Freitag, 14. Februar 2014

Buchverfilmungschallenge. Die Hexe und der Zauberer (1963)

Erst vorgestern lobte ich Jochen Malmsheimers Lesung des Fantasyklassikers "Das Schwert im Stein", heute nehme ich die Disneyverfilmung unter die Lupe.

Die Hexe und der Zauberer war bestimmt einer meiner ersten Filme und ich liebe ihn für seinen manchmal blödelnden Humor. Die im Vergleich zu anderen Disney-Filmen schlechtere Qualität hat mich nie gestört, die Tableaus uns skizzenhaften Umrisse haben ihren ganz eigenen Charme.
Im Unterschied zur literarischen Vorlage wird die Handlung in The Sword in the Stone (der deutsche Titel ergibt in meinen Augen einfach keinen Sinn) stark gestrafft: Der Tod Uther Pendragons wird an den Anfang der Geschichte gestellt und als Prolog und Einstieg in den Film genutzt. Auch an anderen Stellen wird die Handlung deutlich zusammengestrichen. Das finde ich nicht weiter problematisch.

Einige Teile der Handlung sind auch (mehr oder minder) frei erfunden, zum Beispiel wird Arthur von Merlin in ein Eichhörnchen verwandelt. Diese Episode würde ich um nichts in der Welt streichen. Sie ist wunderbar komisch, total knuddelig süß UND abgrundtief traurig. Wahrscheinlich die beste Szene in diesem Film, sie rührt mich jedes Mal wieder fast zu Tränen.
Das Zaubererduell, ja die ganze Nemesisfigur Mim ist eine Erfindung der Disney Studios, auch wenn es Anklänge an eine Tjost im Buch zu geben scheint. Doch der Lerneffekt auf Arthur steht hier im Hintergrund.

Dafür ist er im restlichen Film immer stark präsent. Das Thema des Films ist Verstand über Muskelkraft. Als Barsch muss Arthur sich gegen einen riesigen Hecht nur durch geschicktes Vorgehen wehren, so wie in anderen Situationen des Films. Das vereinfacht die Buchthematik um etliche Ebenen, aber die Zielgruppe von Merlin und Mim ist ja auch um etliches jünger. Auch hier also kein Minuspunkt.


Überhaupt würde ich sagen, dass alle Veränderungen am Buch entweder durch das junge Publikum oder als Disney-Trademark zu erklären sind. Ein Beispiel für letzteres: Im Buch sind Kay und Arthur fast gleich alt und immer gute Freunde, auch wenn sie praktisch nichts verbindet und sie immer streiten. An einer Stelle heißt es, Arthur habe sich über die Jahre, in denen Kay zu einem schwierigen jungen Mann hreanwächst, seine unerklärliche Vernarrtheit in den Ziehbruder bewahrt. Im Disneyfilm gerät der tapsige "Floh" zu einem ungeliebten Waisenkind, das von Ziehvater und -bruder ausgehalten wird und Töpfe schrubben muss.

Mal abgesehen davon, dass von Arthurs Herkunft sowieso nichts berichtet wird. Dieser Figurentyp kommt ja in Disneyfilmen immer wieder vor, also auch hier.

So würde ich gerne einfach darüber hinwegsehen, was mit T. H. Whites lustigem und tiefsinnigen Werk gemacht wurde, um es in die Disneymaschinerie einzupassen. Aber dass mein Liebling des Buches, König Pellinore, in vollkommen unzureichender Form Eingang in den Film gefunden hat, geht dann doch zu weit. An ihm ist wirklich ein klasse Sidekick verloren gegangen, die Figur im Film verdient seinen Namen nicht.

Immer noch finde ich den Film als solchen sehr lustig und unterhaltsam; der abgemagerte Wolf, der als Running Gag immer wieder auftaucht wird mich wohl auch in hohem Alter noch zum Lachen bringen. Ein wenig fühlt man sich bei dem Säbelzahneichhörnchen von Ice Age an den armen Kerl erinnert, da beide ihrer Beute ewig nachjagen und sich doch nur Blessuren holen.
Archimedes war dagegen im Buch eine Enttäuschung 
Noch eine Schelte muss ich loswerden: Das Ende des Films ist wirklich schwach ausgefallen. Arthur sitzt auf seinem Thron, Archimedes (!) rät ihm zur Flucht, plötzlich taucht Merlin wieder auf, und Ende. Das ist zwar ein Happy Ending aber doch arg beliebig. Da man zuvor darauf verzichtet hat, Merlin als genauen Kenner von Arthurs Schicksal auftreten zu lassen, hat man am Ende den sprichwörtlichen Salat und versucht, die Sache mit einem selbstreferenziellen Witz wieder gerade zu biegen:
Merlin: Sie werden viele Bücher über dich schreiben in den kommenden Jahrhunderten. Und vielleicht machen sie sogar einen Film von dir.
Arthur: Was ist das, ein Film?
Merlin: Oh, ähm... das ist so etwas ähnliches wie Fernsehen - aber ohne Bildstörung.
Lustigerweise ist ca. 2 Sekunden später ein extrem gut sehbarer Fleck auf dem Film zu erkennen ;)

Wer sich seinen kindlichen Humor bewahrt hat, für den ist Die Hexe und der Zauberer in jedem Alter zu empfehlen. Bei einem Vergleich mit Der König auf Camelot schneidet die Verfilmung allerdings nicht so schön ab, darum rate ich, den Kinderfilm Kinderfilm sein zu lassen, auch wenn das gegenüber T. H. White nicht so nett ist. Als erster musikalischer Beitrag der Sherman-Brüder zum Disney-Vermächtnis ist dieser Film sowieso ein Muss. Die Jungs wussten wirklich, was sie tun.

konnte mich nicht zügeln...

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