Freitag, 22. November 2013

Rezension. World War Z (Hörbuch)

Zombiekrieg! Und ein überlebender Beamter reist im Auftrag seiner Behörde um die Welt und sammelt Eindrücke von anderen Überlebenden, um herauszufinden was überhaupt genau passiert ist.

Was mich gerettet hat, war, dass ich hier zum Hörbuch gegriffen habe (danke, Onleihe!). Mein Eindruck war, dass hier einiges hätte kürzer gefasst werden können. Allerdings wuchs dieses Gefühl erst, nachdem ich mehrfach ziemlich US-amerikanischen Kram anhören musste. Egal in welches Land man kommt, die Interviewten spiegeln eindeutig die US-Perspektive des Autors wider. Das war auf Dauer auf nervige Weise lahm. Von einem erwachsenen Schriftsteller erwarte ich etwas mehr Vielfalt, gerade wenn Russen, Japaner, Chinesen, Deutsche und US-Bürger als Figuren ihre Sicht auf den "Z-Krieg" schildern.
World War Z: Operation ZombieHellhörig wurde ich, als eine Figur (Amerikaner) mit der Stimme von David Nathan sagte: "Amerika ist besonders anfällig für Kriegsmüdigkeit." Nun war ich selbst nie in den USA und weiß, dass das weder für ein so großes Volk komplett stimmen wie falsch sein kann, aber gerade diese Pauschalität machte mich aufmerksam. Das konnte natürlich einen Charakterzug des Interviewten anzeigen. Doch mit der Zeit wurde mir klar, dass hier leider einfach jemand (Hint: Der Autor) mit Scheuklappen durch die Welt geht.
Alle Helden des Krieges sind US-Amerikaner (also, die unzweifelhaften Helden, die sozusagen alles auf's Spiel setzen, um andere zu retten), die Bösewichte finden sich besonders gerne unter Russen und Chinesen.
Außerdem hätte es nicht geschadet, sich ein wenig zu informieren, bevor man Wörter in anderen Sprachen erfindet: Im Japanischen gibt es keine "si"-Silbe, trotzdem nennen die Japaner Zombies "siafu", was auch immer das heißen soll. Wenn überhaupt würden sie "shiafu" sagen. Und der hier geschilderte Alltag eines "Otaku" geht eher in Richtung "Hikikomori". Ja, ich bin ein Haarspalter. Aber vor allem habe ich überhaupt keine Freude an Patriotismus und Engstirnigkeit, die sich in vielen Geschichten zu Hollywood-würdigen Szenen verdichtet. (Vielleicht hat man deshalb den Untertitel "Wer länger lebt, ist später tot" dazu erfunden, um das Ganze als satirische Zombie-Action zu verkaufen? Allerdings hat es dieser 'Untertitel' nicht mal auf's Cover geschafft ...)

Die beiden Sprecher des Hörbuchs empfinde ich als sehr unterschiedlich, jeder beide auf ihre Weise gut. Joachim Körber ist mir zunächst etwas unangenehm aufgefallen, allerdings nur, weil ich ihn zur Zeit ständig als Saul Goodman in Breaking Bad zu hören bekomme und das einfach ein ganz anderer Typ ist. Körber spricht im Brustton der Überzeugung eines amerikanischen Offiziellen mit Armee-Erfahrung, und zwar derart übertrieben, dass ich hier ein bisschen Ironie zu erkennen hoffe. Seine leicht quäkende Stimme verstärkt diesen Eindruck noch.
David Nathan, der hier an die 50 Charaktere beiderlei Geschlechts spricht, ist fantastisch. Zugegeben hat mich das ganz am Anfang irritiert, aber mit der Zeit wurde es meine Hauptfreude, Nathan zu Höchstleistungen auflaufen zu hören, wenn er zum Beispiel ziemlich am Ende einen äußerst energischen Franzosen mimt, der außerdem noch am Essen ist. Gran-di-os! Auch die Frauenrollen spielt er überzeugend ohne künstlich verstellte Stimme. Mir tut nur Joachim Körber leid, der hier maßlos überschattet wird, schon von der Sprechzeit her.

Trotz allem ist die Verfilmung auf meiner Leihliste. Im Zweifelsfall freut sich mein Freund darüber, dass ich mal was für ganze Kerle mit ihm schaue (mein letzter Versuch war Abraham Lincoln, Vampire Slayer, und OH MEIN GOTT war der schlecht!). Ach ja: Dass sowohl meine erste als auch die zweite Combo für die Buchverfilmungschallenge mit Brad Pitt verdreht wurde, ist reiner Zufall ;)

Kommentare:

  1. Bisher hatte ich von dem Buch noch nie gehört, aber das mit der extrem US-amerikanischen Sicht klingt nun auch eher abschreckend für mich.
    David Nathan allerdings finde ich auch super als Sprecher. Neben Stefan Kaminski eindeutig mein Lieblingssprecher für Hörbücher!

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    1. Oh ja, Kaminski! Wirklich exzentrisch als alle Figuren des Nibelungenrings! Ich habe mir nach einigem Zögern die Lesung von "Der Name des Windes" zugelegt und bin zufrieden. Tatsächlich habe ich heute morgen Teil 2 bestellt ;)

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