Mittwoch, 26. Februar 2014

Rezension. Die Königin von Luft und Dunkelheit (Hörbuch)

Die Königin von Luft und DunkelheitIm zweiten Teil von Der König auf Camelot (Rezi Teil 1) steht Arthur am Beginn seiner Regentschaft und muss sich gegen die Clans und andere ihm feindlich gesinnte Untertanen durchsetzen. Merlyn versucht immer noch nach Kräften, ihm bei der Entwicklung eines moralischen Bewusstseins behilflich zu sein, damit Arthur der Würde des once and future king auch gerecht werden kann. In den Arthur gewidmeten Kapiteln wird also viel über das Kämpfen und Politik geredet – nicht jedermanns Sache.

Doch wie es der Titel bereits anzeigt, enthält das Buch einen weiteren Erzählstrang: Die Königin von Luft und Dunkelheit ist Morgause, die Königin der Orkneys und Mutter von Gawain, Gareth, Argavaine und Gaheris. Allerdings scheint sie eher an schwarzer Magie interessiert als an ihren Kindern. Nichtsdestotrotz wird sie von den vier Jungs vergöttert. Sie fangen sogar ein Einhorn für die zwilichtige Morgause, denn ihnen ist nicht beigebracht worden, was gut und böse ist. So wird man auch Zeuge einiger anderer brutaler Szenen, in denen die Brüder Spaß an Gewalt zeigen. Die ganze Morgausegeschichte ist ziemlich verstörend und findet am Ende des Bandes ihren düsteren Höhepunkt.

Als Sahnehäubchen ist mal wieder der gute Pellinore mit von der Partie. Der Arme vergeht vor Sehnsucht nach seiner großen Liebe, der Prinzessin von Flandern. Leider musste er sie verlassen, als ihm und zwei weiteren Rittern eine Zauberbarke erschien; Ritter müssen eben jedes Abenteuer mitmachen. Pellinore ist zu nichts mehr zu gebrauchen, und seine beiden Freunde beschließen, ihn mit einem Trick aufzumuntern: Sie verkleiden sich als Aventiurentier und wollen sich von ihm jagen lassen...

In diesem Band verabschiedet sich Merlyn, da seine Gefangenschaft nun unmittelbar bevorsteht. Da er rückwärts lebt, weiß er, dass er sich in Nimue verlieben wird, die ihn für Jahrhunderte in einen Grabhügel sperren wird. Er kann dem nicht ausweichen, will Arthur aber so gut als möglich vorbereiten, allein klarzukommen.

Die von Roof Music zur Verfügung gestellte Hörprobe ist diesmal weniger witzig: Es handelt sich um einen Auszug aus dem Kapitel, in dem Arthur die Tafelrunde plant.

Round Table in Winchester

Ich hatte diesen zweiten Teil vom letzten Hören als schwächer in Erinnerung, als ich ihn jetzt empfunden habe. Wie gesagt ist der Erzählstrang mit Morgause recht düster und es wird nicht viel an Erklärung geboten, aber das ist nur ein kleiner Teil der Geschichte. Die Teile mit Arthur sind erstaunlich kurz und sachlich, was etwas enttäuschend ist, wenn man sich auf mehr Wart und Merlyn Abenteuer gefreut hat. Pellinore ist ganz klar zur Auflockerung des Ganzen da.
Also könnte man schon von sichtbarer Konstruktion sprechen. Mich hat's nicht gestört. Jochen Malmsheimer liest mal wieder ausgezeichnet und zaubert einem auch in den eher pointenarmen Kapiteln ein Lächeln ins Gesicht. Die grausamen Stellen liest er betont unbetont, die leichtherzigen oder nachdenklichen lassen ihn hingegen in den Figuren schwelgen und zu Höchstleistungen auflaufen. Durch seine Zurückhaltung in den Morgauseszenen bleibt diese Figur besonders rätselhaft, er drückt ihr keinen Stempel auf.

Der König auf Camelot, Teil 2: Die Königin von Luft und Dunkelheit
von T. H. White
Ungekürzte Lesung von Jochen Malmsheimer
4 CDs, ca. 227 Minuten
ISBN 3-938781-30-0

Dienstag, 25. Februar 2014

Kleine Naturkunde (6). Alice im Wunderland

Einer meiner liebsten Dauerohrwürmer ist All in the golden afternoon aus dem Disneyfilm Alice im Wunderland.
Darin kommen nicht nur schöne Carroll'sche Wortspiele vor, sondern auch jede Menge Blumennamen.
Bei den Beschreibungen kriege ich richtig Sehnsucht nach dem Sommer!



Little bread-and-butterflies kiss the tulips
And the sun is like a toy balloon
There are get-up-in-the-morning glories
In the golden afternoon

There are dizzy daffodils on the hillside
Strings of violets are all in tune
Tiger lilies love the dandelions
In the golden afternoon

There are dog and caterpillars and a copper centipede
Where the lazy daisies love the very peaceful life
They lead...

You can learn a lot of things from the flowers
For especially in the month of June
There's a wealth of happiness and romance
All in the golden afternoon

All in the golden afternoon, the golden afternoon

ALICE:
You can learn a lot of things from the flowers
For especially in the month of June
There's a wealth of happiness and romance
All in the golden afternoon


Ob ich alle Blumen im Clip erkenne? Mal schauen: Erst eine Lilie, die kleinen Stiefmütterchen, eine Margerite, und da fängt's an. Die Lehrerblume (lila) ist ... eine Art Löwenmaul? Dann der Bass, das ist so was wie eine Ringelblume, und danach die rote Rose. Danach kommen die im Lied besungenen Blumen: Tulpen, Prunkwinden (englisch: morning glory, echt toller Name), Osterglocken, dann das Pärchen Tiger-Lilie und Löwenzahn (oh, wie süß!). Das gemütliche Gänseblümchen wird nach einer Pause von der tauglitzernden weißen Rose gefolgt.
Ipomoea coccinea 01
Scharlachrote Prunkwinde
Im Instrumentalteil wird es komplizierter: Zuerst ist etwas Glöckchenartiges zu sehen, wie... Maiglöckchen? Die gibt es immerhin auch rosafarben. Die flötenartigen... Ich hatte irgendwie das Wort "Wicke" im Kopf. Es gibt auch einige Wickenarten, die auf das Aussehen passen, zum Beispiel die Vogelwicke:
Cow vetch2
Vogelwicke
Nicotiana alata
Tabak (Nicotiana alata)
Scharlachrote Prunkwinde Jedenfalls kommen mir die bekannt vor. Vielleicht ist es auch noch mal eine Prunkwinde, zum Beispiel die Scharlachrote Prunkwinde sieht ähnlich aus: Oder eine Tabakpflanze? Am Ende sind es gar die in der deutschen Version erwähnten Rittersporne.

Die folgenden Blechbläserblumen sieht man vorher als Silhouetten und die ähneln wieder etwas Lilienartigem. Da gibt es extrem viele Unterarten und die Bläser sind auch eher abstrakt blumig.

Ganz am Ende, beim Crescendo, sieht man trommelnde Disteln, wenn ich nicht irre, und mir ist noch nie aufgefallen, dass die Trommeln auch Distelköpfe sind.

Auch wenn die Blumen in diesem Kinderfilm sicher nicht exakt gezeichnet wurden, kann man doch einiges daraus lernen. Schade, dass die deutsche Übersetzung so übel ist, das keine der Pflanzen erwähnt und manchmal (so beim Rittersporn) die komplett falsche Blume genannt wird.

Donnerstag, 20. Februar 2014

Die Tribute von Panem: Tödliche Spiele (Buch und Film)

Zum Buch
Die Tribute von Panem: Tödliche Spiele (The Hunger Games, #1)Nach all dem Hype war ich mehr als skeptisch, als ich Die Tribute von Panem zu lesen begann. Doch nach wenigen Seiten hatte mich Katniss in ihre Welt gezogen. In ferner Zukunft, nach dem Zusammenbruch der Zivilisation, wie wir sie kennen, lebt man in Nordamerika im totalitären Staat Panem. Während die Hauptstadt tatsächlich futuristisch anmutet, werden die 12 Außenbezirke, die Distrikte, ausgebeutet. Eine ein Dreivierteljahrhundert zurückliegende Revolte der Distrikte, die blutig niedergeschlagen wurde, markiert den Beginn der Hungerspiele. Bei diesen treten jeweils ein Mädchen und ein Junge pro Distrikt im tödlichen Wettstreit zur Belustigung des Kapitols gegeneinander an; nur einer kann überleben. So müssen die Distrikte alljährlich für das lange zurückliegende Aufbegehren büßen.
Ein recht waghalsiges Konstrukt, mit dem Suzanne Collins hier antritt. Aber der Fokus der Geschichte liegt auf der emotionalen Ebene. Die Geschichte wird aus Katniss' Perspektive im Präsens geschildert. So ist man als Leser vor allem mit Katniss' Misstrauen allem und jedem gegenüber konfrontiert.
Katniss wird als Tribut ins Kapitol gebracht:
"Ich frage mich, wie es sich wohl anfühlt, in einer Welt zu leben, wo das Essen auf Knopfdruck erscheint. Was würde ich in all den Stunden tun, die ich derzeit damit verbringe, den Wald auf der Suche nach Nahrung zu durchkämmen, wenn uns der Unterhalt so leicht fiele? Was tun sie den ganzen Tag, diese Leute im Kapitol, abgesehen davon, dass sie ihre Körper dekorieren und auf eine neue Lieferung Tribute warten, die zu ihrem Amüsement sterben sollen?"
Eine von unserer Konsumgesellschaft nicht weit entfernte Beschreibung.
Trotz der nachdenklichen Stellen ist Tödliche Spiele nicht kopflastig, sondern klar handlungsorientiert, und ist fix zu lesen. Besonders für den Schluss bin ich der Autorin sehr dankbar. Ohne zu viel sagen zu wollen: Mit diesem Ende beweist Collins, das sie mit Katniss eine nicht nur körperlich starke Frauenfigur geschaffen hat. So bleibt einem der 08/15-Schluss erspart.

Zum Film
Die Verfilmung des ersten Teils der Panem-Trilogie ist größtenteils solide Arbeit. Sie kommt in meinen  Augen bei weitem nicht an die Vorlage heran, hat aber durchaus Unterhaltungswert und vor allem eine starke Hauptdarstellerin sowie einige sehr prägnante Nebenrollenbesetzungen (Stanley Tucci, anyone?). Einige Dinge haben mich irritiert, andere waren gut umgesetzt. Um darauf genauer eingehen zu können, sind im restlichen Text einige eher kleinere Spoiler nötig. Nur für den Fall, dass außer mir noch jemand so verdammt spät dran ist, habe ich den Rest hinter dem Button versteckt:



Zu den berechtigten Vereinfachungen und Kürzungen zu Beginn des Films will ich nichts weiter loswerden. Ich setze erst bei der Ankunft im Kapitol ein. Die klar von Naziarchitektur und -ästhetik inspirierten Sets haben bei mir eine Gänsehaut ausgelöst. Das war konsequent umgesetzt und mit gefällt dieser Anklang, auch wenn es echt unheimlich und abstoßend ist. Was mich dagegen am Kapitol gestört hat, sind die Frisuren und Outfits. Klar, die wurden auch im Buch so beschrieben, aber man muss ja nicht alles eins zu eins umsetzen. Zum Beispiel die Mutanten, die zum Höhepunkt der Spiele losgelassen werden, wurden zu harmloseren Monstern abgeschwächt. Was ich auch gut fand; diese Mutanten hatten für mich im Buch ein echtes WTF-Moment. Es ging einfach zu weit und war mehr als unwahrscheinlich im Vergleich zum Rest.
Ein neu eingeführter Dialog zwischen Präsident Snow und Spielemacher Seneca in einem lichtdurchfluteten Garten erschien mir allerdings als sehr schwach. In dieser Szene wird für den Zuschauer ausbuchstabiert, was der Film eigentlich suggestiv vermitteln sollte. Schade, dass auf so eine plumpe Methode zurückgegriffen wurde. Auch das Ende hat mich enttäuscht. Es lenkt die Aufmerksamkeit auf die zukünftige Rivalität zwischen Peeta und Gale; Katniss' Gefühle bleiben völlig außen vor. Damit fällt der Film in uralte Klischees zurück, die der Roman hinter sich gelassen hatte.
Ein Pluspunkt zum Schluss: Der Soundtrack war glücklicherweise eine kluge Kombination von Pomp (offizielle Seite der Spiele) und dezentem Chorgesang, sodass die Spannung nicht durch nervige Orchestermusik zerstört wurde.

Montag, 17. Februar 2014

Kleine Naturkunde (5). Under der linden...

Diesmal möchte ich anders vorgehen und keine entdeckte Pflanze benennen, sondern einen Baum beschreiben, von dem ich nicht weiß, wo er bei uns wächst: Die Linde.
Ich mag das Wort Linde. Mit Linden verbinde ich Positives, wenn ich auch nicht genau sagen kann, was oder warum. Ob Walter von der Vogelweide schuld ist?

Tilia amurensis (Amur linden, Липа амурская)
Bild: Tatiana Gerus
Linden können je nach Art bis 2000 Jahre alt werden - echt beeindruckend. So ein Baum könnte schon einiges aus dem Nähkästchen erzählen...

Es gibt Winter- und Sommerlinden (Tilia cordata, Tilia platyphyllos); erstere haben kleine Blätter und sin dvon kleinerem Wuchs als letztere. Von den deutschen Namen sollte man sich aber nicht verwirren lassen, denn beide Bäume blühen im Juni/Juli, die Winterlinde ist nur 2-3 Wochen später dran.

Die Linde ist ein besonders symbolträchtiger Baum: Die Deutschen verbinden ihn mit Heimat und Tapferkeit, er gilt als Zeichen für Heilung schon die Germanen haben ihn angeblich mit Freya in Verbindung gebracht. Die Griechen habeen ihrer Liebesgöttin, der Aphrodite, unter der Linde Opfer gebracht (womit wir wieder ganz nah an Walter von der Vogelweide wären).
Weil die Linde auch alleinstehend gedeiht gibt es in viele Dorflinden, die die Ortsmitte markieren oder den Marktplatz zieren.

Ich werde mal versuchen herauszufinden, wo es hier Linden gibt, und Aphrodite mein Opfer bringen ;)

Freitag, 14. Februar 2014

Buchverfilmungschallenge. Die Hexe und der Zauberer (1963)

Erst vorgestern lobte ich Jochen Malmsheimers Lesung des Fantasyklassikers "Das Schwert im Stein", heute nehme ich die Disneyverfilmung unter die Lupe.

Die Hexe und der Zauberer war bestimmt einer meiner ersten Filme und ich liebe ihn für seinen manchmal blödelnden Humor. Die im Vergleich zu anderen Disney-Filmen schlechtere Qualität hat mich nie gestört, die Tableaus uns skizzenhaften Umrisse haben ihren ganz eigenen Charme.
Im Unterschied zur literarischen Vorlage wird die Handlung in The Sword in the Stone (der deutsche Titel ergibt in meinen Augen einfach keinen Sinn) stark gestrafft: Der Tod Uther Pendragons wird an den Anfang der Geschichte gestellt und als Prolog und Einstieg in den Film genutzt. Auch an anderen Stellen wird die Handlung deutlich zusammengestrichen. Das finde ich nicht weiter problematisch.

Einige Teile der Handlung sind auch (mehr oder minder) frei erfunden, zum Beispiel wird Arthur von Merlin in ein Eichhörnchen verwandelt. Diese Episode würde ich um nichts in der Welt streichen. Sie ist wunderbar komisch, total knuddelig süß UND abgrundtief traurig. Wahrscheinlich die beste Szene in diesem Film, sie rührt mich jedes Mal wieder fast zu Tränen.
Das Zaubererduell, ja die ganze Nemesisfigur Mim ist eine Erfindung der Disney Studios, auch wenn es Anklänge an eine Tjost im Buch zu geben scheint. Doch der Lerneffekt auf Arthur steht hier im Hintergrund.

Dafür ist er im restlichen Film immer stark präsent. Das Thema des Films ist Verstand über Muskelkraft. Als Barsch muss Arthur sich gegen einen riesigen Hecht nur durch geschicktes Vorgehen wehren, so wie in anderen Situationen des Films. Das vereinfacht die Buchthematik um etliche Ebenen, aber die Zielgruppe von Merlin und Mim ist ja auch um etliches jünger. Auch hier also kein Minuspunkt.


Überhaupt würde ich sagen, dass alle Veränderungen am Buch entweder durch das junge Publikum oder als Disney-Trademark zu erklären sind. Ein Beispiel für letzteres: Im Buch sind Kay und Arthur fast gleich alt und immer gute Freunde, auch wenn sie praktisch nichts verbindet und sie immer streiten. An einer Stelle heißt es, Arthur habe sich über die Jahre, in denen Kay zu einem schwierigen jungen Mann hreanwächst, seine unerklärliche Vernarrtheit in den Ziehbruder bewahrt. Im Disneyfilm gerät der tapsige "Floh" zu einem ungeliebten Waisenkind, das von Ziehvater und -bruder ausgehalten wird und Töpfe schrubben muss.

Mal abgesehen davon, dass von Arthurs Herkunft sowieso nichts berichtet wird. Dieser Figurentyp kommt ja in Disneyfilmen immer wieder vor, also auch hier.

So würde ich gerne einfach darüber hinwegsehen, was mit T. H. Whites lustigem und tiefsinnigen Werk gemacht wurde, um es in die Disneymaschinerie einzupassen. Aber dass mein Liebling des Buches, König Pellinore, in vollkommen unzureichender Form Eingang in den Film gefunden hat, geht dann doch zu weit. An ihm ist wirklich ein klasse Sidekick verloren gegangen, die Figur im Film verdient seinen Namen nicht.

Immer noch finde ich den Film als solchen sehr lustig und unterhaltsam; der abgemagerte Wolf, der als Running Gag immer wieder auftaucht wird mich wohl auch in hohem Alter noch zum Lachen bringen. Ein wenig fühlt man sich bei dem Säbelzahneichhörnchen von Ice Age an den armen Kerl erinnert, da beide ihrer Beute ewig nachjagen und sich doch nur Blessuren holen.
Archimedes war dagegen im Buch eine Enttäuschung 
Noch eine Schelte muss ich loswerden: Das Ende des Films ist wirklich schwach ausgefallen. Arthur sitzt auf seinem Thron, Archimedes (!) rät ihm zur Flucht, plötzlich taucht Merlin wieder auf, und Ende. Das ist zwar ein Happy Ending aber doch arg beliebig. Da man zuvor darauf verzichtet hat, Merlin als genauen Kenner von Arthurs Schicksal auftreten zu lassen, hat man am Ende den sprichwörtlichen Salat und versucht, die Sache mit einem selbstreferenziellen Witz wieder gerade zu biegen:
Merlin: Sie werden viele Bücher über dich schreiben in den kommenden Jahrhunderten. Und vielleicht machen sie sogar einen Film von dir.
Arthur: Was ist das, ein Film?
Merlin: Oh, ähm... das ist so etwas ähnliches wie Fernsehen - aber ohne Bildstörung.
Lustigerweise ist ca. 2 Sekunden später ein extrem gut sehbarer Fleck auf dem Film zu erkennen ;)

Wer sich seinen kindlichen Humor bewahrt hat, für den ist Die Hexe und der Zauberer in jedem Alter zu empfehlen. Bei einem Vergleich mit Der König auf Camelot schneidet die Verfilmung allerdings nicht so schön ab, darum rate ich, den Kinderfilm Kinderfilm sein zu lassen, auch wenn das gegenüber T. H. White nicht so nett ist. Als erster musikalischer Beitrag der Sherman-Brüder zum Disney-Vermächtnis ist dieser Film sowieso ein Muss. Die Jungs wussten wirklich, was sie tun.

konnte mich nicht zügeln...

Mittwoch, 12. Februar 2014

Rezension. Das Schwert im Stein (Hörbuch)


Das Schwert im Stein Das Schwert im Stein ist der erste von vier Teilen der Reihe Der König auf Camelot. Nach dem Tod des Autors T. H. White wurde auch ein fünfter Part veröffentlicht, der zuvor durch die Wirren des Zweiten Weltkriegs nie gedruckt werden konnte.

Für mich ist es das zweite Mal, dass ich Das Schwert im Stein anhöre. Ich hatte so viel Spaß an diesem Klassiker der Fantasyliteratur, dass ich die Reihe einfach noch mal lesen/hören musste. Vor allem nachdem mir nach einigen Minuten klar wurde, dass eine Verbindung zu dem Disney-Film Die Hexe und der Zauberer besteht. Wer einen kleinen Eindruck von dem von Jochen Malmsheimer gelesenen Roman bekommen möchte, kann bei Tonspion mal reinhören.

In diesem ersten Band lernt man Arthur als Jungen kennen und wie ihn Merlyn unter die Fittiche nimmt. Er versucht, den auf die Ritterlaufbahn fixierten Dreikäsehoch auf seine Zukunft als König von England vorzubereiten und verwandelt ihn in allerhand Tiere, sodass Arthur (genannt Wart) viele Perspektiven und Lebenseinstellungen kennenlernt.

Questing Beast
Neben dem gewitzten, hintergründigen Merlyn und dem herzensguten Wart gibt es viele weitere Figuren, die einem allesamt ans Herz wachsen. Vor allem hat es mir aber der gute König Pellinore angetan, der auf der ritterlichen Suche nach dem Âventiurentier (Glatisant) ist. Pellinore ist seit 17 Jahren auf dieser Queste und sehnt sich nach einem Federbett... Zum Schießen!


Allerdings gibt es vor allem in der zweiten Hälfte des Buchs auch ruhige Töne und einige Exkurse, die Leser nerven könnten.
Im Hörbuch fällt das nicht so sehr ins Gewicht, sondern gibt der Geschichte die nötige 'philosophische Grundlage', die dem aufmerksamen Leser ähnlich wie Merlyn dem jungen Arthur etwas beizubringen versucht. Vor allem Naturbeschreibungen, aber auch ein kurzer Exkurs über zeitgenössisches Mobiliar erinnern außerdem an die mittelalterlichen Artusromane, die ja auch mal gerne ganz weit ausholen. Auch in anderen Details ähnelt das Buch sehr den Artusromanen, die ich gelesen habe und bietet für den Kenner zahlreiche Anspielungen.


Normalerweise kommt eine Hörbuchfassung für mich dann in Frage, wenn man sich langsam an das Buch herantasten will oder wenn man es sonst gar nicht angerührt hätte. Es ist leichter sich vorlesen zu lassen, als selbst ein Buch zu lesen.
Doch in diesem Fall rate ich unbedingt zu der wunderbaren, kurzweiligen Lesung Malmsheimers (die man zum Beispiel in der Onleihe bekommt). Die tiefgründigeren Parts werden so nicht langweilig, dafür die Figuren um so lebendiger. Malmsheimer hatte offenbar den größten Spaß an seiner Arbeit, er verleiht jeder noch so kleinen Figur einen eigenen Tonfall. Chapeau auch an Terence H. White für diese kongeniale Übertragung eines uralten Stoffes für ein modernes Publikum, das er aber nicht unterfordert, sondern mit all dem konfrontiert, das auch schon vor einem halben Jahrtausend zur Artuslegende gehörte.

Ein mit so viel Verve vorgetragener Klassiker gehört gehört!

Der König auf Camelot, Teil 1: Das Schwert im Stein
von T. H. White
Ungekürzte Lesung von Jochen Malmsheimer
6 CDs, ca. 479 Minuten
ISBN 3936186596

Freitag, 7. Februar 2014

Buchverfilmungschallenge. Die Brautprinzessin/ Die Braut des Prinzen




Inhalt
In »Die Brautprinzessin« verliebt sich die wunderschöne Butterblume in den Stalljungen Westley, der seinerseits unsterblich in sie verliebt ist. Als Westley von einer Reise nicht zurückkehrt, ist Butterblumes Herz gebrochen und sie verlobt sich mit dem jagdwütigen, rüpelhaften Prinz Humperdinck. Als sie vor der Hochzeit entführt wird, beginnt ein verzwicktes Abenteuer, in dem Politik, Liebe und Rache die Fäden ziehen.




Buch

The Princess Bride Jahrelang hatte der Untertitel S. Morgensterns klassische Erzählung von wahrer Liebe und edlen Abenteuern meine Fantasie beflügelt, bevor ich dieses Buch in unserer Unibib (im englischen Original) fand und mitnahm.
Zugegeben, ich war ein bisschen traurig, dass mir nur die gekürzte Version zur Verfügung stand. Erst später wurde mir klar, dass es nur diese eine gibt.
William Goldman, der durch sein Drehbuch zu Butch Cassidy und Sundance Kid (fantastischer Film im Übrigen) bekannt wurde, fingiert in diesem Roman in guter barocker Tradition mehrere Zwischenebenen. Eine davon ist die Herkunft der Geschichte um Butterblume und Westley: S. Morgenstern habe ursprünglich diese Satire der europäischen Hofkultur verfasst, Goldman habe nur eine gekürzte Fassung editiert.
Eine weitere Ebene bilden zahlreiche Kommentare Goldmans, die die Geschichte unterbrechen und auf herausgestrichene Parts des Originals verweisen.
Dann ist da noch die Rahmengeschichte, in der Goldman berichtet, wie er als Zehnjähriger auf die Geschichte reagiert hat, als er sie zum ersten Mal hörte. Auch dieser Teil zieht sich durch das ganze Buch.

Vor dem allem findet man außerdem ein Kapitel, wie Goldman seinem Sohn zum zehnten Geburtstag S. Morgensterns Geschichte schenkt, der aber keinen Sinn für das Buch hat (Goldman hat nicht wirklich einen Sohn, sondern zwei Töchter, die hoffentlich nichts mit dem im Buch beschriebenen Jungen gemein haben).

The Princess Bride ist ein komplexer Roman, der mich häufig überrascht und auch überrumpelt hat. Ich hatte mit einem Kinderbuch gerechnet und fand die Geschichte folglich irritierend erwachsen.
Die Wendungen der Handlung kommen unvermutet, werden aber stets von Goldman, dem Herausgeber und Bearbeiter, kommentiert und erläutert, meist in der Art: "Ihr glaubt jetzt sicher, dass ... geschieht. Tut es aber nicht.". So, wie manche Fußnoten als störend empfinden, wird auch dieses Vorgehen nicht jedermanns Sache sein.
Es braucht ein gewisses Genie, um Leser mit ihren Erwartungen derart an der Nase herumzuführen. So präzise und effektiv wie bei Goldman habe ich das noch nicht erlebt.

Durch die verschiedenen Ebenen und den ungewöhnlichen Plot war ich umso gespannter auf die Verfilmung.

Film

Mir war klar, dass bei der Verfilmung einiges an barocker Vielfalt flöten gehen würde, und tatsächlich wurde Goldman als Figur fast komplett gestrichen. Der Film beginnt mit einem kranken Zehnjährigen, dessen Großvater (Columbodarsteller Peter Falk) ihm S. Morgenstern klassische Geschichte vorliest. Der Großteil des Films spielt aber in der Fantasiewelt Morgensterns/Goldmans.

Ich weiß, dass er auch im deutschen Sprachraum einige große Fans hat, aber der Film konnte mich nicht ganz überzeugen. An den Sets und dem Equipment sieht man deutlich, dass das Budget nicht hoch gewesen sein kann, und das hat mich gestört. Ich konnte nicht in der Geschichte versinken (um dann, wie Goldman es geschafft hatte, bei den Unterbrechungen wütend aufzustampfen), sondern sah ständig, dass es "nur ein Film" und "nur gespielt" ist. Als ironisches Element, das auf Mantel-und Degen-Filme anspielen soll, hat das bei mir seine Wirkung verfehlt.
Auch waren die Dialoge teils hölzern. Im Englischen kamen die Witze viel besser raus (das gilt für Buch und Film).
Doch nachdem die Cliffs on Insanity erst mal passiert waren, hat der Film deutlich an Fahrt aufgenommen und ab da auch wesentlich mehr Spaß gemacht.
Außerdem muss man schon sagen, dass einige Dinge einfach lustiger sind, wenn man sie sieht. Westley-Darsteller Cary Elwes spielt wirklich schön pathetisch übertrieben und hat komisches Talent, das man ja einige Jahre später in Mel Brooks' Robin Hood noch mal zu sehen bekam. Robin Wright wirkt in ihrer ersten großen Rolle noch etwas unbeholfen.

Die Braut des Prinzen (The Princess Bride)
USA 1987

Komödie
Regie: Rob Reiner
Laufzeit 98 Minuten
FSK 6

Montag, 3. Februar 2014

Kleine Naturkunde (3). Ein Juwel im Topf

Regen! Mein Spaziergang muss leider ausfallen. Doch zum Glück hat gerade eine meiner Topfpflanzen Blüten getrieben.
Auf geht die Suche nach der Identität dieser Schönheit. Ich weiß nur, es ist eine Art Orchidee, aber das ist ein weites Feld, wie Papa Briest so schön sagte.

Die Blüten kommen alle Jubeljahre mal raus, aber meistens im Winter. Dann sind sie ganz klein und seltsam geformt und an einem Stängel, der extrem lang wird; ich meine, der dazugehörige Blumentopf misst bloß wenige Zentimeter im Durchmesser, der Stängel ist ungefähr 4-5 mal so lang!

Duften tut die Fremde nicht besonders. Bei den kleinen Blüten hat man ja beim riechen Angst, eine zu inhalieren. Das ganze Pflänzchen macht einen zerbrechlichen Eindruck, hat in der Zeit bei mir aber bewiesen, dass es gut einstecken kann.

Am besten finde ich aber die Blätter: Wenn man sie ab und zu vom Staub befreit, schimmern sie wie Seide und sind auch ganz weich.

Zur Bestimmung habe ich mich durch diverse Orchideenliebhabersites und Bildersuchen gehangelt.
Am Ende fand ich dies: Ludisia Discolor, eine Juwelorchidee.
Ludisia discolor findet sich vom Süden Chinas südwärts über ganz Hinterindien in Höhenlagen bis 1300 Meter. Sie wächst im Schatten immergrüner Wälder an gut mit Wasser versorgten Stellen.
Ui, das klingt idyllisch. Klar, meine ist nur gezüchtet, aber die Vorstellung ist schon schön.
Der Name heißt Zweifarbiger Tänzer, zweifarbig wegen der Blätter und Tänzer wegen der verdrehten Blüten, nehme ich an. Meine ist eine Triplicata, die man an den drei Streifen auf jedem Blatt erkennt.


Samstag, 1. Februar 2014

Begleittext Februar. Trick 17 mit Selbstüberlistung

Rückblick


Ein Monat wenig lesen ist vorbei und ich habe es kaum bemerkt. Unweigerlich hat sich die gewonnene Zeit mit anderem gefüllt. Ich wollte ja unter anderem aus dem Schreiben eine Gewohnheit machen und war – leider nur universitär, aber immerhin – täglich in unserer Unibib und habe getippt. Und mir dabei mal wieder 'ne Sehnenscheidenentzündung geholt. So ein Mist, ich brauche einen Sekretär, ich tauge offensichtlich nicht zum Tippen!

Meine Lektürestunden habe ich viel intensiver erlebt – vielleicht, weil ich wusste, dass meine Buchzahl begrenzt sind. Aber dank dicker Bücher und Unistress hatte ich keine Durststrecke.
Mit Das entschwundene Land (Rezi) hatte ich einen viel versprechenden Jahresauftakt, der von Mrs. Dalloway (Rezi) einerseits gedämpft (weil schwer zu lesen) und andererseits befeuert (weil doch interessant) wurde. Band eins von Die Tribute von Panem (Rezi kommt noch) habe ich in wenigen Tagen verschlungen; einziger Nachteil war, dass ich dafür die Lektüre von Verlockung unterbrechen musste. Das heißt schon was, wenn man trotz sechs Exemplaren von Tödliche Spiele praktisch vor der Bibliothek campieren muss, um eines abzubekommen. Darum habe ich zugeschlagen, sobald es ging, und das war mitten in Verlockung.
Auch Hörbücher sind nicht zu kurz gekommen: Die Morde in der Rue Morgue, Die Pilgerjahre des farblosen Herrn Tazaki und Das Schwert im Stein haben mir gute Gesellschaft geleistet, mir beim aufstehen und einschlafen geholfen und mich zum lachen (und, ja, auch zum weinen) gebracht. Ich bin aber total unschlüssig, ob eine gekürzte Lesung im Radio als Hörbuch gilt, und die Rue Morgue Geschichte ist ja eher eine Episode... Ab wann zählt ihr so was?


1485 malory thomas le morte darthur-imageAusblick


Da ich Verlockung noch nicht ausgelesen habe, möchte ich mit dem nächsten Random Read noch warten. Stattdessen nehme ich endlich mal meinen ersten offiziellen Nobelpreisträger in Angriff: Gerhart Hauptmanns Der Biberpelz. Klein aber fein, wie man so sagt.

Nachdem ich mit beängstigender Begeisterung die dritte Staffel Sherlock geschaut habe, ist es außerdem mal wieder Zeit für ein bisschen Sherlock Holmes. Als nächstes erwartet mich The Hound of the Baskervilles.
Schon Mitte Januar ist mein Hörbuch zu Patrick Rothfuss' Die Furcht des Weisen 2 angekommen, länger will ich darauf auf keinen Fall warten. Außerdem geht es weiter mit Der König auf Camelot. Der kurze zweite Teil Die Königin von Luft und Dunkelheit ist geplant. Zu guter Letzt habe ich beschlossen, an einer größeren Leserunde in einer meiner Goodreadsgruppen mitzumachen: Im Februar und März werde ich endlich einmal Thomas Malorys Le morte d'Arthur lesen!