Sonntag, 27. Oktober 2013

Rezension. Interview mit einem Vampir

Dies ist meine erste Rezension im Rahmen der Buchverfilmungschallenge.

Ich werde selten von einem Buch überrascht, doch in diesem Jahr ist das schon ein paar Mal passiert. Das verdanke ich der Genre Challenge, an der ich teilnehme (die Literary Exploration Challenge).
Dieses Buch hat mich sehr überrascht, vor allem weil mir der Film nie sonderlich gefallen hat. Aber dazu ein andermal.

Interview mit einem Vampir (The Vampire Chronicles, #1)
Zwei Figuren in einem geschlossenen Raum. Der eine ein "Junge", der andere - ein Vampir. In der Mitte ein Diktiergerät.
Eine Idee, so simpel wie bestechend.
Ein Vampir wird hier interviewt. Der Junge, der sicher nur aus Sicht des Vampirs ein "Junge" ist, lauscht gleichermaßen fasziniert und entsetzt den Worten von Louis, der aus seinem Vampirleben erzählt. Und der Leser auch.

Louis ist aber kein blutgieriger Lebemann, wie es einige seiner Artgenossen sind. Er ist nachdenklich, irgendwie immer ein wenig traurig, als bedauere er sein Dasein. Louis berichtet, wie Lestat ihn zum Vampir machte, um an seine Ländereien zu kommen, und wie Louis schnell der Gesellschaft des so blutdrünstigen wie stumpfsinnigen Lestat überdrüssig wird. Während der nämlich behauptet, Louis sei von ihm abhängig, da nur er die Geheimnisse des Vampirdaseins kenne, scheint er eigentlich gar nichts zu wissen und erst recht nichts preisgeben zu wollen.

Louis kann sich von der Welt der Menschen nie ganz verabschieden. Er liebt Bücher und Musik und verbringt viel Zeit damit, über die Natur der Vampire nachzusinnen. Müssen sie Menschen töten, um zu überleben? Sind sie des Teufels? Dieser Gedanke belastet ihn.

Man darf jetzt nicht denken, der Roman sei von philosophischen Exkursen durchzogen (das hatte mich zum Beispiel bei "Das Bildnis des Dorian Gray" immer ein wenig gelangweilt). Immer ist die Geschichte zugleich spannend und nachdenklich; das ist eine äußerst schwierig zu erreichende Qualität an einem Text, und das allein ist ein dicker dicker Pluspunkt für Anne Rice. So hat man gleichzeitig gute Unterhaltung und etwas zum grübeln.

Dabei halten sich unterschwellige Erotik und Grusel die Waage, so wie es sich eine Stephenie Meyer nicht einmal träumen kann (das ist kein böser Seitenhieb nur um Twilight-Fans zu dissen - ich habe die Reihe gelesen und dabei sehr gelitten). Man glaubt kaum, dass das Buch um die 35 Jahre auf dem Buckel hat.

Auch war ich mit einem Schluss selten so zufrieden wie mit diesem. Darüber möchte ich natürlich  kein Wort verlieren, nur, dass ich denke, er würde nicht jedem passend erscheinen.

Absolute Leseempfehlung!

Ich versuche, den Film möglichst bald noch mak zu schauen, damit der Eindruck noch frisch ist!

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