Montag, 28. Oktober 2013

Rezension. Kurt Tucholsky: Sprache ist eine Waffe

"Sprache ist eine Waffe" ist eine Auswahl aus Kurt Tucholskys Sprachglossen, die  er für die Vossische Zeitung und die Weltbühne verfasst hat.

Sprache ist eine Waffe: Sprachglossen
Wer sich unter einer Glosse nichts vorstellen kann: Das ist
ein kurzer und pointierter, oft satirischer oder polemischer, journalistischer Meinungsbeitrag in einer Zeitung oder Zeitschrift.
Danke, Wikipedia. Und der Vorständigkeit halber und da Tucholsky viel Wert auf den sensiblen Umgang mit Sprache gelegt hat: "Glosse" bezeichnet auch den Definitionstext eines Worts im Lexikon.

Zurück zum Buch.

Obwohl eine Unterteilung in verschiedene Kategorien vom Herausgeber vorgenommen wurde, war für mich nicht immer klar, woran sich diese orientiert. War mir aber auch egal, ich hab das Ganze einfach ignoriert und mich stur von vorne bis hinten durchgearbeitet. Eins vorweg: Vielleicht ist das nicht die ideale Weise, dieses Büchlein zu goutieren.

Kurt Tucholsky ist mir, glaube ich, zum ersten Mal vor vielen Jahren (in meiner Schulzeit) als pointiert und intelligent schreibender Dichter aufgefallen. In meinen Lesezeichen findet sich da zum Beispiel "Mutterns Hände" (gelesen von Juliane Fechner für die Sprechbude). Zusammen mit Erich Kästner gehört Tucho zu den wenigen deutschen Autoren, deren Gedichte ich lesen kann.

Aber hier geht es um Sachtexte, wenn auch um eher humorvolle. Einige waren sehr unterhaltsam, andere etwas langatmig. Das liegt wohl auch am Alter (über den Daumen gepeilt zwischen 1919 und 1932 erschienen). Ich möchte hier einfach ein paar Textstellen versammeln, die ich mir angestrichen habe.

Beamtenstil im Liebesbrief:
In erotisch-kultureller Beziehung denke ich mir den Liebesbrief eines solchen Korrespondenten so:

Geheim! Tagebuch-Nr. 69/218.
Hierorts, den heutigen
1. Meine Neigung zu Dir ist unverändert.
2. Du stehst heute abend, 71/2 Uhr, am zweiten Ausgang des Zoologischen Gartens, wie gehabt.
3. Anzug: Grünes Kleid, grüner Hut, braune Schuhe. Die Mitnahme eines Regenschirms empfiehlt sich.
4. Abendessen im Gambrinus, 8.10 Uhr.
5. Es wird nachher in meiner Wohnung voraussichtlich zu Zärtlichkeiten kommen.
(gez.) Bosch, Oberbuchhalter

Deutsche und Entspannung:
Der deutsche Mensch, der auch einmal „Mensch sein“ will, eine Vorstellung, die mit aufgeknöpftem Kragen und Hemdsärmeln innig verknüpft ist – der deutsche Mensch ist ein geplagter Mensch.

Wie Gespräche wirklich funktionieren:
[...] Drittes Gesetz: Ein guter Alltagsdialog wickelt sich nie, niemals so ab wie auf dem Theater: mit Rede und Gegenrede. Das ist eine Erfindung der Literatur. Ein Dialog des Alltags kennt nur Sprechende – keinen Zuhörenden.

Ich würde jedem empfehlen, sich mal mit den Kurt Tucholsky zu befassen, allerdings nicht zwingend mithilfe dieses Buches. Er ist einer der wenigen, die den Rechtsruck in Deutschland schon früh spürten und dagegen ankämpften. Sucht euch irgendetwas, das euch anspricht; Tucho hat so viele verschienartige Textes geschrieben, das für jeden etwas dabei sein sollte.
Da Tucholsky bereits 1935 verstarb, kann man seine Texte online lesen. Eine große Sammlung findet sich zum Beispiel beim Textlog.

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