Mittwoch, 28. August 2013

Wie wird man zum Held?

Gestern abend kam auf arte die Dokumentation "Der Held in uns - Eine Gebrauchsanweisung" von Yoav Shamir. Der israeli Shamir ist um die halbe Welt gereist, hat mit Wissenschaftlern und Helden gesprochen und versucht, einen gemeinsamen Nenner unter Helden zu finden.
Eine feine, schön gemachte Dokumentation, die ganz unterschiedliche und auch unerwartete Blickwinkel auf das Thema eröffnet.

Noch bis nächsten Montag kann man sich den 88-minütigen Film in der Mediathek des Senders ansehen.



Im Film werden einige interessante Forschungsprojekte und Institutionen angesprochen:

  • Das Milgram-Experiment: 1961 wollte der Psychologe Stanley Milgram herausfinden, warum sich so wenige gegen das Naziregime gewehrt hatten und ob möglich wäre, dass do etwas noch einmal geschieht. 
    Der Versuch bestand darin, dass ein „Lehrer“ – die eigentliche Versuchsperson – einem „Schüler“ (ein Schauspieler) bei Fehlern in der Zusammensetzung von Wortpaaren jeweils einen elektrischen Schlag versetzte. Ein Versuchsleiter (ebenso ein Schauspieler) gab dazu Anweisungen. Die Intensität des elektrischen Schlages sollte nach jedem Fehler erhöht werden.
    Milgram ging davon aus, dass maximal 1% der Versuchspersonen die Elektroschocks bis zum Maximum von 450 Volt ausreizen und damit die Gesundheit des vermeintlichen Schüler gefährden würden. Er irrte sich: 90% der "Lehrer" ließen sich vom Versuchsleiter dazu überreden, immer weiter zu machen, nur 10% widersetzten sich.
  • Die Carnegie Hero Fund Commission:
    The Carnegie Hero Fund awards the Carnegie Medal to individuals in the United States and Canada who risk their lives to an extraordinary degree dsaving or attempting to save the lives of others.
    Auf der Seite kann man im Archiv der Medaillenträger wühlen und es gibt sogar einen Newsletter.
  • Gerechter unter den Völkern: Eine israelitische Institution, die nichtjüdische Personen auszeichnet, die unter der Naziherrschaft ihr Leben einsetzten, um Juden vor der Ermordung zu retten.
  • Das Stanford-Prison-Experiment: Hierzulande kennt man dieses Experiment wahrscheinlich vor allem durch den Film "Das Experiment" (mit Moritz Bleibtreu). In einer fingierten Gefängnisumgebung wurden die Testpersonen (alles Studenten) in Gefangene und Wärter aufgeteilt und dann sich selbst überlassen. Kameras zeichneten auf, wie innerhalb kürzester Zeit die Wärter ihre Macht über die vermeintlichen Straftäter missbrauchten und immer groteskere Mittel zur Erniedrigung und Folter der Gefangenengruppe fanden. Das Experiment wurde am sechsten Tag abgebrochen, da es aus dem Ruder zu laufen drohte.
  • Dieses Experiment wurde von Philip Zimbardo geleitet. Auf seiner Website findet man viele interessante Links zu seinen Forschungsthemen (Zeit, Heroismus, das Böse, Schüchternheit), unter anderem zum "Heroic Imagination Project", wo jeder lernen kann, wie man ein Held wird (echt wahr).
Außerdem ist Zimbardo ein guter Redner; im unten stehenden TED Talk Video spricht er darüber, wie leicht es ist, böse zu handeln. Dabei  erläutert er die von mir erwähnten Experimente in unterhaltsamer und verständlicher Weise. Sehr empfehlenswert und für die Englischfaulen sogar mit (nicht automatisch erstellten) deutschen Untertiteln.