Dienstag, 17. Dezember 2013

Rezension.High Fidelity oder Warum Männerromane besser sind

Als ich dieses Jahr Schokolade zum Frühstück las, war ich leicht entsetzt. Das sollte also der legendäre Frauenroman sein? Ein ungebildetes Weib lernt über ein Jahr verteilt nichts, außer, dass man manchmal nicht will, was man braucht, es aber dann netterweise dennoch bekommt.

High Fidelity.Als perfektes Kontrastprogramm nun also High Fidelity von Nick Hornby, der Romane für Männer schreibt (die dann für ein weibliches Publikum zurecht gestutzt verfilmt werden. Aber davon ein andermal).

Laura hat Rob verlassen, und Rob kommt nicht so gut damit klar, wie er es gerne hätte.
Sein Hauptproblem: Er will sich nicht festlegen lassen, sich "Chancen freilassen", obwohl er sie, wie Laura richtig erkennt, genau dadurch verstellt.

Am Anfang demonstriert der noch 35-jährige Rob, wie sehr er Laura nicht vermisst, indem er die 5 schlimmsten Schlussmachaktionen in seinem Leben auflistet und Laura ist nicht darunter. Man ist begeistert von dieser unglaublich erwachsenen Schlagfertigkeit - dem Leser ist sofort klar, was Sache ist.
Rob ist ein Miesepeter, der sich in seinem Leben unwohl fühlt, aber nicht recht weiß, warum. Sein Plattenladen und die zwei 'Soziallegastheniker' von Mitarbeitern, seine Eltern, seine Wohnung: Nichts ist ihm gut genug, aber er tut auch nichts dagegen.
Als Rob entdeckt, wer Lauras Neuer ist, beginnt er, langsam aber sicher durchzudrehen. Jetzt erst merkt er, dass ihm Laura etwas bedeutet, dass sie sich zwar auf unangenehme Weise weiterentwickelt hat (im Gegensatz zu Rob, der immer und ewig derselbe bleibt), das ihn aber nicht davon abhält, sie weiterhin zu brauchen, zu begehren, zu lieben (auch wenn ihm auch hier nicht genau klar zu sein scheint, wieso).

Der Roman ist aus Robs Perspektive geschrieben und an eine größere unbekannte Leserschaft gerichtet (so wie zum Beispiel Die neuen Leiden des jungen W. von Ulrich Plentzdorf, eine Erzählform, die ich sehr mag, aber nur vom männlichen Autoren kenne).
Was Rob denkt, kriegt man ungeschminkt vorgesetzt. Das ist sehr oft lustig und immer unterhaltsam, denn so lernt man Rob in Reinform, in seiner pubertären Art, kennen: Wer würde nicht lieber schmollen, als ein Problem anzugehen und die eigene Mitschuld einzugestehen? Aber die erste, unverstellte Reaktion ist das Schmollen.
Im Gegensatz zu Schokolade zum Frühstück, das manchmal nur peinlich und anstrengend war und wo der Humor meist an mir vorbeiging, konnte ich hier über alle und mit allen Figuren lachen.

Rob: Wie kannst du Art Garfunkel und Solomon Burke mögen? Das ist, als würdest du sagen, dass du die Israelis und die Palästinenser unterstützt.
Laura: Weil Art Garfunkel und Solomon Burke Pop-Musik machen.

Es gab aber auch eher nachdenkliche Stellen, die trotzdem nicht schwermütig waren.

Ich meine nur, dass ich sie nicht seit ewig kenne, was also mache ich in ihrem Bett? Es gibt doch gewiss einen besseren, sichereren, freundlicheren Ort für mich als hier? Aber ich weiß, dass es den nicht gibt, im Augenblick nicht, und das ängstigt mich zu Tode.
(ein wahrhaft lichter Augenblick im Leben des Rob Fleming)

Mir ist alles klar, wenn es erst mal passiert ist - was Vergangenheit angeht, bin ich richtig gut. Es ist die Gegenwart, die ich nicht verstehen kann.

Wenn das widerspiegelt, was Männer so im Allgemeinen denken (beziehungsweise wie sie denken), dann würde ich gerne mal wie Mel Gibson in Was Frauen wollen Mäuschen spielen.

Ein sehr ehrliches Buch, das außerdem sehr lustig ist. Es gibt einige sehr britische Anspielungen auf Schauspieler, die man hierzulande nicht kennt, aber das muss man auch nicht - der Kontext gibt einem immer klar zu verstehen, was hier gemeint war. Außerdem haben die Übersetzer einen kleinen erklärenden Anhang hinzugefügt.

Nick Hornby, der mich in der Schule mal mit Fever Pitch gequält und fasziniert hat (eine Kombination, die äußerst selten ist), hat einen unverwechselbaren Erzählton, sein Stil ist flüssig wie man es selten sieht. Ich finde auch faszinierend, wie man so gut unterhalten werden kann ohne das Gefühl zu bekommen, ein Buch für das reine Vergnügen in Händen zu halten. Also eine einzigartige Mischung aus U und E vielleicht, auch wenn es deutlich mehr U ist. Aber auf diese Unterscheidung legt gerade Hornby gar keinen Wert. Ich wünschte, das könnten wir in Deutschland zum Grundsatz machen. Gute Literatur kann auch Spaß machen.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen