Samstag, 30. November 2013

Book Playlist Challenge Day 21: Name a book you've read that was dramatic or angst-ridden. (Emo)

Fahrenheit 451.Ich sitze gerade in unserer Universitätsbibliothek und schreibe an meiner Kubrick-Hausarbeit. Wird also ein kurzer Post.

In Fahrenheit 451 herrscht die ganze Zeit über eine beunruhigende Hintergrundstimmung. Man hat die ganze Zeit das Gefühl, dass Gefahr lauert oder das etwas ganz verkehrt läuft. Was ja auch stimmt. Was dieses Gefühl angeht, finde ich auch die Verfilmung sehr gelungen.

Freitag, 29. November 2013

Bibliotheksbeute. Basareinkäufe

Das ganze Jahr über habe ich es geschafft, extrem wenige Bücher zu kaufen (nur 4 Stück, und davon war nur eins für mich). Tja, gestern beim monatlichen Bücherbasar unserer Stadtbibliothek habe ich dann zugeschlagen.


MeistererzählungenDie Insel der Milliardäre
Zweimal Jules Verne: Die Insel der Milliardäre (auch unter Die Propellerinsel veröffentlicht) und Meistererzählungen (mit Im XXIX. Jahrhundert - Ein Tag aus dem Leben eines amerikanischen Journalisten im Jahre 2889, Meister Zacharius, Ein Drama in den Lüften, Doktor Ox, Frritt Flacc und Der ewige Adam).

Wie ich eines schönen Morgens im April das 100%ige Mädchen sahSünde: Roman
Mein Freund landete einen guten Fund mit Wie ich eines schönen Morgens im April das 100%ige Mädchen sah. Wir lesen gerne (bis auf eine Ausnahme) zusammen Murakamis Werke.
Und weil mein Japanisch-Gelerne ihn wohl etwas angesteckt hat, wurde ich auch zum Kauf von Shusaku Endo's Sünde überredet. Kannte ich nicht, klang aber interessant.

Madame Bovary. Sittenbild aus der ProvinzMadame Bovary habe ich als fünftes Buch umsonst dazu bekommen, also kam es auch mit.


So viel Spaß für 2€ ... so richtig reumütig fühle ich mich nicht ;)

Book Playlist Challenge Day 20: Name a book you've read that has multiple genres or cross-genre appeal. (Fusion)

Eine der bis jetzt schwierigsten Aufgaben für mich. Ist nicht alles ein bisschen mehr als ein Genre? Schubladendenken bei Büchern ist mehr als schwierig, finde ich. Aber nach langem Grübeln und Blicken in meine Regale habe ich ein Buch, dass ich selbst als corss-genre empfunden habe.

Die Stadt und die StadtIn Die Stadt und die Stadt geht es um einen unmöglichen Mord in einer unmöglichen Stadt. Die Stadt ist unmöglich, weil sie gespalten ist. Aber nicht durch eine Mauer, sondern durch Gedanken. Die Bewohner kennen die unsichtbare Grenze genau und werden erzogen, die jeweils andere Hälfte mitsamt ihren Bewohnern nicht zu sehen. Eine äußerst riskante Prämisse.
Der Mord ist unmöglich, weil die Leiche scheinbar unbemerkt von einer Stadthälfte in die andere gebracht wurde. Der Mörder hat sich allen gängigen Vorstellungen und Regeln widersetzt.
Inspektor Borlú wird bald klar, dass die Lösung des Falls nur möglich ist, wenn er selbst seine Komfortzone verlässt und sich in den angeblich nicht vorhandenen anderen Teil der Stadt aufmacht, um dort "das Unsichtbare sichtbar zu machen".

Bastei Lübbe verkauft diesen Roman als Science Fiction, was ich nicht ganz nachvollziehen kann. Es gibt keine verrückten Gerätschaften oder Vehikel, die diese Entscheidung rechtfertigen würden. Eine entfernte Verwandtschaft mit 1984 (George Orwell) oder Schöne neue Welt (Aldous Huxley) haben vielleicht dazu verleitet, auch wenn diese Werke selbst nur sehr bedingt Science Fiction sind. Die politischen Aspekte sind zwangsläufig sehr präsent, weshalb hier ein guter Schuss Dystopie hinzukommt. Vor allem sehe ich das Ganze aber als eine Pulp Fiction: Ein Ermittler, Marke einsamer Wolf, stellt Nachforschungen an und stößt dabei auf Widerstände. Dass alles eingepackt in ein alternatives Osteuropa. Urban Fantasy habe ich öfter sagen hören, was ich in jedem Fall als Mischgenre wahrnehme.

Dementsprechend war ich etwas enttäuscht von meinem ersten China Miéville. Aber ich fand die Idee interessant genug, um ihm eine zweite Chance zu geben. Irgendwann.

Donnerstag, 28. November 2013

Book Playlist Challenge Day 19: Name a book you've read that's either with a specific religion as a focus or something with a heavy moral/social issue in its backdrop.

Die Bibel nach Biff: Die wilden Jugendjahre von Jesus, erzählt von seinem besten FreundIch mag alternative, weniger strenge biblische Geschichten, in denen Jesus ein 'echter' Mensch ist. Ein solches ist Die Bibel nach Biff und dazu noch urkomisch. Schon gewusst, dass Jesus den Kaffee erfunden hat? Oder dass er nie Kater bekam? Oder dass sein bester Kumpel Biff war? Dann empfehle ich Die Biff nach Biff (Lamb: The Gospel According to Biff, Christ's Childhood Pal). Man erfährt nicht nur von den "wilden Jugendjahren" des Gottessohnes, wie der deutsche Untertitel verspricht, sondern die ganze Geschichte - bis zum bitteren Ende.

Zum Einen hat es sicher Spaß gemacht, die weißen Flecken auf der biographischen Karte Jesu auszumalen: Obwohl Jesus Gottes Sohn war und somit in etwas anderen Sphären schwebte, war er auch ein Mensch und ein junger dazu. Er hat Dummheiten begangen, doch die einzige, die es in die Bibel geschafft hat, ist die Zerstörung des Tempels zu Jerusalem. Außerdem war seine Liebe so groß, dass er tote Eidechsen wieder zum Leben erwecken wollte.
Zum Anderen reizt es doch auch, den bekannten Teil des Lebens Jesu zu echtem Leben zu erwecken. Wie war das mit Maria Magdalena? Haben die Jünger die ganzen Gleichnisse nicht etwas seltsam gefunden (Hint: Und wie!)?

Ich finde, gerade so fantasievolle Ausmalungen biblischer Legenden eignen sich dafür, das Christentum am Leben zu halten. Es bringt mich jedenfalls mehr zum Nachdenken als wenn ich in der Bibel lese. Die Distanz dieser uralten Worte ist zu groß.

Mittwoch, 27. November 2013

Book Playlist Challenge Day 18: Name 5 books that are on your mind right now. Seriously, just do it. (Freestyle)

The Wise Man's Fear (The Kingkiller Chronicle, #2) Bambi: Eine Lebensgeschichte aus dem Walde Die Säulen der Erde Der dritte Mann (SZ-Bibliothek, #29) Die schwarze Dahlie

Die Furcht des Weisen (Patrick Rothfuss)
Bambi (Felix Salten)
Die Säulen der Erde (Ken Follett)
Der dritte Mann (Graham Greene)
Die schwarze Dahlie (James Ellroy)

Okay, das passiert also, wenn ich einfach so Romantitel in einer Art Freewriting hintereinander hänge.
Die Furcht des Weisen höre ich gerade als Hörbuch, das ist also recht naheliegend.
Bambi ist ein totaler Querschläger - wo kam das plötzlich her?!
Die Säulen der Erde habe ich nicht gelesen, steht aber in meinem Regal.
Der dritte Mann lese ich gerade und genre-technisch ähnlich ist dann auch meine letzte Wahl.
Die schwarze Dahlie von James Elroy, das ich dieses Jahr auch schon gelesen habe.

Dienstag, 26. November 2013

Book Playlist Challenge Day 17: Name a book you've read with a hero/heroine who is either poor or from a lower background in status/society. (Folk)

Meine erste Antwort wäre "Remains of the Day" ("Was vom Tage übrig blieb") gewesen, wo die Hauptfigur ein Butler ist. Das Buch habe ich aber nur in Auszügen gelesen, damals im Englischunterricht... Irgendwann will ich es mal ganz lesen, weil so viele davon schwärmen.
Wölfe (Thomas Cromwell, #1)Stattdessen nehme ich "Wölfe" ("Wolf Hall") von Hilary Mantel, den ersten Band von dreien, die das Leben von Thomas Cromwell nachzeichnen. Cromwell stammte aus einer sehr armen Familie und wurde zum wichtigsten Mann des englischen Empire. Ein außergewöhnliches Buch, an dem ich allerdings wenig Freude hatte. Während ich verstehen kann, warum Mantel gleich zweimal den Man Booker Prize bekommen hat, war es für mich einfach aus zu großem Abstand zu allen Figuren geschrieben. Alles bleibt dadurch sehr undurchdringlich und als naives Kind, das ich bin, sind mir viele Ränke, die da vor meinen Augen geschmiedet wurden, nicht direkt aufgefallen. Dadurch entsteht dann dieses "Was hat diese Szene zu bedeuten"-Gefühl, sodass man sich etwas verloren vorkommt. Natürlich ist das einerseits genial, weil ja den Anwesenden damals auch nicht klar gewesen ist, was vor sich geht und weil es eine politisch unübersichtliche Zeit war. Doch für mich persönlich war es kein Lesevergnügen. Ich bin also in Ehrfurcht gelangweilt. Oder so.

Montag, 25. November 2013

Book Playlist Challenge Day 16: Name a book you've read that's humored or light in tone, but at the same time quite dark. (Dark ambient)

Der Glöckner von Notre-Dame"Der Glöckner von Notre-Dame" ist, wenn man erst mal die anfänglichen historischen Schilderungen überwunden hat, teilweise sehr lustig. Es schaut in tiefe Abgründe aller Art, zeigt Armut und Wahnsinn, Grausamkeit und Engstirnigkeit, aber trotzdem musste ich manchmal lachen. Das verdankt sich nicht nur dem etwas unterbelichteten Phöbus de Chateaupers und der kurzsichtigen Esmeralda, sondern auch dem mit seinen dunklen Gelüsten ringende Frollo und vielen Gestalten, die Disney nicht übernommen hat. Ein toller historischer Roman (einer der ersten überhaupt), der ganz nebenbei eine entscheidende Rolle dabei gespielt hat, die Notre-Dame vor dem Verfall zu retten und überhaupt gotische Bauwerke wieder als schützenswert zu erachten. Danke, Victor Hugo!

Sonntag, 24. November 2013

Book Playlist Challenge Day 15: Book that you've read set in the 18th - 19th centuries. (Classical)

Jonathan Strange & Mr Norrell (Jonathan Strange & Mr Norrell, #1)Ich habe erlebt, dass Leute das Buch langweilig fanden oder sich von den ausschweifenden Fußnoten abgelenkt fühlten, aber ein weiteres meiner Lieblingsbücher ist Jonathan Strange & Mr. Norrell.

Es ist eine magische Geschichte in einer Art alternativem 19. Jahrhundert. Nie werde ich mein Schaudern vergessen, als ich zum ersten Mal den Roman las und ganz am Anfang Mr. Norrell den ehrwürdigen Gentlemen von York beweist, dass er praktische Magie beherrscht: Er lässt die Figuren der Kathedrale von York zum Leben erwachen und die haben einiges zu erzählen ...
Das lässt die Magiergemeinschaft in Ehrfurcht erzittern, denn diese Gentlemen lesen nur Bücher über Magie, sie betreiben keine Magie. Doch nun ist die praktische Zauberei nach England zurückgekehrt.
York ist wirklich magisch
Bald findet sich Konkurrenz für den eigensinnigen Mr. Norrell: Der junge, ambitionierte Jonathan Strange wird zu seinem Schüler. Doch bald überflügelt Strange den Alten, was der gar nicht gerne eingestehen möchte ...

In diesem sehr dicken Buch versammeln noch einige weitere Erzählstränge und kleine Exkurse (auch in besagten Fußnoten), sodass es schwer ist, darüber zu schreiben.

Aber um noch mal auf das 19. Jahrhundert zurückzukommen: Obwohl es hier um Zauberei geht, merkt man deutlich, dass die Autorin eine tiefe Zuneigung zu der Kultur dieser Zeit empfindet. Zahlreiche Details lassen die Geschichte lebendig werden. Außerdem erlebt man die napoleonischen Kriege aus nächster Nähe, nur aus ganz neuer Perspektive. Es ist einfach alle dabei, was man braucht: Steife englische Gentlemen, Venedig, pompöse Einrichtungen, in die viel dunkles Holz involviert ist.

Was ich an dem Roman auch besonders zu schätzen weiß sind seine dunklen Seiten. Es kommen einige Elfen vor, die ihrem Ursprung so viel näher sind als dem Kitsch, den man heute so unter "Fee" / "Elfe" versteht. Das sind düstere, egoistische Gestalten, die grausam und vor allem äußerst nachtragend sind.

Ein athmosphärisch sehr dichter Roman. Ich hoffe sehr, dass Susanna Clarke diesen Coup irgendwann wiederholen kann. Bis dahin versuche ich, Jonathan Strange & Mr. Norrell über verschiedene Sprachen und Medien immer wieder neu zu entdecken. (Tipp: Das Original ist absolut fantastisch. Das Vokabular ist einzigartig, darum empfehle ich die englische Ausgabe nur an geübte Englischleser. Ich weiß, wovon ich spreche, denn ich wollte das Original zuerst vor sieben Jahren lesen und fand es sehr schwer. Im letzten Jahr ging mir das viel leichter von der Hand, wohl durch meine inzwischen größere Erfahrung mit englischen Texten.)



Halbzeit!
15 von 30 Challengetagen sind vorbei und ich kann sagen, dass es Spaß macht und anstrengend ist. Aber ich wollte es ja nicht anders ;)
Durch diese Challenge wird mir klar, was meine Lieblingsbücher sind, bei manchen ist mir erst bewusst geworden, wie sehr sie mich geprägt haben. Dafür lohnt es sich, mal ernsthaft seine Bücherregale zu durchwandern. Ich spüre, dass da eine "Lieblingbücher auf Lebenszeit"-Liste lauert ...

Samstag, 23. November 2013

Book Playlist Challenge Day 14: Think of a song you know and love, and assign books to that song.

Eine Band, der ich seit an die 10 Jahre treu bin, ist Third Eye Blind. Die meisten werden sie nur durch "Semi-charmed life" kennen - aus deutscher Perspektive sind Third Eye Blind ein One-Hit-Wonder. Ein richtiger Powersong ist "New Girl".
Demzufolge sind die mir einfallenden Bücher solche mit starken Frauen oder Protagonisten auf der Suche nach einer solchen.
  • Pipi Langstrumpf (Astrid Lindgren): Wenn sie erwachsen wäre, würde die Beschreibung vielleicht passen; da sie aber ein ewiges Kind bleibt, ignoriert hier - und auch einigen weiteren Fällen - die nicht jugendfreien Textteile.
  • Per Anhalter durch die Galaxis (Douglas Adams): Arthur Dent ist in die abenteuerlustige Trillian verliebt.
  • Professor Unrat (Heinrich Mann): Der Professor lässt sein bürgerliches Leben hinter sich für ein Showgirl.
  • Frühstück bei Tiffany (Truman Capote): Holly ist zwar kein leichtes Mädchen, aber eine der unabhängigsten Partygirls überhaupt.
  • Belgariad & Malloreon Saga (David Eddings): Ce'Nedra weiß genau, was sie will, und ebenso, wie sie es bekommt ...
New Girl (Third Eye Blind)
I want a new girl
The kind everybody wants
The kind that shout it out
And then we laugh it off,
I'll be her terrorist and she will be a looter
Eye of Fatima painted on her motor scooter 
She puts on eye shadow
A deeper shade, a deeper shade of blue
And then she gets in bed with you 
I want a new girl
Who can show me how to have a good time
And get closer to my life's design
In the darkness candle light across my face
I feel myself fall into grace and 
She puts on eye shadow
A deeper shade, a deeper shade of blue
And then she gets in bed with you 
Man, sometimes I get to feeling so left out
And then I'm here again
I'm crying in my beer again
Loneliness closes down like a jail,
This is a lonely tale, I'm singing in my jail cell 
She's got a smile so wide
It eats the pain the pain I'm going through
And then she gets in bed with you 
She's brand new, she's brand new, she's brand new 
We walk Manhattan in a dark silver suit
In the blowing wind no demons persecuted
And in the darkness candle light across my face
In my mind I see... 
She's got a smile so wide
It eats the pain the pain I'm going through
And then she gets in bed with you 
She's brand new, she's brand new, she's brand new 
Man, sometimes I get to feeling so left out
And then I'm here again I'm crying in my beer again
Loneliness closes down like a jail,
This is a lonely tale, this is a jail cell! 
She puts on eye shadow
A deeper shade, a deeper shade of blue
I'm barely missing me and you
She's got a smile so wide
It eats the pain the pain I'm going through
And then she gets in bed with you

Kleine Studie zu Lesegewohnheiten unter japanischen Studenten

Für die Uni habe ich vor Kurzem eine kleine Umfrage zum Thema Lesegewohnheiten in Japan gemacht. Ich durfte 10 unserer japanischen Auslandsstudenten interviewen und wir hatten jede Menge Spaß.
Bei der Umfrage ging es besonders darum, wieviel digital gelesen wird. Außerdem wollte ich (neben der grundsätzlichen Frage, ob die Teilnehmer überhaupt in ihrer Freizeit lesen) auch wissen, ob sie öffentliche Bibliotheken nutzen.

Ich werde die Ergebnisse auf Japanisch vorstellen müssen und habe sie dafür bei infogr.am schick gemacht. Wenn es soweit ist, werde ich das Ganze noch mal mit japanische Beschriftung machen; vorausgesetzt, infogr.am kommt überhaupt mit japanischer Schrift klar.
Man kann in der Ansicht hin und herklicken, um geschlechtsspezifische Ergebnisse zu sehen.

Freitag, 22. November 2013

Rezension. World War Z (Hörbuch)

Zombiekrieg! Und ein überlebender Beamter reist im Auftrag seiner Behörde um die Welt und sammelt Eindrücke von anderen Überlebenden, um herauszufinden was überhaupt genau passiert ist.

Was mich gerettet hat, war, dass ich hier zum Hörbuch gegriffen habe (danke, Onleihe!). Mein Eindruck war, dass hier einiges hätte kürzer gefasst werden können. Allerdings wuchs dieses Gefühl erst, nachdem ich mehrfach ziemlich US-amerikanischen Kram anhören musste. Egal in welches Land man kommt, die Interviewten spiegeln eindeutig die US-Perspektive des Autors wider. Das war auf Dauer auf nervige Weise lahm. Von einem erwachsenen Schriftsteller erwarte ich etwas mehr Vielfalt, gerade wenn Russen, Japaner, Chinesen, Deutsche und US-Bürger als Figuren ihre Sicht auf den "Z-Krieg" schildern.
World War Z: Operation ZombieHellhörig wurde ich, als eine Figur (Amerikaner) mit der Stimme von David Nathan sagte: "Amerika ist besonders anfällig für Kriegsmüdigkeit." Nun war ich selbst nie in den USA und weiß, dass das weder für ein so großes Volk komplett stimmen wie falsch sein kann, aber gerade diese Pauschalität machte mich aufmerksam. Das konnte natürlich einen Charakterzug des Interviewten anzeigen. Doch mit der Zeit wurde mir klar, dass hier leider einfach jemand (Hint: Der Autor) mit Scheuklappen durch die Welt geht.
Alle Helden des Krieges sind US-Amerikaner (also, die unzweifelhaften Helden, die sozusagen alles auf's Spiel setzen, um andere zu retten), die Bösewichte finden sich besonders gerne unter Russen und Chinesen.
Außerdem hätte es nicht geschadet, sich ein wenig zu informieren, bevor man Wörter in anderen Sprachen erfindet: Im Japanischen gibt es keine "si"-Silbe, trotzdem nennen die Japaner Zombies "siafu", was auch immer das heißen soll. Wenn überhaupt würden sie "shiafu" sagen. Und der hier geschilderte Alltag eines "Otaku" geht eher in Richtung "Hikikomori". Ja, ich bin ein Haarspalter. Aber vor allem habe ich überhaupt keine Freude an Patriotismus und Engstirnigkeit, die sich in vielen Geschichten zu Hollywood-würdigen Szenen verdichtet. (Vielleicht hat man deshalb den Untertitel "Wer länger lebt, ist später tot" dazu erfunden, um das Ganze als satirische Zombie-Action zu verkaufen? Allerdings hat es dieser 'Untertitel' nicht mal auf's Cover geschafft ...)

Die beiden Sprecher des Hörbuchs empfinde ich als sehr unterschiedlich, jeder beide auf ihre Weise gut. Joachim Körber ist mir zunächst etwas unangenehm aufgefallen, allerdings nur, weil ich ihn zur Zeit ständig als Saul Goodman in Breaking Bad zu hören bekomme und das einfach ein ganz anderer Typ ist. Körber spricht im Brustton der Überzeugung eines amerikanischen Offiziellen mit Armee-Erfahrung, und zwar derart übertrieben, dass ich hier ein bisschen Ironie zu erkennen hoffe. Seine leicht quäkende Stimme verstärkt diesen Eindruck noch.
David Nathan, der hier an die 50 Charaktere beiderlei Geschlechts spricht, ist fantastisch. Zugegeben hat mich das ganz am Anfang irritiert, aber mit der Zeit wurde es meine Hauptfreude, Nathan zu Höchstleistungen auflaufen zu hören, wenn er zum Beispiel ziemlich am Ende einen äußerst energischen Franzosen mimt, der außerdem noch am Essen ist. Gran-di-os! Auch die Frauenrollen spielt er überzeugend ohne künstlich verstellte Stimme. Mir tut nur Joachim Körber leid, der hier maßlos überschattet wird, schon von der Sprechzeit her.

Trotz allem ist die Verfilmung auf meiner Leihliste. Im Zweifelsfall freut sich mein Freund darüber, dass ich mal was für ganze Kerle mit ihm schaue (mein letzter Versuch war Abraham Lincoln, Vampire Slayer, und OH MEIN GOTT war der schlecht!). Ach ja: Dass sowohl meine erste als auch die zweite Combo für die Buchverfilmungschallenge mit Brad Pitt verdreht wurde, ist reiner Zufall ;)

Book Playlist Challenge Day 13: 5 books you're looking forward to reading (Dance/Electronica)

Da sind so viele! Also ich beschränke das jetzt mal größtenteils auf Bücher, die schon in meinem Regal stehen, damit es nicht ganz so schwer ist, sich auf 5 zu beschränken.

TrainspottingTrainspotting (Irvine Welsh)
Habe ich im wunderschönen Barter Books in Arnwick gekauft. Ich hatte ein Jahr zuvor das erste Mal den Film gesehen und fand ihn fantastisch (finde ich immer noch). Auf der Reise habe ich nur selten Zeit zum Lesen gehabt und hatte auch andere Bücher dabei, also habe ich nur mal ein paar Seiten 'reingeschnuppert'. Der Slang ist etwas schwer zu verstehen, aber wahrscheinlich gewöhnt man sich auch daran.

Die EddaDie Edda
Ich stehe einfach auf Mythologie und auch ein wenig auf Versdichtung, wenn mir der Sinn danach steht. Als oller Tolkienleser bin ich natürlich auch auf die Edda gespannt.

Meere von Zeit 01. Auf der anderen Seite der Tür.Meere von Zeit (Tonke Dragt)
Als Kind las ich Der Brief für den König und die Fortsetzung Der wilde Wald von Tonke Dragt und war fasziniert von ihrem Leben. Später habe ich auch Die Türme des Februar gelesen. Leider ist es verhältnismäßig schwer, an ihre Bücher zu kommen. Letztes Jahr habe ich dann in Berlin im gemütlich-minimalistischen Bücher Fundgrube (Wilmersdorfer Straße 23) dieses Buch gefunden. Ich bin so aufgeregt, dass ich mich kaum traue anzufangen.

Morgantina, die Hexe der KöniginMorgantina, die Hexe der Königin (Lois Gould)
Das Buch habe ich von meinem Nachbarn geschenkt bekommen. Ich habe davon noch nie gehört. Es scheint eine Mischung aus Märchen und historischem Roman zu sein, klingt nicht schlecht. Außerdem finde ich mein wie neu aussehendes Hardcover von 1989 echt hübsch, auf seine Hobbit-Presse-Art.

The Doors of Stone (Patrick Rothfuss)
Last not least warte ich sehnsüchtig auf den dritten Teil der Kingkiller Chronicles; vielleicht habe ich Glück und er erscheint 2014. Da ich die Reihe auf Englisch lese muss ich wenigstens nicht auch noch auf die doppelt so lange Übersetzung warten!

Donnerstag, 21. November 2013

Day 12: Name a book that you've read or want to read based in a foreign country. (World)

Der Weisse TigerDafür möchte ich etwas ausholen:
Als ich vor einigen Jahren InterRail in Großbritannien gemacht habe, fand ich "Between the Assassinations" an einer Bushaltestelle. Es stellte sich heraus, dass die großen Zeitungen Observer und Guardian eine Aktion gestartet hatten, wo man ein Buch aussetzen sollte, und "between the Assassinations" war eines davon.
Letzter Mann im TurmIch mag englische Paperbacks: Das Papier ist dunkler und rauher als bei und es wird deutlich mehr ins Coverdesign investiert.
Jedenfalls fing ich sofort im nächsten Zug zu lesen an und war gefangen. Das Buch besteht aus vielen meist nur über die Gleichzeitigkeit verbundene Geschichten. die sehr unterschiedlich sind.Schauplatz ist dabei Kittur, ein erfundener Ort in Indien, was bei mir echtes Fernweh auslöst.
Seitdem habe ich mir vorgenommen auch die anderen Bücher von Aravind Adiga zu lesen. Am bekanntesten ist wohl sein Erstling Der weiße Tiger. Zuletzt veröffentlichte er den Roman Letzter Mann im Turm. Ich weiß nicht, was ich zuerst lesen wollen würde, aber ich denke, ich lasse den Zufall entscheiden. Was ich zuerst in die Finger kriege, wird gekauft / geliehen und gelesen. Dass ich noch mal im Bookcrossing-Stil an einen Adiga-Roman komme, bezweifle ich ...

Mittwoch, 20. November 2013

Book Playlist Challenge Day 11: Name a book set within a holiday. (Carol)

Ein Buch zu finden, das komplett während eines Feiertages spielt, ist ganz schön schwierig. Ich glaube, ich kenne keins. Aber mir ist ein Buch in den Sinn gekommen, in dem zwei Weihnactsfeiern stattfinden, die auch für die Hauptfigur wichtige Stationen sind. Ich dachte an "A little princess" von Frances Hodgson Burnett. Wieder mal einer meiner Lieblinge, aber das soll mal nicht stören.
Als Kind habe ich die Animeserie so sehr geliebt (Kleine Prinzessin Sara, kennt das noch jemand?)! Das Buch habe ich erst viel, viel später gelesen, aber es hatte auch diese bitter-süße Athmosphäre, die ich so mag. Und das viktorianische Zeitalter ist sowieso das tollste.

A Little PrincessSara ist Tochter eines reichen Geschäftsmannes, der vor einer großen Indienexpedition sein Kleinod in die Obhut eines strengen Mädcheninternats gibt. Durch ihren Reichtum wird sie aber auch dort wie eine Prinzessin behandelt. Als das Internat die Nachricht erreicht, ihr Vater sei in Indien verschollen und habe all sein Geld zuvor verloren, wird Sara 'aus Güte' als Haushaltshilfe angestellt. Fortan gehört sie zum 'Abschaum' und muss für ihren Lebensunterhalt sehr hart arbeiten. Doch bewahrt sie sich ihr gutes Herz.

Das erste Weihnachtsfest (ich hoffe ich erinnere mich richtig, je länger ich darüber nachdenke, desto unsicherer werde ich - könnte auch ein Geburtstag gewesen sein) findet statt, als Sara noch reich ist. Die Mädchen im Internat feiern gemeinsam, Lavinia ist neidisch auf Saras Geschenke (Lavinia ist das "Biest" der Schule und war vor Saras Ankunft das reichste Mädchen der Schule), alle haben Spaß. Das zweite Weihnachtsfest verbringt Sara mit dem anderen Hausmädchen, der guten Becky, auf dem Dachboden. Es ist zugig, man hört die Mäuse hinter den Wänden trippeln, ... richtig trostlos eben. Aber trotzdem schön, weil die beiden Mädchen sich gegenseitig ermutigen und immer füreinander da sind. Herzerwärmend und sicher nicht nur für Kinder.

Dienstag, 19. November 2013

Book Playlist Challenge Day 10: Name a guilty pleasure or mindless read that you loved (Bubblegum Pop)

Ready Player OneMeistens lese ich Bücher, die ich für's Studium verwerten kann oder sonstige Klassiker. Aber ab und zu gönne ich mir mal was. Ein Buch, an dem ich mehrmals mit sehnsüchtigen Augen vorbeigegangen bin und es schließlich einfach ausgeliehen habe, ist Ready Player One.
Es ist ein Cyperpunkroman, der eine kaputte Zivilisation in der Zukunft schildert, die in Müll erstickt und mit Ressourcenknappheit zu kämpfen hat. Einziges Vergnügen ist die OASIS, eine Art digitale Welt, in der man zur Schule geht, Leute trifft, und auf tausenden Welten Abenteuer erleben kann. Da die Macher der OASIS große 80er-Geeks sind, gibt es Unmengen an Anspielungen auf Filme, Musik und frühe Konsolenspiele der Zeit. Auch wenn ich nicht alles erkannt habe, hat das allein schon einen Riesenspaß gemacht. Ich habe die Achtziger nicht bewusst miterlebt, aber das meiste ist ja auch in den Neunzigern noch nicht verschwunden gewesen.

Die Handlung ist spannend und vor allem durch die vielen Erfindungen immer wieder nerdig und unterhaltsam. Man könnte den Roman mit einem guten Actionfilm vergleichen (eine zugegeben seltene Sache; mein Tipp wäre immer noch Stirb langsam im Original): Wenn man sich nicht allzu sehr über die manchmal etwas weit hergeholten Plottwists und Verläufe wundert und die Prämisse schluckt, fetzt das Buch richtig. Kann ich jedem empfehlen, der bei dem Wort Gameboy sehnsüchtig seufzt.

Einziges Manko: Natürlich gibt es eine kleine Lovestory, und die Liebesszenen waren leider echt schlecht geschrieben. Aber da liegt nun wirklich nicht der Schwerpunkt von Ready Player One.

Montag, 18. November 2013

Book Playlist Challenge Day 9: Soundtrack for a favorite book

Playlist für Das letzte Einhorn


Das Letzte EinhornObwohl es für Das letzte Einhorn bereits einen fantastischen Soundtrack gibt, wo sowohl die instrumentalen Stücke als auch die Songs einfach nur stimmen (niemand kann so sonnig-melancholische Akkorde kombinieren wie America), habe ich mich mal nach passender Musik umgesehen. Da ich das Buch erst vor kurzem zum zweiten Mal gelesen habe ist der Eindruck auch noch frisch genug für eine solche Aufgabe. Ich konnte nicht für alle Teile auf meiner Liste etwas finden (Captain Cully musste zum Beispiel leer ausgehen).
Ich habe bis auf zwei Ausnahmen nur Instrumentalstücke gewählt, um nicht auch noch anzufangen, erst die Texte zu durchforsten und die Musik darüber aus dem Blick zu verlieren.

1 Anfang: Max Richter: Frühling 1 (Vivaldis Jahreszeiten Recomposed)
Das Einhorn ist im Wald, es lebt in Frieden und ewiger Schönheit. In diesem typisch nach mAx Richter klingenden Remix aus altbekannter Klassik ist gerade genug Licht für ein Einhorn.

2 Der Schmetterling: Superfunk - Last Dance in Copacabana (Hold Up)
Der wie auf Drogen vor sich herbrabbelnde Schmetterling hat etwas Disco verdient. Natürlich hat auch er eine düstere, verängstigte Seite; er macht ein wenig den Eindruck eines Kriegsveteranen mit posttraumatischem Stress. Auch hier mischen sich ein paar missklingende Töne hinein.

3 Mammy Fortuna: Daft Punk - Solar Sailer (Tron Legacy)
Eine sehr traurige Figur, finde ich. Wie sie, die eine Künstlerin sein will und an ihrer Habgier zugrunde geht, mit der trostlosen Mitternachtsmenagerie durch die Länder zieht, das verdient einen mystisch-melancholischen athmosphärischen Klang.

4 Molly Grue: 30 Seconds to Mars - Convergence (Love Lust Faith + Dreams)
Nicht die verwilderte Molly Grue, die Cully bekocht, sondern die mutige, herzensgute Molly, die durch das Einhorn wieder zum Vorschein gekommen ist.

5 Haggard und sein Schloss: Woodkid - Iron (Iron)
Ich liebe das Düstere an diesem Song, auch wenn das Kämpferische nicht zu Haggard passt. Er hätte nicht mal daran Freude. Also, vielleicht nur auf die Musik hören und den Text links liegen lassen. Die Bläser geben auch irgendwie ein gutes Bild des verfluchten Schlosses...

6 Lir (und Amaltea): Glen Hansard, Marketa Irglova - Falling Slowly (Once)
Mal kurz den Film vergessen, zu dem der Song eigentlich gehört ;) Eine hoffnungslose Liebe, wenn das nicht zu Lir passt, dann weiß ich auch nicht.

7 Schluss: Takeshi Senoo - Maya no tsuki ni kimi-omou (Retro Modern Dandy)
Am Ende steht kein Triumph des Guten im Märchensinne. Die Wege trennen sich, und jeder muss seinen eigenen Weg finden. Lir hat plötzlich ein ungeliebtes Land zu regieren und zugleich seine Liebe verloren. Keiner kann das Einhorn vergessen, und es selbst war zu lange menschlich, um vergessen zu können.

Sonntag, 17. November 2013

Book Playlist Challenge Day 8: Name a book which shares a name with a song you know or love

Kein Lieblingssong, kann man aber hören: "Great Expectations" von Gaslight Anthem.

Spotify:


Youtube: Link

Mary, this station is playing every sad song.
I remember like we were alive.
I heard it heard and sung them all from inside of these walls.
In a prison cell, where we spent those nights.
And they burnt up the diner where I always used to find her.
Licking young boys blood from her claws.
And I learned about the blues from this kitten I knew.
Her hair was rabid and her heart was like a tomb.
My heart's like a wound.

I saw tail lights last night in a dream about my first wife.
Everybody leaves and I'd expect as much from you.
I saw tail lights last night in a dream about my old life.
Everybody leaves, so why, why wouldn't you?

Mary, I worried and stalled every night of my life.
Better safe than making the party.
And I never had a good time, I sat my bedside, with papers and poetry about Estella.
Great expectations, we had the greatest expectations.

I saw tail lights last night in a dream about my first wife.
Everybody leaves and I'd expect as much from you.
I saw tail lights last night in a dream about my old life.
Everybody leaves, so why, why wouldn't you?

It's funny how the night moves.
Humming a song from 1962.
We were always waiting...always waiting.
We were always waiting for something to happen.

I saw tail lights last night in a dream about my first wife.
Everybody leaves and I'd expect as much from you.
I saw tail lights last night in a dream about my old life.
Everybody leaves, so why, why wouldn't you?

Samstag, 16. November 2013

Book Playlist Challenge Day 7: Name a book that you consider a slow burner, but had strong emotions behind it. (Ballad)

Wer die Nachtigall störtWer die Nachtigall stört beginnt so unbeschwert wie ein Kinderbuch: Scout und Jem verbringen die Sommerferien mit Spielen und erleben dies und das in der Schule. Scout ist die jüngere Schwester, und aus ihrer Sicht wird diese Geschichte erzählt.
Zunächst beschäftigt die Geschwister vor allem das Rätsel um einen angeblich irren Nachbarn, der seit Jahren nicht mehr das Haus verlassen hat und ihnen so viel Angst einjagt, dass sie um sein Haus einen großen Bogen machen. Aber das Geheimnis um seine Existenz lässt sie dennoch immer wieder zu dem unheimlichen Ort zurückkehren.
Als ihr etwas ältlicher Vater Atticus einen "Neger" in einem Rechtsstreit verteidigt, bekommt aber sogar die kleine Scout bald zu spüren, wie hasserfüllt die Menschen um sie herum sein können. Es sind Menschen, die sie schon ihr Leben lang kennt, und die ihr plötzlich Angst machen und ihre Familie bedrohen.
Maycomb, Alabama, ist eine kleine Stadt, und in den Dreißigern noch alles andere als tolerant. Der Angeklagte soll eine weiße Frau vergewaltigt haben. Obwohl die Vorwürfe vollkommen unhaltbar sind, will niemand den farbigen Mann in die Freiheit entlassen. Atticus ist der einzige im Ort, der für ihn Partei ergreift.

Da man die Geschichte durch die Augen eines jungen Mädchens erlebt, wird einem manchmal nur undeutlich klar, was da eigentlich vorgeht. Es ist ganz seltsam, aber mir scheint, dass das Geschehen einem so viel näher kommt. Scout versteht als ABC-Schützin natürlich nicht so viel von dem Fremdenhass, der auch auf ihren Vater (der selbst keiner Fliege etwas antun könnte) umschlägt. Ihre Verwirrung und Ratlosigkeit überträgt sich dann auf den Leser. Erst in der Reflektion, wenn man das Buch mal aus der Hand legt und wieder den eigenen Verstand benutzt anstatt den der kleinen Scout, wird einem die Tragweite des Gelesenen klar.

Je weiter die Lektüre zurückliegt, desto faszinierender finde ich das Buch.

Freitag, 15. November 2013

Book Playlist Challenge Day 6: Book that hurt you to read, but was so, so good (Blues)

Schwierige Aufgabe, dafür ein passendes Buch zu finden ... Die Ballance zwischen Schmerz und Vergnügen muss schon stimmen. Zum Beispiel "Sie nannten mich Es" (Goodreads) ist einfach nur schmerzhaft.

Tiere EssenNach einigem Überlegen ist meine Antwort: "Tiere essen" von Jonathan Safran Foer. Ein Sachbuch, höre ich fragen? Wie kann einem da das Herz brechen und gleichzeitig schmilzen?

Hätte ich auch nicht gedacht, aber das Buch schildert nicht nur genau und sachlich, was Massentierzucht (in den USA) bedeutet. Die deutsche Übersetzung liefert viele Fußnoten mit Vergleichen zu Deutschland. Es zeigt auch Menschen, die gegen diese Missstände ankämpfen und sich gegen Massentierhaltung entschieden haben oder Tiere aus solchen Haltungen befreien. So endet das Buch auf einer positiven Note.

Eine absolut erschütternde Bestandsaufnahme, die Pflichtlektüre für alle Fleischesser sein sollte. Ich will niemandem sein Steak versauern, er sollte bloß ganz eindeutig wissen, was er tut, indem er es im Supermarkt kauft. Aber was man nicht weiß, man einen nicht heiß, und darum kauen Millionen Menschen gedankenlos auf totem Tier herum.
Ich wollte nicht so sein. Okay, ich war schon vorher Vegetarier, aber seither bin ich viel klarer in meiner Einstellung, warum ich auf Tier verzichte, bin politischer geworden.

Donnerstag, 14. November 2013

Book Playlist Challenge Day 5: Favourite book featuring a musician / musical theme

The Name of the Wind (The Kingkiller Chronicle, #1)Ich hab heute mega Kopfschmerzen bekommen, also fällt die Antwort etwas kurz aus.
In der Fantasyreihe "The Kingkiller Chronicles" von Patrick Rothfuss spielt die Hauptfigur Kvothe Laute. Die Musik ist aber nicht ein bloßes Gimmick, sondern strukturiert den Text und bestimmt das Geschehen. Vor allem, weil Kvothe sehr an der Laute hängt, das einzige, was ihn an seine Familie erinnert.
Ein toller, außergewöhnlich detailreicher Fantasyroman, dessen dritter Teil wahrscheinlich 2014 erscheinen wird.

Buchverfilmungschallenge. Interview mit einem Vampir oder: Achtung, bissig!

Ich wollte ja eigentlich möglichst frisch den Film schauen, aber so ist es nun leider nicht gekommen. Schon vor fast drei Wochen habe ich "Interview mit einem Vampir" gelesen. Aber nun gut.
Ich habe diese Gelegenheit dafür genutzt, den Film, den ich schon kannte, mal auf Englisch zu schauen. Et voilà: Das war schon mal etwas besser als die letzten Erfahrungen, die ich damit gemacht habe.

Allgemein sind mir Filme mit so einer Starbesetzung suspekt, und Tom Cruise und Brad Pitt sehen meiner Meinung nach alles andere als 'lecker' aus als blasse Vampire. Jemand mit kantigeren Gesichtszügen wäre da besser gewesen. Und einen Spanier einen Franzosen spielen zu lassen, sowas fällt nur Hollywood ein (nichts gegen Antonio Banderas, aber er konnte nicht mal den Namen seiner Figur anständig aussprechen - was sich allerdings auf alle französischen Namen im Film übertragen lässt, siehe bzw. höre "LestÄT").

Während, wohl dank der Beteilligung von Ann Rice an dem Projekt, die Story in den meisten Punkten dem Original treu bleibt, fiel mir doch immer wieder auf, wie wenig Louis zu allem beizutragen hat. Im Buch ist er nicht nur der mit sich Hadernde, sondern versucht schon früh, von Lestat wegzukommen. Außerdem bringt er Claudia Bücher und lehrt sie, die menschlichen (kulturellen) Errungenschaften zu wertschätzen (war wohl zu uncool für Hollywood - Iiii, Bücher!). Keine Spur davon im Film. Dafür sehen wir Brad Pitt in dutzenden Szenen entsetzt dreinschauen oder resignieren, wenn ihm wieder mal etwas angetan wird. Er selbst bleibt passiv, Tom Cruise kriegt die ganze Spielzeit.
Und seine Figur wird viel positiver dargestellt als der Buch-Lestat. Dass er Louis wegen seines Geldes haben wollte, bleibt eher undeutlich. Dass er die ganze Zeit über Ränke schmiedet und auch Louis Treffen auf Claudia geplant hatte - solche Details werden zwar nicht ganz ausgeblendet, aber offensichtlich zu vertuschen versucht. Kein Wunder, dass ich den Film früher immer etwas nichtssagend und unklar fand, denn das ist er.

Ihr merkt schon, ich bin kein plötzlicher Fan geworden. Den Film für sich als schlecht zu bezeichnen ginge zu weit; ich finde ihn weder grottenschlecht noch wirklich gut. Als Verfilmung aber rate ich doch mit Nachdruck zum Buch zu greifen und die Perücken in Hollywood zu lassen, egal wer sie trägt.

Während des Anschauens habe ich mir ein paar Notizen gemacht. Einige davon will ich hier wiedergeben. Für eine Auflistung von Unterschieden zwischen Buch und Film gibt es eine Tabelle hier. Darum geht es mir nicht. Es sind einfach ein paar Gedanken und Zitate.

Louis' letzter Sonnenaufgang ... also, wenn das mein letzter Sonnenaufgang gewesen wäre: Oh boy! Ganz schön ernüchternd.

Klangathmosphäre ist verstörend. Wer kann: Mal über Kopfhörer mitverfolgen, da wird einem einiges klar.

Louis hat sein Haus in Brand gesetzt --
Lestat (gerade durchs Fenster ins brennende Haus gehüpft, natürlich durch das - geschlossene - Fenster): "Perfect! Just burn everything we own!"
Louis: "You thought you could have it all." *g*
Lestat: "Oh, just shut up, Louis."
Haha, wenn Lestat sich aufregt, ist der Film am besten. Lieblingsszene: mit der Hure in New Orleans, wo er Louis zwingen will, ihr Blut zu trinken, um sie zu erlösen. Im Original echt imposant. Das war wohl, bevor Tom Cruise seine Gesichtsmuskulatur verloren hat ;)

Größte Sauerei überhaupt: Keine Erotik, die Frauen ansprechen könnte (ich meine nicht-lesbische): Ständig wird eine Frau überfallen und findet das auch noch toll. Ein paar nackte Brüste hier und da, fertig ist der Blockbuster. Und was ist mit uns? Wir wollen auch was sehen!

Louis im Théatre de Paris: "Vampires pretending to be humans pretending to be vampires."
Claudia: "How avant-garde." 
Da musste ich doch mal schmunzeln.

Kinomontage (Sonnenaufgänge): Sunrise, Don Juan, Nosferatu, Superman --> habe das Gefühl, dass da eine Metaphorik hintersteckt, aber keinen Elan danach zu suchen.

Mittwoch, 13. November 2013

Book Playlist Challenge Day 4: Book that is your "Best kept Secret" (Indie)

Oder mit vollem Titel: "Name a book that you've read that you love, but not a lot of people talk about. Or it can be your "Best Kept Secret" book. (Indie)"

Sowas wie Bücher, die ich vor der Allgmeinheit verbergen muss, habe ich glaube ich gar nicht ...

Jedenfalls: Meine Lieblinge, denen ich mehr Aufmerksamkeit wünsche. Davon habe ich dann doch einige! Mal abgesehen davon, dass man sich als Leser eh immer wünscht, dass Bücher im Allgemeinen ein breiteres Publikum bekommen, oder?

Wie Ein WolfMeine Wahl fällt diesmal auf einen Jugendroman. Er ist das einzige, was ich jemals in einem Wettbewerb gewonnen habe. Unser ganzer Kunstkurs (damals hieß das noch "BK") wurde dafür angemeldet; von einem hieß es sogar, seine Mutter habe das Bild für ihn gemalt (es sah wirklich super aus). Und dann hat meins gewonnen.
Und ich hatte "Wie ein Wolf" von Torill Thorstad Hauger.
Es war anders als die anderen Jugendbücher, die ich kannte. Ich bin mit Geschichten aufgewachsen, die entweder 'aus dem Leben gegriffen' oder vollkommen erfunden waren, aber hier kollidieren diese beiden Welten zu einer leicht paranormalen Geschichte, die aber Figuren beinhaltet wie aus "Die wunderbare Welt der Amélie".

Die ersten Sätze:
Der Wind flüsterte seinen Namen. Er blieb stehen und lauschte.
"Robin", sang es zwischen den Bergen. Es wurde lauter. "Robin, Robin, Robin ..."
Als Robin von der Werwolflegende erfährt, ist er fasziniert. Zumal er selbst eine Art Ausgestoßener ist. Mit seinen Eltern versteht er sich nicht recht, und Freunde hat er auch keine. Robin ist keiner von den coolen Jungs, er ist nachdenklich - und verliebt in Iselin, die er aber nur vom Sehen kennt. Mit der Zeit bemerkt er Veränderungen an sich und glaubt, selbst zum Werwolf zu werden.
Iselin verbindet Robin mit der zweiten Hauptfigur des Buches: Inga, eine alte Frau, die ihren Mann vor viel zu vielen Jahren an die See verloren hat und selbst eher wie ein junges Mädchen ist, wie die stille Iselin, die nun über ihr wohnt und Klavier spielt, als wie eine verschrumpelte Witwe. Mit der Zeit freundet sie sich mit dem Mädchen an.

Wenn ich das beschreibe, will ich das Buch gleich wieder lesen!
Es gibt aber keine paranormale Beziehung oder so was, solche Lektüre ist ja eher in jüngeren Jahren bekannt geworden.
Dieser Roman ist von 1992 und 1995 aus dem Norwegischen ins Deutsche übersetzt worden ("Vorulven og Iselin" ist der Originaltitel - Werwolf und Iselin, glaube ich).
Die Figuren haben schöne norwegische Namen und einen etwas anderen Alltag als das, was ich mit 12 so von der Welt kannte. Auch erfährt man durch Ingas Erinnerungen viel von ihrer Jugend, also auch aus der Vergangenheit. Die drei Geschichten werden mitfühlend erzählt, alles ist ganz zart und einzigartig. So, als hätte noch nie vorher jemand seinen Partner früh verloren, oder als sei keiner jemals von seinen Eltern missverstanden worden.
Ein wunderbares Buch, dass ich für Kinder ab 11 oder 12 Jahren empfehle, also wenn sie selbst in das Alter kommen, in dem man sich von den Eltern isoliert. Aber auch den jung gebliebenen Träumern möchte ich diesen Schatz ans Herz legen. Wenn ihr "Wie ein Wolf" irgendwann einmal, vielleicht auf einem Flohmarkt oder auf einem verstaubten Dachboden, findet, dann schenkt ihm ein bisschen Liebe und schlagt es auf. Dann erfahrt ihr auch, wie die drei, Robin, Iselin, Inga, sich finden.

Dienstag, 12. November 2013

Book Playlist Challenge Day 3: Book that you dislike that is well known (Pop)

Meistens lese ich so vor mich hin und interessiere mich nicht besonders für "hippe" Autoren, jedenfalls nicht mehr als für andere. Meine Bücher wähle ich thematisch, wenn es mich auf diese Weise nicht anspricht, kann es noch so angesagt sein, es bleibt trotzdem stehen.
Doch ab und zu kommt es vor, dass mir Freunde Bücher ausleihen, die ich sonst nicht gelesen hätte. Oder ich schaue in die Onleihe und sehe ein Hörbuch, das man mal auf die Schnelle... Jedenfalls kam ich so auch in den zweifelhaften Genuss der Twilightreihe. Aber das wäre eine zu einfache Antwort auf die Frage nach ungeliebten Bestsellern.
1Q84 (1Q84, #1 & #2)Statt dessen nehme ich meinen Reinfall des Jahres als Antwort für Tag 3: 1Q84 von Haruki Murakami.
Parallelwelt, Science Fiction, Bedrohung? Nach um die 200 Seiten war davon nur ein Schatten zu spüren, und mit Band 3 im Nacken haben mein Freund und ich die Sache gemeinschaftlich geschmissen. Das ganze Jahr haben wir uns (ich lesend, er hörend) durch diesen elend langsam vorankommenden Trümmer von einem Buch gequält, bis wir es nicht mehr aushielten.
Bevor man mich mit abgelaufenen Lebensmitteln bewirft: Wir stehen sonst total auf Murakami. Mein erstes Buch von ihm (und auch das erste, das ich freiwillig auf Englisch gelesen habe) war Kafka am Strand und es bleibt bis heute mein Murakami-Liebling. Aber auch die Kurzgeschichte und einige andere seiner Romane haben wir gemeinsam gelesen und waren meistens begeistert. Umso schlimmer, das 1Q84 so zäh wie eine Mathestunde war. Wenn das Ganze viel kürzer gewesen wäre, ja dann...
Jedenfalls kann ich den Hype um das Buch nicht verstehen.

Montag, 11. November 2013

Book Playlist Challenge Day 2: Book(s) evoking the Seven Deadly Sins (Irish Punk)

Wham! Direkt am zweiten Tag der Challenge hätte ich fast meine Antwort vergessen. Ist aber auch eine sehr schwere Frage. Alle sieben Todsünden, da braucht es schon sehr verkommene Figuren. Aber nach einigem Nachdenken ist mir doch noch ein passendes Buch eingefallen: Der abentheuerliche Simplicissimus Teutsch.

Simplicissimus Cover page
Den musste ich in der Schule lesen und später noch mal für die Uni. Ein ziemlich dicker Wälzer mit Satzlängen, bei denen selbst Thomas Mann in Tränen ausgebrochen wäre.
Der erste große deutsche Roman schildert das Leben von Simplicissimus Deutsch, das größtenteils während des 30-jährigen Krieges stattfindet.
Simplex wächst nach einem Überfall auf seinen Heimathof, den nur er überlebt, bei einem Eremiten auf. Nach dessen Tod zieht er in die Welt.
Sein Wesen scheint schlicht: Zu Beginn ist er dermaßen naiv, dass er nicht den Namen seiner Eltern nennen kann und auch nicht das Grauen verstehen kann, dass seiner Familie durch den Überfall geschieht.
Der Einsiedler kann ihm wenigstens den Glauben und Moral einimpfen, doch allzu bald ist der junge Simplex wieder auf sich gestellt.
Auf seinen Reisen erlebt er sozialen Aufstieg und Fall und lernt Menschen aus allen Bevölkerungsschichten kennen. Ihnen allen ist ihre Fehlbarkeit gemein. Insbesondere an die Habgier einiger Soldaten erinnere ich mich und an eine Fressorgie relativ am Anfang. In diesem Buch finden sich garantiert alle sieben Todsünden.
Leider ist es etwas schwer zu lesen (immerhin stammt es aus dem Barock), doch viele urkomische Stellen (teils gerade durch die antike Sprache, die oft unfreiwillig komisch ist) versüßen einem die Lektüre. Für diese Geschichte würde ich mir unbedingt eine moderne Fassung wünschen - es gibt zwar eine Übersetzung in modernes Deutsch, aber ich würde mir etwas weniger Akademisches wünschen wie einen Comic.

Zum Abschluss der Vollständigkeit halber der volle Titel:
Der Abentheuerliche Simplicissimus Teutsch

Das ist:
Die Beschreibung deß Lebens eines seltsamen Vaganten / genant Melchior Sternfels von Fuchshaim / wo und auch welcher gestalt Er nemlich in diese Welt gekommen / was er darinn gesehen / gelernet / erfahren und außgestanden / auch warumb er diese wieder freywillig quittirt.
Überauß lustig / und maenniglich nutzlich zu lesen.
An Tag geben von German Schleifheim von Sulsfort.

Sonntag, 10. November 2013

Book Playlist Challenge Day 1: Favourite book with a rebel character (Punk)

Hinter dieser Aufgabe steht der Vermerk "Punk". Ich finde, wer Punk sein will, muss absolut nihilistisch sein. Einem Punk muss alles egal sein, sonst ist er kein Punk mehr.

Also eignet sich für diese Aufgabe ein Protagonist (oder Antagonist), der zum Beisüpiel gerade sein ganzes altes Leben hinter sich gelassen hat oder à la "Fänger im Roggen" einfach jung ist und auf alles 'scheißt'.

Der StrandEin Buch, dass ich auch nach dem zweiten Lesen noch faszinierend finde und dessen Hauptfigur auf die obige Beschreibung passt, ist "Der Strand".
Diejenigen, die den Film gesehen haben, bitte ich, diesen zu vergessen: Lest das Buch, Leute! Die Story ist klasse und außerdem nicht identsich mit der des Films.

In "Der Strand" erzählt ein Typ, der sich Richard nennt, aber keinen Anspruch darauf erhebt, wirklich so zu heißen, wie er das Paradies suchte und die Hölle fand. Als junger Kerl (vielleicht Anfang 20, ich weiß nicht mehr) bereist er als Rucksacktourist die Welt (vor allem Südostasien) und meldet sich selten zuhause. Drogen, Frauen und der Nervenkitzel des Verbotenen treiben ihn an.
An den Strand, der von einer Gruppe Individualisten bewohnt wird, kommt er mithilfe einer Karte. Doch auch dort findet er keinen Anschluss an den Rest der Gruppe, was ihm aber auch egal zu sein scheint. Die Aggressionen innerhalb der Gruppe stauen sich auf, bis die Situation in einer Art Mikroapokalypse eskaliert.
Natürlich bleibt Richard nicht kalt gegenüber all den Dingen, die er auf der Insel erlebt, er ist kein Roboter. Aber er strahlt doch eine Distanz aus, die wohl nötig ist, wenn man nach solchen Erlebnissen, wie sie in "Der Strand" geschildert werden, ein normales Leben führen will.

So rebelliert Richard zu Beginn des Buches gegen den langweiligen Alltag, will sich nicht in das Leben fügen, dass von ihm erwartet wird (Job, Familie, Haus etc.). Am Strand aber kann er sich auch nicht in die Gruppe einfügen, will sich nicht den dortigen Regeln beugen. Dabei halten sich pure Rebellion und Widerstand gegen Missstände die Waage. Am Ende haben ihn die Erlebnisse so sehr gezeichnet, dass ihm nur der Wunsch bleibt, ein möglichst normales Leben zu führen. Ob es ihm gelingt? Daran scheint er selbst zu zweifeln.

30 Day Book Playlist Challenge!

Gestern bei Booklikes entdeckt, ab heute im Programm!

Samstag, 9. November 2013

John Irving über das Schreiben: 4 Tipps für junge Autoren

Foto: Elke Wetzig/CC-BY-SA
John Irving ist vielen nicht nur durch seine Romane, sondern auch durch deren Verfilmungen bekannt ist. Wer kennt nicht "Gottes Werk und Teufels Beitrag" oder "Garp und wie er die Welt sah"? In einer Rede über das Schreiben, die er an der Academy of Achievement hielt, verrät der Schriftsteller, wie seine Bestseller entstehen:


  1. Beginne mit dem Schluss: Irving beginnt seine Geschichten mit dem letzten Satz, erst hat diesen Satz im Kopf und erzählt sozusagen, die Geschichte, wie es zu diesem Satz gekommen ist. Dabei kann es vorkommen, dass er Wochen oder Monate nicht weiß, wie es im Einzelnen dazu kam. Für diese Vorgehensweise muss man also kein Genie sein, das mit einem Fingerschnipp eine ganze Geschichte im Kopf hat. Vielmehr geht man von einem ausdrucksstarken Moment an rückwärts, rekonstruiert die möglichen Geschehnisse.
  2. Werde zum Experten: Bevor John Irving sich an die "Produktion" des Textes macht, betreibt er ausgiebige Recherchearbeit. "Man kann nie genug wissen", sagt der Erfolgsautor. Nichts soll ihn von seinem Schreibprozess abhalten. Wer will schon einen Dialog unterbrechen müssen, um nachzuschlagen, in welchem Jahr das schnurlose Telefon erfunden wurde? Oder so.Vielleicht ist das mit die größte Herausforderung am Schreiben: Den Moment zu erkennen, an dem man sich nicht mehr besser auf das eigentliche Schreiben vorbereiten kann, an dem man einfach loslegen muss. 
  3. Kenne deine Story: Auch vom eigenen Plot will sich Irving während dem Texten nicht ablenken lassen: Er weiß schon vorher bis ins Detail, was wann geschieht.
  4. Schreiben ist ein Handwerk: Ein Satz, den man schon oft so oder anders gehört hat. Doch Irving hat sehr klar gemacht, was er bedeutet: Der eigentliche Schreibvorgang erfordert Kraft und Konzentration. Nachdem man das nötige Wissen zu Themen der Geschichte hat und dieselbe ersonnen hat, geht es darum, Sätze zu bauen, die dem gerecht werden. Dabei fließen folgende Überlegungen mit in das Entstehen des Textes ein:
  • Wann und wie erhält der Leser Informationen?
  • Wie muss ein bestimmter Satz klingen?
  • Passen zu einer Passage eher kurze oder lange Sätze? Soll Spannung erzeugt werden?
  • Ist es nötig, einen Absatz durch mehr Satzzeichen für den Leser aufzulockern?
Von dem 14-minütigen Vortrag gibt es nur eine geschnittene sozusagen inoffizielle 5-Minuten-Version auf Youtube. Wer das Original sehen will, muss iTunes anwerfen (Episode#30).

Dienstag, 5. November 2013

Rezension. Der Hauptmann von Köpenick oder: Wem gehört diese Uniform?


Regal-Challenge: 17/38

Manchmal passt einfach nichts zusammen beim Lesen, obwohl alle Zeichen gut zu sein scheinen.
Der Hauptmann von KöpenickZum Beispiel sprechen in diesen Drama fast alle Berlinerisch in verschiedenen Abstufungen, an ein, zwei Ecken auch Hamburgisch. Sobald ich auch nur eine Seite in Berliner Zunge lese, rede ich den ganzen Tag selber so. Das ist eine dieser Mundarten, wo man sich am liebsten reinlegen würde wie in 'ne schöne warme Badewanne. Geht mir jedenfalls so. Und dann komm ich nicht mehr raus, weil die Anstrengung, die man dafür betreiben müsste, einfach nicht mit einer ihr entsprechenden Belohnung verbunden ist.
Aber zurück zum Thema:
Wilhelm "Willem" Voigt ist ins Räderwerk des wilhelministischen Deutschland gelangt: Nach einer Haftstrafe will man ihn erst einen Pass geben, wenn er Arbeit gefunden hat, aber niemand lässt ihn ohne Pass bei sich arbeiten.
So weit, so verzwickt. Aus dieser Lage kann sich Voigt nur mithilfe eines Passes befördern. Er versucht mehrfach, sich einfach einen zu "besorgen", keinen gefälschten, sondern direkt von der Passausgabestelle, wo die Dinger in kaiserlicher Ordnung vorrätig zu haben sind.

Das hätte eine Komödie auf den Wilhelminismus werden können, und das habe ich wohl auch erwartet, so als Fan von Heinrich Mann ("Der Untertan", "Professor Unrat"). Aber Carl Zuckmayer meint es ernst, und so ist denn auch das Drama. In schier endlosen Szenen sieht man Uniformträger, denen es gut geht, die geachtet werden, die sich einiges erlauben können (und auch davon ausgehen, das Recht dazu zu haben, sodass sie manchmal über die Stränge schlagen). In anderen Szenen sieht man die andere Seite: Die Obdach- und Arbeitslosen, der "Abschaum" der Gesellschaft, alle scheinbar nette Typen, nur aus Verzweiflung begehen sie Straftaten.

Und dann der Anzug.
Das Drama beruht auf wahren Begebenheiten: Am 16. Oktober 1906 hat ein Wilhelm Voigt sich eine vom Trödler erstandene Hauptmannsuniform angezogen und allein dadurch die nötige Autorität für einen genialen Streich erlangt. Er fing einen Soldatentrupp ab, den er unter sein Kommando nahm. Die Kompanie machte sich auf zumRathaus, wo Voigt den Oberstadtsekretär und den Bürgermeister festnehmenließ. Dann beschlagnahmte er die Stadtkasse (knapp 4000 Mark) und flüchtete in einer Droschke. Ich empfehle den Wikipediaartikel dazu, die Details sind einfach zu gut.
Die Uniform taucht schon in der ersten Szene auf: Erst lässt sich ein hohes Tier des kaiserlichen Beamtenapparats das Teil maßschneidern, dann muss er wegen einer Schlägerei seinen Posten räumen (wegen Soldatenehre, nicht wegen Rauswurf) und gibt die Uniform auf Kommission zurück. Das sind jede Menge Szenen, die mir zu viel waren. Irgendwie so, als halte Zuckmayer sein Publikum für blöde und müsse alles ausbuchstabieren. Ich hätte besser gefunden, wenn eine den Wilhelminismus entlarvende Story in Voigts eigene Geschichte mit eingewoben worden wäre. So war die Geschichte oft zweigeteilt. Was auch nicht durch die lange Zeitspanne besser word, in der das Drama spielt: Es setzt bereits 10 Jahre vor Voigts Coup ein, nach dem ersten Akt geht er erst mal ins Gefängnis.

Dadurch haben sich die popligen 128 Seiten richtig gezogen. Der dritte Akt war dann vollkommen okay, also wenn es 'losgeht'. Den Schluss fand ich persönlich etwas zu flach, aber damit könnte ich leben.

Wie man am Cover sehen kann, gibt es auch eine recht berühmte Verfilmung mit Heinz Rühmann. Ich habe den Film nicht gesehen (werd ich wohl auch nicht, steh nicht so auf Rühmann), aber die Rolle ist ihm auf den Leib geschneidert. Wer mal Heinz Rühmann in Aktion gesehen hat: So ist Willem Voigt.

Montag, 4. November 2013

Lestat der Rockstar

Der Fürst der Finsternis
Vor kurzem habe ich "Interview mit einem Vampir" gelesen und es hat mich ziemlich von den Socken gerissen. Weil es die Fortsetzung als Hörbuch in der Onleihe gibt, habe ich mich ergo direkt daran gemacht. Ich war schon vorsichtig mit meinen Erwartungen, weil ich den Zeitunterschied der Veröffentlichungen von "Interview mit einem Vampir" und diesem Buch doch sehr groß finde. Außerdem lässt sich der Geniestreich Interview <-> Vampir nicht wiederholen.

Dennoch: Warum Lestat für diese Story bemühen? Sein Wesen ist so anders als in 'Teil 1', dass es mich gestört hat, unzuverlässiger Erzähler hin oder her. Das ist dann eher wie eine billige Ausrede für eine komplett andere Story ("Oh, dieser Louis, er hat mich ganz falsch dargestellt").

Et voilà: Lestats Leben und Sterben. Ach nein, da sind auch noch die Stories von ganz anderen Leuten drin, verschiedene aneinander gestückelte Kurzgeschichten oder hier eher Exkurse. Die Rahmengeschichte mit Lestat als neuer Stern am Rockhimmel ist zwar lustig und auch passend, kommt aber praktisch nur als Mittel zum Zweck vor und erscheint dadurch etwas an den Haaren herbeigezogen. Der Lestat, den Louis zeigte, interessierte sich weder für Musik noch für das Theater.


Ich sage nicht, dass das Buch Schrott ist. Und vielen gefällt es ja auch. Nur hatte ich wohl etwas anderes erwartet, mehr in der Art des nachdenklichen Louis. Sein 'Weltschmerz' war mir sympathisch, seine nachdenkliche Art, das Wesen der Vampire zu ergründen und sich selbst in Frage zu stellen. Was ich von Lestat nach diesen zwei Bänden halten soll, weiß ich nicht.

Etwas, das mit Lestats Mutter passiert, ging mir, die ich die erotischen Untertöne im "Interview" für wirklich gelungen und sinnlich halte, dann doch zu weit. Außerdem kann ich es wirklich nicht leiden, wenn auf den letzten paar Seiten so viel passiert. Also, wem's genauso geht: Ihr wurdet gewarnt.

Ach ja, zum Hörbuch: Ick sag nur David Nathan! Wer weiß, wie wenig ich das Buch in Papierform gemocht hätte?! Aber von Nathan lasse ich mir selbst den schlimmsten Trash vorlesen (alles bereits vorgekommen).