Samstag, 31. Dezember 2011

2011. Ein Jahr in Büchern

In diesem Jahr habe ich 64 Bücher from cover to cover gelesen. Darunter waren viele gute und bemerkenswerte Bücher, aber auch solche von anderer Sorte. Wenn ich diese 64 Romane und Sachbücher Revue passieren lasse, sind einige (auch von den weniger vergnüglichen) Bücher besser in meinem Gedächtnis verankert als andere - das sind die Highlights des Jahres.
Am besten gefallen haben mir in diesem Jahr:
  • Nathan der Weise: Ein sehr lustiges Stück, das alle damaligen Vorstellungen von Dramentheorie über den Haufen wirft und Lessing zu meinem Held gemacht hat.
  • The Wise Man's Fear, oder hierzulande bekannt als Die Furcht des Weisen, von Patrick Rothfuss. Eine dicht gestrickte Fantasy ohne Kitsch: Danke, Pat! (Die Übersetzung habe ich übrigens nicht gelesen, weil sie mir irgendwie hölzern vorkam, und wie der Ärger mit der Zweiteilung des zweiten Bandes zeigt, fahre ich mit dem Original auch die günstigere Schiene ;-)).
  • Drei Geschichten und eine Betrachtung von Patrick Süskind: Ein winziges Büchlein, das einen packt. Wer Das Parfum mag, ssollte sich unbedingt auch die unbekannteren Werke von Süskind zu Gemüte führen! Er schreibt sehr dichte, zum Denken anregende Geschichten, die aber nicht langweilen, sondern stets gut unterhalten und lange im Gedächtnis bleiben.
  • Between the Assassinations von Aravind Adiga: Dieses Buch habe ich während meiner Großbritannienreise im Sommer an einer Bushaltestelle entdeckt. Zwei große Tageszeitungen haben nämlich zum Lesesommer aufgerufen und ihre Leser dazu aufgefordert, ihre Bücher an öffentlichen Plätzen auszusetzen und so einander weiterzugeben. Eine tolle Sache. Between the Assassinations war für mich aber ein wirklicher Fund; der Booker Prize Gewinner Adiga vermittelt hier in vielen unterschiedlich langen Erzählungen die indische Mentalität und Lebenswirklichkeit. Rahmen für die Geschichten bildet ein fiktiver Reiseführer einer erfundenen Stadt. Die tolle Idee, die tiefgründigen und schönen Erzählungen und der gute Schuss Indien machen dieses Buch zu einem absoluten Erlebnis.
  • Blumenberg: Die Kritik ist begeistert, Journalisten drücken sich bei Frau Lewitscharoff gegenseitig die Klinke in die Hand, und ich kann mich nur anschließen.
  • David Copperfield: Ich hatte es schon erwähnt, dies war mein erster Dickens, und er hat mich dermaßen umgehauen, dass ich für das nächste Jahr (das Dickensjahr, denn am 7.2. wäre der Meister 200 jahre alt geworden) zwei weitere Romane meines neuen Helden des viktorianischen England eingeplant habe.
Neben diesen Höhepunkten des Lesejahres 2011 stehen aber auch viele andere lesenswerte Bücher, die hier Erwähnung finden sollen:
  • Nachrichten aus einem unbekannten Universum: Ich bin kein Fan der Science Fiction, habe also nicht Der Schwarm gelesen, aber dieses Buch bietet (meistens) eine gute Mischung aus Information und Unterhaltung, hat unterstützenswerte Ansichten vertreten (z.B., dass man nicht nur Tierarten schützen sollte, die süß aussehen - oder weil sie süß aussehen?!) und die ganze Geschichte unseren Planeten anhand der Meere interessanter als alles, was ich bisher dazu gehört habe (zugegebenermaßen nicht viel, weil Bio nicht gerade mein Hobby ist), aufrollt.
  • zwei Tipps für abgehetzte Zwischendurch-Leser: Märchen von Robert Louis Stevenson und - immer wieder ein Vergnügen - Gedichte von Erich Kästner (zum Beispiel beim Frühstück lesen)
  • positiv überrascht hat mich auch Anna Karenina, einer der vielen Klassiker, die ich in diesem Jahr nachgeholt habe. Weiterhin waren das 1984 (etwas wiederholungslastig); die komplette Hitchhikerserie (einige Längen in späteren Bänden, aber immerhin ein genialer Revoluzzer des SF-Genres); Die Physiker von Dürrenmatt und Der kleine Prinz habe ich zum wiederholten Male mit größten Freuden verschlungen; ich habe zum ertsen Mal Momo gelesen und bereut, es nicht viel früher getan zu haben; und Der Name der Rose (nicht ganz einfach, aber interessant).
Als besonders entspannendes Lesevergnügen hat sich Sophie im Schloss des Zauberers erwiesen (das ich als Bewunderer der Ghibli-Filme gelesen habe), als besonders schwere (aber lohnende) Kost Die Schmerzmacherin.

Insgesamt ein rundes Jahr. Man kann nur hoffen, dass das nächste auch so gut verläuft.

Montag, 5. Dezember 2011

Walt Disney wird 110

 Walt Disney NYWTS

Heute vor 110 Jahren wurde Walter Elias Disney geboren, ein - wenn nicht der - Held meiner Kindheit.

Samstag, 3. Dezember 2011

Review: Sophie im Schloss des Zauberers


Sophie im Schloss des Zauberers
Sophie im Schloss des Zauberers by Diana Wynne Jones

My rating: 4 of 5 stars



Ich habe das Buch durch den Film "Das wandelnde Schloss" aus dem Hause Ghibli kennen gelernt. Natürlich war mir klar, dass die Vorlage ganz anders sein würde - wer Miyazakis Arbeiten kennt, weiß, was seinen Stil ausmacht und was somit so wohl kaum im Buch gesteckt haben kann. Also hatte ich zwar ein gewisses Vorwissen, habe aber versucht, möglichst unvoreingenommen an den Roman zu gehen.
"Sophie im Schloss des Zauberers" ist sehr schön zu lesen, die Seiten fliegen nur so vorüber. Sophie ist eine sympathische Hauptfigur, aber auch die anderen Charaktere wachsen einem ans Herz. Dabei sind sie nicht so komplex gezeichnet, wie man sich das als erwachsener Leser vielleicht wünschen würde; aber es handelt sich ja um ein Kinder-/Jugendbuch, da sehen wir die Sache also nicht so eng.
Die Geschichte war dagegen überraschend verworren (oder geht es nur mir so?): Viele Gedanken werden nicht ausgeschrieben, die Deduktion der Ereignisse um Howl und Sophie geht mit Siebenmeilenstiefeln voran, sodass zumindest ich es manchmal ein wenig schwierig fand, Schritt zu halten. So habe ich nun auch das Gefühl, nicht alles mitbekommen zu haben, als hätte ich ab und zu Seiten ausgelassen.
Auch das Ende ereilt den Leser doch recht abrupt, was wirklich schade ist. Trotzdem habe ich mich gut unterhalten gefühlt und würde das Buch auch stets weiterempfehlen an jene, die sich ihre Jugend bewahrt haben bzw. sowieso in den besten Jahren sind.
Aus diesem Grund vergebe ich 4 von 5 Sternen: Eine an Ideen reiche Geschichte mit einigen kleineren Kanten.



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Donnerstag, 24. November 2011

Ich habe ja vor kurzem The King's Speech gesehen und darüber geschrieben. Gestern abend kam auf arte eine Doukemntation über König Edward und seinen Bruder George, der die Krone für eine Heirat abgab:

Ich habe den Videocode entfernt, da das Video sowieso nicht mehr abspielbar ist und nur Bandbreite frisst, weil es trotzdem zu laden versucht. Nur noch die Beschreibung der Sendung ist vorhanden.

Mittwoch, 23. November 2011

Ludwig Tieck "Leben und Tod der heiligen Genoveva"

Bei mir geht gerade alles drunter und drüber... Hier nur mein kurzer Eindruck zu Tiecks Genoveva-Bearbeitung:

Leben und Tod der heiligen Genoveva (Gold Collection) (German Edition)Leben und Tod der heiligen Genoveva (Gold Collection) by Johann Ludwig Tieck

My rating: 2 of 5 stars


Ich glaube, Tieck hat sich allzu sehr bei seinem Schüler Maler Müller bedient. Leider wurde aber dem das Plagiat vorgeworfen, denn Tieck veröffentlichte erst seine eigene Bearbeitung und erst Jahre später die Müllers. Im Vergleich ist Müllers Text wesentlich frischer und moderner, fast filmisch, wogegen Tieck sich von den Normen seiner Zeit sehr einengen lässt. Auch bleibt er sehr nah am Legendenstoff (den man bei Gustav Schwab auf wenigen Seiten nachlesen kann) und zeigt wenig Kreativität.



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Sonntag, 13. November 2011

BBC Dokumentation über das Lesen

Gerade bei Bookmania gesehen: Eine ganz nette Dokumentation über die Vorgänge im Gehirn, wenn wir lesen.



Samstag, 5. November 2011

OmmWriter (jetzt auch für Windows)

Gerade entdeckt: Der OmmWriter ist nun doch für Windowsnutzer zu haben. Ürsprünglich nur für Mac, hat es sich zu einem der beliebtesten "distraction free" Schreibprogramme entwickelt. Es liefert ein entspannendes Ambiente mit ätherischer Musik und, wenn man möchte, auch Tastenklängen (Windowsnutzer benötigen dafür den Media Player 10). Wie hier im Video zu sehen:


Introducing OmmWriter Dāna from hs&co on Vimeo.


Wer ein ablenkungsfreies Schreibtool sucht, das auch schön ist, für den ist der OmmWriter das Richtige. Er nimmt auch lächerlich wenig Platz ein.
Ich warte (wohl vergeblich) immer noch sehnsüchtig auf eine Linux-Version...

Freitag, 4. November 2011

Film. The King's Speech (2010)

Diese Woche habe ich "The King's Speech" gesehen und bin ziemlich begeistert. Klar, die Royals werden hier weichgespült und volkfreundlich aufbereitet gezeigt, und eine x-beliebige Rede als Höhepunkt des Films zu wählen ist sicher etwas zu viel Hollywood für die meisten. Aber in diesem Film vereinen sich auch exzellente Schauspieler, ausdrucksstarke Bühnenbilder, eine wunderbare Kameraführung und nicht zuletzt pointierte, nicht zu sehr ausufernde Dialoge. "The King's Speech" ist wesentlich stiller als ich erwartet hätte.

Wichtiger Punkt: Auf Englisch anschauen! Bei Filmen, in denen es um Sprache geht, sollte man immer das Original vorziehen, sofern man der Sprache mächtig ist. Nicht nur geht viel bei der Synchronisierung verloren, sondern das Budget für diese ist immer geringer, sodass die Qualität immer mehr zu wünschen übrig lässt.
Wer zum englischen Original greift, jedoch ein Rat: Besorgt euch was mit Untertiteln; ich bin es durchaus gewöhnt, Filme im Original zu schauen, aber bei diesem Film hatte ich doch Probleme (und mein Mitpublikum ebenfalls, es lag also erwiesenermaßen nicht an ungewaschenen Ohren meinerseits).



Colin Firth gibt den stotternden und dadurch sprachlosen Royal sehr überzeugend - inklusive sich langsam rötendem Gesicht beim angestrengten Sprechen. Dazu kam in dieser Rolle obendrein, dass Firth sich die gesamte Srechweise und Diktion des König George VI. aneignen musste, damit die Originaltonaufnahmen und seine Stimme als die gleiche wahrgenommen werden können.
Auch wunderbar: Geoffrey Rush in der Rolle des liebenswert unkonventionellen Sprachtrainers. Eine an der Realität gemessen wohl eher unglaubwürdige Person, aber seien wir ehrlich: Ohne diesen Lionel Logue wäre der Film sicher nur langweilig gewesen.
Außerdem zu sehen: Helena Bonham-Carter mal relativ seriös als 'Frau an seiner Seite', ein erstaunlicher Winston Churchill verkörpert durch Timothy Spall (u.a. bekannt als "Wurmschwanz" der Harry Potter-Filme) und eine ganz niedliche zukünftige Elizabeth II (interessant: Die Queen selbst hat diese Filmfassung abgesegnet - und ihre Schwester ist ein ganz schön hochnäsiges Kind, gespielt von Ramona Marquez).

Meiner Meinung nach ein sehenswerter Film, der uns Kontinentaleuropäern auch noch ein Stück britischer Geschichte näher bringt. {Ich habe in Cardiff in einem ehemaligen Luftschutzbunker König Georges Radioansprache zur Kriegserklärung Hitlers gehört - als ich sie im Film wiedererkannte, bekam ich eine richtige Gänsehaut. Die langen Pausen waren mir schon in Wales aufgefallen, aber ich wusste nicht, dass die durch das Stottern kamen. Ist doch immer toll, wenn man eigene Erfahrungen in einen größeren Kontext packen kann.}

Update: Gerade bei youtube entdeckt: Eine Dokumentation über George VI von der BBC.

Mehr Info:

Dickens. Das Jubiläum 2012

Charles Dickens, einer der bedeutendsten britischen Schriftsteller aller Zeiten, wird am 7. Februar 2012 200 Jahre alt. Das ist für mich nicht nur interessant, weil er knapp nach mir Geburtstag hat, sondern gibt auch zu besonderen Festivitäten aller Art Anlass.
Zunächst werden nun (und wurden bereits) viele seiner Werke neu herausgegeben, teils neu übersetzt. Das ist von Zeit zu Zeit eine ganz gute Idee, denn nicht alles, was wir einer Übersetzung entnehmen, gibt den Tenor des Originals wieder, genauso wie auch Nuancen des Originals in der Übersetzung wegfallen können.



Wer einen wirklich interessanten Radiobeitrag zur "Kunst des Übersetzens" hören will (SWR2), bittesehr (und hier zum Nachlesen das Manuskript der Sendung).

Ich habe erst vor kurzem entdeckt, wie frisch sich Dickens lesen lässt (sogar im Original, was ich nun wirklich nicht gedacht hätte). Obwohl ich in London vor einigen Jahren eine schöne Ausgabe von "A Tale of Two Cities" erstanden habe (mit den berühmten Illustrationen von Phiz alias Hablot Knight Browne), bin ich nie über den ersten Satz, der gewaltige Ausmaße hat, hinaus gekommen. Das hat mich ganz schön  abgeschreckt.
Nun höre ich David Copperfield (als kostenloses Librivox-Hörbuch - nebenbei eine exzellente Lesung) und bin hin und weg! So ein unterhaltsames Buch hatte ich niemals erwartet. Und ich habe noch den größten Teil vor mir. Aber davon ein andermal.
Ich kann nur jedem empfehlen, sich einen Dickens-Roman zuzulegen und loszulegen. 2012 möchte ich auf jeden Fall auch mehr von ihm lesen!

Übrigens kann man im "Penguin Blog" der verlagseigenen Copywriter Managerin bei ihrem ersten Lesekontakt mit Dickens über die Schulter sehen. Auf ihrer literarischen Karte war Dickens bis vor wenigen Monaten ein weißer Fleck; nun verfolgt sie das hehre Ziel, all seine Werke zu lesen und schreibt über ihre Eindrücke.

Also, an alle, denen es ähnlich geht: Keine falsche Scheu und ran an die Wälzer! Es lohnt sich.

{Man sollte sich nur nicht übernehmen und Dickens ein Denkmal setzen: Das hat er testamentarisch untersagt - woran sich natürlich wieder keiner halten will: Hier zwei Artikel aus der FAZ: 1, 2.}

Das muss man der Perry schon lassen!

Ich bin kein Fan von Popmusik. So im Allgemeinen jedenfalls. Auch Katie Perry konnte mich bis jetzt nicht sonderlich begeistern (auch live in concert und mit Gummistiefeln an den Füßen hat sie mich nicht beeindruckt). Aber eins muss man ihr schon lassen: Die Perry ist sich nicht zu schade, sich mal ganz unvorteilhaft und uncool in ihrem Musikvideo zu zeigen! Sehr sympatisch.Scheint ihr auch ziemlich Spaß gemacht zu haben.

Donnerstag, 27. Oktober 2011

Kommentar. Bei Moleskine hängt der Haussegen schief

Beim Notizbuchblog habe ich den Streit um den Logo-Wettbewerb bei Moleskine mitverfolgt. Welcher Papierliebhaber hat keine Schwäche für diese äußerst robusten, edlen und gleichzeitig schlichten Notizbücher? Ich habe meins immer dabei, schreibe alles hinein, was mir durch den Kopf geht oder mich bewegt. Es ist mein Begleiter auf Reisen und im Bus.
Aber etwas stimmt nicht mit der Moleskine-Idylle.
Mir ist Moleskine schon seit längerem suspekt, weil zu viel PR läuft. Um da mal Beispiele zu nennen: Da gibt es ein Video, wie die Leute nun Moleskine aussprechen, verbunden mit dem Statement, alles sei recht, Moleskine sei für alle da. Mich stört daran nicht nur das "Wir sind alle dicke Freunde"-Versprechen, sondern als Linguistin auch die Tatsache, dass der Hersteller aus Frankreich stammt und die Aussprache somit relativ unstrittig sein dürfte; das Anglifizieren des Namens, das einen zu der Annahme verleitet, es sei die Rede von Maulwurfspelzen, hat demnach wenig mit Kreativität und Persönlichkeit zu tun, sondern mit Unkenntnis (die ich auch jedem verzeihe - aber daraus Werbepotenzial zu schlagen, ist in meinen Augen nicht richtig).

Überhaupt setzt Moleskine sehr auf den Community-Gedanken und auf die Kreativität seiner Käufer. Natürlich muss ein Hersteller seine Produkte an den Mann bringen und sicherlich ist Moleskine unter kreativen Köpfen beliebt. Aber ich sehe hier ein anderes Problem: Neue Produkte aus dem Hause Moleskine gehen in eine andere Richtung. Ich spreche hier von der Passions-Reihe, die als außergewöhnliche Möglichkeit vermarktet wird, seine Passionen festzuhalten. Aber genau das fehlt hier meiner Meinung nach. Der starre Aufbau der Bücher im Katalog-Stil sorgt zwar für Ordnung, lässt aber für Kreativität wenig Raum.
Im Vergleich dazu die klassischen Notizbücher Moleskines: Hier wird gerade die Schlichtheit als Inspirateur angepriesen. Jeder, der mal ein Moleskine gekauft hat, kennt die kleinen "Beipackzettel", die die Geschichte des Unternehmens unter Erwähnung großer Namen aller Künste in romantisch-verklärter Weise rekapitulieren. Es war übertrieben, aber auf eine nette, unauffällige weil nicht aufdringliche Art. Vielleicht bin ich zu sehr diesem Schema verfallen, diesem Bild der "Hommage an die Einfachheit", dieses Lobes an die inspirierende Kraft von Papier, einem einfachen Notizbuch, ohne alle Schnörkel. Das war nett, weil es sich von den Werbestrategien anderer Firmen unterschied. Aber mir scheint, der Konzern hat eine ziemliche Wandlung durchgemacht, und sie gefällt mir nicht.

Wettbewerbe wie der um das Moleskine-Logo kommen natürlich auch andernorts vor und sind auch dort  eine kontroverse Angelegenheit. Ich denke, jeder kann und muss für sich entscheiden, ob er daran teilnimmt und eventuell Stunden an Arbeit umsonst investiert oder darauf verzichtet. Das eigentlich Kritische sehe ich woanders, der Wettbewerb ist nur ein Teil davon. Durch die Anpassung an eine Welt des Web2.0, in der wir 24/7 mit Angeboten und scheinbarer Kreativität überhäuft werden, verliert Moleskine seine Grundsätze aus den Augen. Denn im Wesentlichen agiert man nun digital, die Notizbücher, die Moleskine verkörpern, sind zur Nebensache geworden. Ich finde das schade und bedenklich.

Mittwoch, 26. Oktober 2011

Petition. Gegen das "Totsparen" am Theater Trier

Wir alle haben ein Recht auf Kultur. Leider besteht in Trier gerade die Gefahr, dass die Einwohner demnächst auf einen wesentlichen Bestandteil dieser verzichten müssen: Das städtische Theater hat mit dermaßen großen Einsparungen zu kämpfen, dass es bald vielleicht nicht mehr in der Lage ist, in seiner Form als Dreispartentheater zu existieren.
Ich bitte auch die Nicht-Trierer, die Petition des Theaters mitzuzeichnen. Keiner sollte auf sein Theater verzichten müssen.
Wir haben in Deutschland eine einmalige Kultur der Theater, eine der nicht zentralistischen, der kleinen Stadttheater. Diese droht durch die hohe Verschuldung der Städte kaputt zu gehen. Denn an der Kultur wird mit als Erstes gespart.
Man kann die Petition auch hier (weiter unten im Artikel) mitzeichnen. Wer mehr Informationen möchte, sollte obigem Link folgen.

Ich möchte auch darauf hinweisen, dass Trier sicherlich nicht das einzige Theater ist, das an Kürzungen am Etat zu leiden hat. Wer auf sein Stadttheater oder eine sonstige Kultureinrichtung in Nöten aufmerksam machen will, kann das gerne in den Kommentaren tun.

Sonntag, 23. Oktober 2011

Gerade recht. "Wälzer-Challenge 2012"

Das tat Not! In meinem Regal vegetieren einige wuchtige Werke, die teils schon ziemlich angestaubt sind. Umso dankbarer bin ich, dass Alexandra von Der Bücherwahnsinn 2012 eine passende Challenge ins Leben gerufen hat:

Ich habe direkt mal eine Bestandsaufnahme gemacht: 16 Bücher liegen ungelesenerweise und fettleibig herum. Das sollte sich doch lohnen. Ich bin mal gespannt, wie viele ich davon (nicht zu vergessen die Wälzer, die da vielleicht noch kommen mögen) im nächsten Jahr schaffen werde. Ich werde mal versuchen, hier eine neue Seite für die Challenge einzurichten und meine Bücher sinnvoll sichtbar zu machen.


Donnerstag, 20. Oktober 2011

Review: Caspar Hauser oder Die Trägheit des Herzens. Historischer Roman


Caspar Hauser oder Die Trägheit des Herzens. Historischer Roman
Caspar Hauser oder Die Trägheit des Herzens. Historischer Roman by Jakob Wassermann

My rating: 4 of 5 stars



Eine interessante, aber extrem einseitige Studie über "die Trägheit des Herzens", die dazu veranlasst, das eigene über das Wohl anderer zu stellen, und von Andersdenkenden das Schlimmste anzunehmen. Ich ertappte mich mehrmals bei dem Gedanken daran, dass Caspar tot wesentlich besser dran wäre, da er so allein auf der Welt ist, wie man nur sein kann: Ohne Familie und Lebenserfahrung, lebt er vollkommen unverstanden und wird von allen Seiten angefeindet. Der Roman hält uns auch heute noch den Spiegel vor, er zeigt, dass uns das Leid, das wir täglich miterleben, auf fatale Weise gleichgültig lässt. So werden wir alle mitschuldig. Wer sich für das Phänomen Caspar Hausers interessiert, dem sei die Lektüre empfohlen.



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Dienstag, 18. Oktober 2011

Reading Challenges

Als ich das zum ersten Mal gehört habe (ist schon ein paar Jährchen her), fand ich es total lächerlich, Bücher sozusagen zu quantifizieren. Das ist doch so, als würde man den Inhalt vollkommen vergessen. Dachte ich. Damals.
Dann, Anfang dieses Jahres, kam mir ein neuer Gedanke - beim Anblick einer "50 books challenge", weiß nicht mehr wo. Also hier der O-Ton des Gedankengangs: "...Mh... Die letzten Jahre waren literarisch auch nicht mehr ganz das Wahre bei dir... Also, 50 Bücher in einem Jahr, das hast du sicher nicht mehr geschafft, seit du Abi gemacht hast... Eigentlich wäre das hier genau der richtige Antrieb, um mal wieder richtig zu lesen!"
Tja, und so kam ich zu den Challenges. Nicht zuletzt muss ich einiges für mein Studium lesen, in der Germanistik bedeutet das natürlich vor allem literarische Texte aus allen Epochen.
Inzwischen habe ich auch bei den Challenges die Qual der Wahl, denn es gibt doch einige ziemlich tolle Ideen da draußen. Ziemlich einfallsreich sind in der deutschen Szene zum Beispiel die Challenges von Lesen beflügelt, die bestimmt viele kennen. Mir haben besonders die Gruppen-Challenges beeindruckt, weil mir das ganz neu war. Genrespezifische Challenges (kann mir eineer mal ein Synonym dafür nennen? Ständig wiederhole ich mich hier mit den ewigen "Challenges") finde ich dagegen eher uninteressant, es sei denn, es geht darum, neue Genres zu entdecken, das ist natürlich super.

Ich habe Anfang des Monats die "Around the world in 80 books"-Challenge begonnen (ein Blog dazu (englisch) | goodreads-Gruppe). Da ich mit dem ersten Buch immer noch nicht fertig bin ("Wilhelm Meisters Lehrjahre"), habe ich noch nicht viel zu berichten, werde euch aber auf dem Laufenden halten. Auf jeden Fall werde ich deutlich länger brauchen als ein Jahr.

Dienstag, 11. Oktober 2011

Richtig gute (Hör-)Bücher. Ein Hörtipp

Sehr inspirierend finde ich die hr2-Radiosendung Buch und Hörbuch, eine ca. 6-10 min. lange Sendung, in der immer wieder tolle Neuerscheinungen auf dem deutschen Markt vorgestellt werden. In dieser doch knapp erscheinenden Zeit führt der Moderator/ die Moderatorin der Sendung ein Interview mit dem Rezensenten/der Rezensentin des vorzustellenden Werks. So erfährt man in wenigen Minuten viel zu Inhalt und Form des Buchs und erhält Hintergrundinformationen zum Autor. Für mich hat diese Sendung wirklich einen Suchtfaktor. Allerdings will/kann nicht jeder um 8.30 Uhr vor dem Radio hocken (geschweige denn aufnahmebereit vor dem Radio hocken), oder hr2 empfangen. Wie gut, dass es für solche Fälle Podcasts gibt.
Über diesen Link kommt ihr zur Podcastadresse und könnt auf ein dreimonatiges (!) Archiv zurückgreifen und jede Sendung anhören. Praktisch: Auf derselben Seite findet ihr zum Titel des vorgestellten (Hör-)Buchs auch den Preis.
Nehmt euch aber in Acht vor Herrn Sonnenschein: Wenn er ein Buch vorstellt, ist er stets so enthusiastisch, dass man am Ende der Sendung sicher ist, das Buch lesen zu müssen, einfach, weil er es so liebevoll zu beschreiben wusste!

Samstag, 8. Oktober 2011

Der Salon ist eröffnet!

Oft juckt es mich in den Fingern, meine Meinung zu Büchern, die ich gelesen, Filmen, die ich gesehen und Musik, die ich gehört habe irgendwo festzuhalten. Aber was hat man davon, wenn niemand zuhört?
Ich mag die Vorstellung der literarischen Salons in der Romantik sehr, als Damen der Gesellschaft zu sich einluden und über die Künste sprachen. Klingt doch toll, wenn man sich vorstellt, dass dort Musiker, Schriftstelller und auch manchmal der ein oder andere Naturwissenschaftler zusammen kamen, um ihre Werke zu besprechen.
Nun bin ich weit davon entfernt, mit etlichen Künstlern per Du zu sein. Aber mit euch da draußen hoffe ich ein wenig ins Gespräch zu kommen. Also willkommen zu meinem, zu Cats Salon!