Mittwoch, 23. Oktober 2013

Rezension. Still von Susan Cain

Still: Die Kraft der IntrovertiertenVor ziemlich genau einem Jahr habe ich "Still" von Susan Cain gelesen. Es ist ein Sachbuch über Introversion. Da ich dem Drittel der Menschheit angehöre, das introvertiert ist, aber in einer Gesellschaft lebe, die einzig auf Extraversion ausgelegt ist, war mir dieses Buch eine große Hilfe.

Für alle Extravertierten: Introversion bedeutet nicht, dass man schüchtern ist, heißt nicht, dass man wortkarg und ungesellig ist.
Es heißt, dass man vergleichsweise viel Zeit für sich braucht, als Rückzugsort vor dem Trubel der Welt.

Wem das auch nur ansatzweise bekannt vorkommt, dem empfehle ich "Still".

Gut, zuerst war ich nicht so sehr begeistert. Das liegt zum Teil am deutschen Umschlagtext. Durch den denkt man, dass ein erheblicher Teil des Buches sich praktischen Tipps widmet, wie man als Introvertierter zurecht kommt. Ist aber nicht so. Es handelt sich in Wirklichkeit um einen recht kurzen und meiner Meinung nach nicht besonders hilfreichen Teil des Buches, in dem spezielle Situationen geschildert werden und dafür Lösungen angeboten werden.

 Der erste Teil des Buches schien mir auch etwas ... schwammig. Ein paar Geschichten über Introvertierte, die mehr oder weniger mit ihrem Umfeld klarkommen.
 Ein Jahr lang habe ich zwar über meine Introversion nachgedacht, aber dem Buch nicht mehr viel Beachtung geschenkt. Erst jetzt fange ich an zu sehen, wie wichtig das Buch wirklich war: Ich fange an, Probleme, die durch die Introversion entstehen, zu erkennen und dafür Lösungen zu finden. Warum werde ich von einem zum anderen Moment ultragenervt? Wahrscheinlich befinde ich mich gerade an einem lauten Ort (viele Leute, laute Musik, hoher Stressfaktor) und brauche einfach mal eine Pause. Das klingt jetzt nach einer einfachen logischen Schlussfolgerung. Aber wenn man in einer Welt lebt, in der die Mehrheit der Leute so lebt, als gäbe es keine Introvertierten und das Motto aller "laut = angesagt" ist, dann braucht man Hinweise darauf, was genau mit einem "nicht stimmt".
 Genau das hat mir dieses Buch gegeben. Und vor allem den nötigen Zuspruch, dass ich so okay bin, wie ich bin. Man kommt sich nämlich schon ab und zu seltsam vor so allein unter Extravertierten. Vor allem, wenn man ständig zu hören bekommt, man sei ja so "still". Die Situation aus der Sicht des Introvertierten spiegelt sich schön im englischen Originaltitel: "Quiet: The Power of Introverts in a World That Can't Stop Talking". So viel also dazu.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen