Samstag, 9. November 2013

John Irving über das Schreiben: 4 Tipps für junge Autoren

Foto: Elke Wetzig/CC-BY-SA
John Irving ist vielen nicht nur durch seine Romane, sondern auch durch deren Verfilmungen bekannt ist. Wer kennt nicht "Gottes Werk und Teufels Beitrag" oder "Garp und wie er die Welt sah"? In einer Rede über das Schreiben, die er an der Academy of Achievement hielt, verrät der Schriftsteller, wie seine Bestseller entstehen:


  1. Beginne mit dem Schluss: Irving beginnt seine Geschichten mit dem letzten Satz, erst hat diesen Satz im Kopf und erzählt sozusagen, die Geschichte, wie es zu diesem Satz gekommen ist. Dabei kann es vorkommen, dass er Wochen oder Monate nicht weiß, wie es im Einzelnen dazu kam. Für diese Vorgehensweise muss man also kein Genie sein, das mit einem Fingerschnipp eine ganze Geschichte im Kopf hat. Vielmehr geht man von einem ausdrucksstarken Moment an rückwärts, rekonstruiert die möglichen Geschehnisse.
  2. Werde zum Experten: Bevor John Irving sich an die "Produktion" des Textes macht, betreibt er ausgiebige Recherchearbeit. "Man kann nie genug wissen", sagt der Erfolgsautor. Nichts soll ihn von seinem Schreibprozess abhalten. Wer will schon einen Dialog unterbrechen müssen, um nachzuschlagen, in welchem Jahr das schnurlose Telefon erfunden wurde? Oder so.Vielleicht ist das mit die größte Herausforderung am Schreiben: Den Moment zu erkennen, an dem man sich nicht mehr besser auf das eigentliche Schreiben vorbereiten kann, an dem man einfach loslegen muss. 
  3. Kenne deine Story: Auch vom eigenen Plot will sich Irving während dem Texten nicht ablenken lassen: Er weiß schon vorher bis ins Detail, was wann geschieht.
  4. Schreiben ist ein Handwerk: Ein Satz, den man schon oft so oder anders gehört hat. Doch Irving hat sehr klar gemacht, was er bedeutet: Der eigentliche Schreibvorgang erfordert Kraft und Konzentration. Nachdem man das nötige Wissen zu Themen der Geschichte hat und dieselbe ersonnen hat, geht es darum, Sätze zu bauen, die dem gerecht werden. Dabei fließen folgende Überlegungen mit in das Entstehen des Textes ein:
  • Wann und wie erhält der Leser Informationen?
  • Wie muss ein bestimmter Satz klingen?
  • Passen zu einer Passage eher kurze oder lange Sätze? Soll Spannung erzeugt werden?
  • Ist es nötig, einen Absatz durch mehr Satzzeichen für den Leser aufzulockern?
Von dem 14-minütigen Vortrag gibt es nur eine geschnittene sozusagen inoffizielle 5-Minuten-Version auf Youtube. Wer das Original sehen will, muss iTunes anwerfen (Episode#30).

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