Dienstag, 10. Dezember 2013

Buchverfilmungschallenge: Das letzte Einhorn. Buch & Film

Das letzte Einhorn lebt allein im Wald in Frieden mit sich und der Welt. Doch ein Gespräch unter Jägern raubt ihm den Seelenfrieden: Die zwei unterhalten sich darüber, ob es überhaupt noch Einhörner gibt, nicht ahnend, dass eines von ihnen sie hören kann. So fragt sich das Einhorn selbst, ob seinen Artgenossen etwas zugestoßen ist, denn es erträgt den Gedanken nicht, das letzte seiner Art zu sein. Es macht sich auf deie Suche nach den anderen Einhörnern und findet dabei die Hilfe eines Zauberers, der nicht zu seiner Magie finden kann, einer Frau, die schon längst verblüht zu sein scheint und eines Prinzen, den man erst zum Leben erwecken muss.

Peter S. Beagle ist mit Das letzte Einhorn ohne Frage eine außergewöhnliche Geschichte gelungen, die einem gleichzeitig fremd und vertraut erscheint. Die Sprache ist sehr ausgewählt und lyrisch mit Wendungen, die tatsächlich originell und überraschend sind, ohne erzwungen zu erscheinen.

Doch nicht nur die Sprache hat mich - inzwischen zum zweiten Mal - fasziniert und begeistert, auch Handlung und Figuren sind absolute Originale, kein Klischée stört hier und jede Figur hat ihre eigenen Geheimnisse und Gedanken. Auch ist niemand nur gut oder nur böse.

Vielleicht kennt man hierzulande eher den Film als das Buch, und auch ich bin mit den weihnachtlichen Ausstrahlungen im Fernsehen aufgewachsen. Aber während der Film dem Buch in den Details unglaublich nahe treu bleibt, verliert das 'große Ganze' dabei. Einzelne Einstellungen ergeben erst tieferen Sinn, wenn man die dazugehörigen Textstellen kennt. Die Charaktere im Film sind auch schwieriger nachvollziehbar ohne das Buch. Alles Erklärende fällt einfach weg. Zum Beispiel werden wortlose Reaktionen der Figuren zwar übernommen, aber nicht erklärt, was dabei in ihren Köpfen vorgeht. Ich denke, eine gute Verfilmung nimmt nicht nur das im Buch visuell schon Bestehende und lässt es für die Leinwand Wirklichkeit werden. Eine gute Literaturverfilmung muss auch einen Weg finden, das nicht Darzustellbare zu vermitteln und erläuternde Passagen des Textes (so zum Beispiel Gedanken der Figuren, Beschreibungen) geschickt einzuweben oder durch etwas zu ersetzen, das denselben Effekt hat, also dasselbe Verständnis beim Zuschauer erweckt wie es das Lesen des Textes täte. Ein grundlegender Teil dessen ist die Stimmung des Textes. Aus einem spannenden Roman einen nicht  spannenden Film zu machen würde den Film schon zum Scheitern verurteilen.
In Das letzte Einhorn ist die Grundstimmung eine von poetischer Sehnsucht. Kein Charakter ist vollends glücklich, sie tragen alle eine Schwere in sich. Im Film geht das ein wenig verloren, aber nicht ganz. Ich versuche, den Film als Kunstwerk ernstzunehmen und nicht als Kinderfilm abzustempeln. Die verstörenden Teile der Geschichte werden immerhin nicht ausgespart, auch bin ich erstaunt, wie viele Szenen nicht rausgekürzt wurden. Was komplett fehlt ist die Begegnung mit dem Menschen, die in unmittelbarer Nähe von Haggards Schloss in Hagsgate wohnen. Aber diese egoistischen Menschen finde ich selbst als Erwachsene sehr schwer nachvollziehbar. Auch denke ich hätten sich dadurch Längen in den Film geschlichen. Ich kann vollkommen verstehen, warum man das gestrichen hat. Wo mir die Kürzungen am schmerzlichsten auffallen ist bei Schmendrick. Im Film bleibt sein Schicksal etwas obskur, man erfährt nicht, was mit seiner Magie ist und warum er so jung aussieht und sich so alt verhält.

Besonders an dem Film ist meiner Meinung nach vor allem der tolle Soundtrack. Jimmy Webb hat prägnante und passende Musik für die Geschichte gefunden und America sind genau die richtige Wahl für die Songs. Ihre Akkorde sind immer voll Schatten und Licht, genau wie Das letzte Einhorn selbst.
Mit Alan Arkin, Christopher Lee, Jeff Bridges, Mia Farrow und Angela Lansbury kann sich der Cast auch sehen lassen.

Obwohl ich mit dem Film aufgewachsen bin und das Buch erst als Teen gelesen habe, werde ich immer dem Buch als Kunstwerk den Vorzug geben. Allein die Sprache ist das Lesen wirklich wert.

Die Übersetzung von Jürgen Schweier ist hier und da schon etwas angestaubt. Wenn die Blätter "gülden" fallen und das Einhorn von niemandem erblickt "ward", dann klingt das schon etwas sehr antiquiert, wenn auch eine poetische Sprache angebracht ist. Und wem es nicht gefällt, dass ein Einhorn hier mit "das" bezeichnet wird, dem empfehle ich das englische Original; dort hat man es mit einer "she" zu tun.
Die Verfilmung ist fester Bestandteil meiner DVD-Sammlung, also muss ich wohl nicht erklären, dass ich auch ihn mag. Und der Soundtrack ist einsame Spitze.

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