Mittwoch, 31. Dezember 2014

Shout-out 12/14

Shout-out für Blogger
Platz für Lob: Besondere Posts
Die letzten Links des Jahres. Es sind nur wenige, da ich wieder und gerade im Advent viel zu tun hatte und sich jede Menge verpasst habe!

Danke an die Blogger, die sich auch im Dezember  Zeit für ihre Leser genommen haben. 
Dieser Shout-out ist mein persönliches Notabene, das weder repräsentativ noch objektiv sein soll. Es kann sich gerne jeder anschließen, der auch Danke sagen will (Logo kann verwendet werden).



SuBKultur. Ein Jahr in Büchern

Diesmal gehts ums Ganze: Nicht nur ein weiteres Vierteljahr ist vorbei, sondern gleich 2014 selbst.

SuBKultur Logo

29 neue Bücher (insgesamt 62; oje)
Vom SuB gelesen: 14 (insgesamt 44)
abgegeben insgesamt 51 Bücher
Aktueller SuB: 160 Bücher

Das bedeutet Stillstand verglichen mit Ende September, aber 33 Bücher weniger als zu Beginn des Jahres.

Neuentdeckungen: Zusammen 52 neue Autoren. Leider überwiegend Männer. Darauf möchte ich im nächsten Jahr besser achten, denn meine Lieblingsbücher in diesem Jahr sind oft von Frauen geschrieben worden,

Aktionen/Ereignisse Oktober-Dezember


 Stand der Challenges

ABC-Challenge
25/26 Bücher
Buchverfilmungschallenge
5/12 Bücher
Anti-Age dem SuB
25/30 Lose

ABC-Challenge: So gerne wäre ich noch dieses Jahr fertig geworden; Nur noch Alexis Sorbas fehlt. 
Buchverfilmungschallenge: Über Sieben Jahre in Tibet hätte ich noch schreiben können. Hab ich aber nicht. Noch nicht.
Anti-Age dem SuB 3: So weit, so gut ;) Aber anstrengend ist das schon.

Wunschchallenge - sparen pro Buch
Und zu guter Letzt: Die Sparchallenge. Meine Prognose, über 200€ zusammen zu bekommen, hat sich bewahrheitet. Was mach ich nur jetzt mit den 232€? Ich schaue mich vielleicht mal (mehr oder weniger) unauffällig bei den anderen Teilnehmern um. Vielleicht Rückenschule, von dem ganzen Lesen bin ich schon krumm ;)

Samstag, 27. Dezember 2014

BuchSaiten Blogparade und meine Highlights des Jahres

So, nach den Festivitäten habe ich mal eine kleine Rückschau auf mein Lesejahr gehalten. Wie das halt so ist am Jahresende, nur halt rein auf der literarischen Schiene. Rein ins Getümmel:

Blogparade Jahresrückblick 2014

Dieses Jahr mache ich zum ersten Mal mit bei der Blogparade von BuchSaiten! Jedes Jahr stellt Katrin 5 Fragen zum vergangenen Lesejahr:

Welches war das Buch in diesem Jahr, von dem ich mir wenig versprochen habe, das mich dann aber positiv überrascht hat? 

Verlockung habe ich zu Beginn des Jahres als Zufallsbuch aus meinem Regal gezogen. Es war ziemlich dick und sehr exotisch: Ein mir unbekannter ungarischer Autor beschreibt das Leben eines Bastardkindes in Budapest zur Zeit vor dem Zweiten Weltkrieg. Aber dann war das Buch so flott zu lesen und so interessant, dass ich mir sogar ein weiteres Buch des Autors gekauft habe.

Welches war das Buch in diesem Jahr, von dem ich mir viel versprochen habe, das mich dann aber negativ überrascht hat? 

Da gab es leider mehrere, aber die größte Fallhöhe zwischen Erwartung und Erlebnis hatte ich vielleicht mit Die Saat des goldenen Löwen, die zweite Hälfte des zweiten Bandes von Das Lied von Eis und Feuer. Elendig lange Kriegsszenen ohne Verve und wenig Neues gab es da. Auch gingen mir die sexistischen Bemerkungen langsam echt auf den Keks. Manches musste einfach nicht sein. Hoffentlich wird das im nächsten Teil wieder.

Welches war eure persönliche Autoren-Neuentdeckung in diesem Jahr und warum?

Da ich Kurzgeschichten für mich entdeckt habe, nenne ich hier mal Katherine Mansfield und Alice Munro. Allerdings habe ich über 50 neue Autoren gelesen und gehört, da fällt die Auswahl schon schwer. Von Alice Munro habe ich Himmel und Hölle zu Weihnachten bekommen und bin sehr gespannt :)

Welches war euer Lieblings-Cover in diesem Jahr und warum?

Puuh, nur eins? Dieses Jahr bin ich direkt drei außergewöhnlich toll gestalteten Büchern begegnet. Da kann ich mich nicht entscheiden, die sind nämlich jedes für sich auf andere Weise speziell, und zwar nicht nur das jeweilige Cover.
Wilde Reise durch die NachtEinmal Wilde Reise durch die Nacht von Walter Moers, weil er die wunderbaren Kupferstiche von Gustave Doré als Grundlage für eine furiose Geschichte gewählt hat. Allein die Bilder sind schon toll.
The Selected Works of T.S. SpivetAls zweites ein Buch, das mich inhaltlich bei weitem nicht so begeistern konnte wie gestalterisch: Die Karte meiner Träume. Normalerweise würde ich das Buch wegtauschen oder verschenken, aber dieses hier ist einfach zu schön zum weggeben.
HorrorstörUnd zuletzt noch Horrorstör von Grady Hedrix, das den Preis für die ungewöhnlichste Gestaltng verdient hat. Ein IKEA-artiges Setting beschert diesem Horrortrip eine Aufmachung wie ein IKEA-Katalog, inklusive Schrift und eigens designten Möbeln, die immer düsterer werden, je weiter die Geschichte voranschreitet.

Welches Buch wollt ihr unbedingt in 2015 lesen und warum?

    Ich warte freudig auf einige Fortsetzungen: Der dritte Teil der Passage-Trilogie kommt im Oktober raus, vielleicht sieht man auch Doors of Stone, der dritte Teil der Königsmörderchronik, endlich im Buchladen, und ich möchte die MaddAddams-Trilogie von Margaret Atwood weiterlesen. Allgemein bin ich sonst dazu entschlossen, mich vor allem an die Bücher in meinem Regal zu halten.

    *     *     *     *     *

    Zum Abschluss des Lesejahres habe ich auch noch meine schönsten Leseerlebnisse noch mal zusammengestellt. Mit Risiko für Wiederholungen hier also Bücher und Hörbücher, die ich gerne weiter empfehle:

    Top Bücher 2014

    The Talented Mr. Ripley (Ripley, #1)Stolz und VorurteilTschickLiebes LebenWilde Reise durch die Nacht
    The talented Mr. Ripley: Durch die genaue psychologische Beobachtng, die Schauer über den Rücken jagt und gleichzeitig fesselt.
    Stolz und Vorurteil: Durch den unverkennbaren Austen-Humor.
    Tschick: Jihaa für die seltene Kombination deutsch + lustig + tiefgründig
    Liebes Leben: Meine Liebe zu Kurzgeschichten (siehe Top Hörbücher) hat sich hier bestätigt
    Wilde Reise durch die Nacht: Endlich mal ein Moers, wo alles passt! Und die "Erzählen nach Bildern"-Technik kenne ich aus Kindertagen von mir selbst.

    Der Besuch des Leibarztes (Brigitte-Edition, #1)Von Autoren, Büchern und Piraten: Kleine Geschichte der BuchkulturJulie von den Wölfen (Julie von den Wölfen, #1)Ausser KursOryx und Crake (MaddAddam, #1)
    Der Besuch des Leibarztes: Hat mich nach dem Lesen noch lange beschäftigt, eigentlich immer noch. Ein Roman über den verrückten dänischen König Christian, seine englische Frau und nicht zuletzt den Aufklärer Struensee, der zum Lenker des Staates wird. Großartig geschrieben.
    Von Autoren, Büchern & Piraten: Ideal für Papierliebende und Bücherwürmer.
    Julie von den Wölfen: Durch seine große Liebe zur Natur
    Außer Kurs: Eine mitreißende, exotische Reisebeschreibung.
    Oryx und Crake: Literarische Science Fiction, Daumen hoch!

    Top Hörbücher 2014

    Die SchatzinselIch will die Dinge auf die Spitze treiben!Der GolemDie TriffidsGrüne Tomaten
    Die Schatzinsel: Einmalig durch Harry Rowohlts Geknarze und durch ein ungewöhnliches Intermezzo
    Ich will die Dinge auf die Spitze treiben!: Hierdurch habe ich meine Liebe zu Kurzgeschichten entdeckt!
    Der Golem: Ein mystisches, düsteres Verwirrstück, gelesen von meiner Lieblingsstimme David Nathan.
    Die Triffids: Eine alte Hörspielversion habe ich bei Gelegenheit bei der Onleihe entliehen. Die alten Science Fiction Hörspiele haben schon was für sich!
    Grüne Tomaten: Perfekt durch Regina Lemnitz, die auch die Hauptfigur im Film gesprochen hat. Ein Wohlfühlbuch.

    So, und nun bleibt mir nur noch, euch allen einen guten Start ins frische Jahr zu wünschen! Mögen eure Vorsätze halten und ihr mit jedem Tag euren Wünschen und Hoffnungen einen Schritt näher kommen :D
    Ich poste zwar am 31. noch meinen Shout-out und den üblichen SuBKultur-Post, aber das läuft automatisch; ich selbst bin dann offline. Macht's jut und man sieht sich!

    Dienstag, 23. Dezember 2014

    Daniel Kehlmann: Die Vermessung der Welt

    Die Vermessung der Welt

    Darum geht's

    Mit hintergründigem Humor schildert Daniel Kehlmann das Leben zweier Genies: Alexander von Humboldt und Carl Friedrich Gauß. Er beschreibt ihre Sehnsüchte und Schwächen, ihre Gratwanderung zwischen Lächerlichkeit und Größe, Scheitern und Erfolg. Ein philosophischer Abenteuerroman von seltener Phantasie, Kraft und Brillanz. (Klappentext)

    *   *   *   *   *

    Ich berufe mich mal ausnahmsweise auf den Klappentext. Bei den eigenen Lieblingsbüchern fällt es mir am schwersten, kurz etwas zum Inhalt zu sagen, ohne auszuschweifen.

    Die Vermessung der Welt war das erste Buch, das ich für die Uni gelesen habe, und jetzt wird es das letzte sein, weil meine Magisterarbeit davon handelt.

    Es hat mein Interesse für das Zeitalter der Aufklärung und der Klassik geweckt. Es hat mir gezeigt, nachdem mir in der Schule der Eindruck vermittelt wurde, dass Leute wie Goethe und Schiller so etwas wie Götter gewesen seien, dass auch Genies Menschen sind.
    Humboldts älterer Bruder sprach über die Vorteile des Blankverses, Wieland nickte aufmerksam, auf dem Sofa saß Schiller und gähnte verstohlen.
     Oft wird in Buchvorstellungen von Die Vermessung der Welt über die lustigen Schilderungen deutscher Exzentrizität gesprochen oder einfach über den schon im Klappentext zitierten Humor. Natürlich stimmt das, an einigen Stellen ist das Buch brüllend komisch.
    Ich denke aber, dass das Buch noch mehr kann: Es ist auch eine verschlungene Meditation über die Angst vor dem Leben selbst, über Vergänglichkeit und die Bedeutung des Menschen in der Welt.

    In den späten Kapiteln, wenn Gauß und Humboldt den körperlichen und geistigen Verfall zu spüren bekommen, wechselt denn auch der Erzählton. Die Genies sind Relikte ihrer Zeit, die Wissenschaft hat sich weiterentwickelt. Es gibt also auch melancholische Töne.

    Da dies mein wohl liebster deutscher Roman ist, musste ich ihn endlich mal vorstellen. Ich habe ihn nun zum siebten Mal gelesen. Jedes Mal habe ich Neues entdeckt. Ich kann Die Vermessung der Welt nur empfehlen.

    *   *   *   *   *

    Buch auf Leseliste setzenKehlmann, Daniel. Die Vermessung der Welt: Roman
    Reinbek bei Hamburg: Rowohlt Taschenbuch Verlag, 2008
    ISBN: 9783499241000

    Sonntag, 21. Dezember 2014

    Vorweihnachtslesewochen. Vierter Advent

    Jetzt habe ich fast mein Update zu Arianas Vorweihnachtslesewochen verpasst!

    Es ist unglaublich, dass ich für jeden sein Geschenk fertig habe, nur die Plätzchen fehlen. Die wollte ich heute backen, aber ich habe es doch auf morgen verschoben.


    Mit meinen Büchern ging es diese Woche nicht wirklich weiter, dafür habe ich fleißig an meiner Magisterarbeit gesessen.
    Ich konnte vorgestern immerhin mit Seide und Schwert beginnen und wünschte, ich hätte es damals direkt gelesen, als ich es bekam. Ist es nicht schade, wenn man merkt, dass man einfach zu spät dran ist mit einem Buch? Der Schreibstil ist mir einfach zu ausführlich: Das Buch ist für ein jüngeres Publikum geschrieben, darum habe ich zu viel Puffer zum Grübeln während dem Lesen und da die Handlung, glaube ich, nicht allzu komplex wird, ahne ich schon den Rest des Romans voraus. Hoffentlich liege ich falsch!



    Leider habe ich mich dieses Wochenende ein wenig durch meine Musiksammlung ablenken lassen, die habe ich nämlich endlich mal anständig getaggt. Mein Freund und ich haben unsere digitalisierte Musik zusammengelegt und es war ein wenig chaotisch. Jetzt sieht es schon deutlich besser aus!

    Ich werde die Feiertage über unterwegs sein und Freunde und Familie besuchen. Was habt ihr für Pläne?

    Nachwort

    Durch die Vorweihnachtslesewochen habe ich tatsächlich mal meinen Kram halbwegs rechtzeitig gemeistert. Und Spaß hatte ich auch! Daher möchte ich mich auch noch mal hier ganz offiziell bei Ariana bedanken, dass sie Advent, Advent veranstaltet hat!
    Und weil ich noch so viele unbeantwortete Weihnachtsgrüße in den Kommentaren habe, wünsche ich hiermit allen zusammen ebenfalls eine frohe Weihnacht! Genießt die Feiertage und lasst den Alltag ein paar Tage ruhen. Der kommt auch ohne euch klar :)

    Ich statte Familie und Freunden einen Besuch ab und bin praktisch bis Silvester unterwegs. Darum auch schon mal einen guten Rutsch, bowohl ich bestimmt noch den ein oder anderen Post in den Äther entlasse ;)

    Donnerstag, 18. Dezember 2014

    Die Karte meiner Träume (Film)

    3. Buchverfilmungschallenge
    Nach langer Zeit habe ich endlich Die Karte meiner Träume sehen können. Im Sommer habe ich ja im zweiten Anlauf und ohne große Begeisterung den Roman gelesen (im Original The selected works of T.S. Spivet). Meine Erwartungen an den Film waren vor allem, dass die Illustrationen eine Rolle spielen würden und dass an dem Plot einige Dinge verändert würden. Das ist zwar ungewöhnlich, hofft man doch normalerweise auf eine möglichst getreue Umsetzung eines Romans. Doch da das Buch für mich aus bestimmten Gründen nicht funktioniert hatte, hoffte ich an diesen Stellen auf Verbesserungen im Film.

    Und bingo! Einige der nervigsten Details wurden so verändert, dass ich damit leben konnte. Zwar ist die Geschichte immer noch sehr unglaubwürdig, aber in den Einzelteilen und insgesamt trotzdem realistischer. Eine Details wurden ganz gestrichen, psychische Vorgänge hervorgehoben und dadurch die ganze Handlung besser nachvollziehbar.
    Das ist es wohl, was den Film für mich realistischer machte, den die Prämisse – 10-jähriger bekommt Bairdpreis – wurde noch abgedrehter dadurch, dass T.S. nicht etwa eine beeindruckende Zeichnung eingereicht hat wie im Buch, sondern dass er nichts Geringeres als ein Perpetuum Mobile erfunden hat.

    Schon von Anfang an sind mir die extrem satten Farben und die leicht kitschig-harmonische Filmmusik aufgefallen – ein bisschen zu viel der Harmonie für mich, aber ich muss sagen, dass es mich bei den tollen Landschaftsbildern nicht sehr gestört hat. Nach Die wunderbare Welt der Amélie sollte es auch nicht zu sehr verwundern, wie Jeunet den Film gemacht hat.
    Trotz vieler trauriger Momente – im Film hat man viel deutlicher ein Bild davon, was an T.S. nagt – ist Die Karte meiner Träume ein Feel Good Movie; alle Besucher kamen mit strahlenden Gesichtern aus dem Kinosaal. Und ich kann mich da nicht ganz ausschließen.

    Die Karte meiner Träume hat mich positiv überrascht. Der Film hat einige Schwächen, war aber andererseits auch erfrischend anders (zum Beispiel Helena Bonham Carter in einer ganz und gar ungruseligen Rolle als traumatisierte, sich in ihre Arbeit flüchtende Mutter fand ich wirklich schön) und hat vor allem das Herz am rechten Fleck. Ich bin kurz gesagt nicht begeistert, aber vollkommen zufrieden.

    Montag, 15. Dezember 2014

    Margaret Atwood: Oryx und Crake

    Darum geht's

    Schneemensch scheint der letzte Überlebende seiner Art zu sein: Nur einige genmanipulierte Menschen führen ein Leben am Strand, das ihm fremd ist. In Rückblenden auf sein Leben vor der Katastrophe, als er noch Jimmy hieß, erfahren wir immer mehr über eine Menschheit am Rande eines Abgrunds, die sich in einer gar nicht allzu fernen Zukunft in abgeschlossenen Komplexen vor Infizierungen und den extremen Wetterverhältnissen "draußen" schützt und die dem Wort "Nutztier" das letzte Quäntchen Moral entzogen hat. Hat sich die Menschheit am Ende selbst ausgelöscht?

    *   *   *   *   *

    Die Sache ist: Bei diesem Roman ist es besser, mit wenig Vorwissen zu beginnen. So wenig wie möglich. Darum will ich nicht mehr über die Geschichte verraten. Es sollte genügen, dass es sich hierbei um eine düstere Zukunftsvision handelt und um einen Robinson Crusoe, der nie mehr nach Hause finden wird, weil dieses Zuhause der Vergangenheit angehört.

    Die Titelgeber Oryx und Crake sind die zwei wichtigsten Menschen in Jimmys Leben und gleichzeitig zwei unlösbare Rätsel. Wer sie genau sind und was sie taten, wird nie ganz geklärt, da alles aus Jimmys Sicht erzählt wird. So liest man zwar viel über die geheimnisvolle Oryx und den genialen Crake, aber man lernt doch nur immer mehr über Jimmy. Jimmy ist hiermit offiziell die traurigste Figur meines Lesejahres. Dieser arme, dumme Junge. Man weiß gar nicht, wo anfangen.

    Abgesehen von diesen Hauptfiguren bleibt der Rest dieser Zukunftsvision immer irgendwie schemenhaft unüberschaubar. Die Globalisierung ist dort noch weiter fortgeschritten, man wird ständig mit Bildern aus aller Welt gefüttert, während man doch gar nicht genau  weiß, was echt ist und was gespielt. Und wer sind die sogenannten Gottesgärtner, die sich gegen Genexperimente auflehnen und für ihre Proteste verfolgt und ausgelöscht werden?

    Am Ende von Oryx und Crake hatte ich wirklich das Gefühl, dort gewesen zu sein, in dieser kranken Welt, deren Vorgänge man so wenig versteht, aber doch begreift, dass die Menschheit komplett aus dem Ruder gelaufen ist. Nach dem klassischen Verständnis von Menschlichkeit war diese schon vor der Katastrophe im Buch ausgelöscht, durch moralischen Verfall. Das war unheimlich, und unheimlich gut. Es ist selten, dass ein Buch so klug, spannend und flott zu lesen ist. Ich bin sehr gespannt, welche Geschichte mich im zweiten Teil, Das Jahr der Flut, erwartet.

    Für wen ist das Buch?

    Das ist die realistischste Dystopie, die ich je gelesen habe, und sie ist sehr düster. Stockfinster. Kein Schimmer von ehrenwerten Helden, die sich opfern und Menschlichkeit beweisen. Die Welt in Oryx und Crake ist eine offene Wunde. Gerade deshalb fand ich den Roman großartig.

    Buch auf Leseliste setzenMargaret Atwood: Oryx und Crake. Berlin Verlag 2003.
    ISBN: 9783827000149

    Sonntag, 14. Dezember 2014

    Vorweihnachtslesewochen. Dritter Advent

    Guten Morgen zusammen! Es ist mal wieder Zeit für ein Update zu Arianas Vorweihnachtslesewochen.

    Diese Woche wollte ich ein Geschenk für meine liebe, Horror-freudige Oma finden. Neben einer Vorliebe für Stephen King geht sie auch sehr gerne ins Kino, aber nicht allein. Wir sind früher oft gemeinsam gegangen (nach Walk the Line hat sie eine Stunde von Petticoats und Tanzabenden geschwärmt) und darum werde ich ihr einen Kinobesuch schenken. Jetzt muss ich nur noch einen entsprechenden Gutschein basteln.

    Ich habe außerdem ein Wichtelgeschenk zur Post gebracht (ein Buchaustausch mit einer Irin über Goodreads) und schon mal das Geschenk für meine Ma schenkfertig gemacht. Das Verpacken finde ich immer am tollsten!

    Gelesen habe ich unter der Woche recht viel: Ich konnte Oryx und Crake nicht aus der Hand legen und habe die letzten hundert Seiten in der viel zu lauten, unbequemen Mensa meiner Uni gelesen, obwohl ich in der Bibliothek meine Magisterarbeit hätte schreiben sollen (die Buchvorstellung geht morgen online).

    Mit Sieben Jahre in Tibet bin ich auch fertig, dass nach dem Eintreffen Harrers in Lhasa wesentlich interessanter wird. Vorher lässt er ein bisschen den Abenteurer raushängen (so was wie "wir waren wohl die Ersten, die sich beim Abstieg dieses Passes über das Skilaufen unterhielten" -- oh wie spannend, du bist ja ein Held, Harrer). Danach bekommt man viel mehr über die tibetische Lebensweise mit. Jetzt wüsste ich natürlich gerne mehr über Tibet heute.
    Ein plötzlicher Todesfall habe ich ebenfalls zu Ende gehört und bin weder von den Socken noch enttäuscht. Ich kannte Rowlings Talente und ihre Schwächen, also wusste ich ja ungefähr, was mich erwartete. Meine Eindrücke kann man hier lesen.
    Der Marsianer, der ja erst letzte Woche zur Pärchenlektüre erhoben wurde, ist bis jetzt gut, wenn auch nicht spitze. Uns fehlt ein bisschen die Zeit und manchmal sind wir abends zu platt zum Lesen und schauen lieber einen Film (diese Woche Liberace und Transcendence, was für eine Mischung), darum haben wir noch einiges von dem Buch vor uns.

    So, jetzt aber genug geplauscht! Heute möchte ich erst mal in Ruhe frühstücken. Dann braucht meine Magisterarbeit leider Aufmerksamkeit, zwischendurch nehme ich mir aber mal eine Stunde zum Lesen frei. Ich melde mich dann heute abend wieder, diesmal hoffentlich früher als letzte Woche, und wünsche allen bis dahin einen schönen Adventssonntag!

    Update ~22:00 Uhr

    Heute war ein wunderschöner Adventstag für mich: Nachdem ich 80 Seiten Material für meine Magisterarbeit gelesen hatte, haben wir uns warm eingepackt und sind in unsere Lieblingsstudentenbar zum Essen gegangen. Die haben da ein Büchertauschregal, das so kurz vor Weihnachten komplett überläuft vor ausgesetzten Büchern, und so bin ich auch noch zu vier Neuzugängen gekommen: Kassandra von Christa Wolf (eine Autorin, die ich immer noch nicht gelesen habe und das mal nachholen möchte), 2666 von Roberto Bolaño (der Wälzer ist zwar etwas abschreckend, aber ich liebe Herausforderungen), Das Liebesleben der Hyäne von Charles Bukowski (dessen Gedichte ich auf ihre ehrliche Art großartig fand) und Flatscreen von Adam Wilson (keine Ahnung was das ist, aber das wunderbare Hardcover des Metrolit-Verlags hat sehr zu meiner Entscheidung beigetragen).
    Dieses Update wollte ich um 20 Uhr posten, habe mich dann aber hoffnungslos mit meinem Freund verquatscht, sodass ich wieder spät dran bin...

    Ah, noch der Plan für nächste Woche: Abgesehen davon, dass ich mal ein paar Seiten Text für die Arbeit produzieren sollte, fehlt mir noch ein (weiteres) Geschenk für meinen Freund. Ich habe mehrere Ideen und muss mich nur noch für eine entscheiden. Außerdem möchte ich für die Schwiegereltern Orangensirup herstellen. Und die Kinokarte basteln. Und die Plätzchenrezepte für die letzten Tage vor Weihnachten raussuchen. ... So langsam spüre ich doch ein wenig Weihnachtsstress.

    Allen einen erfolgreichen und weihnachtlichen Wochenstart!

    Dienstag, 9. Dezember 2014

    Audrey Niffenegger: Die Frau des Zeitreisenden

    Die Frau des ZeitreisendenClare ist Kunststudentin und eine Botticelli-Schönheit, Henry ein verwegener und lebenshungriger Bibliothekar. Clare fällt aus allen Himmeln, jedes Mal aufs Neue, wenn Henry vor ihr steht. Denn Henry ist ein Zeitreisender, ohne jede Ankündigung verstellt sich seine innere Uhr. Plötzlich und unerwartet stürzt er los, nie ist sicher, aus welcher Zeit er kommt und in welcher Zeit er bei Clare landet, aber immer ist sicher, dass er wieder bei ihr landet. Als sie sich das erste Mal begegnen, ist Clare sechs und Henry 36, aber in Wahrheit ist Henry nur acht Jahre älter als sie und schon lange mit ihr verheiratet. Absurdes wird zur Normalität. Seine Zeitreisen sind das brennende Geheimnis, das Henry und Clare mit jeder Trennung noch inniger vereint. (Klappentext)
    *   *   *   *   *

    Auch diesmal habe ich den Klappentext verwendet statt einer eigenen Inhaltsangabe. Botticelli-Schönheit und verwegener Bibliothekar? Wie konnte ich diese Klischees übersehen?

    Ich hatte hier offensichtlich etwas ganz anderes erwartet und den Klappentext vollkommen außer Acht gelassen. Ich lese sie nicht immer, weil Klappentexte nach meiner Erfahrung selten die Atmosphäre eines Buches beschreiben können und mir also bei meiner Leseentscheidung nicht weiter helfen. Tja, hier hätte sich ein Blick definitiv gelohnt...

    Wobei ich dem Genre auch gerne ab und zu mal eine Chance gebe. Gut, ich stoße dabei immer wieder an meine Grenzen. Aber Zeitreisen? Sollte das nicht wenigstens einen Hauch Action versprechen? Heldenhafte Abenteuer? Szenen in anderen Jahrhunderten?

    Stattdessen wird Zeitreisen hier als Krankheit dargestellt, die die beiden Liebenden auseinander treibt und bekämpft werden muss. Als Doctor Who Fan kann ich da nur den Kopf schütteln. Aber mal Spaß beiseite: Jeder kleinste Fitzel an SciFi-Ideen wird hier für eine nicht gerade außergewöhnliche Liebesgeschichte missbraucht.

    Clare ist dabei nur eine Art Alibi, eine schmachtende damsel in distress, die den lieben langen Tag nur auf ihren Henry, den eigentlichen Held, wartet. Der Titel des Buches ist also ein wenig irreführend, da Clare eigentlich nichts tut. Sie schmachtet. So wie Bella nach ihrem Edward im zweiten Biss-Buch. 

    Und die Zeitreisen: Sie reichen scheinbar nicht über Clares Lebensspanne hinaus. Wie lahm ist das denn? Die unwillkürlichen Zeitreisen führen Henry nur an Orte, die er bereits kennt (anscheinend, wobei dafür aber nie eine Erklärung geliefert wird) und es wird allgemein sehr wenig darüber gesagt. Jedenfalls scheint er nie in andere Jahrhunderte zu gelangen.

    Ich mochte den Gedanken einer Liebesgeschichte mit einem guten Schuss Zeitreise, so wie vielleicht die Edelstein-Trilogie von Kerstin Gier. Die hat zwar auch ihre Macken und trieft vor Geschlechterklischees, aber es hat so viel Spaß gemacht, sie zu lesen. Niffenegger hat sich so sehr um eine Beschreibung der Beziehung zwischen Henry und Clare bemüht und wie sehr sich die beiden lieben, dass alles andere viel zu kurz kam. Ich bin super enttäuscht.

    Für wen ist das Buch?

    Ich kenne viele Fans dieses Romans, daher nehme ich an, dass Liebhaber von Romanzen damit goldrichtig liegen, weil er scheinbar neue Elemente einbaut. Aber sorry, ich kann ihn nicht allen Ernstes weiter empfehlen.

    Buch auf Leseliste setzen Audrey Niffenegger: Die Frau des Zeitreisenden
    Fischer Taschenbuch-Verlag, 2007.

    Samstag, 6. Dezember 2014

    Vorweihnachtslesewochen. Nikolaus & Zweiter Advent

    Frohen Nikolaustag, Leute! Ich hoffe, ihr habt den Tag gut begonnen. Bei uns wurde ordentlich ausgeschlafen und dann gab es ganz klassisch unsere WeihnachtsCD zu hören und ein Frühstück mit Brötchen und Kaffee.

    Eine Woche vom Advent und damit von Arianas Vorweihnachtslesewochen ist bereits vorbei. Letztes Wochenende war sicher das faulste des Jahres: Nicht mal ein Update zu schreiben habe ich hinbekommen. Geschweige denn Kommentare bei anderen Teilnehmern zu hinterlassen. Das wenigstens habe ich ein wenig nachgeholt. Sonst habe ich den Sonntag mit Oryx und Crake und der dritten Staffel Castle verbracht.

    Ich hatte mir ja vorgenommen, auf den Weihnachtsmarkt zu gehen und ein Geschenk für meinen Bruder zu finden. Auf dem Markt war ich ...aber ein Geschenk habe ich nicht gefunden. Allerdings ist mir gerade beim Schreiben die Idee gekommen... Mein Bruder will Pilot werden und steht auf Süßes. Wenn ich ein Flugzeug aus Lebkuchen hinbekäme... Das wäre schon lustig.
    Beweisfoto aus sicherer Entfernung :)
    Im Bücherregal hat sich bei mir einiges getan diese Woche: Einige neue Bücher kamen an, mein Freund hat drei Bücher gekauft (war ganz allein seine Idee!), die wir gemeinsam lesen wollen, und natürlich habe ich gelesen.
    Ein Weihnachstgeschenk für Walter war ganz süß, vor allem die Illustrationen haben es mir angetan. Über Miss Pomeroy wüsste ich gerne noch mehr, man wittert eine traurige Lebens- und Liebesgeschichte im Hintergrund.
    Dann habe ich Oryx und Crake weiter gelesen, mit Sieben Jahre in Tibet angefangen und Ein plötzlicher Todesfall als Hörbuch ausgeliehen. Das ist bei mir meistens so: Kaum habe ich mal kein Buch auf dem Nachttisch, beginne ich mehrere kurz hintereinander.
    Von den neuen Büchern mussten wir auch direkt eins "ausprobieren": Der Marsianer von Andy Weir ist es geworden. Zu meiner Verteidigung: Das beginnt kurz vor Thanksgiving.
    Jetzt muss ich leider erst mal was für die Uni machen, werde aber den Abend gemütlich mit Tee, Schnittchen und Büchern verbringen, wenn alles klappt. Ich melde mich dann also am Abend wieder!

    Update 22:00

    So, ich habe Plätzchen gebacken, mir selbst was Leckeres gekocht und 50 Seiten von Oryx und Crake gelesen. Jetzt lese ich noch ein bisschen in Sieben Jahre in Tibet weiter und gehe ins Bett. Gute Nacht!

    Update Sonntag 11:00

    Morgen! Nach dem Frühstück (unspektakulär, aber mit Kaffee) mache ich jetzt ein bisschen was für die Uni und begebe mich später in meinen Lesestuhl. Jetzt aber drehe ich erst mal eine Blogrunde. Bis später!

    Update 23:00

    Das ist später geworden als gedacht. Ich war baden, habe in Oryx und Crake gelesen (das mich immer tiefer in seinen Bann zieht), mein Freund ist wieder daheim und ich habe ihm weiter aus Der Marsianer vorgelesen. Zeit für einen Plan für nächste Woche: Ein Geschenk für meine Oma ist diesmal dran. Da sie gerne Stephen King und alles Gruselige liest, schaue ich natürlich nach einem Buch; aber vielleicht fällt mir ja auch noch etwas Ausgefalleneres ein... 

    Ich merke, dass ich dank Ariana dieses Jahr halbwegs organisiert und entspannt Weihnachten entgegen gehe! Wahnsinn. Danke, Ariana!

    Donnerstag, 4. Dezember 2014

    Ankündigung: Weltenbummler-Challenge 2015

    Die Wörterkatze veranstaltet im nächsten Jahr wieder ihre Weltenbummler-Challenge, bei der man sich via Buch in fremde Länder einschifft und so möglichst viele verschiedene Orte besucht.


    Pro gelesenem Buch (es zählen auch Rereads, ungekürzte Hörbücher und eBooks) gibt es Punkte. Wie viele hängt vom Handlungsort und eurem bisherigen Besuchestand ab. Hier die Regeln: 
    • Bereist werden kann jedes Land der Erde (auch Deutschland)
    • Für jeden “ersten” Besuch eines Landes gibt es 5 Punkte
    • Sonderfall Deutschland für den “ersten” Besuch gibt es 3 Punkte
    • Für jeden weiteren Besuch eines Landes gibt es 3 Punkte, für Deutschland 1 Punkt
    • Für jedes 10. bereiste Land gibt es 10 Punkte extra, für jeden 15. Besuch des selben Landes gibt es ebenfalls 10 Punkte extra
    • Für den Besuch aller Kontinente (Nord-Mittel-Amerika, Südamerika, Afrika, Europa, Asien, Australien/Pazifik) mit jeweils 2 Ländern gibt es 30 Punkte extra
    • Werden 10 Länder mindestens zweimal besucht gibt es 20 Punkte extra.
    • Es gibt keine Bonusländer
    • Fantasyländer zählen nicht, bei Dystopien zählt nur das Land, wenn es eindeutig ist, wo die Vision spielt
    • Kurzgeschichten zählen nicht einzeln, aber ein kompletter Kurzgeschichtenband wird gezählt
    • Es zählt der Handlungsort des Buches und nicht der Autor wichtig
    • Bei mehrfach bereisten Ländern in einem Buch, zählt das Land in dem das Buch anteilsmäßig am häufigsten spielt
    • Großbritannien zählt als ein Land, egal, ob Wales, Nordirland, Schottland oder England der Handlungsort ist.
    • Die Antarktis wird zu Australien/Pazifik gezählt
    • Eine Weltkarte zum Eintragen eurer besuchten Länder findet ihr bei Douwe Osinga. Die Ländereinteilung dort ist maßgeblich für die Punkte der Kontinente.
    • Es besteht keine Rezensionspflicht für die gelesenen Bücher. Da vertraue ich euch!
    • Eventuell gibt es am Ende der Challenge einen kleinen Gewinn für den besten Weltenbummler!
    Man kann sich noch bis zum 04. Januar 2015 mit einem Kommentar im Ankündigungspost anmelden, in dem man seine Challengeseite angibt. Also fleißig anmelden :)

    Mit Schrecken habe ich festgestellt, dass mein Bücherregal gar nicht soo viele Handlungsorte hergibt. Mal sehen, wie ich dieses Problem löse, da mein Hauptziel im nächsten Jahr nun wirklich endlich mal der SuB-Abbau ist. Trotzdem konnte ich nicht widerstehen bei der Weltenbummler-Challenge ;-)

    Dienstag, 2. Dezember 2014

    Schotty is back!

    Seit einigen Jahren kommen immer mehr gut geschriebene Serien mit ungewöhnlichen Charakteren zu uns, meistens aus den USA oder der UK, man denke nur an Breaking Bad oder Sherlock. Was wäre, wenn wir selbst auch so eine Serie abseits des Üblichen hätten?
    Tja, haben wir, nur leider hat Der Tatortreiniger auch nach zwei brillianten Staffeln immer noch nicht die kritische Fanmasse erreicht. Höchste Zeit, dass sich das ändert. Also, darum geht's:

    Heiko Schotte (Bjarne Mädel), genannt Schotty, ist Tatortreiniger. Als solcher ist er dafür verantwortlich, Spuren von (Selbst-)Morden zu beseitigen und so die betroffenen Räume wieder bewohnbar zu machen. Mit großer Nonchalance geht er seinem ungewöhnlichen Beruf nach und trifft dabei auf die verschiedensten Menschen: Auf Hinterbliebene, Nachbarn, Feinde des oder der Verstorbenen. So entspinnen sich die skurrilsten Situationen und Gespräche, wodurch nicht nur große Komik entsteht, sondern auch schwierige Fragen zum Thema werden (Wie ist es möglich, als Vegetarier mit einem Fleischesser leben? war beispielsweise Thema der letzten Folge).


    Die NDR-Produktion hat schon mehrere Preise abgeräumt und das völlig zu recht; etwas ähnliches findet man in der deutschen Fernsehlandschaft nicht. Umso unverständlicher, dass der NDR scheinbar die eigene Serie durch späte Sendezeiten und mangelnde Werbung boykottiert. Deshalb mache ich hier jetzt Werbung für diese geniale kleine Serie.
    Die neuen 30-minütigen Folgen laufen ab morgen Abend, 22:00 Uhr, im NDR (Sendezeiten und Info zur Serie). Jede Folge bildet eine eigene Einheit, es gibt also keine Ausreden :) Man kann jederzeit einsteigen oder mal reinschnuppern.

    Montag, 1. Dezember 2014

    Begleittext Dezember

    Banner Begleittext

    Bücherleben

    Ich bekomme die Uni mal wieder zu spüren und konnte nicht mehr so viel lesen wie noch im Oktober. Mein persönlicher Lesetiefpunkt des Jahres wurde mit Macunaíma erreicht, ein brasilianischer Klassiker, dem ich drüben bei booklikes einen Miniverriss widmen musste. Danach kann es nur noch bergauf gehen. Was eine gute Nachricht ist :D

    Kommende Rezensionen

    Audrey Niffenegger: Die Frau des Zeitreisenden
    Daniel Kehlmann: Die Vermessung der Welt
    Patrick Rothfuss: The Slow Regard of Silent Things
    Film – Die Karte meiner Träume
    Top Ten Bücher 2014 

    Dezemberpläne

    Bereits am Wochende haben die Adventlesewochen, organisiert von Ariana, angefangen und ich habe mich voll und ganz Oryx und Crake gewidmet und bei Kerzenschein ein wenig Postapokalypse geschnuppert. Nicht sehr weihnachtlich, ich weiß. Aber Ein Geschenk für Walter wollte ich nicht mit diesem düsteren Buch gleichzeitig lesen. Das kommt dann noch.

    Anti-Age dem SuB: Sieben Jahre in Tibet ist meine weihnachtliche Glücksfee. An den Film kann ich mich kaum erinnern und bin sehr gespannt. Immerhin wird es in dem Buch an Schnee nicht mangeln.

    Bonusaufgabe: folgt


    Für das 101 Fantasy Books-Projekt will ich wieder eins meiner ältesten SuB-Bücher lesen: Seide und Schwert von Kai Meyer. Oryx und Crake steht auch auf meiner Liste und ich habe es ja auch schon angefangen.




    Beiträge im November

    Immer logger bleiben
    Begleittext November
    Naturkunde 19. Anton, der Fliegenpilz
    Susanna Clarke: Die Damen von Grace Adieu
    Anti-Age dem SuB nach 3 Monaten
    Patrick Modiano: Der Horizont
    Tough Traveling 4. Berühmte Waffen
    Ankündigung Vorweihnachtslesewochen
    Fannie Flagg: Grüne Tomaten (und Film)
    Jean Craighead George: Julie von den Wölfen
    John Griesemer: Rausch
    Ella Maillart: Außer Kurs
    Vorweihnachtslesewochen
    Shout-out 11/2014
    Lama-Gif von Jakuto

    Sonntag, 30. November 2014

    Shout-out 11/14

    Shout-out für Blogger
    Platz für Lob: Besondere Posts
    Und wieder meine gesammelten Links des Monats.

    Das ist mein Danke an die Blogger, durch die deren Rezensionen Wunschlisten magisch wachsen, durch deren HowTo-Posts man weniger verloren ist oder die einfach einen ehrlichen Kommentar schreiben und die Dinge beim Namen nennen.
    Auf meiner Liste landet aber auch der ein oder andere Non-Blog-Artikel, den ich weiterempfehlen möchte.
    Dieser Shout-out ist mein persönliches Notabene, das weder repräsentativ noch objektiv sein soll. Es kann sich gerne jeder anschließen, der auch anderen Bloggern Danke sagen will (Logo kann verwendet werden).



    Vorweihnachtslesewochen. Vom Advent eingeholt

    Allen einen geruhsamen ersten Advent! Wie angekündigt, mache ich bei Arianas Vorweihnachtslesewochen mit.

    Gestern haben Bär und ich eine kranke Freundin besucht, darum konnte ich gestern nichts posten.
    Meine Bücherauswahl für den Advent hat sich etwas geändert, denn ein weihnachtliches Buch hat doch noch in meinem Regal Einzug gehalten: Ein Weihnachtsgechenk für Walter von Barbara Wersba:
    Walter ist eine echte Leseratte. Kein Wunder, dass er sich nach Sir Walter Scott benannt hat! Er lebt bei Miss Pomeroy, einer alten Dame, die Kinderbücher schreibt und eine herrliche Bibliothek besitzt. Dort macht Walter eines Tages eine erschütternde Entdeckung: Der Held in Miss Pomeroys Kinderbüchern ist ausgerechnet eine Maus! Als kultivierte Ratte ist Walter zutiefst gekränkt und beschließt, Miss Pomeroy einen Brief zu schreiben...
    Ich freue mich schon auf dieses superniedlich illustrierte kleine Buch! Es ist eigentlich ein Geschenk für jemanden, darum werde ich es ganz vorsichtig lesen.

    Sonst möchte ich heute mit Oryx und Crake beginnen, das ja in den letzten Monaten häufig auf Blogs vorgestellt wurde. Dazu habe ich wie jedes Jahr einen selbst gebauten Adventskranz in Aktion.

    In der kommenden Woche möchte ich mal schaffen, frühzeitig zum Weihnachtsmarkt zu kommen. Dann ist noch nicht alles voll mit Touristen, was in Trier immer schnell zu dichtem Gedrängel wird, und man kann sich in Ruhe umsehen und eine Waffel essen oder etwas anderes Weihnachtliches. Punsch ist nicht so mein Fall, der fällt aus.
    Sonst möchte ich noch ein Geschenk für meinen Bruder finden. Das ist immer etwas schwierig, weil wir so sehr verschieden sind. Am besten ist in solchen Fällen immer, entweder direkt zu fragen, was derjenige sich wünscht (finde ich aber doof), oder sich mit anderen Familienmitgliedern zusammen zu tun.

    Und was macht ihr so dieses Wochenende und in der nächsten Woche? Gemütlich einkuscheln oder doch lieber ein bisschen raus?

    Donnerstag, 27. November 2014

    Ella Maillart: Außer Kurs

    Ella Maillart

    Darum geht's

    Ihre ungewöhnlichen und abenteuerlichen Reisen führten die Schweizerin Ella Maillart immer wieder in die unzugänglichsten Regionen der Welt zu Pferd und Kamel von Peking der Seidenstraße folgend (Verbotene Reise) oder nach Turkestan, entlang der sowjetisch-chinesischen Grenze (Turkestan Solo). In Außer Kurs erzählt Ella Maillart von ihrer 1930 unternommenen Reise nach Moskau und in die unendlichen Weiten Russlands. Sie beschreibt die gefährliche Route durch das Kaukasusgebirge bis zum Schwarzen Meer, berichtet von ihren Begegnungen und Erlebnissen mit den vielen Menschen, die sie auf den Straßen Moskaus und in abgelegenen Tälern kennenlernt und lässt den Leser teilhaben an der Begeisterung, mit der sie dieses faszinierende Land erlebt.
    *   *   *   *   *
    Wir schreiben das Jahr 1930: Eine junge Frau packt ihren Rucksack. Sie reist 'in eine ganz andere Welt', nämlich nach Russland und später auch in den Kaukasus.
    Noch gehe ich etwas Abstraktem entgegen und ich bin gespannt, was mich in Russland, das mit der sozialistischen Gesellschaft das kühnste Experiment der Neuzeit wagt, erwartet. Vor allem bin ich gespannt auf die jungen Menschen, die Zwanzigjährigen, die die alte Welt nicht mehr gekannt haben und für die der neue Staat aufgebaut wird.
    Maillarts Faszination für dieses Experiment spürt man auf jeder Seite, solange sie in Moskau ist. Die Armut der Russen springt ihr zwar ständig in's Auge, doch gibt sie ihre Erlebnisse ohne viel zu analysieren wieder:
    Breite Plätze. Enge Straßen. Wenige Läden, und diese verstaubt. Keine Plakatsäulen. Häuser mit abgesplittertem Verputz und schmutzigen, oft gesprungenen Scheiben. Man möchte am liebsten alles mit frischer Farbe anmalen. [...] Keine Reklame in der Straßenbahn, wie auch die Mauern der Stadt weder Seife noch Aperitif anpreisen.
    Maillart interessierte sich eher dafür, ob die Menschen so glücklich sind und wie sie ihren Alltag bewältigen. Und davon muss sie, bis auf ein paar Nebenbemerkungen zur sozialistischen Ideologie, begeistert gewesen sein.
    Ich war selber ganz gefesselt von ihren Beschreibungen, die ja für mich obendrein eine Zeitreise waren. Und ihre Faszination hat sich teils übertragen. Dieser überkritische Ton, den wir alle inzwischen gewöhnt sind, mal loszusein und einfach die Freude eines anderen fast kritiklos zu teilen, war wie Urlaub.

    Nach einigen Monaten in Moskau bricht Maillart mit einer Reisegruppe in den Kaukasus auf. Sie überqueren das Gebirge größtenteils zu Fuß – die Bewohner des Kaukasus waren 1930 praktisch von der Außenwelt abgeschnitten. Mich hat am meisten fasziniert, dass ihre Karren nicht einmal Räder hatten, denn diese Erfindung war dort damals noch nicht angekommen! Dementsprechend eigenartig waren die dort ansässigen Swanen mit ihren eigenen Riten.

    Ich war gefangen von diesem lebhaften Reisebericht. Mit jedem Satz war ich direkt im Geschehen und das Alter merkt man dem Buch wenigstens vom Schreibstil kaum an. Einige Ausdrucksweisen und Ansichten sind etwas angestaubt, aber Ella Maillart war eine äußerst aufgeschlossene, weltoffene Frau und schreckte scheinbar vor nichts zurück. Ich stelle es mir ungeheuer abenteuerlich vor, im Jahr 1930 als Frau allein im Osten unterwegs zu sein. Maillart hat viele lange Reisen in die entlegensten Zipfel der Erde unternommen und war ihrerzeit eine wohl berühmte Reiseschriftstellerin, sodass ich jetzt nicht nur von ihrem Bericht, sondern gleich auch von ihr selbst fasziniert bin.

    Als wäre das alles nicht schon toll genug, enthält der Band auch noch viele Schwarzweißfotos von ihrer Reise, deren Motive teils im Text beschrieben sind. Bei bebilderten Texten habe ich es oft erlebt, dass beide als getrennte Einheiten behandelt wurden und nur in losem Zusammenhang standen. Hier aber wird öfters von der Entstehung eines Motivs erzählt, sodass man Szenen in den Bildern wiedererkennt.

    Ein tolles Buch, das da viel zu lange in meinem Regal Staub gefangen hat. Ich war am Ende genauso traurig wie Ella, wieder in den Westen zurück zu kehren.

    Für wen ist das Buch?

    Wer mit dem Begriff Fernweh etwas anfangen kann, kann hier getrost zugreifen!
    Buch auf Leseliste setzen
    Ella Maillart: Ausser Kurs. Die Reise einer mutigen Frau in die unendlichen Weiten Russlands. München: Heyne, 1993.

    Das Buch erschien auch unter dem Titel Auf kühner Reise – Von Moskau in den Kaukasus bei Lenos Pocket, 2006.

    Gerade entdeckt: Eine kleine Website über Ella Maillart.

    Montag, 24. November 2014

    John Griesemer: Rausch

    Rausch

    Darum geht's

    Griesemer erzählt aus verschiedenen Perspektiven von den großen Mühen der Verlegung des ersten Transatlantikkabels. Er folgt dem jungen Zeichner Jack Trace, dem Ingenieur Chester Ludlow und seiner schwermütigen Frau Franny, dem leichten Mädchen Maddy und den Lindts. Ihrer aller Schicksal ist eng verschlungen.

    *   *   *   *   *

    Die Verlegung des Transatlantikkabels war ein echter Kraftakt: Ständig mussten den Sponsoren neue Gelder abgezwackt werden, weil immer wieder etwas schief ging: Katastrophale Stapelläufe, gebrochene und unbrauchbare Kabel. Und obendrein bricht der Amerikanische Bürgerkrieg aus.

    Inmitten der Wirren schildert John Griesemer die nicht minder bewegten Leben seiner Protagonisten. Der englische Titel Signal and Noise bringt zum Ausdruck, wie ihre Leben durch die historischen Ereignisse, sozusagen das Signal, verändert werden, als würden sie aus der vorgezeichneten Bahn geworfen. Keiner von ihnen führt ein erfülltes, sondern eher ein überfülltes Leben.

    Mir hat das Lesen dieses Romans Spaß gemacht, auch wenn ich ihn ein wenig überladen fand und einige Charaktere einfach zu unausgegoren. Auch Rausch ist ein guter Titel, wird die Story doch immer opulenter. So viel passiert, dass es für mehrere Bücher gereicht hätte. Aber irgendwie passte auch das in ein Zeitalter, in dem man das Gefühl hatte, bald das letzte Rätsel gelöst zu haben. Im Klappentext heißt es sogar: "Wir schreiben das Jahr 1857, und die Welt windet sich in den Geburtswehen der Moderne."
    Fortschritt ist auch ein wiederkehrendes Motiv in Rausch, das aber immer kontrastiert mit dem eingesetzten Bühnenzauber und dem 'Totenkult'. Kommunikation spielt nicht nur in Form des Kabels eine Rolle, sondern auch in dem wiederkehrenden Wunsch, mit dem Jenseits Kontakt aufnehmen zu können. Einige Medien reisen durch das Land und Griesemer lässt den Leser entscheiden, ob es Signale aus dem Jenseits gibt oder nicht.

    In jedem Fall ein spannendes Stück Geschichte, von dem hier erzählt wird. Ich würde gerne mehr solche Romane lesen, die unsere Wissenschaftsgeschichte, Entdeckungen und Erfindungen erzählen. Aber vielleicht mit weniger Drama. (Dieses Buch würde dagegen eine spannende Serie abgeben.)

    Für wen ist das Buch?

    Wer historische Romane mag und mal abseits der Mittelaltersagas lesen will, findet hier einen Schmöker für neblige Herbsttage.

    Buch auf Leseliste setzenGriesemer, John. Rausch. Hamburg: Mare, 2003.
    ISBN: 9783936384864

    Donnerstag, 20. November 2014

    Jean Craighead George: Julie von den Wölfen

    Julie von den Wölfen
    Dieses Kinderbuch habe ich für Birthes kleine Abstaub-Reread-Challenge wieder hervor gekramt.

    Miyax, die ihre Kindheit bei dem altmodischen Vater verbracht hat, kommt als Zehnjährige zum ersten Mal in Kontakt mit modernen Inuitsiedlungen. Dort nennt man sie Julie und verheiratet sie mit dem scheinbar geistig behinderten Daniel.

    Als der, von seinen Mitschülern angestachelt, ihr Gewalt antun will, flieht sie in die Weiten der Tundra. Halb verhungert trifft sie auf ein Wolfrudel und lernt die Körpersprache der Wölfe in der Hoffnung, so etwas Essbares abzubekommen. Ihr Ziel ist San Francisco, wo ihre Brieffreundin Amy wohnt und auf sie wartet.

    Doch je länger Miyax in der Wildnis lebt wie ihre Vorfahren und von den Wölfen akzeptiert wird, desto klarer wird ihr, dass die Welt der Bleichgesichter nichts für sie ist.

    Durch die einfachen, aber poetischen Bildern wird auch dem Leser immer deutlicher, dass es diese ursprüngliche Natur zu schützen gilt, nicht aus rationalen Überlegungen, sondern um ihrer Schönheit Willen und aus Respekt vor dem Leben.

    Wie aus dem verlorenen, zurückhaltenden und leicht quengeligen Mädchen Julie langsam die junge Frau Miyax wird, ist glaubhaft geschildert, ihr Weg zu sich selbst ist schmerzhaft und lehrreich und wunderschön zu lesen.

    Autorin Jean Craighead George hat als Forscherin lange das Verhalten von Wolfrudeln beobachtet und kam so auf die Idee zu dem Roman. Das ganze lange erste Kapitel beschreibt, wie Miyax langsam Eingang in das Wolfrudel findet, erst danach erfährt man als Leser, wieso dieses Mädchen alles hinter sich gelassen hat. Dabei lernt man auch einiges über die Inuit.

    Während mir besagtes erstes Kapitel ein wenig lang vorkam, war der Rest einfach so toll, dass ich am Ende ganz begeistert war. Ein tolles Kinderbuch für jedes Alter!

    *     *     *     *     *

    Buch auf Leseliste setzenGeorge, Jean Craighead: Julie von den Wölfen.
    Dt. Taschenbuch-Verl, 2000. Erstveröffentlichung 1972.
    ISBN: 3-423-07351-9