Donnerstag, 20. Februar 2014

Die Tribute von Panem: Tödliche Spiele (Buch und Film)

Zum Buch
Die Tribute von Panem: Tödliche Spiele (The Hunger Games, #1)Nach all dem Hype war ich mehr als skeptisch, als ich Die Tribute von Panem zu lesen begann. Doch nach wenigen Seiten hatte mich Katniss in ihre Welt gezogen. In ferner Zukunft, nach dem Zusammenbruch der Zivilisation, wie wir sie kennen, lebt man in Nordamerika im totalitären Staat Panem. Während die Hauptstadt tatsächlich futuristisch anmutet, werden die 12 Außenbezirke, die Distrikte, ausgebeutet. Eine ein Dreivierteljahrhundert zurückliegende Revolte der Distrikte, die blutig niedergeschlagen wurde, markiert den Beginn der Hungerspiele. Bei diesen treten jeweils ein Mädchen und ein Junge pro Distrikt im tödlichen Wettstreit zur Belustigung des Kapitols gegeneinander an; nur einer kann überleben. So müssen die Distrikte alljährlich für das lange zurückliegende Aufbegehren büßen.
Ein recht waghalsiges Konstrukt, mit dem Suzanne Collins hier antritt. Aber der Fokus der Geschichte liegt auf der emotionalen Ebene. Die Geschichte wird aus Katniss' Perspektive im Präsens geschildert. So ist man als Leser vor allem mit Katniss' Misstrauen allem und jedem gegenüber konfrontiert.
Katniss wird als Tribut ins Kapitol gebracht:
"Ich frage mich, wie es sich wohl anfühlt, in einer Welt zu leben, wo das Essen auf Knopfdruck erscheint. Was würde ich in all den Stunden tun, die ich derzeit damit verbringe, den Wald auf der Suche nach Nahrung zu durchkämmen, wenn uns der Unterhalt so leicht fiele? Was tun sie den ganzen Tag, diese Leute im Kapitol, abgesehen davon, dass sie ihre Körper dekorieren und auf eine neue Lieferung Tribute warten, die zu ihrem Amüsement sterben sollen?"
Eine von unserer Konsumgesellschaft nicht weit entfernte Beschreibung.
Trotz der nachdenklichen Stellen ist Tödliche Spiele nicht kopflastig, sondern klar handlungsorientiert, und ist fix zu lesen. Besonders für den Schluss bin ich der Autorin sehr dankbar. Ohne zu viel sagen zu wollen: Mit diesem Ende beweist Collins, das sie mit Katniss eine nicht nur körperlich starke Frauenfigur geschaffen hat. So bleibt einem der 08/15-Schluss erspart.

Zum Film
Die Verfilmung des ersten Teils der Panem-Trilogie ist größtenteils solide Arbeit. Sie kommt in meinen  Augen bei weitem nicht an die Vorlage heran, hat aber durchaus Unterhaltungswert und vor allem eine starke Hauptdarstellerin sowie einige sehr prägnante Nebenrollenbesetzungen (Stanley Tucci, anyone?). Einige Dinge haben mich irritiert, andere waren gut umgesetzt. Um darauf genauer eingehen zu können, sind im restlichen Text einige eher kleinere Spoiler nötig. Nur für den Fall, dass außer mir noch jemand so verdammt spät dran ist, habe ich den Rest hinter dem Button versteckt:



Zu den berechtigten Vereinfachungen und Kürzungen zu Beginn des Films will ich nichts weiter loswerden. Ich setze erst bei der Ankunft im Kapitol ein. Die klar von Naziarchitektur und -ästhetik inspirierten Sets haben bei mir eine Gänsehaut ausgelöst. Das war konsequent umgesetzt und mit gefällt dieser Anklang, auch wenn es echt unheimlich und abstoßend ist. Was mich dagegen am Kapitol gestört hat, sind die Frisuren und Outfits. Klar, die wurden auch im Buch so beschrieben, aber man muss ja nicht alles eins zu eins umsetzen. Zum Beispiel die Mutanten, die zum Höhepunkt der Spiele losgelassen werden, wurden zu harmloseren Monstern abgeschwächt. Was ich auch gut fand; diese Mutanten hatten für mich im Buch ein echtes WTF-Moment. Es ging einfach zu weit und war mehr als unwahrscheinlich im Vergleich zum Rest.
Ein neu eingeführter Dialog zwischen Präsident Snow und Spielemacher Seneca in einem lichtdurchfluteten Garten erschien mir allerdings als sehr schwach. In dieser Szene wird für den Zuschauer ausbuchstabiert, was der Film eigentlich suggestiv vermitteln sollte. Schade, dass auf so eine plumpe Methode zurückgegriffen wurde. Auch das Ende hat mich enttäuscht. Es lenkt die Aufmerksamkeit auf die zukünftige Rivalität zwischen Peeta und Gale; Katniss' Gefühle bleiben völlig außen vor. Damit fällt der Film in uralte Klischees zurück, die der Roman hinter sich gelassen hatte.
Ein Pluspunkt zum Schluss: Der Soundtrack war glücklicherweise eine kluge Kombination von Pomp (offizielle Seite der Spiele) und dezentem Chorgesang, sodass die Spannung nicht durch nervige Orchestermusik zerstört wurde.

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