Montag, 14. Mai 2012

Matt Ruff. G.A.S. - Die Trilogie der Stadtwerke

G.A.S. ( GAS). Die Trilogie der Stadtwerke.Ich habe mit GAS alle auf Deutsch erschienen Matt Ruff Romane gelesen. Man kann mich also durchaus als Kenner und meist auch als Liebhaber bezeichnen. Soviel im Voraus.

GAS erzählt die wahnwitzige Geschichte eines New York der Zukunft - so, wie man sich die Zukunft in den Neunzigern vorstellte. Im Jahr 2023 kann man Computer - und Autos - per Sprache steuern und sich mit ihnen unterhalten, man kann politische Reden automatisiert auf ihren wahren Inhalt reduzieren, die Wolkenkratzer reichen meilenweit in den Himmel, und vor allem gibt es Roboter, die sich in allen Bereichen des Lebens breit gemacht haben und den Menschen unbeliebte Arbeiten abnehmen. Die können natürlich auch sprechen.

Ein wild gemischter Haufen an Charakteren - der Ökoterrorist Philo Dufresne und seine U-Boot-Crew, der Kriegseteran und Vernichter pornographischer Bilder Maxwell, Unternehmer Harry Gant inklusive Exfrau Joan, ein äußerst streitwütiges Ayn Rand-Hologramm, der mutierte Hai Meisterbrau und ungezählte weitere - schlagen sich miteinander herum. Im Überblick wirkt der Roman ein bisschen wie ein Actionfilm: Viel Schlagabtausch in immer neuen Konstellationen, und die Handlung geht ein wenig unter. Im Kern des Ganzen steht ... hier muss man aufpassen, nicht zu viel zu verraten. Sagen wir so: Bei der Entwicklung der androiden Helfer, die ursprünglich von Walt Disney höchstselbst finanziert wurden, hat es ihr Erfinder, niemand geringeres als J. Edgar Hoover, nicht belassen, sondern etwas wesentlich Intelligenteres gebaut. Dass sich so was verselbständigt, ist wohl kein Geheimnis, also: Dieses Wesen, genannt G.A.S., entwickelt eigene Pläne, die ziemlich wahnwitzig und für einen großen Teil der Bevölkerung gefährlich sind. Außerdem hat eine mysteriöse Seuche praktisch die gesamte schwarze Bevölkerung der Welt ausgelöscht...
Joan Gant und ihre Gefährtin Kite, die einarmige Kriegsveteranin aus Zeiten des amerikanischen Bürgerkrieges, sind dem Verbrechen auf der Spur.

Puuuh. Wie immer ist es äußert schwer, Matt Ruffs Handlung zu beschreiben. Auf seiner Seite kann man einen weiteren Versuch lesen (auf Englisch).

Was deutlich wird, sind die vielen Handlungsstränge. Mir sind sie manchmal zu viel geworden. Auch die Diskussionen mit Ayn Rand waren teils wirklich langatmig, ein Vorwurf, den man Ruff eigentlich sonst absolut nicht machen kann.
Wie in seinem ersten Roman "Fool on the Hill" herrscht ein vergnügliches Chaos an Charakteren und Handlungen. Das ist wohl nicht jedermanns Sache, aber ich meine, es lohnt sich. Ich war insgesamt nämlich trotz der kleineren Mängel (zu denen auch ab und zu ein zu verrückter Einfall zählte) gut unterhalten, auch wenn ich persönlich das Buch als ca. 60 Seiten zu lang empfunden habe.

Trotzdem kann man bei Ruffs Ideenreichtum nur staunen; es macht einfach Spaß, seinen irren und absolut unvorhersehbaren Stories zu folgen.

Insgesamt ein unterhaltsamer Roman, durchaus mit Tiefgang, aber gewiss nicht zu viel davon.

Wer mehr über die Entstehung des Buches erfahren will, kann sich auf der Seite des Autors durchklicken (nur für die, die es schon gelesen haben: Spoileralarm!) - es gibt auf der Seite auch einen 'Soundtrack' zum Buch.

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