Freitag, 4. Oktober 2013

Rezension. Leviathan: Die geheime Mission

Leviathan (Leviathan, #1)

Es ist der Sommer 1914, aber es ist nicht das Europa, das wir kennen: Die europäischen Staaten lassen sich in Maschinisten und Darwinisten einteilen - solche, die auf Maschinen schwören und die, die sich nützliche Tierwesen erschaffen. Als der Kaiser Österreichisch-Ungarns bei einem Attentat umkommt, flammt schnell ein Krieg auf, der den ganzen Kontinent überziehen wird.

Mittendrin: Alek und Deryn.

Alek ist der Sohn des Kaisers, der sich mit einer handvoll treuer Diener auf der Flucht vor den Deutschen befindet. Da seine Mutter eine Bürgerliche war, ist seine Thronfolge eigentlich ausgeschlossen - warum verfolgen ihn dennoch alle? Der 15-jährige muss den Verlust all dessen verkraften, was mal sein Zuhause gewesen war.

Deryn ist ein schottischer Wildfang und hat sich in den Kopf gesetzt, in die Luftwaffe einzutreten - obwohl dort keine Frauen zugelassen sind ... Doch ihr Talent und Wissen über Aeronautik machen sie schnell unentbehrlich.



- Und mehr will ich zum Inhalt nicht verraten.

Wer bei Jules Verne die Action vermisst und die Philosophie überflüssig gefunden hat, wird diese Reihe sicher lieben. Der erste Band jedenfalls ist rasant geschrieben, oft überschlagen sich hier die Ereignisse. Doch die Spannung ergibt sich nicht nur aus der reinen Action, aus Kugelhageln und explodierenden Wasserstofftanks, auch die Politik spielt hier eine Rolle. Leider muss ich sagen, ich weiß nicht, wie da ein 12-järiger Leser hinterherkommen soll. Oder bin ich mit Wissen über den Ersten Weltkrieg (Geschi LK) überfrachtet? Wahrscheinlich. Es ist jedenfalls reichlich was los in "Leviathan".

Das eigentlich tolle am Steampunk sind ja für mich die schrägen dampfbetriebenen Erfindungen, die tausend kleinen Rädchen, die viktorianische Kultur. So ist mir mit diesem Buch, das sogar ein wenig illustriert ist (in ausdrucksstarkem Scharzweiß), klar geworden, dass dieses Genre für mich fast ausschließlich visuell reizbar ist. Als Comic oder Film. Ich will den Rost sehen, Baby!

Gerade bei diesem Buch kommen die Zahnräder aber leider zu kurz. Alek flüchtet in einem sogenannten Läufer, so eine Art 'Pacific Rim' Mecha, man steigt rein und bedient das Ganze mittels eigener Körperbewegungen. Soweit, so bekannt. Die Deryn-Kapitel spielen aber unter Darwinisten, also die, die Lebewesen zu Kampfmaschinen (und natürlich Lastenträgern und anderem Altbekannten) heranzüchten. Das geht mir als Tierliebhaberin etwas weit. Wenn ich mir vorstelle, dass so ein Zeppelinwal bei einem Luftgefecht vollkommen zerfetzt wird ... Ne. Nenene.

Und doch hat es Spaß gemacht, das Buch zu lesen, und man will schon wissen, wie's im zweiten Band weitergeht. Deryn ist mir dabei immer noch sympathischer als der etwas verzogene Prinz, aber der macht sich. Zwischendrin hat man immer mal wieder etwas knappe Gedanken zu Politik und Weltansichten und warum überhaupt Krieg und so weiter. Immerhin etwas, aber da würde ich von einem guten Jugendbuch mehr erwarten.

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