Donnerstag, 7. Juni 2012

Ray Bradbury. Fahrenheit 451 und die Kunst der Imagination

Fahrenheit 451.Heute morgen habe ich davon erfahren: Der Schriftsteller Ray Bradbury ist gestorben. Erst vor kurzem habe ich mit Fahrenheit 451 sein bekanntestes Werk gelesen und war begeistert von seinem Ideenreichtum. Er schafft es, auf nicht einmal 200 Seiten eine ganze, in sich stimmige Welt zu erschaffen, eine Fähigkeit, die den meisten Autoren leider fehlt.

Ganz allgemein kann man sich fragen, wodurch dieser dichte Eindruck entsteht, die Antwort allerdings, die mir dazu einfällt, klingt einfach und erschütternd: Bradbury spart nicht mit Ideen, sondern reichert seine Geschichte stark mit allerhand Einfällen an. Ich denke, vielen Autoren ist der allzu großzügige Umgang mit Originalität zu heikel, da sie vielleicht befürchten, ihnen könnten irgendwann die Ideen ausgehen.
Anders Bradbury: In seiner düsteren Zukunftsfiktion blitzen viele Details nur kurz auf und werden auch nicht vollständig geklärt, sodass diese Zukunft sehr real und komplex erscheint. Doch diese losen Enden stehen nicht nur in reinem Chaos herum, sondern bilden gemeinsam ein Ganzes, das Universum von Fahrenheit 451.
Ray Bradbury gab an, seit seinem 13. Lebensjahr täglich geschrieben zu haben. Er hat hunderte von Kurzgeschichten verfasst, hat für das Theater, das Fernsehen und die große Leinwand geschrieben, auch Opern und Hörspiele stammen aus seiner Feder. Ein mir bis heute Morgen unbekanntes Sahnehäubchen der Information: Bradbury hat das Drehbuch für die berühmte Moby Dick-Verfilmung mit Gregory Peck geschrieben.

Dieser Mann war ganz offensichtlich eine wahre Schatztruhe der Imaginationskunst.Aber er hat aus seiner Kunst kein Geheimnis gemacht und sie auch nicht künstlich erhöht: Zum Einen veröffentlichte er das Buch "Zen in the Art of Writing" (auf Deutsch unter dem Titel "Zen in der Kunst des Schreibens" erschienen), mit dem er nicht nur einen praktischen Schreibratgeber liefert, sondern auch viel von sich selbst offenbart und Einblicke in die Entstehungsprozesse seiner berühmtesten Werke bietet (das deutsche Inhaltsverzeichnis gibt es hier). Zum Anderen war er bei zahlreichen Gelegenheiten um Ratschläge nicht verlegen. Sehr empfehlenswert finde ich seine Keynote Speech des "Sixth Annual Writer's Symposium by the Sea":


Ein sehr sympathischer und unprätentiöser Mensch, von dem ich unbedingt noch mehr lesen möchte und dem ich auch jedem empfehle.