt ist. Und dann noch einen Manga abgegriffen, der neu da ist.

Meine Bibliotheksbeute:
Ame & Yuki: Die Wolfskinder

The Homeland Directive



















Jetzt muss ich mich zurückhalten, um nicht direkt mit den beiden anzufangen... Mit 20.000 Meilen unter den Meeren bin ich fertig, aber im Band ist auch noch die Erzählung  Eine Idee des Dr. Ox enthalten und die lese ich jetzt.

Update ~17:00
So, Jules Verne ist ausgelesen. Dr. Ox, der verrückte Professor, hat seine Stadt vergast, sodass alle verrückt geworden sind. Allerdings nur, bis das Gas explodiert und sich damit in Wohlgefallen auflöst... Seltsame Geschichte. Da ich mein nächstes Buch nicht dabei habe, geht es erst heute abend weiter... Oder ich lese inzwischen einen Comic ;)

Update ~21:00
Endlich daheim! Habe meine Zeit doch sinnvoll mit der Suche nach einem Abschlussarbeitsthema verbracht. Jetzt brauche ich auch nicht mehr mit Trainspotting anzufangen. Stattdessen: The Homeland Directive!

Update ~23:00
So, auch das ist erledigt ;) Erst mal gute Nacht, ich bin ganz alle von diesen Verschwörungstheorien... Und morgen dann endlich Trainspotting!

Mittwoch, 16. April 2014

7 Days 7 Books. Tag 3

Ich bin gleich zum Lunch verabredet und muss in der Stadt noch ein paar Besorgungen machen, darum ganz kurz:
Guten Morgen zusammen! Habe heute Morgen schon fleißig Hörbuch gehört und die ersten 45 Minuten geschafft. Als nächstes Buch nehme ich mir den Jules Verne vor. Ich bin sehr gespannt, weil ich noch nie einen Original-Verne gelesen habe, nur viele Adaptionen kenne ich.

Update ~14:00
So, da bin ich wieder! Gesonnt und gut gelaunt und um ein Buch reicher:
Emil und die Detektive

Das fehlte mir noch; ich habe nur Emil und die drei Zwillinge und wie soll ich das lesen ohne Emil und die Detektive?

Und mit 20000 Meilen unter den Meeren habe ich auch begonnen und liebe es schon jetzt ;) Guter Humor und interessanter Anfang für ein so altes Buch. Später mehr!

Update ~17:00
Ich war mit Verne ein bisschen am Fluss, bin aber wieder zurück: Der Wind ist einfach zu frisch. Schade, denn die Sonne tut echt, was sie kann. Trotz Kälte hatte ich eine gute Zeit: Warum nur habe ich 20000 Meilen nicht früher gelesen?
Professor Aronnax soll als Meeresforscher eine Expedition begleiten, die einem Gerücht hinterherjagt: Ein riesiger Narwal soll sein Unwesen treiben und hat zuletzt einem großen Schiff den Kiel aufgeschlitzt.
Bei der Verfolgung werden den Professor und sein gehormsamer Diener über Bord gespült und landen mit dem Harpunier Ned Land auf dem U-Boot des Kapitän Nemo, das die Ursache für das Gerede über Seemonster gewesen ist. Der Kapitän hat der Menschheit abgeschworen und kann seine Passagiere, um sein Geheimnis doch noch für sich zu bewahren, nicht von Bord lassen – außer tot.

Natürlich gibt es Bücher in Jules Vernes U-Booten!
Eine spannende, wenn auch bekannte Geschichte, die außerdem flott und humorvoll geschrieben ist! Ich musste laut lachen, als ein Crewmitglied vor Zorn flucht (man bedenke, das Buch wurde 1869/70 veröffentlicht): "Fuckinsonofabitch!" Gemeint ist das vermeintliche Monster im Meer, das im Begriff ist, der Expedition davon zu schwimmen. Und genau genommen ist Aronnax' Diener nicht wie sein Herr von einer Riesenwelle vom Schiff gespült worden, sondern ihm hinterher gesprungen, "da Monsieur durch das Gehalt, das Monsieur mir zahlt, einen Anspruch auf meine Dienste hat" (Conseil spricht zu Aronnax' stets in der dritten Person, ganz etepetete). Ich find's herrlich, und die aus der Originalausgabe übernommenen Holzstiche sind einfach wunderschön.

Update ~23:00
Buch ist jetzt halb durch. Oh, und mein Hörbuch, hab ich das überhaupt schon erwähnt? Wenn man immer mal zwischendurch ein bisschen hört, kommt man doch gut voran :) Ich kenne das Buch bereits, habe aber nur noch einen groben Überblick über die Story: Da es vier Bände von Der König auf Camelot gibt, und in denen passiert echt einiges, ist das nicht verwunderlich. Alles recht traurig jedenfalls in diesem letzten Band. Arthurs Untergang. Eine großartige Geschichte... Jetzt hab ich was im Auge. Ich hör dann mal weiter ;)

Dienstag, 15. April 2014

7 Days 7 Books. Tag 2

Da ich gestern so lesefaul war, bleibe ich heute zu Hause, um Menschenkind weiter zu lesen. Ich bin jetzt auf Seite 92 und die Geschichte nimmt mich gefangen. Bei meinem Hörbuch bin ich gestern nach 5 Minuten eingeschlafen, da kann man noch nicht wirklich von einem Fortschritt sprechen.
Ich dreh jetzt mal ne Blogrunde und dann lese ich auch schon wieder weiter ;)

Update ~15:00
Ich habe jetzt die erste Hälfte von Menschenkind durch. Es ist schon viel Leid und Trauer in dem Buch. Trotzdem ist es toll. Aber vielleicht fange ich direkt eines der anderen Bücher an, die ich diese Woche lesen wollte; so geballt erschlägt einen der Roman fast mit seiner Wucht. Andererseits will ich ja diese Wirkung nicht durch Untermischen eines anderen Buches kaputt machen... Jetzt gibt es erst mal Essen und dann schaue ich mal, ob ich Kraft für die zweite Hälfte habe oder doch lieber was anderes dazwischen schiebe.

Kennt ihr so Bücher, die zwar wundervoll sind, die man aber schlecht am Stück ertragen kann?

Update ~19:00
Nach einer Pause habe ich doch weiter Menschenkind gelesen. Jetzt sind noch 76 Seiten übrig, die ich bestimmt noch heute schaffe.

Update ~22:00
Eine Badewanne später bin ich mit dem Buch durch und muss mich erst mal besinnen, was hier eigentlich passiert ist. Und warum. Auf jeden Fall bin ich beeindruckt. Der Pulitzer war doch verdient ;) Über die diesjährige Gewinnerin wird ja heftig diskutiert...
Yay, habe gerade gesehen, dass es auch eine Verfilmung gibt – mit Oprah Winfrey. Da schau ich morgen auch mal nach. Bis dahin höre ich noch etwas Der König auf Camlot. Gute Nacht und bis morgen!

Montag, 14. April 2014

7 Days 7 Books. Tag 1

Es ist Montag und das heißt 7 Days 7 Books startet! Meine Bücher liegen bereit und ich habe auch eine Seite für diese Woche angelegt, zur Übersicht.

Ich fange an mit Menschenkind von Toni Morrison und dem Hörbuch Die Kerze im Wind von T. H. White. Heute muss ich zwar an die Uni, kann aber zwischendurch auch mal ein Päuschen einlegen oder heute abend eine Lesestunde einlegen.

Los geht's!

Update ~22:00
Owei, bin jetzt erst heimgekommen! Nach dem Lernen war ich mit meinem Freund noch im Kino ("A long way down" zwecks Vergleich mit dem Buch)  und dann konnten wir uns noch nicht dazu entschließen nach Hause zu fahren, und haben in der Stadt noch etwas gefuttert.
Ich habe nun aber Menschenkind begonnen und finde es bis jetzt sehr gut, wenn ich auch eher langsam vorwärts komme. Die Geschichte springt oft zwischen verschiedenen Zeitebenen, von denen ich noch nicht weiß, wann sie einzuordnen sind und wie sie zusammenhängen. Ich bin mal gespannt, wie sich der Hausgeist, Sethes kleine Tochter, weiterhin verhalten wird und wie man ihr ihren Seelenfrieden geben kann.

Samstag, 12. April 2014

7 Days 7 Books. Leseplan


Bald geht es los mit 7 Days 7 Books von Books for all eternity und Crazy for books. Eine Woche lesen und quatschen! Ich hatte ja schon einige Bücher für die Lesewoche ausgewählt, aber daran kann ich mich leider nicht halten. Beide von mir ausgewählten Bibliotheksbände wurden einfach mal so für einen Monat entliehen...


Aus Frust habe ich dann leider ein drittes Buch der Vorauswahl gelesen. Kurz: Ich brauche einen neuen Plan. Da sich bei mir ein wenig Arbeit angesammelt hat und ja auch Ostern vor der Tür steht mit seinen Familienbesuchen, halte ich mich in der Planung ein wenig zurück und verabschiede mich von den Wälzern, die ich schon im Sinn hatte für diese Woche.

Außerdem gibt es jetzt offiziell einen Fahrplan:
Wer sich für die zweite Variante entscheidet, hat dann am Ende der Aktion die Chance auf einen Gewinn. Aber dafür müsst ihr auch ein bisschen was tun ;) Die Aktion läuft acht Tage lang und um in den Lostopf zu kommen, müsst ihr in dieser Zeit mindestens vier Bücher lesen und regelmäßig Updates schreiben. Dabei ist EIN Hörbuch erlaubt, NICHT gezählt werden Mangas und Kurzgeschichten. Und seien wir doch ehrlich - vier Bücher in acht Tagen ist doch nicht so die Herausforderung ;) Was ihr gewinnen könnt, werden wir erst im Laufe der Aktion verraten, nur so viel sei gesagt: es wird niemanden geben, der mit dem Gewinn nichts anzufangen weiß! Allerdings müsst ihr euch JETZT entscheiden welche Variante ihr macht, denn nur wer sich bis Sonntag, also den 13. April, für die 2. Variante entscheidet und sich dieses Ziel schon vorher setzt, kann gewinnen. 
Also habe ich meine Leseliste neu zusammengewürfelt:

Die Kerze im WindMenschenkindTrainspotting20000 Meilen unter den Meeren. Eine Idee des Dr. Ox

Da ein Hörbuch erlaubt ist, möchte ich den vierten Teil von Der König auf Camelot hören, da die Goodreads-Leserunde des Buches genau in den Zeitraum der 7D7B-Aktion fällt.

Echt gespannt bin ich auf Menschenkind von Toni Morrison. Das Buch habe ich letzten Winter in einem Büchertauschregal ergattert. Inhalt:
1885, zwanzig Jahre nach dem amerikanischen Bürgerkrieg: Sethe hat den Tod ihrer kleinen Tochter nie überwunden. Deren Geist treibt nun, achtzehn Jahre später, in ihrem Haus sein Unwesen. Als Paul D, ein alter Leidensgenosse von der „Sweet Home“-Plantage, Sethe besucht, ruft er dunkle Erinnerungen wach – aber er weckt auch Hoffnung auf einen Neuanfang … (Quelle)

Dann möchte ich auch endlich ein Buch lesen, dessen Verfilmung mich immer wieder von den Socken haut: Trainspotting von Irvine Welsh, und zwar im englischen Original. Vor einigen Jahren im Englandurlaub gekauft, liegt es jetzt schon gute zweieinhalb Jahre bei mir rum. Hoffentlich verstehe ich das schottische Kauderwelsch, in dem der Roman geschrieben ist...

Und zuletzt noch ein alter Klassiker: 20000 Meilen unter den Meeren von Jules Verne, bei mir in einem Buch mit der Kurzgeschichte Eine Idee des Dr. Ox.


Ich freu mich schon ;)
Wer noch mitmachen will, kann sich hier anmelden.

Freitag, 11. April 2014

Rezension. Wolfgang Herrndorf: Tschick


TschickInhalt (Verlag):
Zwei Jungs. Ein geknackter Lada. Eine Reise voller Umwege durch ein unbekanntes Deutschland.
Mutter in der Entzugsklinik, Vater mit Assistentin auf Geschäftsreise: Maik Klingenberg wird die großen Ferien allein am Pool der elterlichen Villa verbringen. Doch dann kreuzt Tschick auf. Tschick, eigentlich Andrej Tschichatschow, kommt aus einem der Asi-Hochhäuser in Hellersdorf, hat es von der Förderschule irgendwie bis aufs Gymnasium geschafft und wirkt doch nicht gerade wie das Musterbeispiel der Integration. Außerdem hat er einen geklauten Wagen zur Hand. Und damit beginnt eine Reise ohne Karte und Kompass durch die sommerglühende deutsche Provinz, unvergesslich wie die Flussfahrt von Tom Sawyer und Huck Finn.


Alter Finne! Was ein Ritt. Einer der ganz wenigen deutschen Romane, die ich mit viel Freude und in  dementsprechend kurzer Zeit gelesen habe. Ein Highlight des Jahres vielleicht. Wahrscheinlich bin ich wieder mal die letzte, die das Buch gelesen hat, aber was soll's. Für manche Bücher ist es nie zu spät. Sie sind keine Modeerscheinung, sondern eine Momentaufnahme, ein Schnappschuss, den man auch nach Jahren hervorkramt und gerne anschaut, weil er kaum zu altern scheint.
“Aber allein mit der Vietnamesin in einem Raum fühle ich mich wie Hitler. Ich will ihr immer sofort das Staubtuch aus der Hand reißen und selber putzen.” 
Und dann ist diese abgedrehte Story mit ihren abgedrehten Figuren einfach hinreißend komisch und mit Tiefgang geschrieben. Man liest das Buch in kürzester Zeit aus, aber man ist schon noch länger damit beschäftigt. Hauptfigur und Erzähler Maik erschließt sich einem mehr zwischen den Zeilen, was ganz wunderbar ist; auch den Außenseiter Tschick schließt man einfach irgendwie ins Herz, ohne dass er jemals ganz enträtselt wird. So muss ein Buch sein: Futter für Seele und Geist!

Tipp: Macht beim Vorlesen noch mehr Spaß!

Noch'n Tipp: Diese Zitatsammlung (klick) ist ein echter Stimmungsaufheller!

Dienstag, 8. April 2014

Ein Jahr mit Nobelpreisträgern. Pearl S. Buck: Das Mädchen Orchidee

Diejenigen, die im März bei der Miniausgabe von 7 Days 7 Books mitgemacht haben oder meine Posts verfolgt haben, haben schon etwas von Das Mädchen Orchidee mitbekommen. Es ist der wohl bekannteste Roman der Schriftstellerin Pearl S. Buck. Als Diplomatenkind ist sie in China aufgewachsen und erzählt in diesem Buch von einer der wichtigsten Figuren der neueren chinesischen Geschichte, der Kaiserin Cixi.

The Empress Dowager Cixi's Painting
Zum vergrößern anklicken
Es ist eine unwahrscheinliche Geschichte, die man da liest: Cixi wird als Konkubine in die Verbotene Stadt gerufen wie viele andere junge Frauen auch. Einige werden sofort wieder ausgesiebt; die meisten übrigen erwartet ein Leben des Nichtstuns und der Enthaltsamkeit, denn der Kaiser wird sich seine Lieblinge auswählen und den Rest vergessen. Cixi hegt den Plan, des Kaisers Liebling zu werden und schafft das auch. Als sie dann auch noch einen Sohn gebärt, beginnt das höfische Intrigenspiel... Doch nicht nur in den eigenen Reihen lauern die Feinde, das chinesische Reich kann sich kaum gegen die Engländer mit ihren modernen Waffen und fremden Sitten wehren, und der Kaiser ist ein schwacher Mann.

Der jungen, einsamen Cixi auf ihrem Lebensweg zu folgen war ein besonderes Leseerlebnis. Zwar sind die Details ihres Lebens wohl nicht ganz wahrheitsgemäß wiedergegeben, was ich im Nachhinein als kleinen Dämpfer empfunden habe, aber als jemand, der gerne reist und sich für fremde Kulturen und Zeiten begeistert, konnte ich diesen Roman nur verschlingen.

Als Kaiserinwitwe (Quelle)
Am Anfang fand ich es schon etwas schwer, in die Geschichte reinzukommen: Die Protagonistin war mir allzu sehr von ihrem Erfolg am Kaiserhof überzeugt. Das war nicht der Ton der leisen Hoffnung eines Underdogs, der immer sympathisch bleibt. Cixi wird von Beginn an als willensstark und resolut gezeichnet, als jemand, der eigene Bedürfnisse zurückstellt und koste es was es wolle China dient. Dabei ist der Erzählton aber nie patriotisch, wie das jetzt vielleicht klingt.
Aber nach den ersten zwanzig Seiten war ich dann in der Story, war praktisch selbst in der Verbotenen Stadt, und habe mich sogar ein oder zweimal beim Intrigenschmieden ertappt.

Viele kleine Einblicke in die chinesische Tradition und den Alltag bringen einem die ganz anders denkenden Protagonisten des Buchs näher (nur als Beispiel: Ein echt informativer Artikel über Lotusfüße – ohne abstoßende Bilder). Und die hier beschriebenen Ereignisse, die China letztendlich in die Moderne katapultiert haben, sind auch für sich schon interessant und wissenswert. In der Schule habe ich, wenn ich mich recht erinnere, nur einen kurzen Exkurs über die Boxeraufstände gemacht, und kann mich nur an ein erschütterndes Foto von den hingerichteten Boxern erinnern. Dieses Bild wurde durch den Roman wieder mit Inhalt gefüllt und in einen historischen Kontext gebracht.

Das Mädchen OrchideeCixi, diese junge Frau, hat eines dieser einzigartigen Leben geführt, deren Verlauf allein einen schon denken lässt, dass es sich kaum um einen normalen Menschen handeln kann. Es passiert sehr viel in diesem Roman; die ganzen politischen Verflechtungen werden vor dem Leser ausgebreitet und sorgen immer für 'Action'. Von einem doch inzwischen 50 Jahre alten Buch hatte ich nicht so viel Handlung erwartet, sondern eher ein gemächliches Dahintreiben; die Sprache des Romans war da eher erwartungskonform, aber nicht sperrig, sondern eben einfach etwas ruhiger. Vielleicht habe ich mich auch von dem Cover beeinflussen lassen (meine Ausgabe, siehe links, ist so eine alte Bertelsmann Lesezirkel-Ausgabe, von der Aufmachung ähnlich den Reader's Digest Bänden mit Kunstlederrücken).

Ich bin sehr froh, dass ich dieses Buch behalten und endlich auch gelesen habe. Jetzt würde ich mir nur noch vielleicht eine Neuübersetzung wünschen, sodass ich das Buch jedem vorbehaltlos empfehlen kann.

Die Kaiserin mit den Eunuchen des Hofes (Quelle)

Sonntag, 6. April 2014

Uropas im SuB

Mich hat die Frage in den Fingern gejuckt, welche wohl die ältesten ungelesenen Bücher in meinem Regal sind. Am sichersten ist meine Unterscheidung nach Wohnungen: Ich kann immer zuordnen, wo ich gewohnt habe, als ich ein Buch kaufte.
Um die ältesten zu identifizieren, musste ich also die Bücher auswählen, die ich schon hatte, als ich zwecks Studium umzog (fast sieben Jahre ist das her) – gleich fünf solche Bücher habe ich entdeckt.

Rebecca Gablé: Der König der purpurnen Stadt
Einer meiner ganz seltenen Spontaneinkäufe, kann mich noch genau an den Tag erinnern. Es war ein ganzer Tag der Spontaneinkäufe... Damals hatte ich den ersten Band der Warringhamsaga gerade gelesen und die anderen waren noch nicht veröffentlicht oder so. Sonst hätte ich ja einfach Band 2 kaufen können, oder?

Erich Kästner: Emil und die drei Zwillinge
Ich liebe Erich Kästner. Alles von ihm, ob Gedicht oder Kinderbuch. Als Kind habe ich dieses Buch auf einem Dachboden gefunden, es begonnen und aus irgendwelchen Gründen abgebrochen (das habe ich als Kind schon äußerst selten getan, heute eher gar nicht mehr). Diese Erfahrung hat mich jahrelang von einer erneuten Inangriffnahme abgehalten.

Robert Shea: Illuminatus! 1 - Das Auge in der Pyramide
Puuh. Ich weiß nicht mehr, wie ich von der Illuminatus!-Trilogie erfahren habe, aber ich wusste, ich wollte sie lesen. Das Buch habe ich geschenkt bekommen, aber der Anfang hat mich nicht mitgerissen und irgendwie... Tja, ich erkenne doch ein Muster: Nach einem verpatzten Versuch hat es ein Buch scheinbar sehr schwer bei mir. Erster Eindruck und so scheinbar...

Kazuo Ishiguro: Remains of the Day
War Schullektüre, wie man an der grottigen Ausgabe sehen kann. Wir haben nur Auszüge gelesen und den Film geschaut und beides fand ich damals grauslich. Kein Buch für die Sturm-und-Drang-Zeit eines Menschen, nach meiner Erfahrung.

Kai Meyer: Seide und Schwert
Peinlich, peinlich: Ein Geburtstagsgeschenk von meinem kleinen Bruder... Dabei wollte ich es wirklich lesen.

Freitag, 4. April 2014

Buchverfilmungschallenge. Stolz und Vorurteil - Traum oder Trauma?

Jane Austen ist für meinen Freund der Inbegriff des Kitsch. Wenn er nur ihren Namen sieht, erschauert er. Armer, unwissender Kerl. Dabei ist Miss Austen eine der fortschrittlichsten, unabhängigsten Frauen und Schriftstellerinnen ihrer Zeit gewesen, die alles andere als Kitsch produziert hat.

Doch die erste Berührung mit Jane Austens Werk, die gleichzeitig seine letzte sein sollte, erlebte er vor ungefähr sieben Jahren, als er dazu genötigt wurde, sich die Joe Wright Version von Stolz und Vorurteil anzusehen. Innerhalb der ersten dreißig Minuten bewogen ihn womöglich eben jene Schwächen, die die Geschichte anprangert, sich gegen diese Tyrannei aufzulehnen: Sein männlicher Stolz verbot ihm, die über den Bildschirm flimmernden Romanzen ernst zu nehmen, vor allem aber schlug das Vorurteil wie eine Bombe ein und verursachte das, was ich sein "Austen-Trauma" nenne.

Nach all den Jahren habe ich endlich das Original gelesen. Ich hatte keine Vorbehalte wie meine bessere Hälfte, denn ein jahrelanges Studium von Jane Austen-Verfilmungen und Dokumentationen hatte mich zu einer Bewunderin der Autorin gemacht, ohne dass ich jemals ein Buch von ihr in Händen gehalten hatte.

Stolz und VorurteilMuss ich zum Inhalt einer der bekanntesten Liebesgeschichten noch etwas sagen? Vielleicht vor allem dies: Stolz und Vorurteil ist so viel mehr als eine Liebesgeschichte. Es ist ein Gesellschaftspanorama, unglaublich unterhaltsam, scharf beobachtet und ebenso in Worte gefasst. Die Figuren sind, bis auf wenige Ausnahmen, lebhaft und vielseitig.

Die Bennets haben fünf Töchter und keinen Sohn, zu Jane Austens Zeit eine kleine Katastrophe, denn um den Eltern nicht auf der Tasche zu liegen, müssen alle fünf möglichst gut verheiratet werden. Dieses Unterfangen bestimmt Mrs. Bennets ganzes Sehnen und Beten. Das größte Hindernis ist dabei paradoxerweise, dass die Töchter durch das geringe Vermögen der Familie nicht allzu große Aussichten auf eine derartige Heirat haben.

Die ständig überspannte und peinlich aufdringliche Mrs. Bennet erschwert ihren Töchtern die Situation keinesfalls, obwohl sie sich für keine Tücke zu schade ist, um ihre Kinder an den Mann zu bringen.

Die meisten der Geschwister geraten im Verlauf des Romans in Versuchung oder Bedrängnis, doch dreht sich die Geschichte vor allem um die aufgeweckte, etwas widerspenstige Elizabeth, um ihre Sorgen und, ja, ihre vorschnelle Meinung. Denn wer hätte gedacht, dass hinter der stolzen Fassade Mr. Darcys auch menschliche Züge und gar Tugenden zu entdecken sind? (Jetzt hab ich ja doch eine Inhaltsangabe getippt...)

*   *   *

Da ich im letzten Jahr mit wachsender Begeisterung die 90er BBC-Verfilmung des Romans gesehen habe (die mit Jennifer Ehle und Colin Firth), wollte ich jetzt noch mal zur Hollywoodversion greifen (Keira Knightley und Co.), die ich fast komplett vergessen hatte.

Tja, was soll ich sagen, jetzt weiß ich zwar, warum ich den Film vergessen hatte, aber beim besten Willen nicht, was andere daran so toll finden. Zuerst das Positive: Bei einer Szene im Hause Mr. Darcys merkte ich, dass es sich bei dem Drehort um das wunderschöne Chatsworth House in Derbyshire handelt; bei einem Englandaufenthalt bin ich dort gewesen und im Roman wird tatsächlich erwähnt, das Elizabeth mit ihren Verwandten dort vorbeikommen würde. So viel zum Guten. Ja, das war schon alles.

Achtung, Liebhaber dieses Films, es könnte unangenehm werden.
Bingley, der im Buch einfach nur offenherzig gegenüber der ländlichen Bevölkerung war und eine geringe Selbstachtung hatte, die zu einer Fehleinschätzung seiner Wahrnehmung durch andere führte, wird hier als kompletter Trottel dargestellt. Warum sollte diesen stotternden Tölpel irgendeine Frau heiraten wollen, außer wegen seines Reichtums (gut, meinetwegen auch wegen seines Aussehens)?

Über Mr. Wickham kann ich bei erneutem Anschauen nur sagen, dass er einem gewissen Schmied in einem gewissen Piratenfilm gleicht, der Hauptdarstellerin Keira Knightley nach Hollywood beförderte... Die ganze Story um den Schmeichler Wickham scheint mir furchtbar gekürzt und zusammengestrichen, sodass Darcys Leistung nicht in ihrer ganzen Tragweite spürbar wird.

Als frisch gewonnener "Fan" des Buchs (ich mag das Wort nicht, aber vielleicht ist es in diesem Kommentar doch angebracht, weil ich womöglich leicht fanatisch wirke?) hat mich zudem folgendes gestört:
  1. Wichtige Dialoge, Schlüsselszenen, wurden für den Film neu geschrieben. Das sind doch die Stellen, die die richtigen Fans Wort für Wort mitsprechen wollen, oder nicht? Mal ganz abgesehen davon, dass Austens Version bei weitem präziser und auch lustiger formuliert war, in jedem Fall.
  2. Die im Film gezeigte Landschaft ist keine realistische, englische, sondern ist eine für Hollywood aufgemöbelte; im besten Fall soll sie wohl die etwas kitschig geratene Visualisierung des Seelenlebens der Hauptfiguren darstellen. Allerdings hatte ich den Eindruck, dass durch die pompösen Szenenbilder in wilder Natur beim Zuschauer Emotionen geweckt werden sollen. Warum auf so eine vergleichsweise plumpe Technik zurückgreifen, wenn Miss Austen, der keine visuellen Mittel zur Verfügung standen, es nur durch Wortgewalt und Raison gelungen ist, mit Elizabeth zu fühlen?
Zuletzt habe ich auch als Cineastin eine Bemerkung übrig: Der Zoom von einer halbnahen Aufnahme zu einem Italian Shot (ca. 'Oberkörper mit ein bisschen Umgebung' hin zu 'Gesicht füllt das ganze Bild aus') ist eine äußerst seltene Kamerabewegung in einem derartigen Film. Warum mich das so mitgenommen hat? Man sieht so was normalerweise in Western und in Seifenopern. Und gleich hatte ich das Gefühl, GZSZ zu schauen oder etwas derartiges. Warum? Warum?! Wirkte auf mich lächerlich und hat mir zwei Schlüsselszenen verdorben.

Warum nur hatte ich, scheinbar als einzige auf weiter Flur, so wenig Freude an dem Film? Haben mich am Ende vielleicht auch Stolz und Vorurteil dazu gebracht? Aber ich lasse das jetzt nicht zu einem Austen-Trauma kommen; höchstens Joe Wright-Filmen werde ich jetzt eher aus dem Weg gehen. Ade, Anna Karenina.

Dienstag, 1. April 2014

Begleittext April. 7D7B und Welttag des Buches


Im April gibt es viel zu tun: Die große Runde 7 Days 7 Books, dem Lesemarathon von 14.-21., steht bevor und fast direkt im Anschluss ist der Welttag des Buches. Und dann ist auch noch Ostern und Semesterbeginn... Aber der Reihe nach.

Ich habe noch ein paar hundert Seiten von Der Übergang vor mir und Zwischen zwei Planeten ist auch noch nicht ganz durch. An frischer Lektüre habe ich nicht viel fest geplant, wegen dem Lesemarathon. Allerdings habe ich schon so ein paar Bücher im Sinn, die ich aber noch nicht verraten will. Aber eine Sneak Peak habe ich zusammen gestellt:
Ansonsten will ich lesen:
Drei Mann in einem Boot ... Vom Hunde ganz zu schweigen von Jerome K. Jerome. Ich freue mich schon seit langem darauf, das zu lesen, denn Jerome soll einer der lustigsten Autoren überhaupt gewesen sein. Das Buch wurde für eine Leserunde bei Goodreads gewählt, gerade als ich es sowieso endlich zur Hand nehmen wollte. Falls jemand den Roman unter einem anderen Titel kennt: Ich habe einfach nur eine alte Übersetzung ;)

Die Kerze im Wind (Der König auf Camelot 4) von T. H. White: Der letzte Teil der Noch-mal-anhören-Aktion, bevor ich mir dann im Mai den mir noch unbekannten, da nicht als Hörbuch erhältlichen fünften Teil vornehme.

Und nun zum Welttag des Buches

Am 23. kommt auch schon das nächste Ereignis: Dann ist der Welttag des Buches, und das will ich gebührend feiern. Beziehungsweise das Buch, und dafür soll hier an jedem Tag dieser Woche eine Rezension erscheinen. Aber nicht einfach so wie immer, sondern jede Rezension wird eine komplett eigene Form haben: Je eine Rezension soll
  • gereimt
  • als Interview
  • als Zeitungsbericht
  • als (Schau-)Bild
  • normal
verfasst sein.

Ich hoffe, das wird so lustig, wie ich mir das jetzt vorstelle und auch für euch nicht langweilig!